The Project Gutenberg EBook of Grundgedanken ber Krieg und Kriegfhrung, by 
Karl von Clausewitz

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Grundgedanken ber Krieg und Kriegfhrung

Author: Karl von Clausewitz

Release Date: July 10, 2011 [EBook #36693]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GRUNDGEDANKEN BER KRIEG UND ***




Produced by Norbert H. Langkau, Heike Leichsenring and the
Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net





Anmerkungen zur Transkription:

Mit _ umschlossene Texte sind im Original in einer anderen Schriftart
(Antiqua) als der Haupttext (Fraktur) gedruckt. Im Original sind auch
die Abkrzung "Dr." und rmische Zahlen in Antiqua gedruckt; dies
wurde fr die elektronische Fassung nicht bernommen.

Umschlieungen mit * zeigen "gesperrt" gedruckten Text an.

Offensichtliche Interpunktionsfehler berichtigt. Im
brigen wurden Inkonsistenzen in der Schreibweise einzelner Wrter
(ungeheuere/ungeheure und Entwickelung/Entwicklung) belassen. Eine
Liste mit sonstigen Korrekturen finden Sie am Ende des Buchs.

Im Original sind Textabschnitte, die ein zusammenhngendes Zitat aus
dem Grundwerk "Vom Kriege" darstellen, voneinander mit einer
(zustzlichen) Leerzeile abgetrennt. Dies wurde hier in Form einer
Reihe Sternchen zwischen den Abstzen nachgebildet.



General Karl von Clausewitz




Grundgedanken ber Krieg
und Kriegfhrung




Erschienen im Insel-Verlag zu Leipzig

21.-30. Tausend




Geleitwort des Herausgebers


Das Buch *Vom Kriege*, das Buch aller Bcher ber den Krieg, dem die
nachfolgenden Stze in der Hauptsache entnommen sind, ist im Jahre 1832
erschienen, also erst nach dem -- am 16. November 1831 erfolgten -- Tode
des Verfassers, des preuischen Generalmajors Karl von Clausewitz. Wie
so viele Werke groer Geister ist auch dieses, das Hauptwerk des grten
Theoretikers der Kriegskunst, ein Fragment. Eine Sammlung von
Werkstcken, Hauptlineamente hat der Verfasser selbst sie genannt. Zur
letzten Durcharbeitung, Sichtung und Zusammenfassung ist er nicht
gekommen. Ursprnglich hatte Clausewitz auch gar nicht die Absicht, ein
vollstndiges, einheitliches Buch ber den Lieblingsgegenstand der
Gedankenarbeit seines ganzen Lebens zu schreiben. Er wollte zunchst
nichts, als ihn in ganz kurzen, przisen, gedrungenen Sentenzen, nach
der Art Montesquieus behandeln. Diese *Krner* -- wie er sie einmal
bezeichnet -- sollten schon mit der Sache bekannte geistvolle Menschen
anziehen, ebensosehr durch das, was weiter aus ihnen entwickelt werden
knnte, als durch das, was sie feststellen. Ein System ist erst
allmhlich, sozusagen gegen den Willen des Schreibenden, in seine
Materialien gekommen.

Diese erste Absicht, in Aphorismen zu sprechen, gestattet es ohne
Zweifel, einmal die Grundgedanken als *Krner* auf einer besonderen
Schale zu reichen. Der Berufssoldat, der das ganze Werk kennt und liebt,
wird durch sie gewi von neuem zu ihm hingezogen, whrend wohl mancher
Nichtsoldat zumal in einer Zeit, in der das Gesamtleben Deutschlands nur
noch die Achse des Krieges hat, es sich nun nicht lnger versagen wird,
einem Geistesmonument nahezutreten, das er lngst htte besitzen sollen,
denn Clausewitz gehrt zu den groen Erziehern der Deutschen.

Auf das Leben und die Persnlichkeit des Generals kann hier aus
Raummangel nicht eingegangen werden. Es mte ausfhrlich geschehen, und
dies soll in der Inselausgabe des Buches Vom Kriege erfolgen, die in
Vorbereitung ist. Ebenda wird ber die Bedeutung und die Nachwirkung
seiner Lehren das Ntige dargelegt werden. Hier sei nur kurz berichtet,
da der am 1. Juni 1780 in Burg bei Magdeburg geborene Karl von
Clausewitz als junger Soldat den Rheinfeldzug mitmachte. Nach der
Schlacht bei Jena geriet er dann als Bataillonsadjutant in franzsische
Gefangenschaft. Spter wirkte er im Sinne Scharnhorsts und Gneisenaus,
vor allem aber als der Theoretiker des meisterlichsten aller Praktiker,
Napoleons, an der Kriegsakademie zu Berlin. 1812 trat er in russische
Dienste, erlebte im Hauptquartier den Feldzug von 1812 und kmpfte des
weiteren whrend der Befreiungskriege im Stabe Blchers.

Die Schicksale der Groen Armee in Ruland haben den tiefsten Eindruck
auf Clausewitz und seine strategischen Erkenntnisse hinterlassen. Dem
Mierfolg des genialen Eroberers wissenschaftlich nachzuspren, ist er
in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens nicht mde geworden, und es
zeugt von der hohen geistigen berlegenheit dieses preuischen
Offiziers, da er bei all seiner glhenden Vaterlandsliebe sein Leben
lang der gerechteste Verehrer Napoleons blieb. Unberhrt vom blinden
Hasse der Zeit, lag es Clausewitz ob, weiter als die Menschen von damals
zu blicken und dadurch fr die Zukunft seines zu einem weltmchtigen
Deutschen Kaiserreiche erweiterten Vaterlandes Dauerndes zu schaffen.

Kaum geht man wohl fehl, wenn man die berhmteste These im Buche Vom
Kriege: Die Verteidigung sei die an sich strkere Form der Kriegfhrung
-- vor allem auf die unmittelbaren Erfahrungen des Generals im
russischen Feldzuge zurckfhrt. Dieser aufflligen Lehre gebhren
selbst im Rahmen dieser knappen Vorrede ein paar Worte. Jedermann in der
Welt wei, da unsere Armee den Geist der Offensive ber alles hochhlt
und bis ins kleinste zu bettigen strebt. Um so fremder erscheint uns
die Verherrlichung der Verteidigungstheorie bei Clausewitz, der die
Offensive erst aus vorheriger Defensive, aus dem Abwarten heraus
entwickelt. So sehr unsere Heerfhrer bis auf den heutigen Tag von dem
sthlernen Kern der Lehren des Generals von Clausewitz, dem
Vernichtungsgedanken, berzeugt sind: in dem einen Problem ist er
vielumstritten worden, noch kurz vor dem groen Kriege Englands gegen
unsere Daseinsberechtigung, durch den General v. Bernhardi, den
Verfasser des hervorragenden Buches Vom heutigen Kriege, das zugleich
als das bedeutendste Ergnzungswerk zum alten Clausewitz neben den
gelehrten Studien nach Clausewitz des Generals Freiherrn v.
Freytag-Loringhoven, des jetzigen Generalquartiermeisters, hier zu
nennen ist.

          Dresden, 1915      Hauptmann Dr. *Arthur Schurig*




Wesen und Ziel des Krieges


Der Krieg ist nichts als die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen
Mitteln.

       *       *       *       *       *

Seit Napoleon Bonaparte hat sich der Krieg, indem er zuerst auf der
einen Seite, dann auch auf der anderen wieder *Sache des ganzen Volkes*
wurde, seiner wahren Natur, seiner absoluten Vollkommenheit sehr
genhert.

       *       *       *       *       *

Der Krieg ist ein erweiterter Zweikampf. Jeder sucht den andern durch
physische Gewalt zur Erfllung seines Willens zu zwingen.

Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung der
Gewalt keine Grenzen.

       *       *       *       *       *

Die Gewalt rstet sich mit den Erfindungen der Wissenschaften aus, um
der Gewalt zu begegnen. Unmerkliche, kaum nennenswerte Beschrnkungen,
die sie sich selbst setzt unter dem Namen vlkerrechtlicher Sitte,
begleiten sie, ohne ihre Kraft wesentlich zu schwchen.

       *       *       *       *       *

Menschenfreundliche Seelen knnten leicht denken, es gbe ein Entwaffnen
oder Niederwerfen des Gegners, ohne zu viel Wunden zu verursachen, und
das sei die wahre Kriegskunst. Wie gut sich das auch ausnimmt, so mu
man diesen Irrtum doch zerstren, denn in so gefhrlichen Dingen, wie
der Krieg eins ist, sind *die* Irrtmer, die aus Gutmtigkeit entstehen,
gerade die schlimmsten. Wer sich der Gewalt *rcksichtslos* bedient,
bekommt ein bergewicht, wenn der Gegner anders handelt. So mu man die
Sache ansehen, und es ist ein unntzes, sogar verkehrtes Bestreben, aus
Widerwillen gegen das rohe Element die Natur des Krieges zu verkennen.

       *       *       *       *       *

Der Kampf zwischen Menschen besteht aus zwei verschiedenen Elementen:
dem feindseligen Gefhl und der feindseligen Absicht. Bei wilden Vlkern
herrschen die dem Gemt, bei gebildeten die dem Verstande angehrigen
Absichten vor. Allein dieser Unterschied liegt nicht im Wesen von Roheit
und Bildung selbst, sondern in den sie begleitenden Umstnden und
Einrichtungen. Er ist also nicht in jedem einzelnen Falle notwendig,
sondern er beherrscht nur die Mehrheit der Flle. Mit einem Worte: auch
die gebildetsten Vlker knnen gegeneinander leidenschaftlich
entbrennen.

       *       *       *       *       *

Gewalt, physische Gewalt ist das Mittel; dem Feinde unseren Willen
aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, mssen wir
*den Feind wehrlos machen*. Dies ist dem Begriffe nach das eigentliche
Ziel der kriegerischen Handlung.

       *       *       *       *       *

Wenn der Gegner unseren Willen erfllen soll, so mssen wir ihn in eine
Lage versetzen, die nachteiliger ist als das Opfer, das wir von ihm
fordern. Die Nachteile dieser Lage drfen aber natrlich, wenigstens dem
Anscheine nach, nicht vorbergngig sein, sonst wrde der Gegner den
besseren Zeitpunkt abwarten und nicht nachgeben. Jede Vernderung dieser
Lage durch die fortgesetzte kriegerische Ttigkeit mu zu einer noch
nachteiligeren Lage fhren, wenigstens in der Vorstellung. Die
schlimmste Lage, in die ein Kriegfhrender geraten kann, ist die
gnzliche Wehrlosigkeit.

       *       *       *       *       *

Nun ist der Krieg nicht das Wirken einer lebendigen Kraft auf eine tote
Masse, sondern, weil ein reines Dulden auf der einen Seite kein Krieg
wre, so ist er immer der Sto zweier lebendiger Krfte gegeneinander.
Solange ich den Gegner nicht niedergeworfen habe, mu ich befrchten,
da er mich niederwirft. Ich bin also nicht Herr meiner selbst, sondern
er gibt mir das Gesetz, wie ich es ihm gebe.

       *       *       *       *       *

Wollen wir den Gegner niederwerfen, so mssen wir *unsere* Anstrengung
nach *seiner* Widerstandskraft bemessen. Diese drckt sich durch ein
Produkt aus, deren Faktoren sich nicht trennen lassen, nmlich: die
Gre der vorhandenen Mittel und die Strke der Willenskraft. Die Gre
der vorhandenen Mittel liee sich bestimmen, da sie -- wiewohl nicht
ganz -- auf Zahlen beruht. Aber die Strke der Willenskraft lt sich
viel weniger bestimmen und nur etwa nach der Strke des Beweggrunds
schtzen.

       *       *       *       *       *

Das Gesetz des uersten, die Absicht, den Gegner wehrlos zu machen,
verschlingt gewissermaen zunchst den politischen Zweck des Krieges. So
wie dieses Gesetz in seiner Kraft nachlt, diese Absicht von ihrem
Ziele zurcktritt, mu der politische Zweck wieder hervortreten. Je
kleiner das Opfer ist, das wir von unserm Gegner fordern, um so
geringere Anstrengungen drfen wir von ihm erwarten. Je geringer aber
diese sind, um so kleiner drfen die unsrigen bleiben. Ferner, je
kleiner unser politischer Zweck ist, um so geringer wird der Wert sein,
den wir auf ihn legen; um so eher werden wir uns gefallen lassen, ihn
aufzugeben: also um so kleiner werden auch unsere Anstrengungen sein. So
wird der politische Zweck als das ursprngliche Motiv des Krieges das Ma
sowohl fr das Ziel, das durch die Kriegfhrung erreicht werden mu, als
auch fr die Anstrengungen, die erforderlich sind.

       *       *       *       *       *

Je groartiger und strker die Motive des Krieges sind, je mehr sie das
ganze Dasein der Vlker umfassen, je gewaltsamer die Spannung ist, die
dem Kriege vorhergeht, um so mehr wird der Krieg sich seiner abstrakten
Gestalt nhern, um so mehr wird es sich um das Niederwerfen des Feindes
handeln, um so mehr fallen das kriegerische Ziel und der politische
Zweck zusammen, um so reiner kriegerisch, weniger politisch scheint der
Krieg zu sein.

       *       *       *       *       *

Der Krieg ist unter allen Umstnden als kein selbstndiges Ding, sondern
als ein politisches Instrument zu denken. Nur mit dieser Vorstellungsart
ist es mglich, nicht mit der smtlichen Kriegsgeschichte in Widerspruch
zu geraten.

       *       *       *       *       *

Der Krieg gehrt nicht in das Gebiet der Knste und Wissenschaften,
sondern in das Gebiet des sozialen Lebens. Er ist ein Konflikt groer
Interessen, der sich blutig lst, und nur darin ist er von den anderen
verschieden. Besser als mit irgendeiner Kunst liee er sich mit dem
Handel vergleichen, der auch ein Konflikt menschlicher Interessen und
Ttigkeiten ist, und viel nher steht ihm die Politik, die ihrerseits
wieder als eine Art von Handel in grerem Mastabe angesehen werden
kann.

       *       *       *       *       *

Der Krieg ist nicht nur ein wahres Chamleon, weil er in jedem konkreten
Falle seine Natur etwas ndert, sondern er ist auch seinen
Gesamterscheinungen nach in Beziehung auf die in ihm herrschenden
Tendenzen eine wunderliche Dreifaltigkeit, zusammengesetzt aus der
ursprnglichen Gewaltsamkeit seines Elements, dem Ha und der
Feindschaft, die wie ein blinder Naturtrieb anzusehen sind, aus dem
Spiel der Wahrscheinlichkeiten und des Zufalls, die ihn zu einer freien
Seelenttigkeit machen, und aus der untergeordneten Natur eines
politischen Werkzeugs, durch die er dem bloen Verstande anheimfllt.




Kriegskunst und Theorie


Mit dem Bestreben, Grundstze, Regeln oder gar Systeme fr die
Kriegfhrung anzugeben, setzt man sich einen positiven Zweck, ohne die
unendlichen Schwierigkeiten gehrig ins Auge zu fassen, die sie in
dieser Beziehung hat.

       *       *       *       *       *

Die Kriegfhrung verluft fast nach allen Seiten hin in unbestimmte
Grenzen. Jedes System, jedes Lehrgebude aber hat die beschrnkende
Natur einer Synthesis, und damit ist ein nie auszugleichender
Widerspruch zwischen einer solchen Theorie und der Praxis gegeben.

       *       *       *       *       *

Unstreitig gehren die der Kriegskunst zugrunde liegenden Kenntnisse zu
den Erfahrungswissenschaften. Denn wenn sie auch grtenteils aus der
Natur der Dinge hervorgehen, so mu man doch diese Natur selbst meistens
erst durch die Erfahrung kennen lernen. Auerdem aber wird die Anwendung
durch so viele Umstnde modifiziert, da die Wirkungen nie aus der
bloen Natur des Mittels vollstndig erkannt werden knnen.

       *       *       *       *       *

Bei der Ungewiheit aller Daten im Kriege mssen wir uns sagen, da es
eine reine Unmglichkeit wre, die Kriegskunst durch ein positives
Lehrgebude wie mit einem Gerste versehen zu wollen, das dem Handelnden
berall einen ueren Anhalt gewhren knnte. Der Handelnde wrde sich
in allen jenen Fllen, wo er auf sein Talent angewiesen ist, auer
diesem Lehrgebude und mit ihm in Widerspruch befinden, und es wrde,
wie vielseitig dasselbe auch aufgefat sein mchte, immer dieselbe Folge
wieder eintreten, von der wir schon gesprochen haben: da das Talent und
Genie auer dem Gesetze handelt und die Theorie ein Gegensatz zur
Wirklichkeit wird.

       *       *       *       *       *

Historische Beispiele machen alles klar und haben nebenher in
Erfahrungswissenschaften die beste Beweiskraft.

       *       *       *       *       *

Wenn ein Sachverstndiger sein halbes Leben darauf verwendet, einen
dunklen Gegenstand berall aufzuklren, so wird er wohl weiter kommen
als einer, der in kurzer Zeit damit vertraut sein will. Da also nicht
jeder von neuem aufzurumen und sich durchzuarbeiten brauche, sondern
die Sache geordnet und gelichtet finde, dazu ist die Theorie vorhanden.
Sie soll den Geist des knftigen Fhrers im Kriege erziehen, oder
vielmehr ihn bei seiner Selbsterziehung leiten, nicht aber ihn auf das
Schlachtfeld begleiten.

       *       *       *       *       *

Im Kriege sind die Ideen meist so einfach und naheliegend, da das
Verdienst der Erfindung gar nicht das Talent des Feldherrn ausmachen
kann. Die Hauptsache ist die Schwierigkeit der Ausfhrung. Im Kriege ist
alles einfach, aber das Einfache hchst schwierig. Das Kriegsinstrument
gleicht einer Maschine mit ungeheurer Friktion, die nicht wie in der
Mechanik auf ein paar Punkte zurckgefhrt werden kann, sondern berall
mit einem Heere von Zufllen im Kontakt ist. Auerdem ist der Krieg eine
Ttigkeit im erschwerenden Mittel. Eine Bewegung, die man in der Luft
mit Leichtigkeit macht, wird im Wasser sehr schwer. Gefahr und
Anstrengung sind die Elemente, in denen sich der Geist im Kriege bewegt.
So kommt es denn, da man immer hinter *der* Linie zurckbleibt, die man
sich gezogen hat, und da schon keine gewhnliche Kraft dazu gehrt, um
nur nicht unter dem Niveau des Mittelmigen zu bleiben.

       *       *       *       *       *

Beim Handeln folgen die meisten einem bloen Takt des Urteils, der mehr
oder weniger gut trifft, je nachdem mehr oder weniger Genie in ihnen
ist. So haben alle groen Feldherren gehandelt, und darin liegt zum
Teil ihre Gre, da sie mit diesem Takt immer das Rechte trafen. So
wird es fr das Handeln auch immer bleiben. Dieser Takt reicht dazu
vollkommen hin. Aber wenn es darauf ankommt, nicht selbst zu handeln,
sondern in einer Beratung andere zu berzeugen, dann kommt es auf klare
Vorstellungen, auf das Nachweisen des inneren Zusammenhanges an.

       *       *       *       *       *

Alles Handeln im Kriege ist nur auf *wahrscheinliche*, nicht auf
*gewisse* Erfolge gerichtet. Was an der Gewiheit fehlt, mu berall dem
Schicksal oder dem Glck -- wie man es nennen will -- berlassen
bleiben. Es gibt Flle, wo das hchste Wagen die hchste Weisheit ist.

       *       *       *       *       *

Man hat frher behauptet, der Krieg sei ein Handwerk. Damit war aber
mehr verloren als gewonnen, denn ein Handwerk ist nur eine niedrige
Kunst und unterliegt als solche auch bestimmteren und engeren Gesetzen.
In der Tat hat sich die Kriegskunst eine Zeitlang im Geiste des
Handwerks bewegt, nmlich zur Zeit der Condottieri. Aber diese Richtung
hatte sie nicht nach inneren, sondern nach ueren Grnden, und wie
wenig sie in dieser Zeit naturgem und befriedigend war, zeigt die
Kriegsgeschichte.

       *       *       *       *       *

Wenn man auf der einen Seite sieht, wie das kriegerische Handeln so
hchst einfach erscheint; wenn man hrt und sieht, wie die grten
Feldherren sich darber gerade am einfachsten und schlichtesten
ausdrcken, wie das Regieren und Bewegen der aus hunderttausend Gliedern
zusammengesetzten schwerflligen Maschine in ihrem Munde sich nicht
anders ausnimmt, als ob von ihrer Person allein die Rede sei, so da der
ganze ungeheuere Akt des Krieges zu einer Art von Zweikampf
individualisiert wird; wenn man dabei die Motive ihres Handelns bald
mit ein paar einfachen Vorstellungen, bald mit irgendeiner Regung des
Gemtes in Verbindung gebracht findet; wenn man diese leichte, sichere,
man mchte sagen leichtfertige Weise sieht, wie sie den Gegenstand
auffassen, -- und nun von der anderen Seite die groe Anzahl von
Verhltnissen, die fr den untersuchenden Verstand in Anregung kommen;
die groen, oft unbestimmten Entfernungen, in die die einzelnen Fden
auslaufen, und die Menge von Kombinationen, die vor uns liegen; wenn man
dabei an die Verpflichtung denkt, die die Theorie hat, dies alles
systematisch, d. h. mit Klarheit und Vollstndigkeit, aufzufassen und
das Handeln immer auf die Notwendigkeit des zureichenden Grundes
zurckzufhren, so berfllt uns die Besorgnis mit unwiderstehlicher
Gewalt, zu einem pedantischen Schulmeistertum hinabgerissen zu werden,
in den untersten Rumen schwerflliger Begriffe herumzukriechen und dem
groen Feldherrn in seinem leichten berblick also niemals zu begegnen.
Wenn das Resultat theoretischer Bemhungen von dieser Art sein sollte,
so wre es ebensogut, oder vielmehr besser, sie gar nicht angestellt zu
haben. Sie ziehen der Theorie die Geringschtzung des Talentes zu und
fallen bald in Vergessenheit. Und von der andern Seite ist dieser
leichte berblick des Feldherrn, diese einfache Vorstellungsart, diese
Personifizierung des ganzen kriegerischen Handelns so ganz und gar der
Kern jeder guten Kriegfhrung, da sich nur bei dieser groartigen Weise
die Freiheit der Seele denken lt, die ntig ist, wenn sie ber die
Ereignisse herrschen und nicht von ihnen berwltigt werden soll.

       *       *       *       *       *

Die Kriegskunst im eigentlichen Sinne ist die Kunst, sich der gegebenen
Mittel im Kampfe zu bedienen. Wir knnen sie nicht besser als mit dem
Namen der *Kriegfhrung* bezeichnen. Dagegen werden allerdings zur
Kriegskunst im weiteren Sinne auch alle Ttigkeiten gehren, die um des
Krieges willen da sind, also die ganze Schpfung der Streitkrfte, d. i.
Aushebung, Bewaffnung, Ausrstung und bung.

Es ist fr die Realitt einer Theorie hchst wesentlich, diese beiden
Ttigkeiten zu trennen, denn es ist leicht einzusehen, da, wenn jede
Kriegskunst mit der Einrichtung der Streitkrfte anfangen und diese fr
die Kriegfhrung, sowie sie dieselben angegeben, bedingen wollte, sie
nur auf die wenigen Flle anwendbar sein knnte, wo die vorhandenen
Streitkrfte dem gerade entsprchen. Will man dagegen eine Theorie
haben, die fr die groe Mehrzahl der Flle geeignet, fr keinen aber
ganz unbrauchbar sei: so mu sie auf die groe Mehrheit der gewhnlichen
Streitmittel, und bei diesen auch nur auf die wesentlichsten Resultate
gebaut sein.

Die Kriegfhrung ist also die Anordnung und Fhrung des Kampfes. Wre
dieser Kampf ein einzelner Akt, so wrde kein Grund zu einer weiteren
Einteilung sein. Allein der Kampf besteht aus einer mehr oder weniger
groen Zahl einzelner in sich geschlossener Akte, die wir Gefechte
nennen und die neue Einheiten bilden. Daraus entspringt nun die ganz
verschiedene Ttigkeit, diese einzelnen Gefechte in sich anzuordnen und
zu fhren, und sie unter sich zum Zweck des Krieges zu verbinden. Das
eine ist die *Taktik*, das andere die *Strategie* genannt worden.

Es ist also nach unserer Einteilung die Taktik die Lehre vom Gebrauch
der Streitkrfte im Gefecht, die Strategie die Lehre vom Gebrauch der
Gefechte zum Zweck des Krieges.




Kriegerische Tugenden. Heer und Feldherr


Der Krieg ist ein bestimmtes Geschft. Und wie allgemein auch seine
Beziehung sei, und wenn auch alle waffenfhigen Mnner eines Volkes
dasselbe trieben, so bliebe es doch immer ein solches: verschieden und
getrennt von den brigen Fhigkeiten, die das Menschenleben in Anspruch
nehmen.

Vom Geiste und Wesen dieses Geschfts durchdrungen sein, -- die Krfte,
die in ihm ttig sein sollen, in sich ben, erwecken und aufnehmen, --
das Geschft mit dem Verstande ganz durchdringen, -- durch bung
Sicherheit und Leichtigkeit in ihm gewinnen, -- ganz darin aufgehen, --
aus dem Menschen bergehen in die Rolle, die uns darin angewiesen wird:
das ist die kriegerische Tugend des Heeres in jedem einzelnen.

       *       *       *       *       *

Die kriegerische Tugend ist fr die Teile berall, was das Genie des
Feldherrn fr das Ganze ist.

       *       *       *       *       *

Je mehr ein Feldherr gewohnt ist, von seinen Soldaten zu fordern, um so
sicherer ist er, da die Forderung geleistet wird. Der Soldat ist ebenso
stolz auf berwundene Mhseligkeiten als auf berstandene Gefahren. Aber
nur im Boden einer bestndigen Ttigkeit und Anstrengung gedeiht dieser
Keim, auch nur im Sonnenlicht des Sieges.

       *       *       *       *       *

Wenn wir ein rohes Volk betrachten, so ist ein kriegerischer Geist unter
den einzelnen Menschen viel gewhnlicher als bei den gebildeten Vlkern,
denn bei jenen besitzt ihn fast jeder einzelne Krieger, whrend bei den
gebildeten eine ganze Masse nur durch die Notwendigkeit und keineswegs
durch inneren Trieb mitfortgerissen wird. Aber unter rohen Vlkern
findet man nie einen eigentlich groen Feldherrn und uerst selten,
was man ein kriegerisches Genie nennen kann, weil dazu eine Entwicklung
der Verstandeskrfte erforderlich ist, die ein rohes Volk nicht haben
kann.

       *       *       *       *       *

Der Krieg ist das Gebiet der Gefahr. Es ist also Mut vor allen Dingen
die erste Eigenschaft des Kriegers.

Der Mut ist doppelter Art: einmal Mut gegen die persnliche Gefahr, und
dann Mut gegen die Verantwortlichkeit, sei es vor dem Richterstuhl
irgendeiner ueren Macht, sei es vor dem einer inneren, nmlich des
Gewissens.

Der Mut gegen die persnliche Gefahr ist wieder doppelter Art. Erstens
kann er Gleichgltigkeit gegen die Gefahr sein. Sei es, da sie aus dem
Organismus des Individuums oder aus Geringschtzung des Lebens oder aus
Gewohnheit hervorgehe, in diesen Fllen ist der Mut als ein bleibender
Zustand anzusehen.

Zweitens kann er aus positiven Motiven hervorgehen, wie Ehrgeiz,
Vaterlandsliebe, Begeisterung jeder Art. In diesem Fall ist der Mut
nicht sowohl ein Zustand als eine Gemtsbewegung, ein Gefhl.

Es ist begreiflich, da beide Arten von verschiedener Wirkung sind. Die
erste Art ist sicherer, weil sie, zur zweiten Natur geworden, den
Menschen nie verlt; die zweite fhrt oft weiter. Der ersteren gehrt
mehr die Standhaftigkeit, der zweiten mehr die Khnheit an. Die erste
lt den Verstand nchterner, die zweite steigert ihn zuweilen,
verblendet ihn aber auch oft. Beide vereinigt geben die vollkommenste
Art des Mutes.

       *       *       *       *       *

Der Krieg ist das Gebiet krperlicher Anstrengungen und Leiden. Um
dadurch nicht zugrunde gerichtet zu werden, bedarf es einer gewissen
Kraft des Krpers und der Seele, die, angeboren oder eingebt,
gleichgltig dagegen macht. Mit diesen Eigenschaften, unter der bloen
Fhrung des gesunden Verstandes, ist der Mensch schon ein tchtiges
Werkzeug fr den Krieg, und diese Eigenschaften sind es, die wir bei
rohen und halbkultivierten Vlkern so allgemein verbreitet antreffen.

       *       *       *       *       *

Die Khnheit ist vom Troknecht bis zum Feldherrn hinauf die edelste
Tugend, der rechte Stahl, der der Waffe ihre Schrfe und ihren Glanz
gibt.

       *       *       *       *       *

Der Geist der Khnheit kann in einem Heere zu Hause sein, entweder weil
er es im Volke ist oder weil er sich in einem glcklichen Kriege unter
khnen Fhrern erzeugt hat.

       *       *       *       *       *

Je hher wir unter den Fhrern hinaufsteigen, desto notwendiger wird es,
da der Khnheit ein berlegender Geist zur Seite trete, da sie nicht
zwecklos, nicht ein blinder Sto der Leidenschaft sei. Denn immer
weniger betrifft es die eigene Aufopferung, immer mehr knpft sich die
Erhaltung anderer und die Wohlfahrt eines groen Ganzen daran. Was also
bei dem groen Haufen die zur zweiten Natur gewordene Dienstordnung
regelt, das mu in dem Fhrer die berlegung regeln, und hier kann die
Khnheit einer einzelnen Handlung schon leicht zum Fehler werden. Aber
dennoch bleibt es ein schner Fehler, der nicht angesehen werden darf
wie jeder andere. Wohl dem Heere, wo sich unzeitige Khnheit hufig
zeigt! Es ist ein ppiger Auswuchs, aber der Zeuge eines krftigen
Bodens. Selbst die Tollkhnheit, d. h. die Khnheit ohne allen Zweck,
ist nicht mit Geringschtzung anzusehen. Im Grunde ist es dieselbe Kraft
des Gemts, nur ohne alles Zutun des Geistes, in einer Art von
Leidenschaft ausgebt. Nur wo die Khnheit sich gegen den Gehorsam
auflehnt, wo sie einen ausgesprochenen hheren Willen geringschtzend
verlt: da mu sie, nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen des
Ungehorsams, wie ein gefhrliches bel behandelt werden; denn nichts
geht im Kriege ber den Gehorsam.

       *       *       *       *       *

Der Mut ist immer das erste Element im Krieger, aber er erhlt sich in
den hheren Regionen groer Verantwortlichkeit nur dann, wenn ihn ein
krftiger Kopf untersttzt. Darum gelangen von so vielen braven Soldaten
so wenige dazu, mutige und unternehmende Feldherren zu sein.

       *       *       *       *       *

Die Khnheit hat im Kriege eigene Vorrechte. ber den Erfolg des Kalkls
mit Raum, Zeit und Gre hinaus mssen ihr noch gewisse Prozente
zugestanden werden, die sie jedesmal, wo sie sich berlegen zeigt, aus
der Schwche der anderen zieht. Sie ist also eine wahrhaft schpferische
Kraft. Das ist selbst philosophisch nicht schwer nachzuweisen. Sooft die
Khnheit auf die Zaghaftigkeit trifft, hat sie notwendig die
Wahrscheinlichkeit des Erfolgs fr sich, weil Zaghaftigkeit schon ein
verlorenes Gleichgewicht ist. Nur wo sie auf besonnene Vorsicht trifft,
die, man mchte sagen, ebenso khn, in jedem Falle ebenso stark und
krftig ist als sie selbst, mu sie im Nachteil sein. Das sind aber die
seltenen Flle. In der ganzen Schar der Vorsichtigen gibt es eine
ansehnliche Mehrheit, die es aus Furchtsamkeit ist.

       *       *       *       *       *

Solange eine Truppe voll guten Muts mit Lustigkeit und Leichtigkeit
kmpft, ist fr den Feldherrn selten Veranlassung da, groe Willenskraft
in der Verfolgung seiner Zwecke zu zeigen. Sowie aber die Umstnde
schwierig werden, und das kann, wo Auerordentliches geleistet werden
soll, nie ausbleiben, so geht die Sache nicht mehr von selbst wie mit
einer gut eingelten Maschine, sondern die Maschine selbst fngt an,
Widerstand zu leisten, und diesen zu berwinden, dazu gehrt die groe
Willenskraft des Fhrers.

       *       *       *       *       *

Kriegsgewohnheit kann kein Feldherr seinem Heere geben, und schwach ist
der Ersatz, den Friedensbungen gewhren, schwach im Vergleich mit der
wirklichen Kriegserfahrung, aber nicht im Vergleich mit einem Heere, bei
dem auch diese bungen nur auf mechanische Kunstfertigkeiten gerichtet
sind. Die bungen des Friedens so einzurichten, da ein Teil jener
Friktionsgegenstnde darin vorkomme, da das Urteil, die Umsicht, selbst
die Entschlossenheit der einzelnen Fhrer gebt werde, dies ist von viel
grerem Wert, als die glauben, die den Gegenstand nicht aus Erfahrung
kennen. Es ist unendlich wichtig, da der Soldat, hoch oder niedrig, auf
welcher Stufe er auch stehe, diejenigen Erscheinungen des Krieges, die
ihn beim erstenmal in Verwunderung und Verlegenheit setzen, nicht erst
im Kriege zum erstenmal sieht. Sind sie ihm frher nur ein einziges Mal
vorgekommen, so ist er schon halb damit vertraut. Das bezieht sich
selbst auf krperliche Anstrengungen. Sie mssen gebt werden, weniger,
da sich die Natur, als da sich der Verstand daran gewhne. Im Kriege
ist der neue Soldat sehr geneigt, ungewhnliche Anstrengungen fr Folgen
groer Fehler, Irrungen und Verlegenheiten in der Fhrung des Ganzen zu
halten und dadurch doppelt niedergedrckt zu werden. Dies wird nicht
geschehen, wenn er bei Friedensbungen darauf vorbereitet wird.

Ein anderes, weniger umfassendes, aber doch hchst wichtiges Mittel, die
Kriegsgewohnheit im Frieden zu gewinnen, ist das Heranziehen
kriegserfahrener Offiziere anderer Heere. Selten ist in Europa berall
Frieden, und nie geht der Krieg in den anderen Weltteilen aus. Ein
Staat, der lange im Frieden ist, sollte also stets suchen, von diesen
Kriegsschaupltzen sich einzelne Offiziere, aber freilich nur solche,
die gut gedient haben, zu verschaffen, oder von den seinigen einige
dahin zu schicken, damit sie den Krieg kennen lernen.

Wie gering auch die Anzahl solcher Offiziere zur Masse eines Heeres
erscheinen mge, so ist doch ihr Einflu sehr fhlbar. Ihre Erfahrungen,
die Richtung ihres Geistes, die Ausbildung des Charakters wirken auf
ihre Untergebenen und Kameraden.

       *       *       *       *       *

Nicht immer bringt es ein gewhnlicher Mensch im Gefecht bis zur
vlligen Unbefangenheit und zur natrlichen Elastizitt der Seele, und
so mag man denn erkennen, da mit Gewhnlichem hier wieder nicht
auszureichen ist, was um so wahrer wird, je grer der Wirkungskreis
ist, der angefhrt werden soll. Enthusiastische, stoische, angeborene
Bravour, gebieterischer Ehrgeiz, auch lange Bekanntschaft mit der
Gefahr, viel von alledem mu da sein, wenn nicht alle Wirkung in diesem
erschwerenden Mittel hinter dem Ma zurckbleiben soll, das auf dem
Zimmer als ein gewhnliches erscheinen mag.

       *       *       *       *       *

Wie sorgfltig man sich auch den Brger neben dem Krieger in einem und
demselben Individuum ausgebildet denken, wie sehr man sich die Kriege
nationalisieren, und wie weit man sie sich in eine Richtung hinausdenken
mge, entgegengesetzt derjenigen der ehemaligen Condottieri: niemals
wird man die Individualitt des Geschftsganges aufheben knnen, und
wenn man das nicht kann, so werden auch immer diejenigen, die es
treiben, und solange sie es treiben, sich als eine Art von Innung
ansehen, in deren Ordnungen, Gesetzen und Gewohnheiten sich die Geister
des Krieges vorzugsweise fixieren. Und so wird es auch in der Tat sein.
Man wrde also bei der entschiedensten Neigung, den Krieg vom hchsten
Standpunkt aus zu betrachten, sehr unrecht haben, den Innungsgeist mit
Geringschtzung anzusehen, der mehr oder weniger in einem Heer vorhanden
sein mu.

       *       *       *       *       *

Ein gewisser schwerer Ernst und strenge Dienstordnungen knnen die
kriegerische Tugend einer Truppe lnger erhalten, aber sie erzeugen sie
nicht. Sie behalten darum immer ihren Wert, aber man soll sie nicht
berschtzen. Ordnung, Fertigkeit, guter Wille, auch ein gewisser Stolz
und eine vorzgliche Stimmung sind Eigenschaften eines im Frieden
erzogenen Heeres, die man schtzen mu, die aber keine Selbstndigkeit
haben. Das Ganze hlt das Ganze, und wie bei dem zu schnell erkalteten
Glase zerbrckelt ein einziger Ri die ganze Masse. Besonders verwandelt
sich die beste Stimmung von der Welt beim ersten Unfall nur zu leicht in
Kleinmut und, man mchte sagen, in eine Art von Grosprecherei der
Angst: das franzsische _sauve qui peut_. Man hte sich, Geist des
Heeres und Stimmung im Heere zu verwechseln!

       *       *       *       *       *

Ein Heer, das im zerstrendsten Feuer seine gewohnten Ordnungen behlt,
das niemals von einer eingebildeten Furcht geschreckt wird und der
begrndeten den Raum Fu fr Fu streitig macht, das, stolz im Gefhl
seiner Siege, auch mitten im Verderben der Niederlage die Kraft zum
Gehorsam nicht verliert, nicht die Achtung und das Zutrauen zu seinen
Fhrern, dessen krperliche Krfte in der bung von Entbehrung und
Anstrengung gestrkt sind wie die Muskeln eines Athleten, das diese
Anstrengungen ansieht als ein Mittel zum Siege, nicht als einen Fluch,
der auf seinen Fahnen ruht, und das an alle diese Pflichten und Tugenden
durch den kurzen Katechismus einer einzigen Vorstellung erinnert wird,
nmlich der Ehre seiner Waffen: ein solches Heer ist vom kriegerischen
Geiste durchdrungen.

       *       *       *       *       *

Wieviel Groes dieser Geist, diese Gediegenheit des Heeres, diese
Veredelung des Erzes zum strahlenden Metall schon geleistet, sehen wir
an den Makedoniern unter Alexander, den rmischen Legionen unter Csar,
an der spanischen Infanterie unter Alexander Farnese, den Schweden unter
Gustav Adolf und Karl XII., den Preuen unter Friedrich dem Groen und
den Franzosen unter Bonaparte. Man mte absichtlich die Augen
verschlieen gegen alle historischen Beweise, wenn man nicht zugeben
wollte, da die wunderbaren Erfolge dieser Feldherren und ihre Gre in
den schwierigsten Lagen nur bei einem so potenzierten Heere mglich
waren.

       *       *       *       *       *

Soll der Feldherr den bestndigen Streit mit dem Unerwarteten glcklich
bestehen, so sind ihm zwei Eigenschaften unentbehrlich, einmal ein
Verstand, der auch in dieser gesteigerten Dunkelheit nicht ohne einige
Spuren des inneren Lichtes ist, die ihn zur Wahrheit fhren, und dann
Mut, diesem schwachen Lichte zu folgen. Der erstere ist bildlich mit dem
franzsischen Ausdruck _coup d'oeil_ bezeichnet worden, der andere ist
die Entschlossenheit.

       *       *       *       *       *

Wir glauben, da die Entschlossenheit einer eigentmlichen Richtung des
Verstandes ihr Dasein verdankt, und zwar einer, die mehr krftigen als
glnzenden Kpfen angehrt. Wir knnen diese Genealogie der
Entschlossenheit dadurch belegen, da es eine groe Anzahl von
Beispielen gibt, wo Mnner, die in niederen Regionen die grte
Entschlossenheit gezeigt hatten, diese in den hheren verloren. Obgleich
sie das Bedrfnis haben, sich zu entschlieen, so sehen sie doch die
Gefahren ein, die in einem falschen Entschlu liegen, und da sie mit den
Dingen, die ihnen vorliegen, nicht vertraut sind, so verliert ihr
Verstand seine ursprngliche Kraft, und sie werden nur um so zaghafter,
je mehr sie die Gefahr der Unentschlossenheit, in die sie gebannt sind,
kennen, und je mehr sie gewohnt waren, frisch von der Faust weg zu
handeln.

       *       *       *       *       *

Bei dem _coup d'oeil_ und der Entschlossenheit liegt es uns ganz nahe,
von der damit verwandten Geistesgegenwart zu reden, die in einem Gebiete
des Unerwarteten, wie der Krieg es ist, eine groe Rolle spielen mu;
denn sie ist ja nichts als eine gesteigerte Besiegung des Unerwarteten.
Man bewundert die Geistesgegenwart in einer treffenden Antwort auf eine
unerwartete Anrede, wie man sie bewundert in der schnell gefundenen
Aushilfe bei pltzlicher Gefahr. Beide, diese Antwort und diese
Aushilfe, brauchen nicht ungewhnlich zu sein, wenn sie nur treffen;
denn was nach reiflicher und ruhiger berlegung nichts Ungewhnliches,
also in seinem Eindruck auf uns etwas Gleichgltiges wre, kann als ein
schneller Akt des Verstandes Vergngen machen. Der Ausdruck
Geistesgegenwart bezeichnet gewi sehr passend die Nhe und
Schnelligkeit der vom Verstande dargereichten Hilfe.

       *       *       *       *       *

Man ist gewhnt, sich den einfachen, tchtigen Soldaten als Gegensatz zu
denken zu den berlegsamen oder an Erfindungen und guten Einfllen
reichen Kpfen und den im Bildungsschmuck aller Art glnzenden Geistern.
Nun ist dieser Gegensatz keineswegs ohne wirklichen Rckhalt, aber er
beweist nur nicht, da die Tchtigkeit des Soldaten blo in seinem Mute
bestehe, und da es nicht auch einer gewissen eigentmlichen Ttigkeit
und Tchtigkeit des Kopfes bedarf, um nur das zu sein, was man einen
guten Degen nennt. Wir mssen immer wieder darauf zurckkommen, da
nichts gewhnlicher ist als das Beispiel von Mnnern, die ihre
Tchtigkeit verlieren, sobald sie zu hheren Stellen gelangen, denen
ihre Einsichten nicht mehr gewachsen sind. Wir mssen aber auch immer
wieder daran erinnern, da wir von *vorzglichen* Leistungen reden, von
solchen, die Ruf in der Art von Ttigkeit geben, der sie angehren. Es
bildet daher jede Stufe des Befehls im Kriege ihre eigene Schicht von
erforderlichen Geisteskrften, von Ruhm und Ehre.

Eine sehr groe Kluft liegt zwischen einem Feldherrn, d. h. einem
entweder an der Spitze eines ganzen Krieges oder eines Kriegstheaters
stehenden General und der nchsten Befehlshaberstufe unter ihm, aus dem
einfachen Grunde, weil dieser einer viel nheren Leitung und Aufsicht
unterworfen ist, folglich der eigenen Geistesttigkeit einen viel
kleineren Kreis bietet. Dies hat denn veranlat, da die gewhnliche
Meinung eine ausgezeichnete Verstandesttigkeit nur in jener hchsten
Stelle sieht und bis dahin den gemeinen Verstand fr ausreichend
erachtet. Ja, man ist nicht abgeneigt, in einem unter den Waffen
ergrauten Unterfeldherrn, den seine einseitige Ttigkeit zu einer
unverkennbaren Geistesarmut gefhrt hat, eine gewisse Verdummung zu
erblicken, und bei aller Verehrung fr seinen Mut ber seine Einfalt zu
lcheln. Es ist nicht unser Vorsatz, diesen braven Leuten ein besseres
Los zu erkmpfen. Dies wrde nichts zu ihrer Wirksamkeit und wenig zu
ihrem Glck beitragen, sondern wir wollen nur die Sachen zeigen, wie sie
sind, und vor dem Irrtum warnen, da im Kriege ein bloer Bravo ohne
Verstand Vorzgliches leisten knne.

Wenn wir schon in den niedrigsten Fhrerstellen fr den, der
ausgezeichnet sein soll, auch ausgezeichnete Geisteskrfte fordern und
diese mit jeder Stufe steigern, so folgt daraus von selbst, da wir eine
ganz andere Ansicht von den Leuten haben, die die zweiten Stellen in
einem Heere mit Ruhm bekleiden; und ihre scheinbare Einfalt neben dem
Polyhistor, dem federttigen Geschftsmann, dem konferierenden
Staatsmann soll uns nicht irre machen an der ausgezeichneten Natur
ihres werkttigen Verstandes. Freilich geschieht es zuweilen, da Mnner
den Ruhm, den sie sich in niederen Stellen erworben haben, in die
hheren mit hinberbringen, ohne ihn dort wirklich zu verdienen. Werden
sie nun in diesen nicht viel gebraucht, kommen sie also nicht in die
Gefahr, sich Blen zu geben, so unterscheidet das Urteil nicht so
genau, welche Art von Ruf ihnen zukommt; und so tragen solche Mnner oft
dazu bei, da man einen geringeren Begriff von der Persnlichkeit fat,
die in gewissen Stellen noch zu glnzen vermag.

       *       *       *       *       *

Die ausgezeichneten Feldherren sind niemals aus der Klasse der
vielwissenden oder gar gelehrten Offiziere hervorgegangen. Meistens
konnten sie ihrer ganzen Lage nach auf keine groe Summe des Wissens
eingerichtet sein. Darum sind auch die immer als lcherliche Pedanten
verspottet worden, die es fr die Erziehung eines knftigen Feldherrn
ntig oder auch nur ntzlich halten, mit der Erkenntnis aller Details
anzufangen. Es lt sich ohne groe Mhe beweisen, da sie ihm schaden
wird, weil der menschliche Geist durch die ihm mitgeteilten Kenntnisse
und Ideenrichtungen erzogen wird. Nur das Groe kann ihn groartig, das
Kleine nur kleinlich machen, wenn er es nicht wie etwas ganz Fremdes
ganz von sich stt.

       *       *       *       *       *

Je hher wir in den Fhrerstellen hinaufsteigen, um so mehr wird Geist,
Verstand und Einsicht in der Ttigkeit vorherrschend, um so mehr wird
also die Khnheit, die eine Eigenschaft des Gemts ist, zurckgedrngt,
und darum finden wir sie in den hchsten Stellen so selten, aber um so
bewunderungswrdiger ist sie auch dann. Eine durch vorherrschenden Geist
geleitete Khnheit ist der Stempel des Helden. Diese Khnheit besteht
nicht im Wagen gegen die Natur der Dinge, in einer plumpen Verletzung
des Wahrscheinlichkeitsgesetzes, sondern in der krftigen Untersttzung
jenes hheren Kalkls, den das Genie, der Takt des Urteils in
Blitzesschnelle und nur halb bewut durchlaufen hat, wenn er seine Wahl
trifft. Je mehr die Khnheit den Geist und die Einsicht beflgelt, um so
weiter reichen diese mit ihrem Flug, um so umfassender wird der Blick,
um so richtiger das Resultat. Aber freilich immer nur in dem Sinne, da
mit den greren Zwecken auch die greren Gefahren verbunden bleiben.
Der gewhnliche Mensch, um nicht von den schwachen und unentschlossenen
zu reden, kommt hchstens bei einer eingebildeten Wirksamkeit auf seinem
Zimmer, entfernt von Gefahr und Verantwortlichkeit, zu einem richtigen
Resultat, soweit nmlich ein solches ohne lebendige Anschauung mglich
ist. Treten ihm aber Gefahr und Verantwortlichkeit berall nahe, so
verliert er den berblick, und bliebe ihm dieser etwa durch den Einflu
anderer, so wrde er den Entschlu verlieren, weil da kein anderer
aushelfen kann.

       *       *       *       *       *

Es ist eine sehr hervorstechende Eigentmlichkeit groer Feldherren, im
Unglck und in der Bedrngnis so wenig als mglich aufzugeben, sich und
dem Glcke zu vertrauen und es darauf ankommen zu lassen, ob bessere
Zeiten ohne groe Verluste zu erreichen sind. Gelingt es, so sind wir
geneigt, jedesmal alles fr sichere Rechnung und klares Bewutsein zu
halten, was erst blo dunkles Wagen war.

Je hervorstechender diese Eigentmlichkeit ist und je mehr wir die
innere Zuversicht bewundern, auf die alles gegrndet gewesen zu sein
scheint, um so geneigter ist man, dieses hartnckige Verweilen auf einer
Station der Laufbahn als eine notwendige Bedingung, als ein unfehlbares
Zeichen der Gre im Unglck zu betrachten. Htte Napoleon im Jahre 1812
im Oktober jenseits Moskau durch irgendeinen Ministerwechsel in
Petersburg noch einen vorteilhaften Frieden erhalten, so sprche man mit
der hchsten Bewunderung von der Ausdauer, die man jetzt fr eine Art
Raserei ansieht.

Da sich unser Urteil so sehr nach dem Erfolge richtet, ist nichts
weniger als unvernnftig, denn in den meisten Fllen bleibt uns doch
nicht viel anderes brig. Der Erfolg einer Unternehmung ist
gewissermaen die Rechenprobe, und es ist sehr natrlich, da man sich
an sie hlt.

Dieser natrlichen, instinktartigen Richtung entgegen sieht man oft, da
sich eine dnkelvolle Kritik darin gefllt: in den bestgelungensten
Unternehmungen gerade die grten Fehler zu entdecken. In den meisten
Fllen sind diese Urteile wirklich nicht viel besser, als wenn ein Arzt
behaupten wollte, ein Kranker, dem er das Leben abgesprochen, lebe zu
Unrecht weiter.

       *       *       *       *       *

Wer sich in einem Elemente bewegen will, wie der Krieg es ist, darf
durchaus aus seinen Bchern nichts mitbringen als die Erziehung seines
Geistes. Bringt er fertige Ideen mit, die ihm nicht der Sto des
Augenblicks eingegeben, die er nicht aus seinem eigenen Fleisch und Blut
erzeugt hat, so wirft ihm der Strom der Begebenheiten sein Gebude
nieder, ehe es fertig ist. Es wird den anderen, den Naturmenschen,
niemals verstndlich sein und wird gerade unter den ausgezeichnetsten
von ihnen, die selbst wissen, was sie wollen, das wenigste Vertrauen
genieen.

       *       *       *       *       *

Der vollkommenste Generalstab mit den richtigsten Ansichten und
Grundstzen reicht nicht hin, die ausgezeichnete Fhrung einer Armee zu
bedingen, wenn die Seele eines groen Feldherrn fehlt. Die einer groen
Feldherrnnatur angeborene Richtung des Blickes und des Willens aber ist
auch da ein vortreffliches Korrektiv gegen die sich in ihre eigenen
Plne verwickelnde Generalstabsgelehrsamkeit, wo sie dieser brigens als
Instrument nicht entbehren kann.

       *       *       *       *       *

Da der Krieg kein reines Produkt notwendiger Beziehungen von Zweck und
Mittel ist, sondern immer etwas von der Natur des Glckspiels behlt, so
kann auch die Kriegfhrung jenes Elements durchaus nicht entbehren, und
der Feldherr, der zu wenig Neigung zu diesem Spiel hat, wird, ohne es zu
ahnen, hinter der Linie zurckbleiben und im groen Kontobuche der
kriegerischen Erfolge in eine tiefere Schuld geraten, als er denkt.

       *       *       *       *       *

Der Fhrer im Kriege mu das Werk seiner Ttigkeit einem mitwirkenden
Raume bergeben, den seine Augen nicht berblicken, den der regste Eifer
nicht immer erforschen kann, und mit dem er bei dem bestndigen Wechsel
auch selten in eigentliche Bekanntschaft kommt. Diese hchst
eigentmliche Schwierigkeit mu er durch eine eigentmliche
Geistesanlage besiegen, die, mit einem zu beschrnkten Ausdruck, der
Ortssinn genannt wird. Es ist das Vermgen, sich von jeder Gegend
schnell eine richtige geometrische Vorstellung zu machen und als Folge
davon sich in ihr jedesmal leicht zurechtzufinden. Offenbar ist dies ein
Akt der Phantasie. Zwar geschieht das Auffassen dabei teils durch das
krperliche Auge, teils durch den Verstand, der mit seinen aus
Wissenschaft und Erfahrung geschpften Einsichten das Fehlende ergnzt
und aus den Bruchstcken des krperlichen Blicks ein Ganzes macht. Aber
da dies Ganze nun lebhaft vor die Seele trete, ein Bild, eine innerlich
gezeichnete Karte werde, da dies Bild bleibend sei, die einzelnen Zge
nicht immer wieder auseinanderfallen, das vermag nur die Geisteskraft zu
bewirken, die wir Phantasie nennen.

       *       *       *       *       *

Es ist natrlich, da auch die Anwendungen dieses Talents sich nach
obenhin erweitern. Mssen sich Husar und Jger auf einer Patrouille in
Weg und Steg leicht zurechtfinden, und bedarf es dafr immer nur weniger
Kennzeichen, einer beschrnkten Auffassungs- und Vorstellungsgabe, so
mu der Feldherr sich bis zu den allgemeinen geographischen Gegenstnden
einer Provinz und eines Landes erheben, den Zug der Straen, Strme und
Gebirge immer lebhaft vor Augen haben, ohne darum den beschrnkten
Ortssinn entbehren zu knnen. Zwar sind ihm fr die allgemeinen
Gegenstnde Nachrichten aller Art, Karten, Bcher, Memoiren, und fr die
Einzelheiten der Beistand seiner Umgebungen eine groe Hilfe, aber gewi
ist es dennoch, da ein groes Talent in schneller und klarer Auffassung
der Gegend seinem ganzen Handeln einen leichteren und festeren Schritt
verleiht, ihn vor einer gewissen inneren Unbeholfenheit schtzt und
weniger abhngig von andern macht.

       *       *       *       *       *

Die sehr groe Masse von Kenntnissen und Fertigkeiten, die der
kriegerischen Ttigkeit im allgemeinen dienen, und die ntig werden, ehe
ein ausgerstetes Heer ins Feld rcken kann, drngen sich in wenige
groe Resultate zusammen, ehe sie dazu kommen, im Kriege den endlichen
Zweck ihrer Ttigkeit zu erreichen, so wie die Gewsser des Landes sich
in Strme vereinigen, ehe sie ins Meer kommen. Nur diese sich
unmittelbar ins Meer des Krieges ergieenden Ttigkeiten hat der kennen
zu lernen, der sie leiten will.

       *       *       *       *       *

Der Feldherr braucht weder ein gelehrter Geschichtsforscher, noch
Publizist zu sein, aber er mu mit dem hheren Staatsleben vertraut
sein, die eingewohnten Richtungen, die aufgeregten Interessen, die
vorliegenden Fragen, die handelnden Personen kennen und richtig ansehen.
Er braucht kein feiner Menschenbeobachter, kein haarscharfer
Zergliederer des menschlichen Charakters zu sein, aber er mu den
Charakter, die Denkungsart und Sitte, die eigentmlichen Fehler und
Vorzge derer kennen, denen er befehlen soll. Er braucht nichts von der
Einrichtung eines Fuhrwerks, der Anspannung der Pferde eines Geschtzes
zu verstehen, aber er mu den Marsch einer Kolonne seiner Dauer nach
unter den verschiedenen Umstnden richtig zu schtzen wissen. Alle diese
Kenntnisse lassen sich nicht durch den Apparat wissenschaftlicher
Formeln und Maschinerien erzwingen, sondern sie erwerben sich nur, wenn
in der Betrachtung der Dinge und im Leben ein treffendes Urteil, wenn
ein nach dieser Auffassung hin gerichtetes Talent ttig ist.

       *       *       *       *       *

Das einer hochgestellten kriegerischen Ttigkeit ntige Wissen zeichnet
sich durchaus aus, da es in der Betrachtung, also im Studium und
Nachdenken, nur durch ein eigentmliches Talent erworben werden kann,
das, wie die Biene den Honig aus der Blume, als ein geistiger Instinkt
aus den Erscheinungen des Lebens nur den Geist zu ziehen versteht, und
da es neben Betrachtung und Studium auch durch das Leben zu erwerben
ist. Das Leben mit seiner reichen Belehrung wird niemals einen Newton
oder Euler hervorbringen, wohl aber den hheren Kalkl eines Cond oder
Friedrichs des Groen.

       *       *       *       *       *

Irgendein groes Gefhl mu die groen Krfte des Feldherrn beleben, sei
es der Ehrgeiz wie in Csar, der Ha des Feindes wie in Hannibal, der
Stolz eines glorreichen Unterganges wie in Friedrich dem Groen.




Kriegsplan. Numerische berlegenheit. Friktion im Kriege. Ungewiheit
der Nachrichten


Der Kriegsplan fat den ganzen kriegerischen Akt zusammen. Durch ihn
wird er zur einzelnen Handlung, die einen letzten endlichen Zweck haben
mu, in dem sich alle besonderen Zwecke ausgeglichen haben. Man fngt
keinen Krieg an, oder man sollte vernnftigerweise keinen anfangen, ohne
sich zu sagen, was man mit und was man in ihm erreichen will. Das
erstere ist der Zweck, das andere das Ziel. Durch diesen Hauptgedanken
werden alle Richtungen gegeben, der Umfang der Mittel, das Ma der
Energie bestimmt. Er uert seinen Einflu bis in die kleinsten Glieder
der Handlung hinab.

       *       *       *       *       *

Zwei Hauptgrundstze umfassen den ganzen Kriegsplan und dienen allen
brigen zur Richtung.

Der erste ist: das Gewicht der feindlichen Macht auf so wenige
Schwerpunkte als mglich zurckzufhren, wenn es sein kann, auf einen;
wiederum den Sto gegen diese Schwerpunkte auf so wenige Haupthandlungen
als mglich zu beschrnken, wenn es sein kann, auf eine; endlich alle
untergeordneten Handlungen so untergeordnet als mglich zu halten. Mit
einem Wort, der erste Grundsatz ist: so konzentriert als mglich zu
handeln.

Der zweite Grundsatz lautet: so schnell als mglich zu handeln, also
keinen Aufenthalt und keinen Umweg ohne hinreichenden Grund stattfinden
zu lassen.

       *       *       *       *       *

Jeder Plan zu einem Feldzuge ist die Auswahl *eines* Weges unter tausend
denkbaren. Je grer die kriegfhrenden Staaten sind und die Massen, die
sie in Bewegung setzen, um so grer ist die Zahl der mglichen
Kombinationen, und es ist ganz unmglich, alle zu erschpfen. Darum
bleibt man auch mehr oder weniger immer dabei stehen, *einen* fertigen
Plan hinzustellen und es dem Takt des Urteils zu berlassen, das
Treffende wie das Fehlerhafte daran herauszufhlen. Einem geraden, d. h.
unverdrehten Verstande wird die Wahrheit und das Richtige ohne weitere
Entwickelung der Grnde schon in der bloen Aufstellung im Augenblicke
klar. Ein solcher Verstand hat fr die Wahrheit eine Art musikalisches
Gefhl, das unreine Verhltnisse wie Mitne leicht unterscheidet.

       *       *       *       *       *

Besonders zu bercksichtigen beim Eindringen in ein Land ist die
Hauptstadt. Jede Hauptstadt hat ein groes strategisches Gewicht, die
eine mehr als die andre: diejenige mehr, die den Begriff der Hauptstadt
strker in sich vereinigt, und *die* am meisten, die der Knoten
politischer Parteiungen ist. Letzteres ist der Fall mit Paris.

       *       *       *       *       *

Der Schwerpunkt des franzsischen Reiches liegt in seiner Kriegsmacht
und in Paris. Jene in einer Hauptschlacht besiegen, Paris erobern, die
berreste des feindlichen Heeres ber die Loire zurckwerfen, mu unser
Ziel sein. Die Herzgrube Frankreichs liegt zwischen Paris und Brssel.
Dort ist die Grenze von der Hauptstadt nur dreiig Meilen entfernt.

       *       *       *       *       *

Auch als Nebenunternehmung ist ein Angriff auf das sdliche Frankreich
verwerflich, denn er weckt nur neue Krfte gegen uns. Jedesmal, wenn man
eine entfernte Provinz angreift, rhrt man Interessen und Ttigkeiten
auf, die sonst geschlummert htten.

       *       *       *       *       *

Die Theorie fordert die krzesten Wege zum Ziel und schliet die
Errterung ber rechts und links, hierhin oder dorthin, von der
Betrachtung ganz aus. Napoleon hat niemals anders gehandelt. Die
*nchste* Hauptstrae von Heer zu Heer oder von Hauptstadt zu Hauptstadt
war ihm immer der *liebste* Weg.

       *       *       *       *       *

Es war einer der allerbesten Grundstze des Meisters (Bonaparte) in den
Feldzgen von 1796 und 1797: sich auf den untergeordneten Punkten mit so
wenig Truppen als mglich zu behelfen, um auf dem Hauptpunkte recht
stark zu sein.

       *       *       *       *       *

Die _Centra gravitatis_ in der feindlichen Kriegsmacht zu unterscheiden,
ihre Wirkungsweise zu erkennen, ist ein Hauptakt des strategischen
Urteils. Man wird sich nmlich jedesmal fragen mssen, welche Wirkungen
das Vorgehen und Zurckgehen des einen Teils der gegenseitigen
Streitkrfte auf die brigen hervorbringen wird.

       *       *       *       *       *

Wenn wir die neueste Kriegsgeschichte ohne Vorurteil betrachten, so
mssen wir uns gestehen, da die berlegenheit in der Zahl mit jedem Tag
entscheidender wird. Wir mssen also den Grundsatz, mglichst stark im
entscheidenden Gefecht zu sein, allerdings jetzt etwas hher stellen,
als er vielleicht ehemals gestellt worden ist.

Mut und Geist des Heeres haben zu allen Zeiten die physischen Krfte
gesteigert und werden es auch ferner tun. Aber wir finden in der
Geschichte Zeiten, wo eine groe berlegenheit in der Einrichtung und
Ausrstung der Heere, andere, wo eine solche berlegenheit in der
Beweglichkeit ein bedeutendes moralisches bergewicht gab.

       *       *       *       *       *

Die Heere sind in unseren Tagen einander an Bewaffnung, Ausrstung und
bung so hnlich, da zwischen den besten und den schlechtesten kein
sehr merklicher Unterschied in diesen Dingen besteht. Die einen sind die
Erfinder und Anfhrer in den besseren Einrichtungen, und die anderen
die schnell folgenden Nachahmer. Selbst die Unterfeldherren, die Fhrer
der Korps und Divisionen, haben berall, was ihr Handwerk betrifft,
ziemlich dieselben Ansichten und Methoden, so da auer dem Talent des
obersten Feldherrn, das schwerlich in einem konstanten Verhltnis zu der
Bildung des Volkes und Heeres zu denken, sondern ganz dem Zufall
berlassen ist, nur noch die Kriegsgewohnheit ein merkliches bergewicht
geben kann. Je mehr das Gleichgewicht in allen jenen Dingen besteht, um
so entscheidender wird das Machtverhltnis.

       *       *       *       *       *

Die absolute Strke ist in der Strategie meist ein Gegebenes, an dem der
Feldherr nichts mehr ndern kann. Hieraus kann aber nicht gefolgert
werden, da der Krieg mit einem merklich schwcheren Heer unmglich sei.
Der Krieg ist nicht immer ein freier Entschlu der Politik, und am
wenigsten ist er es da, wo die Krfte sehr ungleich sind. Folglich lt
sich jedes Machtverhltnis im Kriege denken, und es wre eine sonderbare
Kriegstheorie, die sich da ganz lossagen wollte, wo sie am meisten
gebraucht wird.

       *       *       *       *       *

Das sukzessive Heranziehen der Krfte zu nachhaltigen wiederholten
Sten, das in der Taktik eine so unendlich wichtige Sache ist, ist in
der Strategie ganz gegen die Natur der Dinge. Es ist einer der
Hauptgrundstze der Strategie, *alle* vorhandenen Streitkrfte
*gleichzeitig* in den Kampf zu fhren, oder, im Falle sie nicht alle
gebraucht werden, so viel als zur Sicherung des Erfolgs notwendig sind.
Nur das, was zum Augenblicke, da das Handeln eintreten *mu*, durchaus
nicht beschafft werden *kann*, nur das darf zur Reserve und zum
nachhaltigen Gebrauch verwendet werden.

       *       *       *       *       *

Theoretisch klingt es ganz gut: Der Bataillonskommandeur ist
verantwortlich fr die Ausfhrung des gegebenen Befehls, und da das
Bataillon durch die Disziplin zu einem Stck zusammengeschweit ist,
sein Fhrer aber ein Mann von anerkanntem Eifer sein mu, so dreht sich
der Balken um einen eisernen Zapfen mit wenig Friktion. So ist es aber
in Wirklichkeit nicht. Das Bataillon bleibt immer aus einer Anzahl
Menschen zusammengesetzt, von denen, wenn es der Zufall will, der
unbedeutendste imstande ist, einen Aufenthalt oder sonst eine
Unregelmigkeit zu bewirken.

Diese entsetzliche Friktion, die sich nicht wie in der Mechanik auf
wenige Punkte konzentrieren lt, ist berall im Kontakt mit dem Zufall
und bringt Erscheinungen hervor, die sich gar nicht berechnen lassen,
eben weil sie zum groen Teil dem Zufall angehren.

       *       *       *       *       *

Ein groer Teil der Nachrichten, die man im Kriege bekommt, ist
widersprechend, ein noch grerer ist falsch und bei weitem der grte
einer ziemlichen Ungewiheit unterworfen. Was man hier vom Offizier
fordern kann, ist ein gewisses Unterscheiden, das nur Sach- und
Menschenkenntnis und Urteil geben knnen. Das Gesetz des
Wahrscheinlichen mu ihn leiten. Diese Schwierigkeit ist nicht
unbedeutend bei den ersten Entwrfen, die auf dem Zimmer und noch
auerhalb der eigentlichen Kriegssphre gemacht werden, aber unendlich
grer ist sie da, wo im Getmmel des Krieges selbst eine Nachricht die
andere drngt. Die meisten Nachrichten sind falsch, und die
Furchtsamkeit der Menschen vermehrt die Kraft der Lge und Unwahrheit.
In der Regel ist jeder geneigt, das Schlimme eher zu glauben als das
Gute. Jeder ist geneigt, das Schlimme etwas zu vergrern, und die
Gefhrlichkeiten, die auf diese Weise berichtet werden, obgleich sie wie
die Wellen des Meeres in sich selbst zusammensinken, kehren doch wie
jene ohne sichtbare Veranlassung immer von neuem zurck. Fest im
Vertrauen auf sein besseres inneres Wissen mu der Fhrer dastehen wie
der Fels, an dem sich die Welle bricht. Die Rolle ist nicht leicht. Wer
nicht von Natur mit leichtem Blute begabt oder durch kriegerische
Erfahrungen gebt und im Urteil gestrkt ist, mag es sich eine Regel
sein lassen, sich gewaltsam, d. h. gegen das innere Niveau seiner
eigenen berzeugung, von der Seite der Befrchtungen ab auf die Seite
der Hoffnungen hinzuneigen. Er wird nur dadurch das wahre Gleichgewicht
erhalten knnen. Diese Schwierigkeit, richtig zu sehen, die eine der
allergrten Friktionen im Kriege ausmacht, lt die Dinge ganz anders
erscheinen, als man sie gedacht hat. Der Eindruck der Sinne ist strker
als die Vorstellungen des berlegenden Kalkls, und dies geht so weit,
da wohl noch nie eine einigermaen wichtige Unternehmung ausgefhrt
worden ist, wo der Befehlshaber nicht in den ersten Momenten der
Ausfhrung neue Zweifel bei sich zu besiegen gehabt htte. Gewhnliche
Menschen, die fremden Eingebungen folgen, werden daher meistens an Ort
und Stelle unschlssig; sie glauben die Umstnde anders gefunden zu
haben, als sie solche vorausgesetzt hatten, und zwar um so mehr, da sie
auch hier sich wieder fremden Eingebungen berlassen. Aber auch der, der
selbst entwarf und jetzt mit eigenen Augen sieht, wird leicht an seiner
vorigen Meinung irre. Festes Vertrauen zu sich selbst mu ihn gegen den
scheinbaren Drang des Augenblicks waffnen. Seine frhere berzeugung
wird sich bei der Entwicklung bewhren, wenn die vorderen Kulissen, die
das Schicksal in die Kriegsszenen einschiebt, mit ihren dick
aufgetragenen Gestalten der Gefahr weggezogen, und der Horizont
erweitert ist. Dies ist eine der groen Klfte zwischen Entwerfen und
Ausfhren.




Operationsbasis. Mrsche. Festungen. Gebirgskrieg


Das Heer gleicht einem Baume. Aus dem Boden, auf dem er wchst, zieht er
seine Lebenskrfte. Ist er klein, so kann er leicht verpflanzt werden;
dies wird aber schwieriger, je grer er wird. Ein kleiner Haufe hat
auch seine Lebenskanle, aber er schlgt leicht Wurzeln, wo er sich
befindet; nicht so ein zahlreiches Heer. Wenn also von dem Einflu der
Basis auf die Unternehmungen die Rede ist, so mu allen Vorstellungen
immer der Mastab zugrunde liegen, den die Gre des Heeres bedingt.

       *       *       *       *       *

Stets hat *die Schweiz* ngstliche Neutralitt beobachtet. Seit
Jahrhunderten ist sie allen europischen Hndeln fremd geblieben. Es
gehrt also ein viel grerer bermut, eine entschiedene Geringschtzung
aller alten Verhltnisse dazu, sich zu einem Einbruche in die Schweiz zu
entschlieen, als zur berwltigung anderer Staaten, obgleich die
Schweiz einen hohen Wert als Angriffsstation hat, weil man durch ihren
Besitz imstande ist, das Innere Frankreichs mit einer Invasion zu
bedrohen, ohne vor den franzsischen Festungen stehen bleiben zu mssen.

       *       *       *       *       *

Wenn ein Heer zu einer Unternehmung vorschreitet, sei es, um den Feind
und sein Kriegstheater anzugreifen oder sich an den Grenzen des eigenen
aufzustellen, so bleibt es von den Quellen seiner Verpflegung und
Ergnzung in einer notwendigen Abhngigkeit und mu die Verbindung mit
ihnen unterhalten, denn sie sind die Bedingungen seines Daseins und
Bestehens. Diese Abhngigkeit wchst intensiv und extensiv mit der Gre
des Heeres. Nun ist es aber weder immer mglich noch erforderlich, da
das Heer mit dem ganzen Lande in unmittelbarer Verbindung bleibt,
sondern nur mit dem Stck, das sich gerade hinter ihm befindet und
folglich durch seine Stellung gedeckt ist. In diesem Teile des Landes
werden dann, soweit es ntig ist, besondere Anlagen von Vorrten gemacht
und Veranstaltungen zur regelmigen Fortschaffung der Ergnzungskrfte
getroffen. Dieses Stck des Landes ist also die Grundlage des Heeres und
aller seiner Unternehmungen; es mu als ein Ganzes mit demselben
betrachtet werden. Sind die Vorrte zu ihrer greren Sicherheit in
befestigten Orten angelegt, so wird der Begriff einer Basis dadurch
verstrkt, aber er entsteht nicht erst dadurch, denn in einer Menge von
Fllen findet dies nicht statt.

Aber auch ein Stck des feindlichen Landes kann die Grundlage eines
Heeres bilden, oder wenigstens mit dazu gehren. Denn wenn ein Heer im
feindlichen Lande vorgerckt ist, werden eine Menge Bedrfnisse aus dem
eingenommenen Teile gezogen. Die Bedingung ist in diesem Fall, da man
wirklich Herr dieses Landstrichs, d. h. der Befolgung der Anordnungen
gewi ist.

       *       *       *       *       *

Die Bedrfnisse eines Heeres mu man in zwei Klassen teilen, nmlich
die, die jede angebaute Gegend gibt, und andere, die es nur aus den
Quellen seiner Entstehung ziehen kann. Die ersten sind hauptschlich
Unterhalts- und die zweiten Ergnzungsmittel. Die ersteren kann auch das
feindliche Land, die letzteren in der Regel nur das eigene liefern, z.B.
Menschen, Waffen und meistens auch Munition.

       *       *       *       *       *

Sind einmal die Anstalten zur Ergnzung und Ernhrung des Heeres in
einem gewissen Bezirk und fr eine gewisse Richtung getroffen, so ist
selbst im eigenen Lande nur dieser Bezirk als die Basis des Heeres zu
betrachten, und da eine Vernderung hierin immer Zeit und Kraftaufwand
erfordert, so kann auch im eigenen Lande das Heer seine Basis nicht von
einem Tage zum andern verlegen, und darum ist es auch in der Richtung
seiner Unternehmungen immer mehr oder weniger beschrnkt.

       *       *       *       *       *

Die Verpflegung der Truppen bietet, wie sie auch geschehen mge (durch
Magazine oder Beitreibungen), immer solche Schwierigkeiten, da sie eine
sehr entscheidende Stimme bei der Wahl der Maregeln hat. Sie ist oft
der wirksamsten Kombination entgegen und ntigt, der Nahrung
nachzugehen, wo man dem Siege, dem glnzenden Erfolge nachgehen mchte.
Durch sie vorzglich bekommt die ganze Maschine die Schwerflligkeit,
durch die ihre Wirkungen so weit hinter dem Fluge groer Entwrfe
zurckbleiben.

       *       *       *       *       *

Wo aus irgendeinem Grunde der Gang der Begebenheiten weniger reiend
ist, wo mehr ein gleichgewichtiges Schweben und Abwgen der Krfte
stattfindet, da ist das Unterbringen der Truppen unter Dach und Fach ein
Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit des Feldherrn.

       *       *       *       *       *

Ohne in Bonaparte den leidenschaftlichen Spieler zu verkennen, der sich
oft in ein tolles Extrem wagte, kann man doch wohl sagen, da er und die
ihm vorangegangenen Revolutionsfeldherren in Rcksicht auf die
Verpflegung ein mchtiges Vorurteil beiseite geschafft und gezeigt
haben, da diese nie anders als unter dem Gesichtspunkt einer Bedingung,
also niemals als Zweck betrachtet werden msse.

brigens verhlt es sich mit der Entbehrung im Kriege wie mit der
krperlichen Anstrengung und der Gefahr. Die Forderungen, die der
Feldherr an sein Heer machen kann, sind durch keine bestimmten Linien
begrenzt. Ein starker Charakter fordert mehr als ein weichlicher
Gefhlsmensch. Auch die Leistungen des Heeres sind verschieden, je
nachdem Gewohnheit, kriegerischer Geist, Vertrauen und Liebe zum
Feldherrn oder Enthusiasmus fr die Sache des Vaterlandes den Willen und
die Krfte des Soldaten untersttzen. Aber das sollte man wohl als
Grundsatz aufstellen knnen, da Entbehrung und Not, wie hoch sie auch
gesteigert werden mgen, immer nur als vorbergehende Zustnde
betrachtet werden und da sie zu reichlichem Unterhalt, ja wohl auch
einmal zum berflu fhren mssen. Gibt es etwas Rhrenderes als den
Gedanken an so viele tausend Soldaten, die, schlecht gekleidet, mit
einem Gepck von dreiig bis vierzig Pfund belastet, sich auf tagelangen
Mrschen in jedem Wetter und Wege mhsam fortschleppen, Gesundheit und
Leben unaufhrlich auf das Spiel setzen und sich dafr nicht einmal in
trockenem Brote sttigen knnen. Wenn man wei, wie oft dies im Kriege
vorkommt, so begreift man in der Tat kaum, wie es nicht fter zum
Versagen des Willens und der Krfte fhrt, und wie eine bloe Richtung
der Vorstellungen im Menschen fhig ist, durch ihr nachhaltiges Wirken
solche Anstrengungen hervorzurufen und zu untersttzen.

Wer also dem Soldaten groe Entbehrungen auferlegt, weil groe Zwecke es
fordern, der wird, sei es aus Gefhl oder aus Klugheit, auch die
Entschdigung im Auge haben, die er ihm dafr zu andern Zeiten schuldig
ist.

       *       *       *       *       *

ber das Ma eines Marsches und die dazu erforderliche Zeit ist es
natrlich, sich an die allgemeinen Erfahrungsstze zu halten.

Fr unsere neueren Heere steht es lngst fest, da ein Marsch von drei
Meilen (21 Kilometer) das gewhnliche Tagewerk ist, das bei langen Zgen
sogar auf zwei Meilen (14 Kilometer) heruntergesetzt werden mu, um die
ntigen Rasttage einschalten zu knnen, die fr die Herstellung alles
schadhaft Gewordenen bestimmt sind.

       *       *       *       *       *

Ein einzelner miger Marsch nutzt das Instrument nicht ab, aber eine
Reihe von migen tut es schon, und eine Reihe von schwierigen natrlich
viel mehr.

Auf der Kriegsbhne selbst sind Mangel an Verpflegung und Unterkommen,
schlechte, ausgefahrene Wege und die Notwendigkeit bestndiger
Schlagfertigkeit die Ursachen der unverhltnismigen Kraftanstrengungen,
durch die Menschen, Vieh, Fuhrwerk und Bekleidung zugrunde gerichtet
werden.

       *       *       *       *       *

Man mu sich auf eine groe Zerstrung seiner eigenen Krfte gefat
machen, wenn man einen bewegungsreichen Krieg fhren will, danach seinen
brigen Plan errichten und vor allem die Verstrkungen, die nachrcken
sollen.

       *       *       *       *       *

Die Entfernung (eines Heeres) von der Quelle, aus der die unaufhrlich
sich schwchende Streitkraft ebenso unaufhrlich erzeugt werden mu,
nimmt mit dem Vorrcken zu. Eine erobernde Armee gleicht hierin dem
Licht einer Lampe. Je weiter sich das nhrende l heruntersenkt, um so
kleiner wird die Flamme.

       *       *       *       *       *

Festungen sind ein eigentlicher Schild gegen den feindlichen Angriff,
dessen Strom sich an ihnen bricht wie an Eisblcken.

       *       *       *       *       *

Ein Verteidigungsheer ohne Festungen hat hundert verwundbare Stellen. Es
ist ein Krper ohne Harnisch.

       *       *       *       *       *

Offenbar ist die Wirksamkeit einer Festung aus zwei verschiedenen
Elementen zusammengesetzt, dem passiven und dem aktiven. Durch das erste
schtzt sie den Ort und alles, was in ihm enthalten ist; durch das
andere bt sie einen gewissen Einflu auf die auch ber ihre
Kanonenschuweite hinaus liegende Umgegend.

       *       *       *       *       *

Die Unternehmungen, die die Besatzung einer Festung sich erlauben darf,
sind immer ziemlich beschrnkt. Selbst bei groen Festungen und starken
Besatzungen sind die Haufen, die dazu ausgesandt werden knnen, in
Beziehung auf die im Felde stehenden Streitkrfte meistens nicht
betrchtlich, und der Durchmesser ihres Wirkungskreises betrgt selten
ber ein paar Mrsche. Ist die Festung aber klein, so werden die Haufen
ganz unbedeutend, und ihr Wirkungskreis wird meist auf die nchsten
Drfer beschrnkt sein. Solche Korps aber, die nicht zur Besatzung
gehren, also nicht notwendig in die Festung zurckkehren mssen, sind
dadurch viel weniger gebunden, und so kann durch sie die aktive
Wirkungssphre einer Festung, wenn die brigen Umstnde dazu gnstig
sind, auerordentlich erweitert werden.

       *       *       *       *       *

Erzherzog Karl hat als erster aller Theoretiker den Satz ausgesprochen,
da das Gebirge dem Verteidiger nachteilig sei, wobei wir hinzufgen:
insofern eine groe Entscheidung gesucht wird oder zu befrchten ist.

       *       *       *       *       *

Mit der Hauptmacht ist das Gebirge womglich zu vermeiden und seitwrts
liegen zu lassen oder vor oder hinter sich zu behalten. Im brigen ist
das Gebirge im allgemeinen sowohl in der Taktik wie in der Strategie der
Verteidigung ungnstig. Es raubt die bersicht und hindert die
Bewegungen nach allen Richtungen. Es zwingt zur Passivitt.




Das Gefecht. Verluste. Reserven. Die Hauptschlacht. Sieg und Verfolgung


Der Mittel gibt es im Kriege nur ein einziges. Es ist der Kampf. Wie
mannigfaltig dieser auch gestaltet sei, wie weit er sich von der rohen
Entledigung des Hasses und der Feindschaft im Faustkampfe entfernen
mge, wie viel Dinge sich einschieben mgen, die nicht selbst Kampf
sind: immer liegt es im Begriff des Krieges, da alle in ihm
erscheinenden Wirkungen ursprnglich vom Kampf ausgehen mssen.

       *       *       *       *       *

Es bezieht sich also alle kriegerische Ttigkeit notwendig auf das
Gefecht, entweder unmittelbar oder mittelbar. Der Soldat wird
ausgehoben, gekleidet, bewaffnet, gebt, er schlft, it, trinkt und
marschiert, alles nur, um an rechter Stelle und zu rechter Zeit zu
fechten.

Endigen somit im Gefecht alle Fden kriegerischer Ttigkeit, so werden
wir sie auch alle auffassen, indem wir die Anordnung der Gefechte
bestimmen. Nur von dieser Anordnung und ihrer Vollziehung gehen die
Wirkungen aus, niemals unmittelbar von den ihnen vorhergehenden
Bedingungen. Nun ist im Gefecht alle Ttigkeit auf die Vernichtung des
Gegners oder vielmehr seiner Streitfhigkeit gerichtet, denn dies liegt
in seinem Begriff. Die Vernichtung der feindlichen Streitkraft ist also
immer das Mittel, um den Zweck des Gefechts zu erreichen.

Dieser Zweck kann ebenfalls die bloe Vernichtung der feindlichen
Streitmacht sein, aber dies ist keineswegs notwendig, sondern es kann
auch etwas ganz anderes sein. Sobald nmlich das Niederwerfen des
Gegners nicht das einzige Mittel ist, den politischen Zweck zu
erreichen, sobald es andre Gegenstnde gibt, die man als Ziel im Kriege
verfolgen kann: so folgt von selbst, da diese Gegenstnde der Zweck
einzelner kriegerischer Akte werden knnen, also auch der Zweck von
Gefechten.

       *       *       *       *       *

Wre die Schlacht auch nicht das krftigste, das gewhnlichste und
wirksamste Mittel der Entscheidung, so wrde es doch hinreichen, da sie
berhaupt zu den Mitteln der Entscheidung gehrt, um die strkste
Vereinigung der Krfte zu fordern, die die Umstnde irgend gestatten.
Eine Hauptschlacht auf dem Kriegstheater ist der Sto des Schwerpunktes
gegen den Schwerpunkt. Je mehr Krfte man in dem einen oder andern
versammeln kann, um so sicherer und grer wird die Wirkung sein. Also
jede Teilung der Krfte, die nicht durch einen Zweck hervorgerufen wird
(der entweder selbst durch eine glckliche Schlacht nicht erreicht
werden kann, oder der den glcklichen Ausgang der Schlacht selbst
bedingt), ist verwerflich.

       *       *       *       *       *

Das Gefecht ist die eigentliche kriegerische Ttigkeit; alles brige ist
nur Trger. Gefecht ist Kampf, und in ihm ist die Vernichtung oder
berwindung des Gegners der Zweck.

       *       *       *       *       *

Was ist die berwindung des Gegners? Immer nur die Vernichtung seiner
Streitkraft, sei es durch Tod oder Wunden oder auf was fr eine andere
Art, sei es ganz und gar, oder nur in einem solchen Mae, da er den
Kampf nicht mehr fortsetzen will. Wir knnen also, solange wir von allen
besonderen Zwecken der Gefechte absehen, die gnzliche oder teilweise
Vernichtung des Gegners als den einzigen Zweck aller Gefechte
betrachten.

       *       *       *       *       *

Die unmittelbare Vernichtung der feindlichen Streitkrfte ist berall
das Vorherrschende. Wir stellen also das Vernichtungsprinzip auf.
Indessen befinden wir uns in der Strategie und nicht in der Taktik und
drfen also nicht von den Mitteln sprechen, die jene haben mag, mit
wenig Kraftaufwand viel feindliche Streitkrfte zu vernichten, sondern
mssen daran erinnern, da wir unter unmittelbarer Vernichtung die
taktischen Erfolge verstehen. Unsere Behauptung lautet also, da nur
groe taktische Erfolge zu groen strategischen fhren knnen, oder,
bestimmter ausgedrckt, da die taktischen Erfolge von vorherrschender
Wichtigkeit in der Kriegfhrung sind.

       *       *       *       *       *

Die Frage, ob ein einfacher Sto oder ein mehr zusammengesetzter,
kunstvoller grere Wirkung hervorbringt, mag unzweifelhaft fr den
letzteren entschieden werden, solange der Gegner als ein leidender
Gegenstand gedacht wird. Allein jeder zusammengesetzte Sto erfordert
mehr Zeit, und diese Zeit mu ihm gegnnt werden, ohne da durch einen
Gegensto auf einen der Teile das Ganze in den Vorbereitungen zu seiner
Wirkung gestrt wird. Entscheidet sich nun der Gegner zu einem
einfacheren Sto, der in kurzer Zeit ausgefhrt ist, so gewinnt er den
Vorsprung und strt die Wirkung des groen Plans. Man mu also bei dem
Werte des zusammengesetzten Stoes alle Gefahren in Betracht bringen,
die man whrend seiner Vorbereitung luft, und kann ihn nur anwenden,
wenn man vom Gegner nicht zu frchten braucht, durch einen krzeren
gestrt zu werden. Sooft dies der Fall ist, mu man selber den krzeren
whlen und in diesem Sinne so weit hinuntersteigen, als es der
Charakter, die Verhltnisse des Gegners und andere Umstnde ntig
machen. Verlassen wir die schwachen Eindrcke abstrakter Begriffe und
steigen wir ins wirkliche Leben hinab, so wird ein rascher, mutiger,
entschlossener Gegner uns nicht Zeit zu weitaussehenden knstlichen
Zusammensetzungen lassen, und gerade gegen einen solchen bedrfen wir
der Kunst am meisten. Hiermit, scheint es uns, ist das Vorherrschen der
einfachen und unmittelbaren Erfolge vor den zusammengesetzten schon
gegeben.

Unsere Meinung ist also nicht, da der einfache Sto der beste sei,
sondern da man nicht weiter ausholen drfe, als der Spielraum erlaubt,
und da dies immer mehr zum unmittelbaren Kampf hinfhren wird, je
kriegerischer der Gegner ist. Also weit entfernt, den Gegner nach der
Richtung zusammengesetzter Ste hin berbieten zu drfen, mu man
vielmehr suchen, ihm nach der entgegengesetzten Richtung hin immer voran
zu sein.

       *       *       *       *       *

Was ist nun unter Vernichtung der feindlichen Streitkraft zu verstehen?
Eine Verminderung derselben, die verhltnismig grer ist als die
unsrer eigenen. Wenn wir eine groe berlegenheit der Zahl ber den
Feind haben, so wird natrlich diese absolute Gre des Verlustes fr
uns kleiner sein als fr ihn und folglich schon als ein Vorteil
betrachtet werden knnen. Nur der unmittelbare Gewinn, den wir im
gegenseitigen Zerstrungsproze machen, kann als Zweck des Gefechts
betrachtet werden, denn dieser Gewinn ist ein absoluter, der die
Rechnung des ganzen Feldzugs durchluft und sich am Schlu immer als
reiner Gewinn erweist. Jede andere Art des Sieges ber unseren Gegner
aber wrde entweder ihren Grund in anderen Zwecken haben, von denen wir
hier ganz absehen, oder nur einen einstweiligen relativen Vorteil geben.
Ein Beispiel soll uns dies klarmachen.

Wenn wir unsern Gegner durch eine geschickte Anordnung in eine so
nachteilige Lage versetzt haben, da er das Gefecht ohne Gefahr nicht
fortsetzen kann und er sich nach einigem Widerstande zurckzieht, so
knnen wir sagen, da wir ihn auf diesem Punkt berwunden haben. Haben
wir aber bei dieser berwindung gerade in demselben Verhltnis an
Streitkrften eingebt als er, so wird bei der Schlurechnung des
Feldzugs von diesem Siege, wenn man einen solchen Erfolg so nennen
knnte, nichts brigbleiben. Es kommt also das berwinden des Gegners,
d. h. die Versetzung desselben in einen solchen Zustand, da er das
Gefecht aufgeben mu, an und fr sich nicht in Betracht und kann deshalb
auch nicht in die Definition des Zweckes aufgenommen werden, und so
bleibt denn, wie gesagt, nichts brig als der unmittelbare Gewinn, den
wir im Zerstrungsproze gemacht haben. Es gehren aber dahin nicht blo
die Verluste, die im Verlauf des Gefechts vorkommen, sondern auch die,
die nach dem Abzug des besiegten Teils als unmittelbare Folge eintreten.

Nun ist es eine bekannte Erfahrung, da die Verluste an physischen
Streitkrften im Laufe des Gefechts selten eine groe Verschiedenheit
zwischen Sieger und Besiegtem zeigen, oft gar keine, zuweilen auch wohl
eine sich umgekehrt verhaltende, und da die entscheidendsten Verluste
fr den Besiegten erst mit dem Abzug eintreten, nmlich die, die der
Sieger nicht mit ihm teilt.

Der Verlust an physischen Streitkrften ist nicht der einzige, den beide
Teile im Verlauf des Gefechts erleiden, sondern auch die moralischen
werden erschttert, gebrochen und gehen zugrunde. Es ist nicht blo der
Verlust an Menschen, Pferden und Geschtzen, sondern an Ordnung, Mut,
Vertrauen, Zusammenhang und Plan, der bei der Frage in Betracht kommt,
ob das Gefecht noch fortgesetzt werden kann oder nicht. Die moralischen
Krfte sind es vorzugsweise, die hier entscheiden, und sie waren es
allein in allen Fllen, wo der Sieger ebensoviel verloren hatte wie der
Besiegte.

Das Verhltnis des physischen Verlustes ist ohnehin im Laufe des
Gefechts schwer zu schtzen, aber das Verhltnis des moralischen nicht.
Zwei Dinge geben ihn hauptschlich kund. Das erste ist der Verlust des
Bodens, auf dem man gefochten, das andere das bergewicht der
feindlichen Reserven. Je strker unsere Reserven im Verhltnis zu den
feindlichen zusammenschwinden, um so mehr Krfte haben wir gebraucht,
das Gleichgewicht zu erhalten. Schon darin tut sich ein fhlbarer Beweis
der moralischen berlegenheit des Gegners kund, der auch selten
verfehlt, im Gemt des Feldherrn eine gewisse Bitterkeit und
Geringschtzung seiner eigenen Truppen zu erzeugen. Aber die Hauptsache
ist, da alle Truppen, die schon anhaltend gefochten haben, mehr oder
weniger wie eine ausgebrannte Schlacke erscheinen. Sie haben sich
verschossen, sind zusammengeschmolzen; ihre physische und moralische
Kraft ist erschpft, auch wohl ihr Mut gebrochen. Eine solche Truppe ist
somit auch, abgesehen von der Verminderung ihrer Zahl, als ein
organisches Ganze betrachtet, bei weitem nicht mehr, was sie vor dem
Gefecht war, und daher kommt es, da sich der Verlust an moralischen
Krften an dem Ma verbrauchter Reserven wie an einem Zollstock kundtut.

Jedes Gefecht ist also die blutige und zerstrende Ausgleichung der
Krfte, der physischen und moralischen. Wer am Schlu die grte Summe
von beiden brig hat, ist der Sieger.

       *       *       *       *       *

Im Gefecht war der Verlust der moralischen Krfte die vorherrschende
Ursache der Entscheidung. Nachdem diese gefallen, bleibt jener Verlust
im Steigen und erreicht erst am Schlu des ganzen Aktes seinen
Hhepunkt. Es wird also auch das Mittel, den Gewinn in der Zerstrung
der physischen Streitkrfte zu machen, was der eigentliche Zweck des
Gefechts war.

Die verlorene Ordnung und Einheit macht oft sogar den Widerstand
einzelner verderblich. Der Mut des Ganzen ist gebrochen. Die
ursprngliche Spannung ber Verlust und Gewinn, in der die Gefahr
vergessen wurde, ist aufgelst; und den meisten erscheint die Gefahr nun
nicht mehr wie eine Herausforderung des Mutes, sondern wie das Erleiden
einer harten Zchtigung. So ist das Instrument im ersten Augenblick des
Sieges geschwcht und abgestumpft und darum nicht mehr geeignet, Gefahr
mit Gefahr zu vergelten.

Diese Zeit mu der Sieger benutzen, um den eigentlichen Gewinn an der
physischen Kraftzerstrung zu machen. Nur was er hierin erreicht, bleibt
ihm gewi. Denn die moralischen Krfte kehren im Gegner nach und nach
zurck; die Ordnung wird wieder hergestellt, sein Mut wieder gehoben,
und es bleibt in der Mehrheit der Flle nur ein sehr geringer Teil vom
errungenen bergewicht zurck, oft gar keins. Und in einzelnen, obgleich
seltenen Fllen entsteht wohl gar durch Rache und strkeres Anfachen der
Feindschaft eine umgekehrte Wirkung. Dagegen kann, was an Toten,
Verwundeten, Gefangenen und an erobertem Geschtz und sonstigem
Kriegsgert gewonnen ist, niemals aus der Rechnung verschwinden.

       *       *       *       *       *

Die Verluste *in* der Schlacht bestehen mehr in Toten und Verwundeten,
die *nach* der Schlacht mehr in verlorenem Geschtz und Gefangenen. Die
ersteren teilt der Sieger mehr oder weniger mit dem Besiegten; die
letzteren nicht, und deshalb finden sie sich gewhnlich nur auf der
einen Seite des Kampfes oder wenigstens dort in bedeutender berzahl.

Geschtze und Gefangene sind darum jederzeit als die wahren Trophen des
Sieges betrachtet worden und zugleich als sein Mastab, weil sich an
ihnen sein Umfang unzweifelhaft kundtut.

       *       *       *       *       *

Da sich die in dem Gefecht und seinen ersten Folgen zugrundegerichteten
moralischen Krfte nach und nach wiederherstellen und oft keine Spur
ihrer Zerstrung lassen, ist zumeist der Fall bei kleinen Abteilungen
des Ganzen, seltener bei groen.

       *       *       *       *       *

Wir drfen das verlorene Gleichgewicht der moralischen Krfte nicht
darum gering achten, weil es keinen absoluten Wert hat und nicht
unfehlbar in der endlichen Summe der Erfolge erscheint. Es kann von
einem so berwiegenden Gewicht werden, da es mit unwiderstehlicher
Gewalt alles niederwirft.

       *       *       *       *       *

ber den Verlust an Toten und Verwundeten sind die gegenseitigen
Berichte nie genau, selten wahrhaft und in den meisten Fllen voll
absichtlicher Entstellung. Selbst die Zahl der Trophen wird selten ganz
zuverlssig gegeben, und wo sie nicht sehr bedeutend ist, kann auch sie
noch Zweifel an dem Siege briglassen. Vom Verlust an moralischen
Krften lt sich auer den Trophen gar kein gltiges Ma angeben. Es
bleibt also in vielen Fllen das Aufgeben des Kampfes als der einzige
wahre Beweis des Sieges allein brig. Es ist mithin als Bekenntnis der
Schuld, als das Senken des Paniers zu betrachten, durch das dem Gegner
Recht und berlegenheit in diesem einzelnen Falle eingerumt wird, und
diese Seite der Demtigung und Scham, die von allen brigen moralischen
Folgen des umschlagenden Gleichgewichts noch zu unterscheiden bleibt,
ist ein wesentliches Stck des Sieges. Dieser Teil allein ist es, der
auf die ffentliche Meinung auerhalb des Heeres wirkt, auf Volk und
Regierung in beiden kriegfhrenden Staaten und in allen beteiligten
anderen.

       *       *       *       *       *

Das Aufgeben der Absicht ist nicht gerade identisch mit dem Abzug vom
Schlachtfeld, selbst da, wo der Kampf hartnckig und anhaltend gefhrt
worden ist. Niemand wird von Vorposten, die sich nach einem hartnckigen
Widerstande zurckziehen, sagen, sie htten ihre Absicht aufgegeben.
Selbst in Gefechten, die die Vernichtung der feindlichen Streitkraft zur
Absicht haben, kann der Abzug vom Schlachtfelde nicht immer als ein
Aufgeben der Absicht angesehen werden, z.B. bei vorher beabsichtigten
Rckzgen, bei denen das Land Fu fr Fu streitig gemacht wird. In den
meisten Fllen ist das Aufgeben der Absicht von dem Abzuge vom
Schlachtfelde schwer zu unterscheiden, und der Eindruck, den jenes in
und auer dem Heere hervorbringt, ist nicht geringzuschtzen.

Fr Feldherren und Heere, die keinen ausgemachten Ruf haben, ist dies
eine eigene, schwierige Seite mancher sonst in den Umstnden begrndeten
Verfahrungsarten, wo eine Reihe mit Rckzug endigender Gefechte als eine
Reihe von Niederlagen erscheinen kann, ohne es zu sein, und wo dieses
Erscheinen von sehr nachteiligem Einflu werden kann. Es ist dem
Ausweichenden in diesem Falle nicht mglich, durch die Darlegung seiner
eigentlichen Absicht dem moralischen Eindruck berall vorzubeugen, denn
um das mit Wirksamkeit zu tun, mte er seinen Plan vollstndig
bekanntmachen, was, wie sich versteht, seinem Hauptinteresse zu sehr
entgegenliefe.

       *       *       *       *       *

Die Dauer eines Gefechts ist gewissermaen als ein zweiter,
untergeordneter Erfolg zu betrachten. Dem Sieger kann ein Gefecht
niemals schnell genug entschieden sein, dem Besiegten niemals lange
genug dauern. Der schnelle Sieg ist eine hhere Potenz des Sieges, die
spte Entscheidung bei der Niederlage ein Ersatz fr den Verlust.

       *       *       *       *       *

Kein Gefecht entscheidet sich in einem einzelnen Moment, obwohl es in
jedem Gefechte Momente von groer Wichtigkeit gibt, die die
Entscheidung hauptschlich bewirken. Der Verlust eines Gefechts ist ein
stufenweises Niedersinken der Wage. Es gibt aber bei jedem Gefecht einen
Zeitpunkt, wo man es als entschieden ansehen kann, so da der
Wiederanfang ein neues Gefecht und nicht die Fortsetzung des alten wre.
ber diesen Zeitpunkt eine klare Vorstellung zu haben, ist sehr wichtig,
um sich entscheiden zu knnen, ob ein Gefecht von einer herbeieilenden
Hilfe noch mit Nutzen wieder aufgenommen werden kann.

Oft werden in Gefechten, die nicht wiederherzustellen sind, neue Krfte
vergeblich geopfert. Oft wird versumt, die Entscheidung zu wenden, wo
dies noch fglich geschehen knnte.

       *       *       *       *       *

Jedes Gefecht ist ein ganzes, in dem sich die Teilgefechte zu einem
Gesamterfolge vereinigen. In diesem Gesamterfolg liegt die Entscheidung
des Gefechts.

       *       *       *       *       *

Je kleiner der Teil der Streitkraft ist, der wirklich gefochten, je
grer der ist, der als Reserve durch sein bloes Dasein mitentschieden
hat, um so weniger kann uns eine neue Streitkraft des Gegners den Sieg
wieder aus den Hnden winden. *Der* Feldherr wie *das* Heer, die es am
weitesten darin gebracht haben, das Gefecht mit der grten konomie der
Krfte zu fhren und berall die moralische Wirkung starker Reserven
geltend zu machen, gehen den sichersten Weg zum Siege. Man mu den
Franzosen, besonders wenn Bonaparte sie fhrte, eine groe Meisterschaft
darin einrumen.

Ferner wird der Augenblick, wo beim Sieger der Zustand der
Gefechtskrisis aufhrt und die alte Tchtigkeit zurckkehrt, um so
frher eintreten, je kleiner das Ganze ist. Eine Reiterfeldwache, die
ihren Gegner spornstreichs verfolgt, wird in wenig Minuten wieder die
alte Ordnung gewinnen, und lnger dauert auch die Krisis nicht. Ein
ganzes Regiment Reiterei braucht dazu schon mehr Zeit. Noch lnger
dauert es beim Fuvolk, wenn es sich in einzelne Schtzenlinien
aufgelst hat, und wieder lnger bei Abteilungen von allen Waffen, wenn
ein Teil diese, der andre jene zufllige Richtung eingeschlagen und dies
eine Strung der Ordnung veranlat hat, die gewhnlich dadurch erst
schlimmer wird, da kein Teil recht wei, wo der andre ist.

Wieder spter tritt dieser Augenblick ein, wenn die Nacht den Sieger in
der Krisis berrascht; und endlich tritt er spter ein, wenn die Gegend
durchschnitten und verdeckt ist.

       *       *       *       *       *

Die Gefahr, sich auf zwei Seiten schlagen zu mssen, und die noch
drohendere, keinen Rckzug zu behalten, lhmen die Bewegungen und die
Kraft des Widerstandes und wirken auf die Alternative von Sieg und
Niederlage; ferner steigern sie bei der Niederlage den Verlust und
treiben ihn oft bis an die uerste Grenze, d. h. bis zur Vernichtung.
Der bedrohte Rcken macht also die Niederlage zugleich wahrscheinlicher
und entscheidender.

Hieraus entsteht ein wahrer Instinkt fr die ganze Kriegfhrung und
besonders fr die groen und kleinen Gefechte: nmlich die Sicherung des
eigenen Rckens und die Gewinnung des feindlichen. Er folgt aus dem
Begriff des Sieges, der, wie wir gesehen haben, noch etwas anderes als
bloes Totschlagen ist.

       *       *       *       *       *

Die Wirkung einer berraschung in Seite und Rcken ist immer gesteigert,
und ein in der Krisis des Sieges Begriffener ist in seinem ausgereckten
und zerstreuten Zustande weniger imstande, ihr entgegenzuwirken. Wer
fhlt es nicht, da ein Seiten- und Rckenanfall, der im Anfang des
Gefechts, wo die Kraft gesammelt und fr solche Flle immer vorgesehen
ist, wenig bedeuten wrde, ein ganz anderes Gewicht im letzten
Augenblick des Gefechtes bekommt.

In den meisten Fllen wird eine von der Seite oder im Rcken des Gegners
herbeikommende Hilfe viel wirksamer sein, sich wie dasselbe Gewicht an
einem lngeren Hebelarm verhalten, so da man also unter solchen
Umstnden die Herstellung eines Gefechts mit derselben Kraft unternehmen
kann, die auf dem geraden Wege nicht zugereicht htte. Hier, wo die
Wirkungen fast jeder Berechnung ausweichen, weil die moralischen Krfte
ganz das bergewicht gewinnen, ist das rechte Feld der Khnheit und des
Wagens.

       *       *       *       *       *

Der alte, auch von Napoleon betonte Grundsatz, da der Befehlshaber
einer abgesonderten Kolonne immer seine Richtung dahin zu nehmen habe,
wo heftiger Kanonendonner die Krise einer Entscheidung andeutet, kann
nur fr solche Flle gelten, wo der Befehlshaber einer abgesonderten
Kolonne durch die Umstnde in eine *zweifelhafte* Lage gesetzt worden
ist, in der sich die frhere Klarheit und Bestimmtheit seiner Aufgabe in
die Ungewiheit und die Widersprche der Entscheidung verliert, die in
der Wirklichkeit des Krieges so hufig sind. Anstatt unttig
stehenzubleiben oder ohne bestimmten Zweck umherzuirren, wird ein
solcher Befehlshaber freilich besser tun, seinem Nachbar zu Hilfe zu
eilen, wenn ein heftiges Feuer dessen Not andeutet.

       *       *       *       *       *

Die Vernichtung der feindlichen Streitkrfte ist das Hauptprinzip der
Kriegfhrung und fr die ganze Seite des positiven Handelns der Hauptweg
zum Ziel.

Diese Vernichtung der Streitkrfte findet hauptschlich im Gefecht
statt.

Nur groe und allgemeine Gefechte geben groe Erfolge.

Am grten werden die Erfolge, wenn sich die Gefechte in eine groe
Schlacht vereinigen.

Nur in einer Hauptschlacht regiert der Feldherr mit eigenen Hnden.

Aus diesen Wahrheiten ergibt sich ein Doppelgesetz, dessen Teile sich
gegenseitig tragen, nmlich, da die Vernichtung der feindlichen
Streitkrfte hauptschlich in groen Schlachten und ihren Erfolgen zu
suchen ist, und da der Hauptzweck groer Schlachten die Vernichtung der
feindlichen Streitkrfte sein mu.

       *       *       *       *       *

Die Hauptschlacht ist als der konzentrierte Krieg, als der Schwerpunkt
des ganzen Krieges oder Feldzuges anzusehen. Wie sich die Strahlen der
Sonne im Brennpunkt des Hohlspiegels zu ihrem vollkommenen Bilde und zur
hchsten Glut vereinigen, so vereinigen sich Krfte und Umstnde des
Krieges in der Hauptschlacht zu einer zusammengedrngten hchsten
Wirkung.

       *       *       *       *       *

Nicht blo der Begriff des Krieges fhrt uns dahin, eine groe
Entscheidung nur in einer groen Schlacht zu suchen, sondern auch die
Erfahrung. Von jeher haben nur groe Siege zu groen Erfolgen gefhrt,
bei dem Angreifenden unbedingt, bei dem Verteidiger mehr oder weniger.
Selbst Bonaparte wrde das in seiner Art einzige Ulm nicht erlebt haben,
wenn er das Blutvergieen gescheut htte. Vielmehr ist es nur als eine
Nachmahd der Siegesflle seiner frheren Feldzge anzusehen. Es sind
nicht blo die khnen Feldherren, die verwegenen, die trotzigen, die ihr
Werk mit dem groen Wagstck entscheidender Schlachten zu vollbringen
gesucht haben, es sind die glcklichen insgesamt. Und von diesen knnen
wir uns bei einer so umfassenden Frage die Antwort gefallen lassen.

       *       *       *       *       *

Der Hauptschlacht im Kriege ist nichts an Wichtigkeit zu vergleichen,
und die hchste Weisheit der Strategie offenbart sich in der Beschaffung
der Mittel zu ihr, in ihrer geschickten Feststellung nach Ort, Zeit und
Richtung der Krfte und in der Ausnutzung ihres Erfolges.

       *       *       *       *       *

Der Impuls zur Hauptschlacht, die freie sichere Bewegung zu ihr, mu von
dem Gefhl eigener Kraft und dem klaren Bewutsein der Notwendigkeit,
mit anderen Worten: er mu von dem angeborenen Mut und von dem durch
groe Lebensverhltnisse geschrften Blick ausgehen.

       *       *       *       *       *

Die Gre eines Sieges steigt nicht blo in dem Mae, als die besiegten
Streitkrfte an Umfang zunehmen, sondern in hheren Graden. Die
moralischen Wirkungen, die der Ausgang eines groen Gefechts hat, sind
grer beim Besiegten als beim Sieger; sie werden Veranlassung zu
greren Verlusten an physischen Krften, die dann wieder auf die
moralischen zurckwirken und so sich gegenseitig tragen und steigern.
Auf diese moralische Wirkung mu man daher ein besonderes Gewicht legen.
Sie findet in entgegengesetzter Richtung bei beiden Teilen statt. Wie
sie die Krfte des Besiegten untergrbt, so erhht sie die Krfte und
die Ttigkeit des Siegers. Aber die Hauptwirkung liegt doch im
Besiegten, denn hier wird sie die unmittelbare Ursache zu neuen
Verlusten, und auerdem ist sie mit der Gefahr, den Anstrengungen und
Mhseligkeiten, berhaupt mit allen erschwerenden Umstnden, zwischen
denen sich der Krieg bewegt, homogener Natur, tritt also mit ihnen in
Bund und wchst durch ihren Beistand, whrend beim Sieger sich alle
diese Dinge wie Gewichte an den hheren Schwung seines Mutes legen. Man
findet also, da der Besiegte sich viel tiefer unter die Linie des
ursprnglichen Gleichgewichts hinuntersenkt, als der Sieger sich ber
sie erhebt.

       *       *       *       *       *

Die Hauptschlacht ist um ihrer selbst willen da, um des Sieges willen,
den sie geben soll und der in ihr mit der hchsten Anstrengung gesucht
wird. Dies ist die Geistesspannung, nicht blo des Feldherrn, sondern
seines ganzen Heeres bis zum letzten Troknecht hinab. Zu allen Zeiten
und nach der Natur der Dinge waren Hauptschlachten niemals
unvorbereitete, unerwartete, blinde Dienstverrichtungen, sondern ein
groartiger Akt, der aus der Masse der gewhnlichen Ttigkeiten teils
von selbst, teils nach der Absicht der Fhrer hinreichend hervortritt.

       *       *       *       *       *

Gewhnlich kommen beide Teile mit sehr geschwchten krperlichen Krften
in die Schlacht, denn die Bewegungen, die unmittelbar vorhergehen, haben
mindestens den Charakter dringender Umstnde. Die Anstrengungen, die das
Ausringen eines langen Kampfes kostet, vollenden die Erschpfung. Dazu
kommt, da der siegende Teil nicht viel weniger durcheinandergekommen
und aus seinen ursprnglichen Ordnungsfugen gewichen ist als der
Besiegte und somit das Bedrfnis hat, sich zu ordnen und mit frischer
Munition zu versehen. Alle diese Umstnde versetzen den Sieger selbst in
einen Zustand der Krisis. Es ist zwar ein Entreien des Sieges nicht zu
befrchten, aber nachteilige Gefechte bleiben doch mglich. Auerdem
hngt sich nun das volle Gewicht des sinnlichen Menschen mit seinen
Bedrfnissen und Schwchen an den Willen des Feldherrn. Alle die
Tausende, die unter seinem Befehl stehen, haben das Bedrfnis nach Ruhe
und Strkung, haben das Verlangen, die Schranken der Gefahr und Arbeit
vorderhand geschlossen zu sehen. Nur wenige, die man als Ausnahmen
betrachten kann, sehen und fhlen ber den gegenwrtigen Augenblick
hinaus. Nur in diesen wenigen ist, nachdem das Notwendige vollbracht
ist, noch so viel freies Spiel des Mutes, um noch an *die* Erfolge zu
denken, die in solchem Augenblick als eine bloe Verschnerung des
Sieges, als ein Luxus des Triumphes erscheinen. Alle jene Tausende aber
haben ihre Stimme im Rate des Feldherrn, denn durch die ganze
Stufenfolge der bereinandergestellten Fhrer haben diese Interessen des
sinnlichen Menschen ihren sicheren Leiter bis ins Herz des Feldherrn.
Dieser selbst ist mehr oder weniger durch geistige und krperliche
Anstrengung in seiner inneren Ttigkeit geschwcht, und so geschieht es
denn, da meistens aus diesem rein menschlichen Grunde weniger
geschieht, als geschehen knnte, und da berhaupt, was geschieht, nur
vom Ruhmdurst, der Energie und wohl auch der Hrte des obersten
Feldherrn abhngt.

       *       *       *       *       *

Ist der groe Sieg erfochten, so soll von keiner Rast, von keinem
Atemholen, von keinem Besinnen, von keinem Feststellen usw. die Rede
sein, sondern nur von der Verfolgung, von neuen Sten, wo sie ntig
sind, von der Einnahme der feindlichen Hauptstadt, vom Angriff auf die
feindlichen Hilfsheere, oder was sonst als Sttzpunkt des feindlichen
Staates erscheint.

Fhrt uns der Strom des Sieges an feindlichen Festungen vorbei, so hngt
es von unserer Strke ab, ob sie belagert werden sollen oder nicht. Bei
groer berlegenheit wre es ein Zeitverlust, sich ihrer nicht so frh
als mglich zu bemchtigen. Sind wir aber des ferneren Erfolges an der
Spitze nicht sicher, so mssen wir uns vor den Festungen mit so wenigem
als mglich behelfen, und das schliet ihre grndliche Belagerung aus.
Von dem Augenblick an, wo die Belagerung einer Festung uns zwingt, mit
dem Vorschreiten des Angriffs innezuhalten, hat dieser in der Regel
seinen Kulminationspunkt erreicht. Wir fordern also ein schnelles,
rastloses Vordringen und Nachdringen der Hauptmacht. Wir haben es schon
verworfen, da sich dieses Vorschreiten auf dem Hauptpunkte nach dem
Erfolg auf den Nebenpunkten richtet. Solange der Feldherr seinen Gegner
noch nicht niedergeworfen hat, solange er glaubt, stark genug zu sein,
um das Ziel zu gewinnen, so lange mu er es auch verfolgen. Er tut es
vielleicht mit steigender Gefahr, aber auch mit steigender Gre des
Erfolgs. Kommt ein Punkt, wo er es nicht wagt, weiterzugehen, wo er
glaubt, fr seinen Rcken sorgen, sich rechts und links ausbreiten zu
mssen, -- wohlan, so ist dies hchstwahrscheinlich sein
Kulminationspunkt. Die Flugkraft ist dann zu Ende, und wenn der Gegner
nicht niedergeworfen ist, wird es hchstwahrscheinlich nicht mehr
geschehen.

Alles, was der Feldherr zur intensiven Ausbildung seines Angriffs durch
Eroberung von Festungen, Pssen, Provinzen tut, ist zwar noch ein
langsames Vorschreiten, aber nur ein relatives, kein absolutes mehr.

       *       *       *       *       *

Jeder Zwischenraum von einem Erfolg zum andern gibt dem Feinde neue
Aussichten. Die Wirkungen des frheren Erfolges haben auf den spteren
einen sehr geringen Einflu, oft keinen, oft einen negativen, weil sich
der Feind erholt oder gar zu grerem Widerstand entflammt wird oder
neue Hilfe von auen bekommt, whrend da, wo alles in einem Zuge
geschieht, der gestrige Erfolg den heutigen mit sich fortreit, der
Brand sich am Brande entzndet.

       *       *       *       *       *

Einer der wichtigsten und wirksamsten Grundstze in der Strategie ist
es: einen Erfolg, den man irgendwo erfochten hat, auf der Stelle so weit
auszunutzen, als es die Umstnde gestatten.

       *       *       *       *       *

Die Energie, mit der das Verfolgen geschieht, bestimmt hauptschlich den
Wert des Sieges. Die Verfolgung ist ein zweiter Akt des Sieges, in
vielen Fllen sogar wichtiger als der erste. Indem sich die Strategie
hier der Taktik nhert, um von ihr das rollende Werk in Empfang zu
nehmen, lt sie den ersten Akt ihrer Autoritt darin bestehen, diese
Vervollstndigung des Sieges zu fordern.

       *       *       *       *       *

Das erste Verfolgen hat verschiedene natrliche Grade.

Der erste ist, wenn es mit bloer Reiterei geschieht. Dann ist es im
Grunde mehr ein Schrecken und Beobachten als ein wahrhaftes Drngen,
weil der kleinste Bodenabschnitt gewhnlich hinreicht, den Verfolgenden
aufzuhalten. Soviel die Reiterei bei einer erschtterten und
geschwchten Truppe gegen den einzelnen Haufen vermag, so ist sie doch
gegen das Ganze immer nur die Hilfswaffe, weil der Abziehende seine
frischen Reserven zur Deckung seines Rckzugs verwenden und so beim
nchsten, unbedeutendsten Bodenabschnitt durch die Verbindung aller
Waffen mit Erfolg widerstehen kann. Nur ein in wahrer Flucht und
gnzlicher Auflsung befindliches Heer macht hier eine Ausnahme.

Der zweite Grad ist, wenn die Verfolgung durch eine starke Vorhut von
allen Waffen geschieht, bei der sich natrlich der grte Teil der
Reiterei befindet. Ein solches Verfolgen drngt den Gegner bis zur
nchsten starken Stellung seiner Nachhut oder bis zur nchsten
Aufstellung seines Heeres.

Der dritte und strkste Grad ist, wenn das siegreiche Heer selbst im
Vorgehen bleibt, soweit die Krfte reichen. In diesem Fall wird der
Geschlagene die meisten Aufstellungen, zu denen ihm die Gegend einige
Gelegenheit bietet, auf die bloen Anstalten eines Angriffs oder einer
Umgehung wieder verlassen.

       *       *       *       *       *

Aber auch bei diesem ersten Verfolgen bleibt die Wirksamkeit des Sieges
in den seltensten Fllen stehen, und es fngt nun erst die eigentliche
Bahn an, zu der der Sieg die Schnellkraft verliehen hat. Dabei kann man
wieder drei Grade unterscheiden: ein bloes Nachrcken, ein
eigentliches Drngen und einen Parallelmarsch zum Abschneiden.

       *       *       *       *       *

Der wirksamste Grad der (weiteren) Verfolgung ist der Parallelmarsch
nach dem nchsten Ziel des feindlichen Rckzuges. Jedes geschlagene Heer
wird hinter sich, nher oder entfernter, einen Punkt haben, dessen
Erreichung ihm zunchst stark am Herzen liegt, sei es, da sein fernerer
Rckzug dadurch gefhrdet werden kann, wie bei Straenengen, oder da es
fr den Punkt sehr wichtig ist, ihn *vor* dem Feinde zu erreichen, wie
bei Hauptstdten, Magazinen usw., oder endlich, da das Heer auf diesem
Punkte neue Widerstandsfhigkeit gewinnen kann, wie bei festen
Stellungen, Vereinigung mit anderen Korps usw.

       *       *       *       *       *

Bei der absoluten Gestalt des Krieges, wo alles aus notwendigen Grnden
geschieht, alles rasch ineinandergreift, kein, wenn ich so sagen darf,
wesenloser neutraler Zwischenraum entsteht, gibt es wegen der
vielfltigen Wechselwirkungen, die der Krieg in sich schliet, wegen des
Zusammenhanges, in dem, streng genommen, die ganze Reihe der
aufeinanderfolgenden Gefechte steht, wegen des Kulminationspunktes, den
jeder Sieg hat, ber den hinaus das Gebiet der Verluste und Niederlagen
beginnt -- wegen aller dieser natrlichen Verhltnisse des Krieges, sage
ich, gibt es nur *einen* Erfolg, nmlich den *Enderfolg*. Bis dahin ist
nichts entschieden: nichts gewonnen, nichts verloren. Hier mu man sich
bestndig sagen: das Ende krnt das Werk.




Die verlorene Schlacht und der Rckzug


Der Entschlu, das Gefecht aufzugeben, entspringt in der Hauptschlacht
mehr als in irgendeinem andern Gefechte aus dem Verhltnis der
brigbleibenden frischen Reserven. Denn nur diese haben noch alle
moralischen Krfte, und die vom Zerstrungselement bereits ausgeglhten
Schlacken zusammengeschossener und geworfener Bataillone knnen nicht
auf gleiche Linie mit ihnen gestellt werden. Auch der verlorene Boden
ist ein Mastab verlorener moralischer Krfte, wie wir anderswo gesagt
haben. Er kommt wohl mit in Betracht, doch mehr als ein Zeichen eines
erlittenen Verlustes denn als der Verlust selbst, und immer bleibt die
Zahl der frischen Reserven das Hauptaugenmerk beider Feldherren.

       *       *       *       *       *

Gewhnlich nimmt eine Schlacht ihre Richtung schon von vornherein,
wiewohl auf eine wenig merkliche Art. Oft ist sogar diese Richtung schon
durch die Anordnungen, die fr sie getroffen sind, auf eine sehr
entschiedene Weise gegeben, und dann ist es Mangel an Einsicht
desjenigen Feldherrn, der die Schlacht unter so schlimmen Bedingungen
erffnet, ohne sich ihrer bewut zu werden. Allein wo dieser Fall auch
nicht stattfindet, liegt es in der Natur der Dinge, da der Verlauf der
Schlachten mehr ein langsames Umschlagen des Gleichgewichts ist, das
bald, aber, wie gesagt, anfangs nicht merklich, eintritt und dann mit
jedem neuen Zeitmoment strker und sichtlicher wird, als ein
oszillierendes Hin- und Herschwanken, wie man sie sich, durch unwahre
Schlachtenbeschreibungen verfhrt, gewhnlich denkt.

In den meisten Fllen wird der Feldherr den Verlust des Gleichgewichts
lange schon vor dem Abzug gewahr, und die Flle, wo irgendeine
Einzelheit unvermutet stark auf den Hergang des Ganzen einwirkt, haben
ihr Dasein meistens nur in der Beschnigung, mit der jeder seine
verlorene Schlacht erzhlt.

Der besiegte Feldherr sieht den schlimmen Ausgang gewhnlich schon eine
geraume Zeit vorher, ehe er sich zum Aufgeben der Schlacht entschliet.
Allerdings gibt es Flle, wo eine Schlacht schon eine sehr entschiedene
Richtung nach einer Seite genommen hatte und doch eine Entscheidung nach
der anderen Seite hin bekommen hat, aber sie sind nicht die
gewhnlichen, sondern selten. Indes auf diese seltenen Flle rechnet
jeder Feldherr, gegen den sich das Glck erklrt, und er *mu* darauf
rechnen, solange ihm irgendeine Mglichkeit der Wendung bleibt. Er
hofft, durch strkere Anstrengungen, durch eine Erhhung der
brigbleibenden moralischen Krfte, durch ein Sichselbstbertreffen oder
auch durch einen glcklichen Zufall den Augenblick noch gewendet zu
sehen, und treibt dies so weit, wie Mut und Einsicht es in ihm
miteinander abmachen.

       *       *       *       *       *

Das Verhltnis der brig bleibenden frischen Reserven gibt meistens den
Hauptgrund zur vlligen Entscheidung ab. Der Feldherr, der seinen Gegner
darin von entschiedener berlegenheit sieht, entschliet sich zum
Rckzug. Es ist gerade die Eigentmlichkeit der neueren Schlachten, da
alle Unglcksflle und Verluste, die in ihrem Verlauf stattgehabt haben,
durch frische Krfte gutgemacht werden knnen, weil die neuere Art, wie
die Truppen ins Gefecht gefhrt werden, ihren Gebrauch fast berall und
in jeder Lage gestatten. Solange also der Feldherr, gegen den der
Ausgang sich zu erklren scheint, noch eine berlegenheit an Reserve
hat, wird er die Sache nicht aufgeben. Aber von dem Zeitpunkt an, wo
seine Reserven anfangen schwcher zu werden als die feindlichen, ist die
Entscheidung als gegeben zu betrachten, und was er nun noch tut, hngt
teils von besonderen Umstnden, teils von dem Grade des Mutes und der
Ausdauer ab, die ihm gegeben sind und die auch wohl in unweisen
Starrsinn ausarten knnen.

       *       *       *       *       *

Wenn auf der einen Seite der gebieterische Stolz eines siegreichen
Eroberers, wenn der unbeugsame Wille eines angeborenen Starrsinns, wenn
das krampfhafte Widerstreben einer edlen Begeisterung nicht vom
Schlachtfelde weichen wollen, wo sie ihre Ehre zurcklassen sollen, --
so rt auf der anderen Seite die Einsicht, nicht alles auszugeben, nicht
das Letzte aufs Spiel zu setzen, sondern so viel brig zu behalten, als
zu einem geordneten Rckzuge ntig ist.

Wie hoch auch der Wert des Mutes und der Standhaftigkeit im Kriege
angeschlagen werden mu und wie wenig Aussicht *der* auf den Sieg hat, der
sich nicht entschlieen kann, ihn mit der ganzen Kraftanstrengung zu
suchen, so gibt es doch einen Punkt, ber den hinaus das Verharren nur
eine verzweiflungsvolle Torheit genannt werden kann.

       *       *       *       *       *

Ein in Feindesland Zurckgehender bedarf in der Regel einer
vorbereiteten Strae. Einer, der unter sehr schlimmen Verhltnissen
zurckgeht, bedarf ihrer doppelt. Einer, der in Ruland 120 Meilen weit
zurck will, braucht sie dreifach. Unter vorbereiteter Strae verstehen
wir eine, die von seinen Etappentruppen besetzt war und auf der er
Magazine findet.

       *       *       *       *       *

In der verlorenen Schlacht ist die Macht des Heeres gebrochen worden,
noch mehr die moralische als die physische. Eine zweite, ohne da neue
vorteilhafte Umstnde ins Spiel kommen, wrde zur gnzlichen Niederlage,
vielleicht zum Untergange fhren. Das ist ein militrisches Axiom. Nach
der Natur der Sache geht der Rckzug bis zu dem Punkt, wo sich das
Gleichgewicht der Krfte wiederhergestellt haben wird, sei es durch
Verstrkung oder durch den Schutz bedeutender Festungen, oder durch
groe Abschnitte des Bodens oder durch die Ausdehnung der feindlichen
Macht. Der Grad des Verlustes, die Gre der Niederlage wird diesen
Moment des Gleichgewichtes nhern oder entfernen, noch mehr aber der
Charakter des Gegners. Wie viele Beispiele gibt es nicht, da das
geschlagene Heer sich in einer geringen Entfernung wieder aufgestellt
hat, ohne da seine Verhltnisse seit der Schlacht sich im mindesten
verndert htten. Der Grund davon liegt entweder in der moralischen
Schwche des Gegners oder darin, da das in der Schlacht gewonnene
bergewicht nicht gro genug ist, um zu einem nachdrcklichen Stoe zu
fhren.

       *       *       *       *       *

Das erste, was sich der Einbildungskraft -- und man kann auch wohl
sagen: des Verstandes -- in einer unglcklichen Schlacht bemchtigt, ist
das Zusammenschmelzen der Massen, dann der Verlust des Bodens, der mehr
oder weniger immer, und also auch beim Angreifenden, eintritt, wenn er
nicht glcklich ist. Dann die zerstrte ursprngliche Ordnung, das
Durcheinandergeraten der Teile, die Gefahren des Rckzugs, die mit wenig
Ausnahmen immer, bald schwcher, bald strker, eintreten. Nun der
Rckzug, der meist in der Nacht angetreten oder wenigstens die Nacht
hindurch fortgesetzt wird. Gleich bei diesem ersten Marsch mssen wir
eine Menge von Ermatteten und Verstreuten zurcklassen, oft gerade die
Bravsten, die sich am weitesten vorgewagt, die am lngsten ausgeharrt
haben. Das Gefhl, besiegt zu sein, das auf dem Schlachtfelde nur die
hheren Offiziere ergriff, geht nun auf alle Klassen bis zum Gemeinen
ber, verstrkt durch den abscheulichen Eindruck, so viel brave
Gefhrten, die gerade in der Schlacht uns erst recht wert geworden sind,
in Feindeshnden zurcklassen zu mssen, und verstrkt durch das
erwachende Mitrauen gegen die Fhrung, der mehr oder weniger jeder
Untergebene die Schuld seiner vergeblich gemachten Anstrengung beimit.
Und dieses Gefhl, besiegt zu sein, ist keine bloe Einbildung, ber die
man Herr werden knnte. Es ist die offenkundige Wahrheit, da der Gegner
uns berlegen ist, eine Wahrheit, die in den Ursachen so versteckt sein
konnte, da sie vorher nicht zu ersehen war, die aber beim Ausgang immer
klar und bndig hervortritt, die man auch vielleicht vorher erkannt hat,
der man aber in Ermangelung von etwas Handgreiflicherem Hoffnung auf den
Zufall, Vertrauen auf Glck und Vorsehung, mutiges Wagen entgegenstellen
mute. Nun hat sich dies alles als unzulnglich erwiesen, und die ernste
Wahrheit tritt uns streng und gebieterisch entgegen.

       *       *       *       *       *

Wer auf dem allgemeinen Rckzuge nach verlorener Schlacht glaubt, durch
einige schnelle Mrsche einen Vorsprung zu gewinnen und leichter einen
festen Stand zu bekommen, begeht einen groen Irrtum. Die ersten
Bewegungen mssen so klein als mglich, und im allgemeinen mu es
Grundsatz sein, sich nicht das Gesetz des Feindes aufdringen zu lassen.
Diesen Grundsatz kann man nicht befolgen ohne blutige Gefechte mit dem
nachdringenden Feind, aber der Grundsatz ist dieses Opfers wert. Ohne
ihn kommt man in eine beschleunigte Bewegung, die bald ein Strzen wird
und dann an bloen Nachzglern mehr Menschen kostet, als die Schlachten
der Nachhut gekostet htten, auerdem aber die letzten berreste des
Mutes vernichtet.

       *       *       *       *       *

Eine starke Nachhut, von den besten Truppen gebildet, vom tapfersten
General gefhrt und in den wichtigsten Augenblicken von der ganzen Armee
untersttzt, eine sorgfltige Benutzung der Gegend, starke Hinterhalte,
sooft die Khnheit der feindlichen Vorhut und die Gegend Gelegenheit
dazu geben, kurz die Einleitung und der Plan zu frmlichen kleinen
Schlachten: das sind die Mittel zur Befolgung jenes Grundsatzes.

       *       *       *       *       *

Die Schwierigkeiten des Rckzuges sind natrlich grer oder kleiner, je
nachdem die Schlacht unter mehr oder weniger gnstigen Verhltnissen
gefochten, und je nachdem sie mehr oder weniger ausgehalten worden ist.
Wie man aus allem ordnungsmigen Rckzuge kommen kann, wenn man sich
gegen einen berlegenen Gegner bis auf den letzten Mann wehrt, zeigen
die Schlachten von Jena und Belle-Alliance.

       *       *       *       *       *

Um die Schwchen oder Fehler des Gegners zu benutzen, nicht einen
Zollbreit weiter zurckzugehen, als die Gewalt der Umstnde erfordert,
hauptschlich aber, um das Verhltnis der moralischen Krfte auf einem
so vorteilhaften Punkt als mglich zu erhalten, ist ein langsamer, immer
widerstrebender Rckzug, ein khnes, mutiges Entgegentreten, sooft der
Verfolgende seine Vorteile im berma benutzen will, durchaus ntig. Die
Rckzge groer Feldherren und kriegsgebter Heere gleichen stets dem
Abgehen eines verwundeten Lwen, und dies ist unstreitig auch die beste
Theorie.




Verteidigung und Angriff


Was ist der Begriff der Verteidigung? Das Abwehren eines Stoes. Was ist
also ihr Merkmal? Das Abwarten dieses Stoes. Dieses Merkmal macht
jedesmal die Handlung zu einer verteidigenden, und durch dieses Merkmal
allein kann im Kriege die Verteidigung vom Angriff unterschieden werden.
Da aber eine absolute Verteidigung dem Begriff des Krieges vllig
widerspricht, weil bei ihr nur der eine Teil Krieg fhren wrde, so kann
auch im Kriege die Verteidigung nur relativ sein, und jenes Merkmal mu
also nur auf den Gesamtbegriff angewendet, nicht auf alle Teile von ihm
ausgedehnt werden. Ein einzelnes Gefecht ist verteidigend, wenn wir den
Anlauf, den Sturm des Feindes abwarten. Eine Schlacht, wenn wir den
Angriff, d. h. das Erscheinen vor unserer Stellung, in unserem Feuer,
abwarten. Ein Feldzug, wenn wir das Betreten unseres Kriegstheaters
abwarten. In allen diesen Fllen kommt dem Gesamtbegriff das Merkmal des
Abwartens und Abwehrens zu, ohne da daraus ein Widerspruch mit dem
Begriff des Krieges folgt, denn wir knnen unsern Vorteil darin finden,
den Anlauf gegen unsere Bajonette, den Angriff auf unsere Stellung und
auf unser Kriegstheater abzuwarten. Da man aber, um wirklich auch
seinerseits Krieg zu fhren, dem Feinde seine Ste zurckgeben mu, so
geschieht dieser Akt des Angriffs im Verteidigungskriege gewissermaen
unter dem Haupttitel der Verteidigung; d. h. die Offensive, deren wir
uns bedienen, fllt innerhalb der Begriffe von Stellung oder
Kriegstheater. Man kann also in einem verteidigenden Feldzuge
angriffsweise schlagen, in einer verteidigenden Schlacht angriffsweise
seine einzelnen Korps und Divisionen gebrauchen, endlich in einer
einfachen Stellung gegen den feindlichen Sturm schickt man ihm sogar
noch die offensiven Kugeln entgegen. Die verteidigende Form des
Kriegfhrens ist also kein unmittelbarer Schild, sondern ein Schild,
gebildet durch geschickte Streiche.

       *       *       *       *       *

Was ist der Zweck der Verteidigung? Erhalten. Erhalten ist leichter als
gewinnen. Schon daraus folgt, da die Verteidigung bei vorausgesetzt
gleichen Mitteln leichter ist als der Angriff. Worin liegt aber die
grere Leichtigkeit des Erhaltens oder Bewahrens? Darin, da alle Zeit,
die unbenutzt verstreicht, in die Wagschale des Verteidigers fllt. Er
erntet, wo er nicht gest hat. Jedes Unterlassen des Angriffs aus
falscher Ansicht, aus Furcht, aus Trgheit, kommt dem Verteidiger
zugute. Dieser Vorteil hat den Preuischen Staat im Siebenjhrigen
Kriege mehr als einmal vom Untergang gerettet.

Dieser sich aus Begriff und Zweck ergebende Vorteil der Verteidigung
liegt in der Natur aller Verteidigung. _Beati sunt possidentes._ Ein
anderer, der aus der Natur des Krieges hinzukommt, ist der Beistand der
rtlichen Lage, den die Verteidigung vorzugsweise geniet.

       *       *       *       *       *

Die Verteidigung hat einen negativen Zweck: das Erhalten; der Angriff
einen positiven: das Erobern. Und da dieses die eigenen Kriegsmittel
vermehrt, das Erhalten aber nicht, so mu man sagen: die verteidigende
Form des Kriegfhrens ist an sich strker als die angreifende.

       *       *       *       *       *

Ist die Verteidigung eine strkere Form des Kriegfhrens, die aber einen
negativen Zweck hat, so folgt von selbst, da man sich ihrer nur so
lange bedienen mu, als man ihrer der Schwche wegen bedarf, und sie
verlassen mu, sobald man stark genug ist, sich den positiven Zweck
vorzusetzen. Da man nun, indem man unter ihrem Beistand Sieger wird,
gewhnlich ein gnstigeres Verhltnis der Krfte herbeifhrt, so ist
auch der natrliche Gang im Kriege, mit der Verteidigung anzufangen und
mit der Offensive zu enden. Es ist also ebensogut im Widerspruch mit dem
Begriff des Krieges, den letzten Zweck die Verteidigung sein zu lassen,
als es Widerspruch war, die Passivitt der Verteidigung nicht blo vom
Ganzen, sondern von allen seinen Teilen zu verstehen. Mit andern Worten:
ein Krieg, bei dem man seine Siege blo zum Abwehren benutzen und gar
nicht widerstoen wollte, wre ebenso widersinnig wie eine Schlacht, in
der die absoluteste Verteidigung (Passivitt) in allen Maregeln
herrschen sollte.

       *       *       *       *       *

Wie der Vorteil der Gegend zum Siege beitrgt, ist an sich verstndlich
genug, und es ist nur das eine zu bemerken, da hier nicht blo von den
Hindernissen die Rede ist, die dem Angreifenden bei seinem Vorrcken
aufstoen, wie: steile Grnde, hohe Berge, sumpfige Bche, Hecken usw.,
sondern da es auch ein Vorteil der Gegend ist, wenn sie Gelegenheit
gibt, uns verdeckt darin aufzustellen. Selbst von einer ganz
gleichgltigen Gegend kann man sagen, da der ihren Beistand geniet,
der sie kennt.

       *       *       *       *       *

Der Verteidiger hat den Vorteil der Gegend, der Angreifende den des
berfalls in der Strategie wie in der Taktik. Vom berfall ist aber zu
bemerken, da er in der Strategie ein unendlich wirksameres und
wichtigeres Mittel ist als in der Taktik. In dieser wird man einen
berfall selten bis zum groen Sieg ausdehnen knnen, wogegen ein
berfall in der Strategie nicht selten den ganzen Krieg mit einem
Streich geendigt hat. Dagegen ist zu bemerken, da der Gebrauch dieses
Mittels groe, entschiedene, seltene Fehler beim Gegner voraussetzt, es
daher in die Wagschale des Angriffs kein sehr groes Gewicht legen
kann.

       *       *       *       *       *

Hat die Verteidigung einmal das Prinzip der Bewegung in sich aufgenommen
(einer Bewegung, die zwar spter anfngt als die des Angreifenden, aber
immer zeitig genug, um die Fesseln der erstarrenden Passivitt zu
lsen), so wird der Vorteil der greren Vereinigung und der inneren
Linien ein sehr entscheidender und meistens wirksamerer zum Siege, als
die konzentrische Figur des Angriffs. Sieg aber mu dem Erfolg
vorhergehen. Erst mu man berwinden, ehe man an das Abschneiden denken
kann. Kurz, man sieht: es besteht hier ein hnliches Verhltnis, wie das
zwischen Angriff und Verteidigung berhaupt. Die konzentrische Form
fhrt zu glnzenden Erfolgen, die exzentrische gewhrt die ihrigen
sicherer; jenes ist die schwchere Form mit dem positiveren, dieses die
strkere Form mit dem negativen Zweck. Dadurch, scheint uns, sind diese
beiden Formen schon in ein gewisses schwebendes Gleichgewicht gebracht.
Fgt man nun hinzu, da sich die Verteidigung, weil sie nicht berall
eine absolute ist, auch nicht immer in der Unmglichkeit befindet, sich
der konzentrischen Krfte zu bedienen, so wird man mindestens kein Recht
mehr haben, zu glauben, da diese Wirkungsart allein hinreichend sei,
dem Angriff ein ganz allgemeines bergewicht ber die Verteidigung zu
gewhren, und so wird man sich von dem Einflusse befreien, den diese
Vorstellungsart bei jeder Gelegenheit auf das Urteil auszuben pflegt.

       *       *       *       *       *

Der Vorteil der inneren Linien wchst mit den Rumen, auf die sich diese
Linien beziehen. Bei Entfernungen von einigen tausend Schritten oder
einer halben Meile kann natrlich die Zeit, die man gewinnt, nicht so
gro sein, wie bei Entfernungen von mehreren Tagesmrschen oder gar von
zwanzig bis dreiig Meilen; die ersteren, nmlich die kleinen Rume,
gehren der Taktik an, die greren der Strategie. Wenn man nun
freilich in der Strategie auch mehr Zeit zur Erreichung des Zwecks
braucht als in der Taktik, und eine Armee nicht so schnell berwunden
ist wie ein Bataillon, so nehmen doch diese Zeiten in der Strategie auch
nur bis zu einem gewissen Punkt zu, nmlich bis zur Dauer einer
Schlacht, und allenfalls der paar Tage, um die sich eine Schlacht ohne
entscheidende Opfer vermeiden lt. Ferner findet ein noch viel grerer
Unterschied in dem eigentlichen Vorsprung statt, den man in dem einen
und dem andern Fall gewinnt. Bei den kleinen Entfernungen in der Taktik:
in der Schlacht, geschehen die Bewegungen des einen fast unter den Augen
des andern; der auf der ueren Linie Stehende wird also die seines
Gegners meistens schnell gewahr. Bei den greren Entfernungen der
Strategie geschieht es wohl hchst selten, da eine Bewegung des einen
nicht wenigstens einen Tag dem andern verborgen bleibt, und es gibt
Flle genug, in denen, besonders wenn die Bewegung nur einen Teil betraf
und in einer betrchtlichen Entsendung bestand, dies wochenlang
verborgen geblieben ist. Wie gro der Vorteil des Verbergens fr
denjenigen ist, der durch die Natur seiner Lage am meisten imstande ist,
davon Gebrauch zu machen, lt sich leicht einsehen.

       *       *       *       *       *

Ein schneller, krftiger bergang zum Angriff -- das blitzende
Vergeltungsschwert -- ist der glnzendste Punkt der Verteidigung. Wer
sich ihn nicht gleich hinzudenkt, oder vielmehr, wer ihn nicht gleich in
den Begriff der Verteidigung aufnimmt, dem wird nimmermehr die
berlegenheit der Verteidigung einleuchten; er wird immer nur an die
Mittel denken, die man durch den Angriff dem Feinde zerstrt und sich
erwirbt, welche Mittel aber nicht von der Weise abhngen, den Knoten zu
schrzen, sondern ihn aufzulsen. Ferner ist es eine grobe
Verwechselung, wenn man unter Angriff immer einen berfall versteht und
sich folglich unter Verteidigung nichts als Not und Verwirrung denkt.

Freilich fat der Eroberer seinen Entschlu zum Kriege frher als der
harmlose Verteidiger, und wenn er seine Maregeln gehrig geheimzuhalten
wei, wird er diesen wohl auch berraschen knnen. Aber das ist etwas
dem Kriege Fremdes. Der Krieg ist mehr fr den Verteidiger als fr den
Eroberer da, denn der Einbruch hat erst die Verteidigung hervorgerufen
und mit ihr den Krieg. Der Eroberer ist immer friedliebend, wie
Bonaparte auch stets von sich behauptet hat. Er zge ganz gern ruhig in
unsern Staat ein. Damit er dies aber nicht knne, darum mssen wir den
Krieg wollen, und also auch vorbereiten, d. h. mit andern Worten: es
sollen gerade die Schwachen, der Verteidigung Unterworfenen immer
gerstet sein, um nicht berfallen zu werden. So will es die
Kriegskunst.

       *       *       *       *       *

Das frhere Erscheinen auf dem Kriegstheater hngt in den meisten Fllen
von ganz andern Dingen ab, als von der Angriffs- oder Verteidigungsabsicht.
Diese sind also nicht die Ursache, aber oft die Folge davon. Wer frher
fertig wird, geht, wenn der Vorteil des berfalls gro genug ist, aus
*diesem* Grunde angriffsweise zu Werke, und der, welcher spter fertig
wird, kann den Nachteil, der ihn bedroht, allein durch die Vorteile der
Verteidigung noch einigermaen ausgleichen.

Indessen mu es im allgemeinen als ein Vorteil des Angriffs angesehen
werden, von der frheren Bereitschaft diesen schnen Gebrauch machen zu
knnen; nur ist dieser allgemeine Vorteil keine unabtrennbare
Notwendigkeit fr jeden einzelnen Fall.

Wie kein Verteidigungsfeldzug aus bloen Verteidigungselementen
zusammengesetzt ist, so besteht auch kein Angriffsfeldzug aus lauter
Angriffselementen, weil auer den kurzen Zwischenperioden eines jeden
Feldzugs, in denen sich beide Heere in der Verteidigung befinden, jeder
Angriff, der nicht bis zum Frieden reicht, notwendig mit einer
Verteidigung enden mu.

Auf diese Weise ist es die Verteidigung selbst, die zur Schwchung des
Angriffs beitrgt. Dies ist so wenig eine mige Spitzfindigkeit, da
wir es vielmehr als den hauptschlichsten Nachteil des Angriffs
betrachten, dadurch spter in eine ganz unvorteilhafte Verteidigung
versetzt zu werden.

Und hiermit ist denn erklrt, wie der Unterschied, der in der Strke der
offensiven und defensiven Kriegsform ursprnglich besteht, nach und nach
geringer wird.

       *       *       *       *       *

Der Zweck des Angriffs ist: in den Besitz unseres Kriegstheaters oder
wenigstens eines bedeutenden Teils davon zu gelangen, denn unter dem
Begriff des Ganzen mu wenigstens die grere Masse desselben verstanden
werden, da der Besitz eines Landstrichs von wenigen Meilen in der
Strategie in der Regel keine selbstndige Wichtigkeit hat. Solange also
der Angreifende in diesem Besitz noch nicht ist, d. h. solange er, weil
er sich vor unserer Macht frchtet, entweder noch gar nicht zum Angriff
des Kriegstheaters vorgeschritten ist, oder uns in unserer Stellung noch
nicht aufgesucht hat, oder der Schlacht, die wir ihm liefern wollten,
ausgewichen ist, so lange ist der Zweck der Verteidigung erfllt, und
die Wirkungen der Verteidigungsmaregeln sind also erfolgreich gewesen.
Aber freilich ist dieser Erfolg ein blo negativer, der zu einem
eigentlichen Rcksto zwar nicht unmittelbar die Krfte geben kann. Er
kann sie aber mittelbar geben, d. h. er ist auf dem Wege dazu, denn die
Zeit, die verstreicht, verliert der Angreifende, und jeder Zeitverlust
ist ein Nachteil und mu auf irgendeine Art den schwchen, der ihn
erleidet.

       *       *       *       *       *

Selten, oder wenigstens nicht immer, schreibt sich der Feldherr genau
vor, was er erobern will, sondern er lt es von den Ereignissen
abhngen. Sein Angriff fhrt ihn oft weiter, als er gedacht hat.

       *       *       *       *       *

Wir haben gesehen, da die Verteidigung im Kriege berhaupt, also auch
die strategische, kein absolutes Abwarten und Abwehren, also kein
vollkommenes Leiden ist, sondern ein relatives, folglich von mehr oder
weniger offensiven Prinzipien durchdrungen. Ebenso ist der Angriff kein
homogenes Ganze, sondern mit der Verteidigung unaufhrlich vermischt.
Zwischen beiden findet aber der Unterschied statt, da die Verteidigung
ohne offensiven Rcksto gar nicht gedacht werden kann, da dieser ein
notwendiger Bestandteil der Verteidigung ist, whrend beim Angriff der
Sto oder Akt an sich ein vollstndiger Begriff ist. Die Verteidigung
ist ihm an sich nicht ntig, aber Zeit und Raum, an die er gebunden ist,
fhren ihm die Verteidigung als ein notwendiges bel zu. Denn erstens
kann er nicht in einer stetigen Folge bis zur Vollendung fortgefhrt
werden, sondern erfordert Ruhepunkte, und in dieser Zeit der Ruhe, wo er
selbst neutralisiert ist, tritt der Zustand der Verteidigung von selbst
ein. Zweitens ist der Raum, den die vorschreitende Streitkraft hinter
sich lt und den sie zu ihrem Bestehen notwendig braucht, nicht immer
durch den Angriff an sich gedeckt, sondern mu besonders geschtzt
werden.

Es ist also der Akt des Angriffs im Kriege, vorzugsweise aber in der
Strategie, ein bestndiges Wechseln und Verbinden von Angriff und
Verteidigung, wobei aber letztere nicht als eine wirksame Vorbereitung
zum Angriffe, nicht als eine Steigerung desselben anzusehen ist, also
nicht als ein ttiges Prinzip, sondern als ein bloes notwendiges bel,
als das retardierende Gewicht, das die bloe Schwere der Masse
hervorbringt. Sie ist seine Erbsnde, sein Todesprinzip. Wir sagen: ein
retardierendes Gewicht, weil, wenn die Verteidigung nichts zur
Verstrkung des Angriffs beitrgt, sie schon durch den bloen
Zeitverlust, den sie darstellt, seine Wirkung vermindern mu.

       *       *       *       *       *

Jeder Angriff mu mit einem Verteidigen enden. Wie dies beschaffen sein
wird, hngt von Umstnden ab. Sie knnen sehr gnstig sein, wenn die
feindlichen Streitkrfte zerstrt sind, aber auch sehr schwierig, wenn
dies nicht der Fall ist. Bei jedem Angriffe mu daher auf die ihm
notwendig anhngende Verteidigung Rcksicht genommen werden, um sich auf
die Nachteile, denen er unterworfen ist, gefat zu machen.

       *       *       *       *       *

Wo der Sieg gesucht wird, darf der offensive Teil in der
Verteidigungsschlacht niemals fehlen, und von diesem offensiven Teile
aus knnen alle Wirkungen eines entscheidenden Sieges hervorgehen, so
gut wie aus einer reinen Offensivschlacht, so da fr die strategische
Kombination im Grunde zwischen Angriffs- und Verteidigungsschlacht gar
kein Unterschied besteht.

       *       *       *       *       *

Was wir von der Defensivschlacht gesagt haben, wirft schon ein groes
Licht auf die Offensivschlacht.

Wir haben dort die Schlacht im Auge gehabt, in der die Verteidigung am
strksten ausgesprochen ist, um ihr Wesen fhlbar zu machen. Die
wenigsten Schlachten sind aber von dieser Art; die meisten sind halbe
Renkontres, in denen der Defensivcharakter sehr verloren geht. Anders
verhlt es sich mit der Offensivschlacht. Sie behlt ihren Charakter
unter allen Umstnden. Die Haupteigentmlichkeit der Offensivschlacht
ist das Umfassen oder Umgehen.

       *       *       *       *       *

Das Gefecht mit umfassenden Linien gewhrt an sich ganz offenbar groe
Vorteile. Es ist indes ein Gegenstand der Taktik. Diese Vorteile kann
der Angriff nicht aufgeben, weil die Verteidigung ein Mittel dagegen
hat. Denn dieses Mittel kann er selbst nicht anwenden, insofern es mit
den brigen Verhltnissen der Verteidigung zu eng zusammenhngt. Um den
umfassenden Feind mit Erfolg wieder umfassen zu knnen, mu man sich in
einer ausgesuchten und wohleingerichteten Stellung befinden. Aber was
viel wichtiger ist, nicht alle Vorteile, die die Verteidigung darbietet,
kommen wirklich zur Anwendung. Die meisten Verteidigungen sind drftige
Notbehelfe; die Mehrzahl der Verteidiger befindet sich in einer sehr
bedrngten und bedrohten Lage, in der sie, das Schlimmste erwartend, dem
Angriff auf halbem Wege entgegenkommen. Die Folge davon ist, da
Schlachten mit umfassenden Linien oder gar mit verwandter Front, die
eigentlich die Folge eines vorteilhaften Verhltnisses der
Verbindungslinien sein sollten, gewhnlich die Folge der moralischen und
physischen berlegenheit sind.

So wie in der Verteidigungsschlacht der Feldherr das Bedrfnis hat, die
Entscheidung mglichst lange hinzuhalten und Zeit zu gewinnen, weil eine
unentschiedene Verteidigungsschlacht gewhnlich eine gewonnene ist, so
hat der Feldherr in der Angriffsschlacht das Bedrfnis, die Entscheidung
zu beschleunigen; aber andrerseits ist mit der bereilung groe Gefahr
verbunden, weil sie zur Verschwendung der Krfte fhrt.

Eine Eigentmlichkeit der Angriffsschlacht ist in den meisten Fllen die
Ungewiheit ber die Lage des Gegners. Sie ist ein wirkliches
Hineintappen in unbekannte Verhltnisse. Je mehr sie das ist, um so mehr
ist Vereinigung der Krfte geboten; um so mehr ist Umgehen dem Umfassen
vorzuziehen.

Da die Hauptfrchte des Sieges erst im Verfolgen errungen werden, ist
an anderer Stelle hervorgehoben. Der Natur der Sache nach ist bei der
Offensivschlacht die Verfolgung in hherem Mae ein unerllicher Teil
der ganzen Handlung als in der Verteidigungsschlacht.

       *       *       *       *       *

Ein Stillstand im kriegerischen Akt ist streng genommen ein Widerspruch
mit der Natur der Sache, weil beide Heere wie zwei feindliche Elemente
einander unausgesetzt vertilgen mssen, so wie Feuer und Wasser sich nie
ins Gleichgewicht setzen, sondern so lange aufeinander einwirken, bis
eines ganz verschwunden ist. Was wrde man von zwei Ringern sagen, die
sich stundenlang umfat halten, ohne eine Bewegung zu machen? Der
kriegerische Akt sollte also wie ein aufgezogenes Uhrwerk in stetiger
Bewegung ablaufen. Aber so wild die Natur des Krieges ist, so liegt sie
doch an der Kette der menschlichen Schwchen.

Richten wir einen Blick auf die Kriegsgeschichte, so finden wir so sehr
das Gegenteil von einem unaufhaltsamen Fortschreiten zum Ziel, da ganz
offenbar Stillstehen und Nichtstun der Grundzustand der Heere mitten im
Kriege ist und das Handeln die Ausnahme. Es sind dabei drei Ursachen zu
bemerken.

Die erste, die einen bestndigen Hang zum Aufenthalt hervorbringt und
dadurch ein retardierendes Prinzip wird, ist die natrliche
Furchtsamkeit und Unentschlossenheit des menschlichen Geistes, eine Art
von Schwere in der seelischen Welt.

Im Flammenelement des Krieges mssen die gewhnlichen Naturen schwerer
erscheinen. Die Anste mssen also strker und wiederholter sein, wenn
die Bewegung eine dauernde werden soll. Wenn nicht ein kriegerischer,
unternehmender Geist an der Spitze steht, der sich im Kriege wie der
Fisch im Wasser in seinem rechten Element befindet, oder wenn nicht
groe Verantwortlichkeit von oben drckt: wird Stillstand zur
Tagesordnung und das Vorschreiten zu den Ausnahmen gehren.

Die zweite Ursache ist die Unvollkommenheit menschlicher Einsicht und
Beurteilung, die im Kriege grer ist als irgendwo, weil man kaum die
eigene Lage in jedem Augenblick genau kennt, die des Gegners aber, weil
sie verschleiert ist, aus wenigem erraten mu. Dies bringt denn oft den
Fall hervor, da *beide* Teile auch da einen und denselben Gegenstand
fr *ihren* Vorteil ansehen, wo das Interesse des einen berwiegend ist.

Die dritte Ursache, die wie ein Sperrad in das Uhrwerk eingreift und von
Zeit zu Zeit gnzlichen Stillstand hervorbringt, ist die grere Strke
der Verteidigung. Es kann vorkommen, da beide Teile zugleich zum
Angriff sich nicht blo zu schwach fhlen, sondern es wirklich sind.

       *       *       *       *       *

Jeder Angreifende, der an seinem Gegner vorbeigehen will, ist in zwei
ganz entgegengesetzte Bestrebungen verwickelt. Ursprnglich will er
vorwrts, um den Gegenstand des Angriffs zu erreichen. Die Mglichkeit
aber, jeden Augenblick von der Seite angefallen zu werden, erzeugt das
Bedrfnis, nach dieser Seite hin in jedem Augenblick einen Sto, und
zwar einen Sto mit vereinter Macht, zu richten. Diese beiden
Bestrebungen widersprechen sich und erzeugen eine solche Verwickelung
der inneren Verhltnisse, eine solche Schwierigkeit der Maregeln, wenn
sie fr alle Flle passen sollen, da es strategisch kaum eine
schlimmere Lage geben kann. Wte der Angreifende mit Gewiheit den
Augenblick, wo er angefallen werden wird, so knnte er mit Kunst und
Geschick alles dazu vorbereiten, aber in der Ungewiheit darber und bei
der Notwendigkeit des Vorschreitens kann es kaum fehlen, da, wenn die
Schlacht erfolgt, sie ihn in hchst drftig zusammengerafften und also
gewi nicht vorteilhaften Verhltnissen findet.

       *       *       *       *       *

Eine strategische Umgehung mit der Absicht einer Gefechtsentscheidung
hat, verglichen mit einem gewhnlichen Angriff, den Charakter einer
greren Entscheidung, denn die Gre der Erfolge wird gesteigert, ihre
Wahrscheinlichkeit aber vermindert. Eine solche Unternehmung ziemt also
an sich dem Strkeren, der durch seine berzahl die Sicherheit des
Erfolgs schon in einem gewissen Grade hat und dem es um einen recht
groen Erfolg zu tun sein mu. Aber freilich kann man im Kriege niemals
feststellen wollen, wie hoch der Feldherr seine eigene Kraft, d. h. sein
Talent und sein Glck, in Anschlag bringen darf. Dies mu ihm
schlechterdings berlassen bleiben: also der Grad der Khnheit, womit er
seinen Weg verfolgt. Die Theorie kann nur fordern, da er die objektiven
Verhltnisse alle kennt und richtig beurteilt, also nicht wagt, ohne es
zu wissen.




Betrachtungen und Ausblicke


Niemals wird man sehen, da der Staat, der in der Sache eines andern
auftritt, diese so ernsthaft nimmt wie seine eigene. Eine mige
Hilfsarmee wird abgesandt. Ist sie nicht glcklich, so sieht man die
Sache ziemlich als abgemacht an und sucht so wohlfeil als mglich
herauszukommen.

Aber selbst dann, wenn zwei Staaten wirklich gegen einen dritten Krieg
fhren, so betrachten sie diesen doch nicht immer gleichmig als einen
Feind, den sie vernichten mssen, damit er sie nicht vernichte, sondern
die Angelegenheit wird oft wie ein Handelsgeschft abgemacht; ein jeder
legt nach Verhltnis der Gefahr, die er zu bestehen, und der Vorteile,
die er zu erwarten hat, eine Aktie von soundsoviel hunderttausend Mann
ein und tut, als knne er dabei nichts als diese verlieren.

Die Sache wrde eine Art von innerem Zusammenhang haben, und die Theorie
des Krieges dabei weniger in Verlegenheit kommen, wenn diese zugesagte
Hilfe dem im Kriege begriffenen Staate vllig berlassen wrde, so da
er sie nach seinem Bedrfnis brauchen knnte. Alsdann wre sie wie eine
gemietete Truppe zu betrachten. Allein davon ist der Gebrauch weit
entfernt. Gewhnlich haben die Hilfstruppen ihren eigenen Feldherrn, der
nur von seiner Regierung abhngt und dem diese ein Ziel steckt, wie es
sich mit der Halbheit ihrer Absichten am besten vertrgt.

       *       *       *       *       *

Es ist eine Eigentmlichkeit der Kriegfhrung Verbndeter, die nicht von
der uersten Gefahr zur Einheit und Konsequenz gedrngt wird, da die
geteilten politischen Interessen ihr Spiel treiben, Uneinigkeit,
Widersprche und zuletzt vlligen Unsinn hervorbringen.

       *       *       *       *       *

Wenn eine Macht allein Krieg fhrt, mag sie Zeit und Krfte nach
Gefallen verschwenden. Es entsteht wenigstens kein zweiter Nachteil
daraus. Aber bei einem Bndniskriege kann es nie fehlen, da auffallende
Unttigkeit des einen den andern entweder zu ebensolcher veranlat oder
so emprt, da ein baldiger Bruch des Bndnisses erfolgt.

       *       *       *       *       *

Schon die Fhrung einer Armee, von der drei Viertel einem fremden
Monarchen gehrt, ist ein Auftrag ganz andrer Art als die Fhrung einer
Armee entweder als Landesherr oder wenigstens mit der Autoritt einer
nach und nach in ihr erworbenen Feldherrnwrde. Wer fhlt nicht, da man
in seinem eigenen Hause ein ganz anderer Herr ist als in einem fremden,
trotz aller bertragenen Machtvollkommenheit?

       *       *       *       *       *

Man kann ganz allgemein sagen, da alle die unglcklichen
Kriegsunternehmungen, die durch *eine Reihe* von Fehlern hervorgebracht
sind, niemals in ihrem inneren Zusammenhang so beschaffen sind, wie die
Allgemeinheit glaubt. Die Leute, die handeln, wenn sie auch zu den
schlechtesten Feldherren gehren, sind doch nicht ohne gesunden
Menschenverstand und wrden nimmermehr solche Torheiten begehen, wie der
Laie und die historischen Kritiker ihnen in Bausch und Bogen anrechnen.
Die meisten Beurteiler wren erstaunt, wenn sie alle die nheren Motive
des Handelns kennen lernten, und hchstwahrscheinlich ebensogut
verleitet worden wie der Feldherr, der jetzt wie ein halber Schwachkopf
vor uns steht. Fehler mssen allerdings vorhanden sein; nur liegen sie
gewhnlich tiefer, in Fehlern der Ansicht und in Schwchen des
Charakters, die nicht auf den ersten Blick als solche erscheinen,
sondern die man erst auffindet und deutlich erkennt, wenn man alle
Grnde, die den Besiegten zu seinem Handeln bestimmt haben, mit dem
Erfolg vergleicht. Dieses Finden des Wahren hinterher ist der Kritik
gestattet; es kann ihr nicht hhnisch vorgeworfen werden, sondern ist
ihr eigentliches Geschft, das aber allerdings viel leichter ist als das
Treffen des Rechten im Augenblick des Handelns.

Es ist darum in der Tat eine Torheit, wenn wir fast smtliche Armeen den
Grundsatz befolgen sehen, ber unglckliche Kriegsereignisse so wenig
als mglich bekanntzumachen. Die Dinge, bis ins einzelne bekanntgemacht,
werden sich immer viel besser ausnehmen als in Bausch und Bogen.

       *       *       *       *       *

So wie das Schlachtfeld strategisch nur ein Punkt ist, so ist die Zeit
einer Schlacht strategisch nur ein Moment, und nicht der Verlauf,
sondern das Ende und Ergebnis einer Schlacht ist eine strategische
Gre.

       *       *       *       *       *

In der Strategie gibt es keinen Sieg. Der strategische Erfolg ist von
der einen Seite die gnstige Vorbereitung des taktischen Sieges. Je
grer dieser strategische Erfolg ist, um so wahrscheinlicher wird der
Sieg im Gefecht. Von der anderen Seite liegt der strategische Erfolg in
der Ausnutzung des erfochtenen Sieges. Je mehr Ereignisse die Strategie
durch ihre Kombinationen *nach* einer gewonnenen Schlacht in die Folgen
derselben hineinzuziehen, je mehr sie von den nachfallenden Trmmern,
deren Grundfeste durch die Schlacht erschttert worden, an sich zu
reien vermag, je mehr sie in groen Zgen eintreibt, was in der
Schlacht selbst mhevoll einzeln errungen werden mute, um so
groartiger sind ihre Erfolge.

       *       *       *       *       *

Die Kriegskunst auf ihrem hchsten Standpunkte wird zur Politik, aber
freilich einer Politik, die statt Noten zu schreiben, Schlachten
liefert.

       *       *       *       *       *

Man sagt eigentlich etwas ganz anderes, als man sagen will, wenn man,
was hufig geschieht, vom schdlichen Einflu der Politik auf die
Fhrung des Krieges spricht. Es ist nicht dieser Einflu, sondern die
Politik selbst, die man tadeln sollte. Ist die Politik richtig, d. h.
trifft sie ihr Ziel, so kann sie auf den Krieg in ihrem Sinne auch nur
vorteilhaft wirken; und wo diese Einwirkung vom Ziel entfernt, ist die
Quelle nur in der verkehrten Politik zu suchen.

       *       *       *       *       *

Die Aufgabe und das Recht der Kriegskunst der Politik gegenber ist es
hauptschlich, zu verhten, da die Politik Dinge fordere, die gegen die
Natur des Krieges sind, da sie aus Unkenntnis ber die Wirkungen des
Instruments Fehler begehe im Gebrauche desselben.

       *       *       *       *       *

Nichts ist im Leben so wichtig, als genau den Standpunkt zu ermitteln,
von dem die Dinge aufgefat und beurteilt werden mssen, und dann an ihm
festzuhalten. Denn nur von *einem* Standpunkt aus knnen wir die Masse
der Erscheinungen in ihrer Einheit auffassen, und nur die Einheit des
Standpunkts kann uns vor Widersprchen sichern.

Gehrt der Krieg der Politik an, so wird er ihren Charakter annehmen.
Ist sie groartig und krftig, so wird es auch der Krieg. Nur durch
diese Vorstellungsart wird der Krieg zur Einheit, nur mit ihr kann man
alle Kriege als Dinge *einer* Art betrachten, und nur durch sie wird dem
Urteil der rechte und genaue Stand- und Gesichtspunkt gegeben.

       *       *       *       *       *

Die ungeheuren Wirkungen der Franzsischen Revolution nach auen sind
offenbar viel weniger in neuen Mitteln und Ansichten der franzsischen
Kriegfhrung zu suchen, als in der ganz vernderten Staats- und
Verwaltungskunst, im Charakter der Regierung, im Zustande des Volkes
usw. Da die anderen Regierungen alle diese Dinge unrichtig ansahen, --
da sie mit gewhnlichen Mitteln Krften die Wage halten wollten, die
neu und berwltigend waren: das alles sind Fehler der Politik. Man kann
sagen: die zwanzigjhrigen Siege der Revolution sind hauptschlich die
Folge der fehlerhaften Politik der ihr gegenberstehenden Regierungen
gewesen, wenn auch der eigentliche berfall, von dem sich die
Intelligenz getroffen fhlte, innerhalb der Kriegfhrung stattfand.

       *       *       *       *       *

Wenn blutige Schlachten ein schreckliches Schauspiel sind, so mu dies
eine Veranlassung sein, den Krieg mehr zu wrdigen, aber nicht die
Waffen, die man fhrt, nach und nach aus Menschlichkeit stumpfer zu
machen, bis einmal wieder einer dazwischenkommt mit einem scharfen
Schwerte und uns die Arme vom Leibe weghaut.

       *       *       *       *       *

Ein Frst oder Feldherr, der seinen Krieg genau nach seinen Zwecken und
Mitteln einzurichten wei, nicht zu viel und nicht zu wenig tut, gibt
dadurch den grten Beweis seines Genies. Aber die Wirkungen dieser
Genialitt zeigen sich nicht sowohl in neuerfundenen Formen des
Handelns, die sogleich in die Augen fallen, als im glcklichen
Endergebnis des Ganzen. Es ist das richtige Zutreffen der stillen
Voraussetzungen, es ist die geruschlose Harmonie des ganzen Handelns,
die wir bewundern sollten und die sich erst im Gesamterfolge verkndet.




Inhaltsbersicht


                                                               Seite

  Geleitwort des Herausgebers                                        3

  Wesen und Ziel des Krieges                                         6

  Kriegskunst und Theorie                                           10

  Kriegerische Tugenden. Heer und Feldherr                          15

  Kriegsplan. Numerische berlegenheit. Friktion im Kriege.
  Ungewiheit der Nachrichten                                       31

  Operationsbasis. Mrsche. Festungen. Gebirgskrieg                 37

  Das Gefecht. Verluste. Reserven. Die Hauptschlacht.
  Sieg und Verfolgung                                               43

  Die verlorene Schlacht und der Rckzug                            62

  Verteidigung und Angriff                                          68

  Betrachtungen und Ausblicke                                       81


Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig




Bei der Transkription erfolgte Korrekturen:

Folgende Berichtigungen am Originaltext wurden aus grammatikalischen
oder Konsistenzgrnden vorgenommen:

- Im Kontext "mit einer guteingelten Maschine": nderung von "guteingelt"
in "gut eingelt".

- Im Kontext "Sto zweier lebendigen Krfte": nderung von "lebendigen" in
"lebendiger".

- Im Kontext von "das ursprngliche Motiv des Kriegs": nderung von
"Kriegs" in "Krieges".





End of the Project Gutenberg EBook of Grundgedanken ber Krieg und
Kriegfhrung, by Karl von Clausewitz

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GRUNDGEDANKEN BER KRIEG UND ***

***** This file should be named 36693-8.txt or 36693-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/3/6/6/9/36693/

Produced by Norbert H. Langkau, Heike Leichsenring and the
Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
