Project Gutenberg's Zeitgemes ber Krieg und Tod, by Sigmund Freud

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Zeitgemes ber Krieg und Tod

Author: Sigmund Freud

Release Date: September 8, 2009 [EBook #29941]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMES BER KRIEG UND TOD ***




Produced by Jana Srna and the Online Distributed
Proofreading Team at https://www.pgdp.net






  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift fr Anwendung der
    Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV (1915). S. 1-21.

    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen;
    lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
    der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes.

    Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
  ]




Zeitgemes ber Krieg und Tod.

Von SIGM. FREUD.


I. Die Enttuschung des Krieges.

Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet, ohne
Distanz von den groen Vernderungen, die sich bereits vollzogen haben
oder zu vollziehen beginnen, und ohne Witterung der sich gestaltenden
Zukunft, werden wir selbst irre an der Bedeutung der Eindrcke, die sich
uns aufdrngen, und an dem Wert der Urteile, die wir bilden. Es will uns
scheinen, als htte noch niemals ein Ereignis soviel kostbares Gemeingut
der Menschheit zerstrt, soviele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so
grndlich das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre
leidenschaftslose Unparteilichkeit verloren; ihre aufs tiefste
erbitterten Diener suchen ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur
Bekmpfung des Feindes zu leisten. Der Anthropologe mu den Gegner fr
minderwertig und degeneriert erklren, der Psychiater die Diagnose
seiner Geistes- oder Seelenstrung verknden. Aber wahrscheinlich
empfinden wir das Bse dieser Zeit unmig stark und haben kein Recht,
es mit dem Bsen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt
haben.

Der Einzelne, der nicht selbst ein Kmpfer und somit ein Partikelchen
der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fhlt sich in seiner
Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfhigkeit gehemmt. Ich
meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen sein, der es ihm
erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen Innern zurechtzufinden.
Unter den Momenten, welche das seelische Elend der Daheimgebliebenen
verschuldet haben, und deren Bewltigung ihnen so schwierige Aufgaben
stellt, mchte ich zwei hervorheben und an dieser Stelle behandeln: Die
Enttuschung, die dieser Krieg hervorgerufen hat, und die vernderte
Einstellung zum Tode, zu der er uns -- wie alle anderen Kriege --
ntigt.

Wenn ich von Enttuschung rede, wei jedermann sofort, was damit
gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwrmer zu sein, man kann die
biologische und psychologische Notwendigkeit des Leidens fr die
konomie des Menschenlebens einsehen und darf doch den Krieg in seinen
Mitteln und Zielen verurteilen und das Aufhren der Kriege herbeisehnen.
Man sagte sich zwar, die Kriege knnten nicht aufhren, so lange die
Vlker unter so verschiedenartigen Existenzbedingungen leben, so lange
die Wertungen des Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und so
lange die Gehssigkeiten, welche sie trennen, so starke seelische
Triebkrfte reprsentieren. Man war also darauf vorbereitet, da Kriege
zwischen den primitiven und den zivilisierten Vlkern, zwischen den
Menschenrassen, die durch die Hautfarbe voneinander geschieden werden,
ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten oder verwilderten
Vlkerindividuen Europas die Menschheit noch durch geraume Zeit in
Anspruch nehmen werden. Aber man getraute sich etwas anderes zu hoffen.
Von den groen weltbeherrschenden Nationen weier Rasse, denen die
Fhrung des Menschengeschlechtes zugefallen ist, die man mit der Pflege
weltumspannender Interessen beschftigt wute, deren Schpfungen die
technischen Fortschritte in der Beherrschung der Natur wie die
knstlerischen und wissenschaftlichen Kulturwerte sind, von diesen
Vlkern hatte man erwartet, da sie es verstehen wrden, Mihelligkeiten
und Interessenkonflikte auf anderem Wege zum Austrag zu bringen.
Innerhalb jeder dieser Nationen waren hohe sittliche Normen fr den
Einzelnen aufgestellt worden, nach denen er seine Lebensfhrung
einzurichten hatte, wenn er an der Kulturgemeinschaft teilnehmen wollte.
Diese oft berstrengen Vorschriften forderten viel von ihm, eine
ausgiebige Selbstbeschrnkung, einen weitgehenden Verzicht auf
Triebbefriedigung. Es war ihm vor allem versagt, sich der
auerordentlichen Vorteile zu bedienen, die der Gebrauch von Lge und
Betrug im Wettkampf mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt
diese sittlichen Normen fr die Grundlage seines Bestandes, er schritt
ernsthaft ein, wenn man sie anzutasten wagte, erklrte es oft fr
untunlich, sie auch nur einer Prfung durch den kritischen Verstand zu
unterziehen. Es war also anzunehmen, da er sie selbst respektieren
wolle und nichts gegen sie zu unternehmen gedenke, wodurch er der
Begrndung seiner eigenen Existenz widersprochen htte. Endlich konnte
man zwar die Wahrnehmung machen, da es innerhalb dieser Kulturnationen
gewisse eingesprengte Vlkerreste gbe, die ganz allgemein unliebsam
wren und darum nur widerwillig, auch nicht im vollen Umfange, zur
Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit zugelassen wrden, fr die sie
sich als genug geeignet erwiesen hatten. Aber die groen Vlker selbst,
konnte man meinen, htten soviel Verstndnis fr ihre Gemeinsamkeiten
und soviel Toleranz fr ihre Verschiedenheiten erworben, da fremd und
feindlich nicht mehr wie noch im klassischen Altertum fr sie zu einem
Begriff verschmelzen durften.

Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvlker haben ungezhlte Menschen
ihren Wohnort in der Heimat gegen den Aufenthalt in der Fremde
eingetauscht und ihre Existenz an die Verkehrsbeziehungen zwischen den
befreundeten Vlkern geknpft. Wen aber die Not des Lebens nicht stndig
an die nmliche Stelle bannte, der konnte sich aus allen Vorzgen und
Reizen der Kulturlnder ein neues greres Vaterland zusammensetzen, in
dem er sich ungehemmt und unverdchtigt erging. Er geno so das blaue
und das graue Meer, die Schnheit der Schneeberge und die der grnen
Wiesenflchen, den Zauber des nordischen Waldes und die Pracht der
sdlichen Vegetation, die Stimmung der Landschaften, auf denen groe
historische Erinnerungen ruhen, und die Stille der unberhrten Natur.
Dies neue Vaterland war fr ihn auch ein Museum, erfllt mit allen
Schtzen, welche die Knstler der Kulturmenschheit seit vielen
Jahrhunderten geschaffen und hinterlassen hatten. Whrend er von einem
Saal dieses Museums in einen anderen wanderte, konnte er in parteiloser
Anerkennung feststellen, was fr verschiedene Typen von Vollkommenheit
Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der Mutter Erde an seinen
weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten. Hier war die khle unbeugsame
Energie aufs hchste entwickelt, dort die grazise Kunst, das Leben zu
verschnern, anderswo der Sinn fr Ordnung und Gesetz oder andere der
Eigenschaften, die den Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben.

Vergessen wir auch nicht daran, da jeder Kulturweltbrger sich einen
besonderen Parna߫ und eine Schule von Athen geschaffen hatte. Unter
den groen Denkern, Dichtern, Knstlern aller Nationen, hatte er die
ausgewhlt, denen er das Beste zu schulden vermeinte, was ihm an
Lebensgenu und Lebensverstndnis zugnglich geworden war, und sie den
unsterblichen Alten in seiner Verehrung zugesellt wie den vertrauten
Meistern seiner eigenen Zunge. Keiner von diesen Groen war ihm darum
fremd erschienen, weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder der
unvergleichliche Ergrnder der menschlichen Leidenschaften, noch der
schnheitstrunkene Schwrmer oder der gewaltig drohende Prophet, der
feinsinnige Sptter, und niemals warf er sich dabei vor, abtrnnig
geworden zu sein der eigenen Nation und der geliebten Muttersprache.

Der Genu der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch Stimmen
gestrt, welche warnten, da infolge altberkommener Differenzen Kriege
auch unter den Mitgliedern derselben unvermeidlich wren. Man wollte
nicht daran glauben, aber wie stellte man sich einen solchen Krieg vor,
wenn es dazu kommen sollte? Als eine Gelegenheit die Fortschritte im
Gemeingefhl der Menschen aufzuzeigen seit jener Zeit, da die
griechischen Amphiktyonien verboten hatten, eine dem Bndnis angehrige
Stadt zu zerstren, ihre lbume umzuhauen und ihr das Wasser
abzuschneiden. Als einen ritterlichen Waffengang, der sich darauf
beschrnken wollte, die berlegenheit des einen Teils festzustellen,
unter mglichster Vermeidung schwerer Leiden, die zu dieser Entscheidung
nichts beitragen knnten, mit voller Schonung fr den Verwundeten, der
aus dem Kampf ausscheiden mu, und fr den Arzt und Pfleger, der sich
seiner Herstellung widmet. Natrlich mit allen Rcksichten fr den nicht
kriegfhrenden Teil der Bevlkerung, fr die Frauen, die dem
Kriegshandwerk ferne bleiben, und fr die Kinder, die, herangewachsen,
einander von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen. Auch mit
Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und Institutionen, in
denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit verkrpert hatte.

Ein solcher Krieg htte immer noch genug des Schrecklichen und schwer zu
Ertragenden enthalten, aber er htte die Entwicklung ethischer
Beziehungen zwischen den Groindividuen der Menschheit, den Vlkern und
Staaten, nicht unterbrochen.

Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus und er
brachte die -- Enttuschung. Er ist nicht nur blutiger und
verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mchtig
vervollkommneten Waffen des Angriffs und der Verteidigung, sondern
mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgend ein
frherer. Er setzt sich ber alle Einschrnkungen hinaus, zu denen man
sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das Vlkerrecht genannt
hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des Verwundeten und des Arztes, die
Unterscheidung des friedlichen und des kmpfenden Teils der Bevlkerung,
die Ansprche des Privateigentums. Er wirft nieder, was ihm im Wege
steht, in blinder Wut, als sollte es keine Zukunft und keinen Frieden
unter den Menschen nach ihm geben. Er zerreit alle Bande der
Gemeinschaft unter den miteinander ringenden Vlkern und droht eine
Erbitterung zu hinterlassen, welche eine Wiederanknpfung derselben fr
lange Zeit unmglich machen wird.

Er brachte auch das kaum begreifliche Phnomen zum Vorschein, da die
Kulturvlker einander so wenig kennen und verstehen, da sich das eine
mit Ha und Abscheu gegen das andere wenden kann. Ja da eine der groen
Kulturnationen so allgemein miliebig ist, da der Versuch gewagt werden
kann, sie als barbarisch von der Kulturgemeinschaft auszuschlieen,
obwohl sie ihre Eignung durch die groartigsten Beitragsleistungen
lngst erwiesen hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische
Geschichtsschreibung werde den Nachweis erbringen, da gerade diese
Nation, die, in deren Sprache wir schreiben, fr deren Sieg unsere
Lieben kmpfen, sich am wenigsten gegen die Gesetze der menschlichen
Gesittung vergangen habe, aber wer darf in solcher Zeit als Richter
auftreten in eigener Sache?

Vlker werden ungefhr durch die Staaten, die sie bilden, reprsentiert;
diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. Der einzelne
Volksangehrige kann in diesem Krieg mit Schreck feststellen, was sich
ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrngen wollte, da der
Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts untersagt hat, nicht weil
er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren will wie Salz und
Tabak. Der kriegfhrende Staat gibt sich jedes Unrecht, jede
Gewaltttigkeit frei, die den Einzelnen entehren wrde. Er bedient sich
nicht nur der erlaubten List, sondern auch der bewuten Lge und des
absichtlichen Betruges gegen den Feind, und dies zwar in einem Mae,
welches das in frheren Kriegen Gebruchliche zu bersteigen scheint.
Der Staat fordert das uerste an Gehorsam und Aufopferung von seinen
Brgern, entmndigt sie aber dabei durch ein berma von Verheimlichung
und eine Zensur der Mitteilung und Meinungsuerung, welche die Stimmung
der so intellektuell Unterdrckten wehrlos macht gegen jede ungnstige
Situation und jedes wste Gercht. Er lst sich los von Zusicherungen
und Vertrgen, durch die er sich gegen andere Staaten gebunden hatte,
bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier und seinem Machtstreben, die
dann der Einzelne aus Patriotismus gutheien soll.

Man wende nicht ein, da der Staat auf den Gebrauch des Unrechts nicht
verzichten kann, weil er sich dadurch in Nachteil setzte. Auch fr den
Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen, der Verzicht auf
brutale Machtbettigung in der Regel sehr unvorteilhaft, und der Staat
zeigt sich nur selten dazu fhig, den Einzelnen fr das Opfer zu
entschdigen, das er von ihm gefordert hat. Man darf sich auch nicht
darber verwundern, da die Lockerung aller sittlichen Beziehungen
zwischen den Groindividuen der Menschheit eine Rckwirkung auf die
Sittlichkeit der Einzelnen geuert hat, denn unser Gewissen ist nicht
der unbeugsame Richter, fr den die Ethiker es ausgeben, es ist in
seinem Ursprunge _soziale Angst_ und nichts anderes. Wo die
Gemeinschaft den Vorwurf aufhebt, hrt auch die Unterdrckung der bsen
Gelste auf, und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tcke,
Verrat und Roheit, deren Mglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau
fr unvereinbar gehalten htte.

So mag der Kulturweltbrger, den ich vorhin eingefhrt habe, ratlos
dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein groes Vaterland
zerfallen, die gemeinsamen Besitztmer verwstet, die Mitbrger entzweit
und erniedrigt!

Zur Kritik seiner Enttuschung wre einiges zu bemerken. Sie ist,
strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der Zerstrung
einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, da sie
Unlustgefhle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen genieen
lassen. Wir mssen es dann ohne Klage hinnehmen, da sie irgend einmal
mit einem Stck der Wirklichkeit zusammenstoen, an dem sie zerschellen.

Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttuschung rege gemacht: die
geringe Sittlichkeit der Staaten nach auen, die sich nach innen als die
Wchter der sittlichen Normen gebrden, und die Brutalitt im Benehmen
der Einzelnen, denen man als Teilnehmer an der hchsten menschlichen
Kultur hnliches nicht zugetraut hat.

Beginnen wir mit dem zweiten Punkt und versuchen wir es, die Anschauung,
die wir kritisieren wollen, in einen einzigen knappen Satz zu fassen.
Wie stellt man sich denn eigentlich den Vorgang vor, durch welchen ein
einzelner Mensch zu einer hheren Stufe von Sittlichkeit gelangt? Die
erste Antwort wird wohl lauten: Er ist eben von Geburt und von Anfang an
gut und edel. Sie soll hier weiter nicht bercksichtigt werden. Eine
zweite Antwort wird auf die Anregung eingehen, da hier ein
Entwicklungsvorgang vorliegen msse, und wird wohl annehmen, diese
Entwicklung bestehe darin, da die bsen Neigungen des Menschen in ihm
ausgerottet und unter dem Einflu von Erziehung und Kulturumgebung durch
Neigungen zum Guten ersetzt werden. Dann darf man sich allerdings
verwundern, da bei dem so Erzogenen das Bse wieder so tatkrftig zum
Vorschein kommt.

Aber diese Antwort enthlt auch den Satz, dem wir widersprechen wollen.
In Wirklichkeit gibt es keine Ausrottung des Bsen. Die psychologische
-- im strengeren Sinne die psychoanalytische -- Untersuchung zeigt
vielmehr, da das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht,
die elementarer Natur, bei allen Menschen gleichartig sind und auf die
Befriedigung gewisser ursprnglicher Bedrfnisse zielen. Diese
Triebregungen sind an sich weder gut noch bse. Wir klassifizieren sie
und ihre uerungen in solcher Weise je nach ihrer Beziehung zu den
Bedrfnissen und Anforderungen der menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben
ist, da alle die Regungen, welche von der Gesellschaft als bse verpnt
werden -- nehmen wir als Vertretung derselben die eigenschtigen und die
grausamen -- sich unter diesen primitiven befinden.

Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungsweg zurck, bis
sie zur Bettigung beim Erwachsenen zugelassen werden. Sie werden
gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete gelenkt, gehen Verschmelzungen
miteinander ein, wechseln ihre Objekte, wenden sich zum Teil gegen die
eigene Person. Reaktionsbildungen gegen gewisse Triebe tuschen die
inhaltliche Verwandlung derselben vor, als ob aus Egoismus --
Altruismus, aus Grausamkeit -- Mitleid geworden wre. Diesen
Reaktionsbildungen kommt zugute, da manche Triebregungen fast von
Anfang an in Gegensatzpaaren auftreten, ein sehr merkwrdiges und der
populren Kenntnis fremdes Verhltnis, das man die Gefhlsambivalenz
benannt hat. Am leichtesten zu beobachten und vom Verstndnis zu
bewltigen ist die Tatsache, da starkes Lieben und starkes Hassen so
hufig miteinander bei derselben Person vereint vorkommen. Die
Psychoanalyse fgt dem hinzu, da die beiden entgegengesetzten
Gefhlsregungen nicht selten auch die nmliche Person zum Objekt nehmen.

Erst nach berwindung all solcher Triebschicksale stellt sich das
heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, und was mit gut
oder bse bekanntlich nur sehr unzureichend klassifiziert werden kann.
Der Mensch ist selten im ganzen gut oder bse, meist gut in dieser
Relation, bse in einer anderen oder gut unter solchen ueren
Bedingungen, unter anderen entschieden bse. Interessant ist die
Erfahrung, da die kindliche Prexistenz starker bser Regungen oft
geradezu die Bedingung wird fr eine besonders deutliche Wendung des
Erwachsenen zum Guten. Die strksten kindlichen Egoisten knnen die
hilfreichsten und aufopferungsfhigsten Brger werden; die meisten
Mitleidschwrmer, Menschenfreunde, Tierschtzer haben sich aus kleinen
Sadisten und Tierqulern entwickelt.

Die Umbildung der bsen Triebe ist das Werk zweier im gleichen Sinne
wirkenden Faktoren, eines inneren und eines ueren. Der innere Faktor
besteht in der Beeinflussung der bsen -- sagen wir: eigenschtigen --
Triebe durch die Erotik, das Liebesbedrfnis des Menschen im weitesten
Sinne genommen. Durch die Zumischung der _erotischen_ Komponenten werden
die eigenschtigen Triebe in _soziale_ umgewandelt. Man lernt das
Geliebtwerden als einen Vorteil schtzen, wegen dessen man auf andere
Vorteile verzichten darf. Der uere Faktor ist der Zwang der Erziehung,
welche die Ansprche der kulturellen Umgebung vertritt, und die dann
durch die direkte Einwirkung des Kulturmilieus fortgesetzt wird. Kultur
ist durch Verzicht auf Triebbefriedigung gewonnen worden und fordert von
jedem neu Ankommenden, da er denselben Triebverzicht leiste. Whrend
des individuellen Lebens findet eine bestndige Umsetzung von uerem
Zwang in inneren Zwang statt. Die Kultureinflsse leiten dazu an, da
immer mehr von den eigenschtigen Strebungen durch erotische Zustze in
altruistische, soziale verwandelt werden. Man darf endlich annehmen, da
aller innere Zwang, der sich in der Entwicklung des Menschen geltend
macht, ursprnglich, d.h. in _der Menschheitsgeschichte_ nur uerer
Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stck
Neigung (Disposition) zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe
als ererbte Organisation mit, die auf leichte Anste hin diese
Umwandlung durchfhrt. Ein anderes Stck dieser Triebumwandlung mu im
Leben selbst geleistet werden. In solcher Art steht der einzelne Mensch
nicht nur unter der Einwirkung seines gegenwrtigen Kulturmilieus,
sondern unterliegt auch dem Einflusse der Kulturgeschichte seiner
Vorfahren.

Heien wir die einem Menschen zukommende Fhigkeit zur Umbildung der
egoistischen Triebe unter dem Einflu der Erotik seine _Kultureignung_,
so knnen wir aussagen, da dieselbe aus zwei Anteilen besteht, einem
angeborenen und einem im Leben erworbenen, und da das Verhltnis der
beiden zueinander und zu dem unverwandelt gebliebenen Anteil des
Trieblebens ein sehr variables ist.

Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil zu hoch zu
veranschlagen, und berdies laufen wir Gefahr, die gesamte Kultureignung
in ihrem Verhltnis zum primitiv gebliebenen Triebleben zu berschtzen,
d.h. wir werden dazu verleitet, die Menschen besser zu beurteilen,
als sie in Wirklichkeit sind. Es besteht nmlich noch ein anderes
Moment, welches unser Urteil trbt und das Ergebnis im gnstigen Sinne
verflscht.

Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahrnehmung
natrlich entrckt. Wir schlieen auf sie aus seinen Handlungen und
seinem Benehmen, welche wir auf _Motive_ aus seinem Triebleben
zurckfhren. Ein solcher Schlu geht notwendigerweise in einer Anzahl
von Fllen irre. Die nmlichen, kulturell guten Handlungen knnen das
einemal von edlen Motiven herstammen, das anderemal nicht. Die
theoretischen Ethiker heien nur solche Handlungen gut, welche der
Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre
Anerkennung. Die von praktischen Absichten geleitete Gesellschaft
kmmert sich aber im ganzen um diese Unterscheidung nicht; sie begngt
sich damit, da ein Mensch sein Benehmen und seine Handlungen nach den
kulturellen Vorschriften richte, und fragt wenig nach seinen Motiven.

Wir haben gehrt, da der _uere Zwang_, den Erziehung und Umgebung auf
den Menschen ben, eine weitere Umbildung seines Trieblebens zum Guten,
eine Wendung vom Egoismus zum Altruismus herbeifhrt. Aber dies ist
nicht die notwendige oder regelmige Wirkung des ueren Zwanges.
Erziehung und Umgebung haben nicht nur Liebesprmien anzubieten, sondern
arbeiten auch mit Vorteilsprmien anderer Art, mit Lohn und Strafen. Sie
knnen also die Wirkung uern, da der ihrem Einflu Unterliegende sich
zum guten Handeln im kulturellen Sinne entschliet, ohne da sich eine
Triebveredlung, eine Umsetzung egoistischer in soziale Neigungen, in ihm
vollzogen hat. Der Erfolg wird im groben derselbe sein; erst unter
besonderen Verhltnissen wird es sich zeigen, da der eine immer gut
handelt, weil ihn seine Triebneigungen dazu ntigen, der andere nur gut
ist, weil, insolange und insoweit dies kulturelle Verhalten seinen
eigenschtigen Absichten Vorteile bringt. Wir aber werden bei
oberflchlicher Bekanntschaft mit den Einzelnen kein Mittel haben, die
beiden Flle zu unterscheiden, und gewi durch unseren Optimismus
verfhrt werden, die Anzahl der kulturell vernderten Menschen arg zu
berschtzen.

Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert und sich um die
Triebbegrndung derselben nicht kmmert, hat also eine groe Zahl von
Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die dabei nicht ihrer Natur
folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sie sich verleiten lassen, die
sittlichen Anforderungen mglichst hoch zu spannen und so ihre
Teilnehmer zu noch weiterer Entfernung von ihrer Triebveranlagung
gezwungen. Diesen ist nun eine fortgesetzte Triebunterdrckung
auferlegt, deren Spannung sich in den merkwrdigsten Reaktions- und
Kompensationserscheinungen kundgibt. Auf dem Gebiete der Sexualitt, wo
solche Unterdrckung am wenigsten durchzufhren ist, kommt es so zu den
Reaktionserscheinungen der neurotischen Erkrankungen. Der sonstige Druck
der Kultur zeitigt zwar keine pathologische Folgen, uert sich aber in
Charakterverbildungen und in der steten Bereitschaft der gehemmten
Triebe, bei passender Gelegenheit zur Befriedigung durchzubrechen. Wer
so gentigt wird, dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren, die
nicht der Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt, psychologisch
verstanden, ber seine Mittel und darf objektiv als Heuchler bezeichnet
werden, gleichgiltig ob ihm diese Differenz klar bewut worden ist oder
nicht. Es ist unleugbar, da unsere gegenwrtige Kultur die Ausbildung
dieser Art von Heuchelei in auerordentlichem Umfange begnstigt. Man
knnte die Behauptung wagen, sie sei auf solcher Heuchelei aufgebaut und
mte sich tiefgreifende Abnderungen gefallen lassen, wenn es die
Menschen unternehmen wrden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben.
Es gibt also ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle
Menschen, ja man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Ma
von Kulturheuchelei nicht zur Aufrechthaltung der Kultur unerllich
sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden
Menschen vielleicht fr diese Leistung nicht zureichen wrde. Anderseits
bietet die Aufrechthaltung der Kultur auch auf so bedenklicher Grundlage
die Aussicht, bei jeder neuen Generation eine weitergehende
Triebumbildung als Trgerin einer besseren Kultur anzubahnen.

Den bisherigen Errterungen entnehmen wir bereits den einen Trost, da
unsere Krnkung und schmerzliche Enttuschung wegen des unkulturellen
Benehmens unserer Weltmitbrger in diesem Kriege unberechtigt waren. Sie
beruhten auf einer Illusion, der wir uns gefangen gaben. In Wirklichkeit
sind sie nicht so tief gesunken, wie wir frchten, weil sie gar nicht so
hoch gestiegen waren, wie wirs von ihnen glaubten. Da die menschlichen
Groindividuen, die Vlker und Staaten, die sittlichen Beschrnkungen
gegeneinander fallen lieen, wurde ihnen zur begreiflichen Anregung,
sich fr eine Weile dem bestehenden Drucke der Kultur zu entziehen und
ihren zurckgehaltenen Trieben vorbergehend Befriedigung zu gnnen.
Dabei geschah ihrer relativen Sittlichkeit innerhalb des eigenen
Volkstums wahrscheinlich kein Abbruch.

Wir knnen uns aber das Verstndnis der Vernderung, die der Krieg an
unseren frheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen und empfangen dabei
eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu begehen. Seelische Entwicklungen
besitzen nmlich eine Eigentmlichkeit, welche sich bei keinem anderen
Entwicklungsvorgang mehr vorfindet. Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind
zum Mann heranwchst, so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann
unter. Nur die Erinnerung kann die alten Zge in das neue Bild
einzeichnen; in Wirklichkeit sind die alten Materialien oder Formen
beseitigt und durch neue ersetzt worden. Anders geht es bei einer
seelischen Entwicklung zu. Man kann den nicht zu vergleichenden
Sachverhalt nicht anders beschreiben als durch die Behauptung, da jede
frhere Entwicklungsstufe neben der spteren, die aus ihr geworden ist,
erhalten bleibt; die Sukzession bedingt eine Koexistenz mit, obwohl es
doch dieselben Materialien sind, an denen die ganze Reihenfolge von
Vernderungen abgelaufen ist. Der frhere seelische Zustand mag sich
jahrelang nicht geuert haben, er bleibt doch soweit bestehen, da er
eines Tages wiederum die uerungsform der seelischen Krfte werden
kann, und zwar die einzige, als ob alle spteren Entwicklungen
annulliert, rckgngig gemacht worden wren. Diese auerordentliche
Plastizitt der seelischen Entwicklungen ist in ihrer Richtung nicht
unbeschrnkt; man kann sie als eine besondere Fhigkeit zur Rckbildung
-- Regression -- bezeichnen, denn es kommt wohl vor, da eine sptere
und hhere Entwicklungsstufe, die verlassen wurde, nicht wieder erreicht
werden kann. Aber die primitiven Zustnde knnen immer wieder
hergestellt werden; das primitive Seelische ist im vollsten Sinne
unvergnglich.

Die sogenannten Geisteskrankheiten mssen beim Laien den Eindruck
hervorrufen, da das Geistes- und Seelenleben der Zerstrung
anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstrung nur sptere
Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der Geisteskrankheit besteht in
der Rckkehr zu frheren Zustnden des Affektlebens und der Funktion.
Ein ausgezeichnetes Beispiel fr die Plastizitt des Seelenlebens gibt
der Schlafzustand, den wir allnchtlich anstreben. Seitdem wir auch
tolle und verworrene Trume zu bersetzen verstehen, wissen wir, da
wir mit jedem Einschlafen unsere mhsam erworbene Sittlichkeit wie
ein Gewand von uns werfen -- um es am Morgen wieder anzutun. Diese
Entblung ist natrlich ungefhrlich, weil wir durch den Schlafzustand
gelhmt, zur Inaktivitt verurteilt sind. Nur der Traum kann von der
Regression unseres Gefhllebens auf eine der frhesten Entwicklungsstufen
Kunde geben. So ist es z.B. bemerkenswert, da alle unsere Trume von
rein egoistischen Motiven beherrscht werden. Einer meiner englischen
Freunde vertrat einmal diesen Satz vor einer wissenschaftlichen
Versammlung in Amerika, worauf ihm eine anwesende Dame die Bemerkung
machte, das mge vielleicht fr sterreich richtig sein, aber sie drfe
von sich und ihren Freunden behaupten, da sie auch noch im Traume
altruistisch fhlen. Mein Freund, obwohl selbst ein Angehriger der
englischen Rasse, mute auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der
Traumanalyse der Dame energisch widersprechen: Im Traume sei auch die
edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie der sterreicher.

Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere Kultureignung
beruht, durch Einwirkungen des Lebens -- dauernd oder zeitweilig --
rckgngig gemacht werden. Ohne Zweifel gehren die Einflsse des
Krieges zu den Mchten, welche solche Rckbildung erzeugen knnen, und
darum brauchen wir nicht allen jenen, die sich gegenwrtig unkulturell
benehmen, die Kultureignung abzusprechen, und drfen erwarten, da sich
ihre Triebveredlung in ruhigeren Zeiten wieder herstellen wird.

Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren Weltmitbrgern
nicht weniger berrascht und geschreckt als das so schmerzlich
empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Hhe. Ich meine die
Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Kpfen zeigt, ihre
Verstocktheit, Unzugnglichkeit gegen die eindringlichsten Argumente,
ihre kritiklose Leichtglubigkeit fr die anfechtbarsten Behauptungen.
Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und ich will ausdrcklich
betonen, da ich keineswegs als verblendeter Parteignger alle
intellektuelle Verfehlungen nur auf einer der beiden Seiten finde.
Allein diese Erscheinung ist noch leichter zu erklren und weit weniger
bedenklich als die vorhin gewrdigte. Menschenkenner und Philosophen
haben uns lngst belehrt, da wir Unrecht daran tun, unsere Intelligenz
als selbstndige Macht zu schtzen und ihre Abhngigkeit vom
Gefhlsleben zu bersehen. Unser Intellekt knne nur verllich
arbeiten, wenn er den Einwirkungen starker Gefhlsregungen entrckt sei;
im gegenteiligen Falle benehme er sich einfach wie ein Instrument zu
Handen eines Willens und liefere das Resultat, das ihm von diesem
aufgetragen sei. Logische Argumente seien also ohnmchtig gegen
affektive Interessen, und darum sei das Streiten mit Grnden, die nach
_Falstaffs_ Wort so gemein sind wie Brombeeren, in der Welt der
Interessen so unfruchtbar. Die psychoanalytische Erfahrung hat diese
Behauptung womglich noch unterstrichen. Sie kann alle Tage zeigen, da
sich die scharfsinnigsten Menschen pltzlich einsichtslos wie
Schwachsinnige benehmen, sobald die verlangte Einsicht einem
Gefhlswiderstand bei ihnen begegnet, aber auch alles Verstndnis wieder
erlangen, wenn dieser Widerstand berwunden ist. Die logische
Verblendung, die dieser Krieg oft gerade bei den besten unserer
Mitbrger hervorgezaubert hat, ist also ein sekundres Phnomen, eine
Folge der Gefhlserregung, und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu
verschwinden.

Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbrger wieder verstehen,
werden wir die Enttuschung, die uns die Groindividuen der Menschheit,
die Vlker, bereitet haben, um vieles leichter ertragen, denn an diese
drfen wir nur weit bescheidenere Ansprche stellen. Dieselben
wiederholen vielleicht die Entwicklung der Individuen und treten uns
heute noch auf sehr primitiven Stufen der Organisation, der Bildung
hherer Einheiten, entgegen. Dem entsprechend ist das erziehliche Moment
des ueren Zwanges zur Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so
wirksam fanden, bei ihnen noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar
gehofft, da die groartige, durch Verkehr und Produktion hergestellte
Interessengemeinschaft den Anfang eines solchen Zwanges ergeben werde,
allein es scheint, die Vlker gehorchen ihren Leidenschaften derzeit
weit mehr als ihren Interessen. Sie bedienen sich hchstens der
Interessen, um die Leidenschaften zu _rationalisieren_; sie schieben
ihre Interessen vor, um die Befriedigung ihrer Leidenschaften begrnden
zu knnen. Warum die Vlkerindividuen einander eigentlich
geringschtzen, hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten,
und jede Nation die andere, das ist freilich rtselhaft. Ich wei es
nicht zu sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle
sittlichen Erwerbungen der Einzelnen auslschten, wenn man eine Mehrheit
oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten,
ltesten und rohesten, seelischen Einstellungen brig blieben. An diesen
bedauerlichen Verhltnissen werden vielleicht erst spte Entwicklungen
etwas ndern knnen. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit
allerseits, in den Beziehungen der Menschen zueinander und zwischen
ihnen und den sie Regierenden drfte auch fr diese Umwandlung die Wege
ebnen.


II. Unser Verhltnis zum Tode.

Das zweite Moment, von dem ich es ableite, da wir uns so befremdet
fhlen in dieser einst so schnen und trauten Welt, ist die Strung des
bisher von uns festgehaltenen Verhltnisses zum Tode.

Dies Verhltnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhrte, so waren
wir natrlich bereit zu vertreten, da der Tod der notwendige Ausgang
alles Lebens sei, da jeder von uns der Natur einen Tod schulde und
vorbereitet sein msse, die Schuld zu bezahlen, kurz, da der Tod
natrlich sei, unableugbar und unvermeidlich. In Wirklichkeit pflegten
wir uns aber zu benehmen, als ob es anders wre. Wir haben die
unverkennbare Tendenz gezeigt, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem
Leben zu eliminieren. Wir haben versucht, ihn totzuschweigen; wir
besitzen ja auch das Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. Wie
an den eigenen natrlich. Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und
so oft wir den Versuch dazu machen, knnen wir bemerken, da wir
eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. So konnte in der
psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt werden: Im Grunde glaube
niemand an seinen eigenen Tod oder, was dasselbe ist: Im Unbewuten sei
jeder von uns von seiner Unsterblichkeit berzeugt.

Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch es
sorgfltig vermeiden, von dieser Mglichkeit zu sprechen, wenn der zum
Tode Bestimmte es hren kann. Nur Kinder setzen sich ber diese
Beschrnkung hinweg; sie drohen einander ungescheut mit den Chancen des
Sterbens und bringen es auch zustande, einer geliebten Person
dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z.B.: Liebe Mama, wenn du leider
gestorben sein wirst, werde ich dies oder jenes. Der erwachsene
Kultivierte wird den Tod eines anderen auch nicht gerne in seine
Gedanken einsetzen, ohne sich hart oder bse zu erscheinen; es sei denn,
da er berufsmig als Arzt, Advokat u.dgl. mit dem Tode zu tun habe.
Am wenigsten wird er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken,
wenn mit diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung
verbunden ist. Natrlich lassen sich Todesflle durch dies unser
Zartgefhl nicht zurckhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind wir
jedesmal tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen erschttert. Wir
betonen regelmig die zufllige Veranlassung des Todes, den Unfall, die
Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, und verraten so unser
Bestreben, den Tod von einer Notwendigkeit zu einer Zuflligkeit
herabzudrcken. Eine Hufung von Todesfllen erscheint uns als etwas
beraus Schreckliches. Dem Verstorbenen selbst bringen wir ein
besonderes Verhalten entgegen, fast wie eine Bewunderung fr einen, der
etwas sehr Schwieriges zustande gebracht hat. Wir stellen die Kritik
gegen ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht nach, geben den Befehl
aus: De mortuis nil nisi bene, und finden es gerechtfertigt, da man ihm
in der Leichenrede und auf dem Grabstein das Vorteilhafteste nachrhmt.
Die Rcksicht auf den Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns
ber der Wahrheit, den meisten von uns gewi auch ber der Rcksicht fr
den Lebenden.

Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergnzt sich
nun durch unseren vlligen Zusammenbruch, wenn das Sterben eine der uns
nahestehenden Personen, einen Eltern- oder Gattenteil, ein Geschwister,
Kind oder teuren Freund getroffen hat. Wir begraben mit ihm unsere
Hoffnungen, Ansprche, Gensse, lassen uns nicht trsten und weigern
uns, den Verlorenen zu ersetzen. Wir benehmen uns dann wie eine Art von
_Asra_, welche _mitsterben, wenn die sterben, die sie lieben_.

Dies unser Verhltnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung auf unser
Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse, wenn der hchste
Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben selbst, nicht gewagt werden
darf. Es wird so schal, gehaltlos wie etwa ein amerikanischer Flirt, bei
dem es von vorneherein feststeht, da nichts vorfallen darf, zum
Unterschied von einer kontinentalen Liebesbeziehung, bei welcher beide
Partner stets der ernsten Konsequenzen eingedenk bleiben mssen. Unsere
Gefhlsbindungen, die unertrgliche Intensitt unserer Trauer, machen
uns abgeneigt, fr uns und die unserigen Gefahren aufzusuchen. Wir
getrauen uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in Betracht zu
ziehen, die gefhrlich, aber eigentlich unerllich sind wie
Flugversuche, Expeditionen in ferne Lnder, Experimente mit
explodierbaren Substanzen. Uns lhmt dabei das Bedenken, wer der Mutter
den Sohn, der Gattin den Mann, den Kindern den Vater ersetzen soll, wenn
ein Unglck geschieht. Die Neigung, den Tod aus der Lebensrechnung
auszuschlieen, hat so viele andere Verzichte und Ausschlieungen im
Gefolge. Und doch hat der Wahlspruch der _Hansa_ gelautet: Navigare
necesse est, vivere non necesse! (Seefahren mu man, leben mu man
nicht.)

Es kann dann nicht anders kommen, als da wir in der Welt der Fiktion,
in der Literatur, im Theater Ersatz suchen fr die Einbue des Lebens.
Dort finden wir noch Menschen, die zu sterben verstehen, ja die es auch
zustande bringen, einen anderen zu tten. Dort allein erfllt sich uns
auch die Bedingung, unter welcher wir uns mit dem Tod vershnen knnten,
wenn wir nmlich hinter allen Wechselfllen des Lebens noch ein
unantastbares Leben brig behielten. Es ist doch zu traurig, da es im
Leben zugehen kann wie im Schachspiel, wo ein falscher Zug uns zwingen
kann, die Partie verloren zu geben, mit dem Unterschied aber, da wir
keine zweite, keine Revanchepartie beginnen knnen. Auf dem Gebiete der
Fiktion finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedrfen. Wir
sterben in der Identifizierung mit dem einen Helden, berleben ihn aber
doch und sind bereit, ebenso ungeschdigt ein zweites Mal mit einem
anderen Helden zu sterben.

Es ist evident, da der Krieg diese konventionelle Behandlung des Todes
hinwegfegen mu. Der Tod lt sich jetzt nicht mehr verleugnen; man mu
an ihn glauben. Die Menschen sterben wirklich, auch nicht mehr einzeln,
sondern viele, oft Zehntausende an einem Tag. Er ist auch kein Zufall
mehr. Es scheint freilich noch zufllig, ob diese Kugel den einen trifft
oder den andern; aber diesen anderen mag leicht eine zweite Kugel
treffen, die Hufung macht dem Eindruck des Zuflligen ein Ende. Das
Leben ist freilich wieder interessant geworden, es hat seinen vollen
Inhalt wieder bekommen.

Man mte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen, diejenigen, die
selbst im Kampf ihr Leben preisgeben, trennen von den anderen, die zu
Hause geblieben sind und nur zu erwarten haben, einen ihrer Lieben an
den Tod durch Verletzung, Krankheit oder Infektion zu verlieren. Es wre
gewi sehr interessant, die Vernderungen in der Psychologie der Kmpfer
zu studieren, aber ich wei zu wenig darber. Wir mssen uns an die
zweite Gruppe halten, zu der wir selbst gehren. Ich sagte schon, da
ich meine, die Verwirrung und die Lhmung unserer Leistungsfhigkeit,
unter denen wir leiden, seien wesentlich mitbestimmt durch den Umstand,
da wir unser bisheriges Verhltnis zum Tode nicht aufrecht halten
knnen und ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es uns
dazu, wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei andere
Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Urmenschen, dem
Menschen der Vorzeit zuschreiben drfen, und jene andere, die in jedem
von uns noch erhalten ist, aber sich unsichtbar fr unser Bewutsein in
tieferen Schichten unseres Seelenlebens verbirgt.

Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten, wissen wir
natrlich nur durch Rckschlsse und Konstruktionen, aber ich meine, da
diese Mittel uns ziemlich vertrauenswrdige Ausknfte ergeben haben.

Der Urmensch hat sich in sehr merkwrdiger Weise zum Tode eingestellt.
Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll. Er hat
einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung des Lebens
anerkannt und sich seiner in diesem Sinne bedient, anderseits aber auch
den Tod geleugnet, ihn zu nichts herabgedrckt. Dieser Widerspruch wurde
durch den Umstand ermglicht, da er zum Tode des anderen, des Fremden,
des Feindes eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen.
Der Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des
Verhaten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbeizufhren. Er
war gewi ein sehr leidenschaftliches Wesen, grausamer und bsartiger
als andere Tiere. Er mordete gerne und wie selbstverstndlich. Den
Instinkt, der andere Tiere davon abhalten soll, Wesen der gleichen Art
zu tten und zu verzehren, brauchen wir ihm nicht zuzuschreiben.

Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde erfllt. Noch
heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als Weltgeschichte
lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von Vlkermorden. Das dunkle
Schuldgefhl, unter dem die Menschheit seit Urzeiten steht, das sich in
manchen Religionen zur Annahme einer _Urschuld_, einer Erbsnde,
verdichtet hat, ist wahrscheinlich der Ausdruck einer Blutschuld, mit
welcher sich die urzeitliche Menschheit beladen hat. Ich habe in meinem
Buche _Totem_ und _Tabu_ (1913), den Winken von W. _Robertson Smith_,
_Atkinson_ und Ch. _Darwin_ folgend, die Natur dieser alten Schuld
erraten wollen, und meine, da noch die heutige christliche Lehre uns
den Rckschlu auf sie ermglicht. Wenn Gottes Sohn sein Leben opfern
mute, um die Menschheit von der Erbsnde zu erlsen, so mu nach der
Regel der Talion, der Vergeltung durch Gleiches, diese Snde eine
Ttung, ein Mord gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner Shne das Opfer
eines Lebens erfordern. Und wenn die Erbsnde ein Verschulden gegen
Gott-Vater war, so mu das lteste Verbrechen der Menschheit ein
Vatermord gewesen sein, die Ttung des Urvaters der primitiven
Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild spter zur Gottheit verklrt
wurde[1].

  [1] Vgl. diese Zeitschr. Bd.II. 1913. (Die infantile Wiederkehr des
  Totemismus.)

Der eigene Tod war dem Urmenschen gewi ebenso unvorstellbar und
unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab sich aber fr ihn ein
Fall, in dem die beiden gegenstzlichen Einstellungen zum Tode
zusammenstieen und in Konflikt miteinander gerieten, und dieser Fall
wurde sehr bedeutsam und reich an fernwirkenden Folgen. Er ereignete
sich, wenn der Urmensch einen seiner Angehrigen sterben sah, sein
Weib, sein Kind, seinen Freund, die er sicherlich hnlich liebte wie wir
die unseren, denn die Liebe kann nicht um vieles jnger sein als die
Mordlust. Da mute er in seinem Schmerz die Erfahrung machen, da man
auch selbst sterben knne, und sein ganzes Wesen emprte sich gegen
dieses Zugestndnis; jeder dieser Lieben war ja doch ein Stck seines
eigenen geliebten Ichs. Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch
recht, denn in jeder der geliebten Personen stak auch ein Stck
Fremdheit. Das Gesetz der Gefhlsambivalenz, das heute noch unsere
Gefhlsbeziehungen zu den von uns geliebtesten Personen beherrscht, galt
in Urzeiten gewi noch uneingeschrnkter. Somit waren diese geliebten
Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde gewesen, die einen Anteil von
feindseligen Gefhlen bei ihm hervorgerufen hatten[2].

  [2] Siehe diese Zeitschr. Bd.I. 1912, Tabu und Ambivalenz. Und
  _Totem_ und _Tabu_.

Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rtsel, welches das
Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein Nachdenken erzwungen und
sei der Ausgang jeder Spekulation geworden. Ich glaube, die Philosophen
denken da zu -- philosophisch, nehmen zu wenig Rcksicht auf die primr
wirksamen Motive. Ich mchte darum die obige Behauptung einschrnken und
korrigieren: an der Leiche des erschlagenen Feindes wird der Urmensch
triumphiert haben, ohne einen Anla zu finden, sich den Kopf ber die
Rtsel des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Nicht das intellektuelle
Rtsel und nicht jeder Todesfall, sondern der Gefhlskonflikt beim Tode
geliebter und dabei doch auch fremder und gehater Personen hat die
Forschung der Menschen entbunden. Aus diesem Gefhlskonflikt wurde
zunchst die Psychologie geboren. Der Mensch konnte den Tod nicht mehr
von sich ferne halten, da er ihn in dem Schmerz um den Verstorbenen
verkostet hatte, aber er wollte ihn doch nicht zugestehen, da er sich
selbst nicht tot vorstellen konnte. So lie er sich auf Kompromisse ein,
gab den Tod auch fr sich zu, bestritt ihm aber die Bedeutung der
Lebensvernichtung, wofr ihm beim Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt
hatte. An der Leiche der geliebten Person ersann er die Geister, und
sein Schuldbewutsein ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt
war, bewirkte, da diese erstgeschaffenen Geister bse Dmonen wurden,
vor denen man sich ngstigen mute. Die Vernderungen des Todes legten
ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib und in eine --
ursprnglich mehrere -- Seelen nahe; in solcher Weise ging sein
Gedankengang dem Zersetzungsproze, den der Tod einleitet, parallel. Die
fortdauernde Erinnerung an den Verstorbenen wurde die Grundlage der
Annahme anderer Existenzformen, gab ihm die Idee eines Fortlebens nach
dem anscheinenden Tode.

Diese spteren Existenzen waren anfnglich nur Anhngsel an die durch
den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und bis in spte
Zeiten hinauf geringgeschtzt; sie trugen noch den Charakter
kmmerlicher Ausknfte. Wir erinnern, was die Seele des Achilleus dem
Odysseus erwidert:

    Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Gttern,
    Argos Shn'; und jetzo gebietest du mchtig den Geistern,
    Wohnend allhier. Drum la dich den Tod nicht reuen, Achilleus.
    Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd:
    Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus!
    Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelhner bestellen
    Einem drftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand,
    Als die smtliche Schaar der geschwundenen Toten beherrschen.

    (OdysseeXI v.484-491)

Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von H._Heine_:

    Der kleinste lebendige Philister
    Zu Stuckert am Neckar
    Viel glcklicher ist er
    Als ich, der Pelide, der tote Held,
    Der Schattenfrst in der Unterwelt.

Erst spter brachten es die Religionen zustande, diese Nachexistenz fr
die wertvollere, vollgltige auszugeben und das durch den Tod
abgeschlossene Leben zu einer bloen Vorbereitung herabzudrcken. Es war
dann nur konsequent, wenn man auch das Leben in die Vergangenheit
verlngerte, die frheren Existenzen, die Seelenwanderung und
Wiedergeburt ersann, alles in der Absicht, dem Tod seine Bedeutung als
Aufhebung des Lebens zu rauben. So frhzeitig hat die Verleugnung des
Todes, die wir als konventionell-kulturell bezeichnet haben, ihren
Anfang genommen.

An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die Seelenlehre,
der Unsterblichkeitsglaube und eine mchtige Wurzel des menschlichen
Schuldbewutseins, sondern auch die ersten ethischen Gebote. Das erste
und bedeutsamste Verbot des erwachenden Gewissens lautete: _Du sollst
nicht tten._ Es war als die Reaktion gegen die hinter der Trauer
versteckte Habefriedigung am geliebten Toten gewonnen worden, und wurde
allmhlich auf den ungeliebten Fremden und endlich auch auf den Feind
ausgedehnt.

An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr versprt. Wenn
das wilde Ringen dieses Krieges seine Entscheidung gefunden hat, wird
jeder der siegreichen Kmpfer froh in sein Heim zurckkehren, zu seinem
Weib und Kindern, unverweilt und ungestrt durch Gedanken an die Feinde,
die er im Nahekampf oder durch die fernwirkende Waffe gettet hat. Es
ist bemerkenswert, da sich die primitiven Vlker, die noch auf der Erde
leben und dem Urmenschen gewi nher stehen als wir, in diesem Punkte
anders verhalten -- oder verhalten haben, so lange sie noch nicht den
Einflu unserer Kultur erfahren hatten. Der Wilde -- Australier,
Buschmann, Feuerlnder -- ist keineswegs ein reueloser Mrder; wenn er
als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf nicht betreten
und sein Weib nicht berhren, ehe er seine kriegerischen Mordtaten durch
oft langwierige und mhselige Buen geshnt hat. Natrlich liegt die
Erklrung aus seinem Aberglauben nahe; der Wilde frchtet noch die
Geisterrache der Erschlagenen. Aber die Geister der erschlagenen Feinde
sind nichts anderes als der Ausdruck seines bsen Gewissens ob seiner
Blutschuld; hinter diesem Aberglauben verbirgt sich ein Stck ethischer
Feinfhligkeit, welches uns Kulturmenschen verloren gegangen ist[3].

  [3] S. diese Zeitschr., Bd.II. l.c.

Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berhrung mit Bsem und
Gemeinem ferne wissen mchten, werden gewi nicht versumen, aus der
Frhzeitigkeit und Eindringlichkeit des Mordverbotes befriedigende
Schlsse zu ziehen auf die Strke ethischer Regungen, welche uns
eingepflanzt sein mssen. Leider beweist dieses Argument noch mehr fr
das Gegenteil. Ein so starkes Verbot kann sich nur gegen einen ebenso
starken Impuls richten. Was keines Menschen Seele begehrt, braucht man
nicht zu verbieten[4], es schliet sich von selbst aus. Gerade die
Betonung des Gebotes: Du sollst nicht tten, macht uns sicher, da wir
von einer unendlich langen Generationsreihe von Mrdern abstammen, denen
die Mordlust, wie vielleicht noch uns selbst, im Blute lag. Die
ethischen Strebungen der Menschheit, an deren Strke und Bedeutsamkeit
man nicht zu nrgeln braucht, sind ein Erwerb der Menschengeschichte; in
leider sehr wechselndem Ausmae sind sie dann zum ererbten Besitz der
heute lebenden Menschen geworden.

  [4] Vgl. die glnzende Argumentation von _Frazer_ in dieser Zeitschr.,
  Bd.III. p.377.

Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem Unbewuten im
eigenen Seelenleben zu. Wir fuen hier ganz auf der Untersuchungsmethode
der Psychoanalyse, der einzigen, die in solche Tiefen reicht. Wir
fragen: wie verhlt sich unser Unbewutes zum Problem des Todes? Die
Antwort mu lauten: fast genau so wie der Urmensch. In dieser wie in
vielen anderen Hinsichten lebt der Mensch der Vorzeit ungendert in
unserem Unbewuten fort. Also unser Unbewutes glaubt nicht an den
eigenen Tod, es gebrdet sich wie unsterblich. Was wir unser
Unbewutes heien, die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden
Schichten unserer Seele, kennt berhaupt nichts Negatives, keine
Verneinung -- Gegenstze fallen in ihm zusammen -- und kennt darum auch
nicht den eigenen Tod, dem wir nur einen negativen Inhalt geben knnen.
Dem Todesglauben kommt also nichts Triebhaftes in uns entgegen.
Vielleicht ist dies sogar das Geheimnis des Heldentums. Die rationelle
Begrndung des Heldentums ruht auf dem Urteil, da das eigene Leben
nicht so wertvoll sein kann wie gewisse abstrakte und allgemeine Gter.
Aber ich meine, hufiger drfte das instinktive und impulsive Heldentum
sein, welches von solcher Motivierung absieht und einfach nach der
Zusicherung des _Anzengruber_'schen Steinklopferhanns: _Es kann dir nix
g'scheh'n_, den Gefahren trotzt. Oder jene Motivierung dient nur dazu,
die Bedenken wegzurumen, welche die dem Unbewuten entsprechende
heldenhafte Reaktion hintanhalten knnen. Die Todesangst, unter deren
Herrschaft wir hufiger stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas
Sekundres, und meist aus Schuldbewutsein hervorgegangen.

Anderseits anerkennen wir den Tod fr Fremde und Feinde und verhngen
ihn ber sie ebenso bereitwillig und unbedenklich wie der Urmensch. Hier
zeigt sich freilich ein Unterschied, den man in der Wirklichkeit fr
entscheidend erklren wird. Unser Unbewutes fhrt die Ttung nicht aus,
es denkt und wnscht sie blo. Aber es wre unrecht, diese _psychische_
Realitt im Vergleiche zur _faktischen_ so ganz zu unterschtzen. Sie
ist bedeutsam und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren
unbewuten Regungen tglich und stndlich alle, die uns im Wege stehen,
die uns beleidigt und geschdigt haben. Das Hol' ihn der Teufel, das
sich so hufig in scherzendem Unmut ber unsere Lippen drngt, und das
eigentlich sagen will: Hol' ihn der Tod, in unserem Unbewuten ist es
ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch. Ja, unser Unbewutes mordet selbst
fr Kleinigkeiten; wie die alte athenische Gesetzgebung des _Drakon_
kennt es fr Verbrechen keine andere Strafe als den Tod, und dies mit
einer gewissen Konsequenz, denn jede Schdigung unseres allmchtigen und
selbstherrlichen Ichs ist im Grunde ein crimen laesae majestatis.

So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewuten
Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte von Mrdern. Es
ist ein Glck, da alle diese Wnsche nicht die Kraft besitzen, die
ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten[5]; in dem Kreuzfeuer von
gegenseitigen Verwnschungen wre die Menschheit lngst zugrunde
gegangen, die besten und weisesten der Mnner darunter wie die schnsten
und holdesten der Frauen.

  [5] Vgl. ber Allmacht der Gedanken in dieser Zeitschr., Bd.III.
  1913.

Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien
meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen zurck, welche
gegen die Versicherungen des Bewutseins nicht in Betracht kommen, und
bersieht geschickt die geringen Anzeichen, durch welche sich auch das
Unbewute dem Bewutsein zu verraten pflegt. Es ist darum am Platze
darauf hinzuweisen, da viele Denker, die nicht von der Psychoanalyse
beeinflut sein konnten, die Bereitschaft unserer stillen Gedanken, mit
Hinwegsetzung ber das Mordverbot zu beseitigen, was uns im Wege steht,
deutlich genug angeklagt haben. Ich whle hiefr ein einziges berhmt
gewordenes Beispiel an Stelle vieler anderer:

Im Pre Goriot spielt _Balzac_ auf eine Stelle in den Werken J.J.
_Rousseau's_ an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, was er wohl
tun wrde, wenn er -- ohne Paris zu verlassen und natrlich ohne
entdeckt zu werden -- einen alten Mandarin in Peking durch einen bloen
Willensakt tten knnte, dessen Ableben ihm einen groen Vorteil
einbringen mte. Er lt erraten, da er das Leben dieses Wrdentrgers
fr nicht sehr gesichert hlt. Tuer son mandarin ist dann
sprichwrtlich worden fr diese geheime Bereitschaft auch der heutigen
Menschen.

Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und Anekdoten,
welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie z.B. die dem
Ehemanne zugeschriebene uerung: Wenn einer von uns beiden stirbt,
bersiedle ich nach Paris. Solche zynische Witze wren nicht mglich,
wenn sie nicht eine verleugnete Wahrheit mitzuteilen htten, zu der man
sich nicht bekennen darf, wenn sie ernsthaft und unverhllt
ausgesprochen wird. Im Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit
sagen.

Wie fr den Urmenschen, so ergibt sich auch fr unser Unbewutes ein
Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Einstellungen gegen den Tod,
die eine, welche ihn als Lebensvernichtung anerkennt, und die andere,
die ihn als unwirklich verleugnet, zusammenstoen und in Konflikt
geraten. Und dieser Fall ist der nmliche wie in der Urzeit, der Tod
oder die Todesgefahr eines unserer Lieben, eines Eltern- oder
Gattenteils, eines Geschwisters, Kindes oder lieben Freundes. Diese
Lieben sind uns einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile unseres
eigenen Ichs, anderseits aber auch teilweise Fremde, ja Feinde. Den
zrtlichsten und innigsten unserer Liebesbeziehungen hngt mit Ausnahme
ganz weniger Situationen ein Stckchen Feindseligkeit an, welches den
unbewuten Todeswunsch anregen kann. Aus diesem Ambivalenzkonflikt geht
aber nicht wie dereinst die Seelenlehre und die Ethik hervor, sondern
die Neurose, die uns tiefe Einblicke auch in das normale Seelenleben
gestattet. Wie hufig haben die psychoanalytisch behandelnden rzte mit
dem Symptom der berzrtlichen Sorge um das Wohl der Angehrigen oder
mit vllig unbegrndeten Selbstvorwrfen nach dem Tode einer geliebten
Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorflle hat ihnen ber die
Verbreitung und Bedeutung der unbewuten Todeswnsche keinen Zweifel
gelassen.

Der Laie empfindet ein auerordentliches Grauen vor dieser
Gefhlsmglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen Grund zum
Unglauben gegen die Behauptungen der Psychoanalyse. Ich meine mit
Unrecht. Es wird keine Herabsetzung unseres Liebeslebens beabsichtigt,
und es liegt auch keine solche vor. Unserem Verstndnis wie unserer
Empfindung liegt es freilich ferne, Liebe und Ha in solcher Weise
miteinander zu verkoppeln, aber indem die Natur mit diesem Gegensatzpaar
arbeitet, bringt sie es zustande, die Liebe immer wach und frisch zu
erhalten, um sie gegen den hinter ihr lauernden Ha zu versichern. Man
darf sagen, die schnsten Entfaltungen unseres Liebeslebens danken wir
der _Reaktion_ gegen den feindseligen Impuls, den wir in unserer Brust
verspren.

Resmieren wir nun: unser Unbewutes ist gegen die Vorstellung des
eigenen Todes ebenso unzugnglich, gegen den Fremden ebenso mordlustig,
gegen die geliebte Person ebenso zwiespltig (ambivalent) wie der Mensch
der Urzeit. Wie weit haben wir uns aber in der konventionell-kulturellen
Einstellung gegen den Tod von diesem Urzustand entfernt!

Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung eingreift. Er
streift uns die spteren Kulturauflagerungen ab und lt den Urmenschen
in uns wieder zum Vorschein kommen. Er zwingt uns wieder, Helden zu
sein, die an den eigenen Tod nicht glauben knnen; er bezeichnet uns die
Fremden als Feinde, deren Tod man herbeifhren oder herbeiwnschen soll;
er rt uns, uns ber den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der
Krieg ist aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen der
Vlker so verschieden und die Abstoungen unter ihnen so heftig sind,
wird es Kriege geben mssen. Da erhebt sich denn die Frage: Sollen wir
nicht diejenigen sein, die nachgeben und sich ihm anpassen? Sollen wir
nicht zugestehen, da wir mit unserer kulturellen Einstellung zum Tode
psychologisch wieder einmal ber unseren Stand gelebt haben, und
vielmehr umkehren und die Wahrheit fatieren? Wre es nicht besser, dem
Tod den Platz in der Wirklichkeit und in unseren Gedanken einzurumen,
der ihm gebhrt, und unsere unbewute Einstellung zum Tode, die wir
bisher so sorgfltig unterdrckt haben, ein wenig mehr hervorzukehren?
Es scheine das keine Hherleistung zu sein, eher ein Rckschritt in
manchen Stcken, eine Regression, aber es hat den Vorteil, der
Wahrhaftigkeit mehr Rechnung zu tragen und uns das Leben wieder
ertrglicher zu machen. Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die erste
Pflicht aller Lebenden. Die Illusion wird wertlos, wenn sie uns darin
strt.

Wir erinnern uns des alten Spruches:

    _Si vis pacem, para bellum._
    (Wenn du den Frieden erhalten willst, so rste zum Krieg.)

Es wre zeitgem ihn abzundern:

    _Si vis vitam, para mortem._
    (Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.)




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  Zwang war. Die Menschen die heute geboren werden, bringen ein Stck
  Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stck

  Ausdruck guter Triebregungen sind, dem anderen versagen sie ihre
  Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre

  englischen Rasse, mte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der
  englischen Rasse, mute auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der

  Gemeinem ferne wissen mchten; werden gewi nicht versumen, aus der
  Gemeinem ferne wissen mchten, werden gewi nicht versumen, aus der

  Mit Aufstellungen wie diese findet die Psychoanalyse bei den Laien
  Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien

  ]





End of Project Gutenberg's Zeitgemes ber Krieg und Tod, by Sigmund Freud

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMES BER KRIEG UND TOD ***

***** This file should be named 29941-8.txt or 29941-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/2/9/9/4/29941/

Produced by Jana Srna and the Online Distributed
Proofreading Team at https://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
