The Project Gutenberg EBook of Schelmuffskys wahrhaftige, kurise und sehr
gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, by Christian Reuter

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Title: Schelmuffskys wahrhaftige, kurise und sehr gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande

Author: Christian Reuter

Editor: Gottlieb Fritz

Illustrator: Ludwig Berwald

Release Date: August 19, 2007 [EBook #22355]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHELMUFFSKYS WAHRHAFTIGE ***




Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
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                    Hausbcherei

     der Deutschen Dichter-Gedchtnis-Stiftung

                      41. Band



                Hamburg-Groborstel

  Verlag der Deutschen Dichter-Gedchtnis-Stiftung

                        1912


                   1.-10. Tausend




              Schelmuffskys

      wahrhaftige, kurise und sehr gefhrliche
      Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande

                         von

                  Christian Reuter

Eingeleitet und bearbeitet von Dr. Gottlieb
Fritz. Mit Bildern von Ludwig Berwald



                 Hamburg-Groborstel

  Verlag der Deutschen Dichter-Gedchtnis-Stiftung

                        1912


                   1.-10. Tausend




Inhalt

                                                           Seite

Einleitung von Dr. Gottlieb Fritz                           7-10

Christian Reuter: Schelmuffskys Reisebeschreibung

    Erster Teil                                            13-99

    Zweiter Teil                                          101-148

Ein ausfhrliches Verzeichnis der frher erschienenen Bnde der
Hausbcherei sowie der Volksbcher ist diesem Bande vorgeheftet.




Einleitung.


Der Leipziger Student Christian Reuter, der im Jahre 1696 Schelmuffskys
wahrhaftige, curise und sehr gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser
und Lande anonym erscheinen lie, ist als der Verfasser eines der
lustigsten Bcher unserer Literatur, das die Aufschneidereien des
weltberhmten Freiherrn von Mnchhausen noch bertrumpft, erst vor
wenigen Jahrzehnten aus der selbstgewhlten Verborgenheit an das Licht
gezogen worden. Von seinem Leben wissen wir, abgesehen von seinen
tollen Studentenjahren, ber die uns die umstndlichen Disziplinarakten
eines hochlblichen akademischen Senats Auskunft geben, herzlich wenig;
aber gerade die Leipziger Jahre Reuters, der, 1665 als Sohn eines Bauern
in der Nhe von Zrbig bei Halle geboren, 1694 die Universitt bezog,
sind mit der Entstehung des Schelmuffsky auf das engste verknpft und
bieten auch sonst ein interessantes Bild von dem akademischen Leben
jener Tage.

Christian Reuter, den wir uns als einen frischen, bermtigen Burschen,
dem ein gehriger Schalk im Nacken sa, denken mssen, wohnte als
Student in dem Hause Zum roten Lwen auf dem Brhl bei einer gewissen
Frau Mller, die verwitwet war und eine Reihe erwachsener Kinder, drei
Shne und zwei Tchter, hatte. Die Familie Mller, dummstolz
und hoffrtig, scheint wegen ihrer ungebildeten, stereotypen
Redensarten in studentischen Kreisen ein beliebtes Ziel des Spottes
gebildet zu haben; der lteste Sohn Eustachius, das Urbild des
Schelmuffsky, war ein Aufschneider und Tagedieb und nach einer gem der
Sitte junger Edelleute angeblich von ihm unternommenen Auslandreise in
das mtterliche Haus zurckgekehrt, wo er sich nicht wenig aufspielte
und durch einen liederlichen Lebenswandel die Wirtschaft
herunterbrachte. Es dauerte nicht lange, so geriet Reuter, wohl wegen
rckstndiger Miete, mit seinen Wirtsleuten in Streit und mute, nachdem
ihm, wie es scheint, bel mitgespielt worden war, das Haus verlassen.

Aber die Familie Mller sollte das bald bitter bereuen. Reuter, dem es
wahrlich nicht an schlagfertigem Witz gebrach, wute sich zu rchen und
schrieb das Lustspiel _L'honnte femme_ oder die ehrliche Frau zu
Plissine, worin er unter Anlehnung an Molires Komdie Die
lcherlichen Prezisen die ganze Familie -- seine frhere Wirtin tritt
unter dem Namen Die ehrliche Frau Schlampampe, der Sohn Eustachius
unter dem Namen Schelmuffsky auf -- in der blutigsten Weise verhhnte.
Die Gestalten des Stckes sind mit nicht geringer dramatischer
Lebendigkeit und derbkomischer Kraft nach dem Leben gezeichnet -- nicht
minder auch in einem zweiten Lustspiel Der ehrlichen Frau Schlampampe
Leben und Tod, das die Verhltnisse der Familie Mller aufs neue an den
Pranger stellte.

Zwischen die Abfassung dieser beiden Stcke fllt nun die Entstehung des
Schelmuffsky. Der erste Teil erschien zuerst 1696, im
darauffolgenden Jahre entstand ein zweiter Teil und wurde mit dem
umgearbeiteten ersten zusammen verffentlicht.

Der Triumph Reuters dauerte jedoch nicht lange. Zwar hatte er die
Lacher auf seiner Seite, die die unglckliche Familie reichlich mit
Spott und Hohn berschtteten und vor allem nicht versumten, den Sohn
Eustachius in gebhrender Weise als Schelmuffsky zu feiern; aber eine
Klage nach der andern wurde von der gequlten Witwe Mller in
beweglichen Worten gegen ihn erhoben, und der akademische Senat sah sich
zunchst veranlat, Reuter mit Karzer zu bestrafen, dann aber, als der
zweite Teil des Schelmuffsky erschien und mit gewaltigem Hallo unter den
Studenten und in der Brgerschaft aufgenommen war, ihn schlankweg von
der Universitt zu relegieren. Reuter hat dann
in der Folgezeit in Dresden eine Anstellung erhalten. 1703 taucht er in
Berlin auf, wo er zur Krnung des Knigs und noch einmal spter im Jahre
1710 zu dessen Geburtstag ein Festspiel schrieb. ber seine weiteren
Lebensschicksale ist so gut wie nichts bekannt.

Den Schelmuffsky werden wir unbedingt zu
den Meisterwerken der deutschen
humoristischen Literatur zhlen mssen. Die
Prachtgestalt des Helden mit seiner Renommiersucht und grotesken
Erfindungsgabe kann sich ruhig neben Falstaff sehen lassen und
bertrifft an komischer Kraft jedenfalls den Mnchhausen um ein
bedeutendes. Das Ganze ist wie aus einem Gusse, die bunte Flle der
Erlebnisse und drastisch ausgemalter Situationen, dazu die kstliche
Selbstcharakteristik Schelmuffskys, seine stetig wiederkehrenden
Redensarten, wie das zum geflgelten Wort gewordene Der Tebel hol mer,
und die eindrucksvolle Erzhlung von seiner wunderbaren Geburt werden
ihre Wirkung nie verlieren. Aber der Schelmuffsky ist mehr als der
Ausflu persnlichen Rachegefhls und jugendlichen bermutes einer
humoristisch veranlagten Natur: er ist zugleich eine glnzende
Satire auf die lgenhaften
Reiseschilderungen, die in jener Zeit zahlreich
erschienen und begierig gelesen wurden, und vor allem auf die
alamodische Sucht gewisser brgerlicher Kreise, es in Haltung,
Kleidung und sonstigen Gewohnheiten dem Adel gleichzutun.

Der vorliegende Abdruck hlt sich genau an den Wortlaut des Originals;
nur muten einige fr unsere Ohren allzu derbe Stellen, an denen die
Zeitgenossen Reuters keinen Ansto nahmen, fortbleiben. Auch ist die
Rechtschreibung mehr den heutigen Verhltnissen angepat worden.

Charlottenburg,                          G. Fritz.
    Mai 1912.

[Illustration: v. Schelmuffsky.]




Christian Reuter:

Schelmuffsky


1. Teil




1. Kapitel.


Deutschland ist mein Vaterland, in Schelmerode bin ich geboren, zu Sankt
Malo[1] habe ich ein ganz halb Jahr gefangen gelegen und in Holland und
England bin ich auch gewesen. Damit ich aber diese meine sehr
gefhrliche Reisebeschreibung fein ordentlich einrichte, so mu ich wohl
von meiner wunderlichen Geburt den Anfang machen. Als die groe Ratte,
welche meiner Frau Mutter ein ganz neu seiden Kleid zerfressen, mit dem
Besen nicht hatte knnen totgeschlagen werden, indem sie meiner
Schwester zwischen den Beinen durchluft, fllt die ehrliche Frau
deswegen aus Eifer in eine solche Krankheit und Ohnmacht, da sie ganzer
vierundzwanzig Tage daliegt und kann sich, der Tebel hol mer[2], weder
regen noch wenden. Ich, der ich dazumal die Welt noch niemals geschaut
und nach Adam Riesens Rechenbuche vier ganzer Monat noch im Verborgenen
htte pausieren sollen, war dermaen auch auf die sappermentsche Ratte
so tricht, da ich mich aus Ungeduld nicht lnger zu bergen vermochte,
und kam auf allen Vieren sporenstreichs in die Welt gekrochen. Wie ich
nun auf der Welt war, lag ich acht ganzer Tage unten zu meiner Frau
Mutter Fen im Bettstroh, ehe ich mich einmal recht besinnen kunnte,
wo ich war. Den neunten Tag so erblickte ich mit groer Verwunderung die
Welt. O sapperment! wie kam mir alles so wste da vor, sehr malade war
ich, nichts hatte ich auf dem Leibe, meine Frau Mutter hatte alle Viere
von sich gestreckt und lag da, als wenn sie vor den Kopf geschlagen
wre, schreien wollte ich auch nicht, weil ich wie ein jung Ferkelchen
dalag, und wollte mich niemand sehen lassen, weil ich nackend war, da
ich also nicht wute, was ich anfangen sollte. Endlich dachte ich, du
mut doch sehen, wie du deine Frau Mutter ermunterst, und versuchte es
auf allerlei Art und Weise; bald kriegte ich sie bei der Nase, bald
krabbelte ich ihr unten an den Fusohlen, letztlich nahm ich einen
Strohhalm und kitzelte sie damit in dem linken Nasenloche, wovon sie
eiligst auffuhr und schrie: Eine Ratte! Eine Ratte! Da ich nun von ihr
das Wort Ratte nennen hrte, war es, der Tebel hol mer, nich anders, als
wenn jemand ein Schermesser nhme und fhre mir damit unter meiner Zunge
weg, da ich hierauf alsobald ein erschreckliches Auweh! an zu reden
fing. Hatte meine Frau Mutter nun zuvor eine Ratte! eine Ratte!
geschrien, so schrie ich hernachmals wohl ber hundert Mal: Eine Ratte!
Eine Ratte! denn sie meinte nicht anders, es nistelte eine Ratte bei ihr
unten zu ihren Fen. Ich war aber her und kroch sehr artig an meiner
Frau Mutter hinauf, guckte bei ihr oben zum Deckbett heraus und sagte:
Frau Mutter, Sie frchte sich nur nicht, ich bin keine Ratte, sondern
ihr lieber Sohn; da ich aber so frhzeitig bin auf die Welt gekommen,
hat solches eine Ratte verursacht. Als dieses meine Frau Mutter hrte,
Ei sapperment! wie war sie froh, da ich so unvermutet war auf die Welt
gekommen, da sie ganz nichts davon gewut hatte. Indem sie sich nun so
mit mir eine gute Weile in ihren Armen gehtschelt hatte, stund sie mit
mir auf, zog mir ein wei Hemde an und rief die Mietsleute im ganzen
Hause zusammen, welche mich alle miteinander hchst verwundernd ansahen
und wuten nicht, was sie aus mir machen sollten, weil ich schon so
artig schwatzen kunnte. Herr Gerge, meiner Frau Mutter damaliger
Przeptor, meinte, ich wre gar von dem bsen Geiste besessen, denn
sonst knnte es unmglich von rechten Dingen mit mir zugehen, und er
wollte denselben bald von mir austreiben. Lief hierauf eiligst in seine
Studierstube und brachte ein gro Buch unter dem Arme geschleppt, damit
wollte er den bsen Geist nun von mir treiben. Er machte in die Stube
einen groen Kreis mit Kreide, schrieb einen Haufen kauderwelsche
Buchstaben hinein und machte hinter und vor sich ein Kreuz, trat
hernachmals in den Kreis hinein und fing folgendes an zu reden:

[1] Hafenstadt in der Bretagne.

[2] der Teufel hole mich.

    Hokus pokus schwarz und wei,
    Fahre stracks auf mein Gehei
    Schuri muri aus dem Knaben,
    Weils Herr Gerge so will haben.

Wie Herr Gerge diese Worte gesprochen hatte, fing ich zu ihm an und
sagte: Mein lieber Herr Przeptor, warum nehmet Ihr doch solche
Kckelpossen vor und vermeinet, ich sei von dem bsen Geiste besessen;
wenn Ihr aber wissen wolltet, was die Ursache wre, da ich flugs habe
reden lernen und weswegen ich so frhzeitig bin auf die Welt gekommen,
Ihr wrdet wohl solche nrrische Hndel mit Eurem Hokuspokus nicht
vorgenommen haben. Als sie mich dieses nun so reden hreten, O
sapperment! was erweckte es vor Verwunderung vor den Leuten im Hause.
Herr Gerge stund, der Tebel hol mer, da in seinem Kreise mit Zittern und
Beben, da auch die um ihn Herumstehenden alle aus der Luft mutmaen
kunnten, der Herr Przeptor mte wohl in keinem Rosengarten stehn.

Ich kunnte aber seinen erbrmlichen Zustand nicht lnger mit ansehen,
sondern fing da an, meine wunderliche Geburt zu erzhlen, und wie es
niemand anders als diejenige Ratte verursacht htte, welche das seidene
Kleid zerfressen, da ich so frhzeitig auf die Welt gekommen wre und
flugs reden knnen. Nachdem ich nun mit vielen Umstnden den smtlichen
Hausgenossen die ganze Begebenheit von der Ratte erzhlt hatte, so
glaubten sie hernach allererst, da ich meiner Frau Mutter ihr Sohn
wre. Herr Gerge aber, der schmte sich wie ein Hund, da er meinetwegen
solche Narrenpossen vorgenommen hatte und vermeint, ein bser Geist
mte aus mir reden. Er war her, lschte seinen Hokuspokuskreis wieder
aus, nahm sein Buch und ging stillschweigend immer zur Stubentre
hinaus. Wie auch die Leute hernach alle mit mir taten, und mich zu
herzten und zu poten, weil ich so ein schner Junge war und mit ihnen
flugs schwatzen kunnte, das wre, der Tebel hol mer, auf keine Kuhhaut
zu schreiben; ja sie machten auch alle miteinander flugs Anstalt, da
mir selben Tag noch bei groer Menge Volks der vortreffliche Name
Schelmuffsky beigelegt wurde. Den zehnten Tag nach meiner wunderlichen
Geburt lernte ich allmhlich, wiewohl etwas langsam, an den Bnken gehn,
denn ich war ganz malade, weil ich auf der Welt gar noch nichts weder
gefressen noch gesoffen hatte. Was trug sich zu? Meine Frau Mutter, die
hatte gleich selben Tag ein gro Fa voll Ziegenmolken auf der Ofenbank
stehn; ber dasselbe gerate ich so ohngefhr und titsche mit dem Finger
hinein und koste es. Weil mir das Zeug nun sehr wohl schmeckte, kriegte
ich das ganze Fa bei dem Leibe und soffs, der Tebel hol mer, halb aus.
Wovon ich hernach ganz lebend wurde und zu Krften kam. Als meine Frau
Mutter sah, da mir das Ziegenmolken so wohl bekam, war sie her und
kaufte hernach noch eine Ziege, denn eine hatte sie schon, die muten
mich also bis in das zwlfte Jahr meines Alters mit lauter solchem Zeuge
ernhren und auferziehen. Ich kanns wohl sagen, da ich denselben Tag,
als ich gleich zwlf Jahr alt war, der Tebel hol mer, Speck ellendicke
auf meinem Rcken hatte, so fett war ich von dem Ziegenmolken geworden.
Bei Anfange des dreizehnten Jahres lernte ich auch alle sachte die
gebratenen Kramsvgelchen und die jungen gespickten Hhnerchen
abknaupeln, welche mir endlich auch sehr wohl bekamen. Da ich nun so ein
bichen besser zu Jahren kam, so schickte mich meine Frau Mutter in die
Schule und vermeinte nun, einen Kerl aus mir zu machen, der mit der Zeit
alle Leute an Gelehrsamkeit bertreffen wrde. Ja es wre dazumal wohl
endlich was aus mir geworden, wenn ich htte Lust, was zu lernen,
gehabt, denn so klug als ich in die Schule ging, so klug kam ich auch
wieder heraus. Meine grte Lust hatte ich an dem Blaserohre, welches
mir meine Frau Gromutter zum Jahrmarkte von der Eselswiese mitgebracht
hatte. So bald ich denn aus der Schule kam, so schmi ich meine
Bcherchen unter die Bank und nahm mein Blaserohr, lief damit auf den
obersten Boden und scho da entweder die Leute auf der Gasse mit auf die
Kpfe oder nach den Spatzianern, oder knapste den Leuten in der
Nachbarschaft die schnen Spiegelscheiben entzwei, und wenn sie denn so
klirrten, kunnte ich recht herzlich drber lachen; das trieb ich nun so
einen Tag und alle Tage, ich hatte auch so gewi mit meinem Blaserohr
schieen gelernt, da ich einem Sperlinge, wenn er gleich dreihundert
Schritt von mir sa, damit das Lebenslicht ausblasen kunnte. Ich machte
das Rabenzeug so schchtern, wenn sie nur meinen Namen nennen hrten, so
wuten sie schon, wieviel es geschlagen hatte.

[Illustration]

Als nun meine Frau Mutter sah, da mir das Studieren ganz nicht zu Halse
wollte und nur das Schulgeld vor die lange Weile hingeben mute, nahm
sie mich aus der Schule wieder heraus und tat mich zu einem vornehmen
Kaufmann, da sollte ich ein berhmter Handelsmann werden, ja ich htte
es wohl werden knnen, wenn ich auch Lust dazu gehabt htte; denn
anstatt da ich sollte die Nummern an den Waren merken und wie teuer die
Elle mte mit Profit verkauft werden, so hatte ich immer andere
Schelmstcke in Gedanken, und wenn mich mein Patron wohin schickte, da
ich geschwinde wiederkommen sollte, so nahm ich allemal erstlich mein
Blaserohr mit, ging eine Gasse auf, die andere wieder nieder und sah, wo
Sperlinge saen; oder wenn wo schne groe Scheiben in Fenstern waren
und es sah niemand heraus, so knapste ich nach denselben und lief
hernach immer meine Wege wieder fort; kam ich denn wieder zu meinem
Herrn und war etwa ein paar Stunden ber der Zeit auen gewesen, so
wute ich allemal so eine artige Lgente[3] ihm vorzubringen, da er
mir sein Lebetage nichts sagte. Zuletzt versah ichs aber dennoch auch
bei ihm, da es nicht viel fehlte, so htte er mir mein Blaserohr auf
dem Buckel entzweigeschmissen. Ich aber merkte den Braten und gab mit
meinem Blaserohre Reiaus und soll nun noch wieder zu ihm kommen.
Hernach so schickte er zu meiner Frau Mutter und lie ihr sagen, wie da
ich ihm allen Unfug mit meinem Blaserohre bei den Leuten angerichtet
htte und mich ganz zur Handlung nicht schicken wollte. Meine Frau
Mutter lie dem Kaufmann aber wieder sagen, es wre schon gut, und sie
wollte mich nicht wieder zu ihm tun, weil ich indem schon von ihm
weggelaufen und wieder bei ihr wre, vielleicht kriegte ich zu sonst was
Bessers Lust. Das war nun wieder Wasser auf meine Mhle, als meine Frau
Mutter dem Kaufmann solches zur Antwort sagen lie, und hatte ich zuvor
die Leute auf der Gassen und die schnen Spiegelscheiben in den Fenstern
nicht geschoren, so foppte ich sie hernach allererst, wie ich wieder
meinen freien Willen hatte. Endlich, da meine Frau Mutter sah, da immer
Klage ber mich kam, und etlichen Leuten die Fenster mute wieder machen
lassen, fing sie zu mir an: Lieber Sohn Schelmuffsky, du kmmst nun alle
sachte zu besserem Verstande und wirst auch fein gro dabei: sage nur,
was ich noch mit dir anfangen soll, weil du ganz und gar keine Lust zu
nirgends zu hast und nur einen Tag und alle Tage nichts anders tust, als
da du mir die Leute in der Nachbarschaft mit deinem Blaserohre zum
Feinde machst und mich in Ungelegenheit bringst. Ich antwortete aber
meiner Frau Mutter hierauf wieder und sagte: Frau Mutter, wei sie was?
Ich will her sein[4] und fremde Lnder und Stdte besehen, vielleicht
werde ich durch mein Reisen ein berhmter Kerl, da hernach, wenn ich
wiederkomme, jedweder den Hut vor mir mu unter den Arm nehmen, wenn er
mit mir reden will. Meine Frau Mutter lie sich diesen Vorschlag
gefallen und meinte, wenn ichs so weit bringen knnte, sollte ich mich
immer in der Welt umsehen, sie wollte mir schon ein Stck Geld mit auf
den Weg geben, da ich eine Weile daran zu zehren htte. Hierauf war ich
her, suchte zusammen, was ich mitnehmen wollte, wickelte alles zusammen
in ein zwilchen[5] Schnupftuch, steckte es in die Ficke[6] und machte
mich reisefertig; doch htte ich mein Blaserohr auch gerne mitgenommen,
allein so wute ichs nicht mit fortzubringen und besorgte, es mchte mir
unterwegens gestohlen oder genommen werden, lie also dasselbe zu Hause
und versteckte es auf dem obersten Boden hinter die Feuermauer und trat
in dem vierundzwanzigsten Jahre meines Alters meine sehr gefhrliche
Reise an. Was ich nun in der Fremde zu Wasser und Lande berall gesehen,
gehrt, erfahren und ausgestanden, das wird in den folgenden Kapiteln
mit hchster Verwunderung zu vernehmen sein.

[3] aus Lge und Legende gebildet.

[4] will mich aufmachen.

[5] von Zwillich, grobem Zeug.

[6] Tasche.




2. Kapitel.


Der Kuckuck fing gleich denselben Tag das erstemal im Jahre an zu rufen,
als ich in Schelmerode von meiner Frau Mutter Abschied nahm, ihr um den
Hals fiel, sie auf jedweden Backen zu guter Letzt dreimal herzte und
hernach immer zum Tore hinaus wanderte. Wie ich nun vor das Tor kam, O
sapperment! wie kam mir alles so weitlufig in der Welt vor, da wute
ich nun, der Tebel hol mer, nicht, ob ich gegen Abend oder gegen der
Sonnen Niedergang zu marschieren sollte; hatte wohl zehnmal den Willen,
wieder umzukehren und bei meiner Frau Mutter zu bleiben, wenn ich
solches nicht so lsterlich verschworen gehabt, nicht eher wieder zu ihr
zu kommen, bis da ich ein brav Kerl geworden wre. Doch htte ich mich
endlich auch nicht gro an das Verschwren gekehrt, weil ich sonst wohl
eher was verschworen und es nicht gehalten hatte, sondern wrde
unfehlbar wieder zu meiner Frau Mutter gewandert sein, wann nicht ein
Graf auf einem Schellenschlitten wre querfeldein nach mir zugefahren
kommen und mich gefragt, wie ich so da in Gedanken stnde. Worauf ich
dem Grafen aber zur Antwort gab, ich wre willens, die Welt zu besehen,
und es kme mir alles so weitlufig vor, und wte nicht, wo ich zugehen
sollte. Der Graf fing hierauf zu mir an und sagte: Monsieur, es siehet
ihm was Rechts aus seinen Augen, und weil er willens ist, die Welt zu
besehen, so setze er sich zu mir auf meinen Schellenschlitten und fahre
mit mir, denn ich fahre deswegen auch in der Welt nur herum, da ich
sehen will, was hier und da passiert. Sobald der Herr Graf dieses
gesagt, sprang ich mit gleichen Beinen in seinen Schellenschlitten
hinein und steckte die rechte Hand vorne in die Hosen und die linke in
den rechten Schubsack, da mich nicht frieren sollte, denn der Wind ging
sehr kalt und hatte selbige Nacht ellendicke Eis gefroren; doch war es
noch gut, da der Wind uns hintennach ging, so kunnte er mich nicht so
treffen, denn der Herr Graf hielt ihn auch etwas auf, der sa hinten auf
der Pritsche und kutschte, damit so fuhren wir immer in die Welt hinein
und gegen Mittag zu. Unterwegens erzhlten wir einander unser
Herkommens; der Herr Graf machte nun den Anfang und erzhlte seinen
grflichen Stand und da er aus einem uralten Geschlechte herstammte,
welches zweiunddreiig Ahnen htte, und sagte mir auch, in welchem Dorfe
seine Gromutter begraben lge, ich habe es aber wieder vergessen;
hernach so schwatzte er mir auch, wie da er, als er noch ein kleiner
Junge von sechzehn Jahren gewesen wre, seine Lust und Freude an dem
Vogelstellen immer gehabt htte und einstmals auf einmal zugleich
einunddreiig Pumpelmeisen in einem Sprenkel gefangen, welche er sich in
Butter braten lassen und ihm so vortrefflich bekommen wren. Nachdem er
nun seinen Lebenslauf von Anfang bis zum Ende erzhlt hatte, so fing ich
hernach von meiner wunderlichen Geburt an zu schwatzen, wie auch von
meinem Blaserohre, mit welchem ich so gewi schieen knnen. O
sapperment! wie sperrte der Herr Graf Maul und Nasen darber auf, als
ich ihm solche Dinge erzhlte, und meinte, da noch was Rechts auf der
Welt aus mir werden wrde.

Nach solcher Erzhlung kamen wir an ein Wirtshaus, welches flugs an der
Strae im freien Felde lag, daselbst stiegen wir ab und gingen hinein,
uns ein wenig da auszuwrmen; sobald als wir in die Stube kamen, lie
sich der Herr Graf ein gro Glas geben, in welches wohl hierzulande auf
achtzehn bis zwanzig Ma gehn, dasselbe lie er sich von dem Wirte voll
Branntwein schenken und brachte mirs von da auf Du und Du zu. Nun htte
ich nicht vermeint, da der Graf das Glas voll Branntwein alle auf
einmal aussaufen wrde, allein er soffs, der Tebel hol mer, auf einen
Soff ohne Absetzen und Bartwischen reine aus, da sich auch der Wirt
grausam darber verwunderte. Hernach so lie ers wieder so voll schenken
und sagte zu mir: Nun allons, Herr Bruder Schelmuffsky, ein Hundsfott,
der mirs nicht auch Bescheid tut. Sapperment! das Ding verdro mich,
da der Graf mit solchen Worten flugs um sich schmi, und fing gleich zu
ihm an: Topp, Herr Bruder, ich wills Bescheid tun. Als ich dieses ihm
zur Antwort gab, fing der Wirt hhnisch zu dem Grafen an zu lcheln und
meinte, ich wrde es unmglich knnen Bescheid tun, weil der Herr Graf
ein dicker, korpulenter Herr und ich gegen ihn nur ein Aufschling wre
und in meinen Magen das Glas voll Branntwein wohl schwerlich gehen
wrde. Ich war aber her und setzte mit dem Glase voll Branntwein an und
soff es, der Tebel hol mer, flugs auf einen Schluck aus. O sapperment!
was sperrte der Wirt vor ein paar Augen auf und sagte heimlich zum
Grafen, da was Rechts hinter mir stecken mte. Der Graf aber klopfte
mich hierauf gleich auf meine Achseln und sagte: Herr Bruder, verzeihe
mir, da ich dich zum Trinken gentigt habe, es soll hinfort nicht mehr
geschehen, ich sehe nun schon, was an dir zu tun ist, und da
deinesgleichen von Konduite[7] wohl schwerlich wird in der Welt gefunden
werden. Ich antwortete dem Herrn Bruder Grafen hierauf sehr artig wieder
und sagte, wie da ich wahrlich ein brav Kerl wre und noch erstlich zu
was Rechts werden wrde, wenn ich weiter in die Welt hineinkommen sollte
und wenn er mein Bruder und Freund bleiben wollte, sollte er mich
knftig mit dergleichen Dingen verschonen. O sapperment! wie demtigte
sich der Graf gegen mich und bat mirs auf seine gebogenen Knien ab und
sagte, dergleichen Exzesse sollten knftig nicht mehr von ihm geschehen.

[7] feinem Benehmen.

Hierauf bezahlten wir den Wirt, setzten uns wieder auf unsern
Schellenschlitten und fuhren immer weiter in die Welt hinein. Wir
gelangten zu Ende des Oktobers, da es schon fast ganz dunkel worden war
in der berhmten Stadt Hamburg an, allwo wir mit unserm Schlitten am
Pferdemarkte in einem groen Hause einkehrten, worinnen viel vornehme
Standespersonen und Damens logierten. Sobald als wir da abgestiegen
waren, kamen zwei italinische Nobels[8] die Treppe oben
heruntergegangen; der eine hatte einen messingenen Leuchter in der Hand,
worauf ein brennendes Wachslicht brannte, und der andere eine groe
tpferne brennende Lampe, welche geschwippt voll Bomolie[9] gegossen
war, die hieen uns da willkommen und erfreuten sich meiner wie auch des
Herrn Bruders Grafen seiner guten Gesundheit. Nachdem sie nun solche
Komplimente gegen uns abgelegt hatten, nahm mich der eine Nobel mit dem
brennenden Wachslichte bei der Hand und der andere mit der brennenden
Bomolienlampe fate den Herrn Grafen bei dem rmel und fhrten uns da
die Treppe hinauf, da wir nicht fallen sollten, denn es waren sechs
Stufen oben ausgebrochen. Wie wir nun die Treppe oben hinaufkamen, so
prsentierte sich ein vortrefflicher, schner Saal, welcher um und um
mit den schnsten Tapezereien und Edelgesteinen ausgeziert war und von
Gold und Silber flimmerte und flammte. Auf demselben Saale nun stunden
zwei vornehme Staaten[10] aus Holland und zwei portugiesische
Abgesandte, die kamen mir und meinem Herrn Bruder Grafen gleichfalls
entgegengegangen, hieen uns auch willkommen und erfreuten sich
ebenfalls unserer guten Gesundheit und glcklichen Anherokunft. Ich
antwortete denselben flugs sehr artig wieder und sagte, wenn sie auch
noch fein frisch und gesund wren, wrde es mir und dem Herrn Grafen
sehr lieb auch sein. Als ich mein Gegenkompliment nun auch wieder
abgelegt hatte, so kam der Wirt in einem grnen Samtpelze auch dazu, der
hatte nun ein gro Bund Schlssel in der Hand, hie uns auch willkommen
und fragte, ob ich und der Herr Graf belieben wollten, noch eine Treppe
hher mit ihm zu steigen, allwo er uns anweisen wollte, wo wir unser
Zimmer haben sollten.

[8] Leute von Adel.

[9] hollndisch fr Bauml.

[10] Abgeordnete der Generalstaaten.

Ich und der Herr Bruder nahmen hierauf von der smtlichen Kompagnie mit
einer sehr artigen Miene Abschied und folgten dem Wirte, da er uns in
unser Zimmer fhren sollte, welches wir zu unserer Bequemlichkeit
innehaben sollten. Sobald wir nun mit ihm noch eine Treppe hinaufkamen,
schlo er eine vortreffliche schne Stube auf, worinnen ein ber alle
Maen galantes Bett stund und alles sehr wohl in derselben Stube
aufgeputzt war; daselbst hie er uns unsere Gelegenheit gebrauchen, und
wenn wir was verlangten, sollten wir nur zum Fenster hinunterpfeifen, so
wrde der Hausknecht alsobald zu unsern Diensten stehen, und nahm
hierauf von uns wieder Abschied. Nachdem wir uns nun so ein bischen
ausgemaustert hatten, so kam der Wirt im grnen Samtpelze wieder hinauf
zu uns und rief uns zur Abendmahlzeit, worauf ich und der Herr Bruder
Graf gleich mit ihm gingen. Er fhrte uns die Treppe wieder hinunter
ber den schnen Saal weg und in eine groe Stube, allwo eine lange
Tafel gedeckt stund, auf welche die herrlichsten Traktamenten getragen
wurden. Der Herr Wirt hie uns da ein klein wenig verziehen, die andern
Herren wie auch Damens wrden sich gleich auch dabei einfinden und uns
Kompagnie leisten.

Es whrte hierauf kaum so lange, als er davon geredet hatte, so kamen zu
der Tafelstube gleich auch hineingetreten die zwei italienischen Nobels,
welche uns zuvor bekomplimentiert hatten, ingleichen auch die zwei
Staaten aus Holland und die zwei portugiesischen Abgesandten, und
brachte ein jedweder eine vornehme Dame neben sich an der Hand mit
hinein geschleppt. O sapperment! als sie mich und meinen Herrn Bruder
Grafen dastehen sahen, was machten sie alle mit einander vor Reverenzen
gegen uns, und absonderlich die Menscher[11], die sahen uns, der Tebel
hol mer, mit rechter Verwunderung an. Da nun die ganze Kompagnie
beisammen war, welche mitspeisen sollte, ntigten sie mich und meinen
Herrn Bruder Grafen, da wir die Oberstelle an der Tafel einnehmen
muten, welches wir auch ohne Bedenken taten. Denn ich setzte mich nun
ganz zu oberst an, neben mir zur linken Hand sa der Herr Bruder Graf
und neben mir rechts an der Ecke saen nacheinander die vornehmen
Damens, weiter hinunter hatte ein jedweder auch seinen gehrigen Platz
eingenommen. Unter whrender Mahlzeit nun wurde von allerhand
Staatssachen diskuriert, ich und der Bruder Graf aber schwiegen dazu
stockstille und sahen, was in der Schssel passierte, denn wir hatten in
drei Tagen keiner keinen Bissen Brot gesehen.

[11] Frauenspersonen, Damen.

Wie wir uns aber beide brav dicke gefressen hatten, so fing ich hernach
auch an, von meiner wunderlichen Geburt zu erzhlen, und wie es mit der
Ratte wre zugangen, als sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides
htte sollen totgeschlagen werden. O sapperment! wie sperrten sie alle
Muler und Nasen auf, da ich solche Dinge erzhlte, und sahen mich mit
hchster Verwunderung an. Die vornehmen Damens fingen gleich an darauf,
meine Gesundheit zu trinken, welchen die ganze Kompagnie Bescheid tat.
Bald sagte eine, wenn sie soff: Es lebe der vornehme Herr von
Schelmuffsky! bald fing eine andere drauf an: Es lebe die vornehme
Standesperson, welche unter dem Namen Schelmuffsky seine hohe Geburt
verbirgt! Ich machte nun allemal eine sehr artige Miene gegen die
Menscher, wenn sie meine Gesundheit so nach der Reihe soffen. Die eine
vornehme Dame, welche flugs neben mir an der Tischecke zur rechten Hand
sa, die hatte sich wegen der Begebenheit von der Ratte ganz in mich
verliebt. Sie druckte mir wohl ber hundertmal die Fuste berm Tische,
so gut meinte sie es mit mir, weil sie sich in mich so sehr verliebt
hatte, doch war es nicht zu verwundern, weil ich so artig neben ihr sa
und alles dazumal, der Tebel hol mer, flugs ber mich lachte. Nachdem
ich nun mit meinem Erzhlen fertig war, so fing mein Herr Bruder auch
gleich an, von seinem Herkommen zu schwatzen und wo seine zweiunddreiig
Ahnen alle herkommen, und erzhlte auch, in welchem Dorfe seine
Gromutter begraben lge und wie er, als er noch ein kleiner Junge von
sechzehn Jahren gewesen, einunddreiig Pumpelmeisen zugleich auf einmal
in einem Sprenkel gefangen htte und was das Zeugs mehr alle war; allein
er brachte alles so wunderlich durcheinander vor und mengte bald das
Hundertste in das Tausendste hinein und hatte auch kein gut Mundwerk,
denn er stammerte gar zu sehr, da er auch, wie er sah, da ihm niemand
nicht einmal zuhrte, mitten in seiner Erzhlung stille schwieg und sah,
was sein Teller guts machte. Wenn ich aber zu diskurieren anfing, Ei
sapperment! wie horchten sie alle wie die Muschen, denn ich hatte nun
so eine anmutige Sprache und kunnte alles mit so einer artigen Miene
vorbringen, da sie mir nur, der Tebel hol mer, mit Lust zuhrten.

Nachdem der Wirt nun sah, da niemand mehr a und die Schsseln ziemlich
ausgeputzt waren, lie er die Tafel wieder abrumen. Wie solches
geschehen, machte ich und der Bruder Graf ein sehr artig Kompliment
gegen die smtliche Kompagnie und standen von der Tafel auf. Da sie das
ber Tische nun sahen, fingen sie alle miteinander an auch aufzustehen.
Ich und der Herr Bruder Graf nahmen hierauf ohne Bedenken zuerst wieder
unsern Weg zum Tafelgemach hinaus und marschierten nach unserm Zimmer
zu. Die smtliche Kompagnie aber begleitete uns ber den schnen Saal
weg und bis an unsere Treppe, wo wir wieder hinaufgehen muten, allda
nahmen sie von uns gute Nacht und wnschten uns eine angenehme Ruhe. Ich
machte nun gegen sie gleich wieder ein artig Kompliment und sagte, wie
da ich nmlich ein brav Kerl wre, der etwas mde wre, wie auch der
Herr Graf, und da wir in etlichen Wochen in kein Bette gekommen wren.
So zweifelten wir gar nicht, da wir wacker schlafen wrden, und sie
mchten auch wohl schlafen. Nach dieser sehr artig gegebenen Antwort
ging nun ein jedweder seine Wege, ich und mein Herr Bruder Graf gingen
gleich auch die Treppe vollends hinauf und nach unsrer Stube zu. Wie wir
da hineinkamen, so pfiff ich dem Hausknechte, da er uns ein Licht
bringen mute, welcher auch augenblicks damit sich einstellte und wieder
seiner Wege ging.

Dann legten wir uns beide in das schne Bette, welches in der Stube
stund. Sobald als der Herr Bruder Graf sich dahineinwlzte, fing er
gleich an zu schnarchen, da ich vor ihm kein Auge zu dem andern bringen
kunnte, ob ich gleich sehr mde und schlfrig auch war. Indem ich nun so
eine kleine Weile lag und lauschte, so pochte ganz sachte jemand an
unsere Stubentre an, ich fragte, wer da wre, es wollte aber niemand
antworten. Es pochte noch einmal an, ich fragte wieder, wer da wre, es
wollte mir aber niemand Antwort geben. Ich war her, sprang zum Bette
heraus, machte die Stubentre auf und sah, wer pochte. Als ich selbige
erffnete, so stund ein Mensche drauen und hatte ein klein Briefchen in
der Hand, bot mir im Finstern einen guten Abend und fragte, ob der
fremde vornehme Herr, welcher heute abend ber Tische die Begebenheit
von einer Ratte erzhlt, seine Stube hier htte. Da sie nun hrte, da
ichs selbst war, fing sie weiter an: Hier ist ein Briefchen an Sie, und
ich soll ein paar Zeilen Antwort drauf bringen. Hierauf lie ich mir den
Brief geben, hie sie ein wenig vor der Stubentre verziehen und pfiff
dem Hausknechte, da er mir das Licht anbrennen mute, welches er auch
alsobald tat und mit einer groen Laterne die Treppe hinaufgelaufen kam.
Damit so erbrach ich den Brief und sah, was drinnen stund. Der Inhalt
war, wie folgt, also:

         Anmutiger Jngling.

     Woferne Euchs beliebet, diesen Abend noch mein Zimmer zu besehen,
     so lasset mir durch gegenwrtige Servante[12] Antwort wissen.
     Adjeu! Eure affektionierte Dame, welche bei Euch heute abend ber
     Tische an der Ecke zur rechten Hand gesessen.

                                              La Charmante.

[12] Dienstmdchen.

Sobald ich diesen Brief nun gelesen, pfiff ich dem Hausknechte wieder,
da er mir Feder, Tinte und Papier bringen mute, darauf setzte ich mich
nur hin und schrieb einen sehr artigen Brief wieder an die Dame
Charmante zur Antwort, derselbe war nun auf diese Manier eingerichtet:

         Mit Wnschung alles Liebes und
               Gutes zuvor Wohl-Ehrbare
                       Dame Charmante.

     Ich will nur erstlich meine Schuhe und Strmpfe wie auch meinen
     Rock wieder anziehen, hernach will ich gleich zu Euch kommen. Ihr
     msset aber, Wohl-Ehrbare Dame, die Servante unfehlbar wieder zu
     mir schicken, da sie mir die Wege weist, wo ich Eure Stube finden
     soll, und lasset sie eine Laterne mitbringen, da ich auch nicht im
     Finstern falle, denn alleine komme ich, der Tebel hol mer, nicht.
     Warum? es ist jetzo gleich zwischen elf und zwlf, da der Henker
     gemeiniglich sein Spiel hat und mir leichtlich ein Schauer ankommen
     mchte, da mir auf den Morgen hernach das Maul brav ausschlge,
     und was wrde Euch denn damit gedient sein, wenn ich eine grindige
     Schnauze kriegte, wornach Ihr Euch zu achten wisset. Haltet nun wie
     Ihrs wollt, holt das Mensche mich ab, wohl gut, kommt sie aber
     nicht wieder, wie bald ziehe ich mich wieder aus und lege mich
     wieder zu meinem Bruder Grafen ins Bette. Im brigen lebet wohl,
     ich verbleibe dafr

         Meiner Wohl-Ehrbaren Madame Charmante
               allezeit treu-gehorsamst dienstschuldigst
                           reisefertigster
                       Schelmuffsky.

Diesen Brief schickte ich nun der vornehmen Dame Charmante zur Antwort
wieder und suchte meine Schuhe und Strmpfe unter der Bank flugs hervor,
da ich sie anziehen wollte; ich hatte kaum den einen Strumpf an das
linke Bein gezogen, so stund die Servante schon wieder drauen und hatte
eine groe papierne Laterne in der Hand, worinnen eine tpferne Lampe
mit zwei Dochten brannte, und wollte mich nach der Dame Charmante ihrem
Zimmer leuchten, da ich nicht fallen sollte. Sobald als ich mich nun
angezogen, nahm ich meinen Degen, welches ein vortrefflicher
Rckenstreicher war, unter den Arm und ging mit nach der Charmante ihrer
Stube zu. Das Mensche, die Servante, kunnte mir mit der papiernen
Laterne beraus stattlich leuchten; sie fhrte mich von meiner Stube an
die Treppe wieder hinunter ber den schnen Saal weg, einen langen Gang
im Hof hinten, allwo ich sechs Treppen hoch mit ihr wieder steigen
mute, ehe ich an der Charmante ihr Zimmer kam.

Wie mir das Mensch die Stubentre nun zeigte, so klinkte ich gleich auf
und ging ohne Bedenken unangemeldet hinein. Da mich die Charmante nun
kommen sah, bat sie bei mir um Verzeihung, da ich solches nicht
ungeneigt aufnehmen mchte, da sie bei spter Nacht noch zu mir
geschickt und mich in ihr Zimmer bemht htte. Ich antwortete der
Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte, wie da ich nmlich
ein brav Kerl wre, desgleichen man wohl wenig in der Welt antreffen
wrde, und es htte nichts auf sich, weil ich indem vor meines Herrn
Bruder Grafen seinem Schnarchen nicht einschlafen knnen. Als ich ihr
dieses nun so mit einer beraus artigen Miene zur Antwort gab, so bat
sie mich, da ich ihr die Begebenheit doch noch einmal von der Ratte
erzhlen sollte, da man sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides mit
dem Besen totschlagen wollen.

Ich erzhlte der Charmante hierauf augenblicks die ganze Begebenheit, so
gab sie hernach Freiens bei mir vor und sagte, ich sollte sie nehmen;
ich antwortete der Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte,
wie da ich nmlich ein brav Kerl wre, aus dem was Rechts noch erst
werden wrde, wenn er weiter in die Welt hineinkme, und da ich so
balde noch nicht Lust htte, eine Frau zu nehmen. Doch wollte ich ihrs
nicht abschlagen, sondern es ein wenig berlegen. O sapperment! wie fing
das Mensche an zu heulen und zu gransen, da ich ihr von dem Korbe
schwatzte, die Trnen liefen ihr immer die Backen herunter, als wenn man
mit Mulden gsse, und machte sich da ein paar Augen wie die gresten
Schafksenpfe gro.

Wollte ich nun wohl oder bel, da sie sich nicht gar ber mich zu Tode
heulen mchte, mute ichs, der Tebel hol mer, zusagen, da ich keine
andere als sie zur Frau haben wollte. Da nun solches geschehen, gab sie
sich wieder zufrieden, und nahm ich selben Abend von ihr Abschied und
lie mich durch die Servante mit der papiernen Laterne wieder auf meine
Stube leuchten und legte mich zu meinem Herrn Bruder Grafen ins Bette,
welcher noch eben auf der Stelle dalag und in einem weg schnarchte. Ich
war kaum ins Bette wieder hinein, so kriegte ich auch etwa seine Laune,
und schnarchten da alle beide wie ein altes Pferd, welches dem Schinder
entlaufen war. Den andern Tag frh, da es etwa um neun Uhr sein mochte
und ich im besten Schlafe lag, so stie jemand mit beiden Beinen an
unsere Stubentr lsterlich an, da ich aus dem Schlafe klaffternhoch
vor Erschrecknis in die Hhe fuhr. Des Anschlagens wollte aber kein Ende
nehmen, ich war her und sprang flugs mit gleichen Beinen aus dem Bette
heraus, zog mein Hemde an und wollte sehen, wer da war. Wie ich
aufmachte, so stund des einen Staatens aus Holland sein Junge drauen,
welcher fragte, ob der von Schelmuffsky seine Stube hier htte. Da ich
dem Jungen nun zur Antwort gab, da ichs selber wre, sagte er weiter,
sein Herr, der hielte mich vor keinen braven Kerl, sondern vor einen
Erzbrenhuter, wenn ich nicht zum allerlngsten um zehn Uhr heute
vormittag mit einem guten Degen auf der groen Wiese vor dem
Altonaischen Tore erschiene, und da wollte er mir weisen, was Rson
wre. O sapperment! wie verdro mich das Ding, als mir der Kerl durch
seinen Jungen solche Worte sagen lie. Ich fertigte den Jungen aber
alsobald mit folgender Antwort ab und sagte: Hre, Hundsfott, sprich du
zu deinem Herrn wieder, ich liee ihm sagen, warum er denn nicht selbst
zu mir gekommen wre und mir solches gesagt, ich htte bald mit ihm
fertig werden wollen; damit er aber sehen sollte, da ich mich vor ihm
nicht scheute, so wollte ich kommen und ihm nicht allein zu Gefallen
einen guten Degen, welches ein Rckenstreicher wre, mitbringen, sondern
es sollten auch ein paar gute Pistolen zu seinen Diensten stehen, damit
wollte ich ihm weisen, wie er den bravsten Kerl von der Fortuna ein
andermal besser respektieren sollte, wenn er was an ihm zu suchen htte.
Hierauf ging des Staatens sein Junge fort und muckte nicht ein Wort
weiter, ausgenommen, wie er an die Treppe kam, so schielte er mich von
der Seite mit einer hhnischen Miene recht sauer hinterrcks an und lief
geschwinde die Treppe hinunter.

Ich aber war her, ging in die Stube wieder hinein, zog mich geschwinde
an und pfiff dem Hausknechte, da er eiligst zu mir kommen mute.
Welcher sich auch flugs augenblicks bei mir einstellte und sagte: Was
belieben Euere Gnaden? Das Ding gefiel mir sehr wohl von dem Kerl, da
er so bescheidentlich antworten kunnte. Ich fragte ihn hierauf, ob er
mir nicht ein paar gute Pistolen schaffen knnte, das und das ginge vor
sich, wollte ihm keinen Schaden daran tun und er sollte dafr ein
Trinkgeld zu gewarten haben. O sapperment! als der Kerl von dem
Trinkgelde hrte, wie sprang er zur Stubentre hinaus und brachte mir
im Augenblick ein paar wunderschne Pistolen geschleppt, welche dem
Wirte waren; die eine mute er mir mit groen Hasenschroten und die
andere mit kleiner Dunst fllen und zwei Kugeln draufstopfen. Da solches
geschehen, grtete ich meinen Rckenstreicher an die Seite, die Pistolen
steckte ich in den Grtel und marschierte da immer stillschweigens nach
dem Altonaischen Tore zu. Wie ich nun vor das Tor kam, so erkundigte ich
mich nun gleich, wo die groe Wiese wre. Es gab mir aber ein kleiner
Schifferjunge alsobald Nachricht davon. Da ich nun ein klein Eckchen von
der Stadtmauer gegangen war, so kunnte ich die groe Wiese sehen und
sah, da ihrer ein ganzer Haufen dortstunden, auf welche ich gleich
sporenstreichs zumarschierte. Als ich nun bald an sie kam, sah ich, da
der eine Staate dastund und ihrer Etliche noch bei sich hatte. Ich
fragte ihn aber gleich, wie ich zu ihm kam, ob er mich durch seinen
Jungen vor einer Stunde wohin htte fordern lassen und was die Ursache
wre. Worauf er mir zur Antwort gab: Ja, er htte solches getan, und das
wre die Ursache, weil ich die vergangene Nacht bei der Madame Charmante
gewesen, und das knnte er gar nicht leiden, da ein Fremder sie
bedienen sollte; war hierauf augenblicks mit der Fuchtel heraus und kam
auf mich zu marschiert.

Da ich nun sah, da er der Herr war, O sapperment! wie zog ich meinen
Rckenstreicher auch vom Leder und legte mich in Positur; ich hatte ihm
kaum einen Sto auspariert, so tat ich nach ihm einen Sausto und stach
ihm, der Tebel hol mer, mit meinem Rckenstreicher die falsche Quinte
zum linken Ellbogen hinein, da das Blut armsdicke herausscho, und
kriegte ihn hernach beim Leibe und wollte ihm mit der einen Pistole,
welche stark mit Dunst und Kugeln geladen war, das Lebenslicht vollends
ausblasen; es wre auch in bsem Mute geschehen, wenn nicht seine
Kameraden mir wren in die Arme gefallen und gebeten, da ich nur sein
Leben schonen sollte, indem ich Revenge[13] genug htte. Die Sache wurde
auch auf vielfltiges Bitten also bemittelt, da ich mich wieder mit ihm
vertragen mute; und zwar mit dem Bedinge, da er mir durch seinen
Jungen niemals mehr solche Worte sagen liee, wenn ich der Madame
Charmante eine Visite gegeben htte, welches er mir auch zusagte.

[13] Revanche, Genugtuung.

In was vor Ehren ich hernach von seinen Kameraden gehalten wurde, das
kann ich, der Tebel hol mer, nicht genug beschreiben, wo auch nur eine
Aktion vorging, da mute ich allezeit mit dabei sein und die
Kontraparten[14] auseinandersetzen. Denn wo ich nicht dabei mit war,
wenn Schlgerei vorging, und wurde nur insgeheim so vertragen, davon
wurde gar nichts gehalten; wo es aber hie, der von Schelmuffsky hat dem
und dem wieder sekundiert, so wuten sie alle schon, wieviel es
geschlagen hatte. Die gehabte Aktion mit dem einen Staaten aus Holland
erzhlte ich alsobald der Dame Charmante und sagte, da es ihretwegen
geschehen wre. Das Mensche erschrak zwar anfnglich sehr darber,
allein wie sie hrte, da ich mich so ritterlich gehalten hatte, sprung
sie vor Freuden hoch in die Hhe und fiel mir um den Hals. Hernach so
ging ich zu meinem Herrn Bruder Grafen hinauf in die Stube, welcher zwar
noch im Bette lag und lauschte; demselben erzhlte ichs auch, was mir
schon begegnet wre in Hamburg. Der war nun so giftig, da ich ihn nicht
aufgeweckt hatte, er htte wollen auf seinem Schellenschlitten mit
hinausfahren und mir sekundieren helfen, ich gab ihm aber zur Antwort,
da sich ein brav Kerl auch vor ihrer Hunderten nicht scheuen drfte.
Hierauf kam der Wirt im grnen Samtpelze hinauf zu uns und rief uns
wieder zur Mittagsmahlzeit. O sapperment! Wie sprung mein Herr Bruder
Graf aus dem Bette heraus und zog sich ber Hals und Kopf an, weil er
das Essen nicht versumen wollte. Wie er sich nun angezogen hatte,
marschierten wir beide mit dem Herrn Wirte wieder hinunter zur Tafel. Es
stellte sich die ganze Kompagnie bei Tische wieder ein, welche vorigen
Abend mitgespeist hatte, ausgenommen der eine Staate, welchem ich die
falsche Quinte durch den Arm gestoen hatte, der war nicht da. Ich und
mein Herr Bruder Graf nahmen nun ohne Bedenken die Oberstelle wieder
ein. Da meinte ich nun, es wrde ber Tische von der Aktion was
gestichelt werden, allein, der Tebel hol mer, nicht ein Wort wurde davon
erwhnt, und ich htte es auch keinem raten wollen, denn die falsche
Quinte und der Sausto lag mir noch immer im Sinne. Sie fingen von
allerhand wieder an zu diskurieren und meinten, ich wrde auch etwa
wieder was erzhlen, darber sie sich verwundern knnten; sie gaben mir
auch Anleitung dazu, allein ich tat, der Tebel hol mer, als wenn ichs
nicht einmal hrte.

[14] streitenden Parteien.

Die Dame Charmante fing meine Gesundheit an zu trinken, welcher die
ganze Kompagnie auch wieder Bescheid tat. Mein Herr Bruder Graf fing
hernach von seinen Pumpelmeisen an zu erzhlen, die er auf einmal in dem
Sprenkel gefangen htte, und da dieselben ihm so gut geschmeckt htten,
als seine verstorbene Frau Gromutter ihm solche in Butter gebraten.
ber welcher einfltigen Erzhlung die ganze Kompagnie lachen mute.
Nach gehaltener Mittagsmahlzeit setzte ich mich mit meiner Liebsten, der
Charmante, auf eine Chaise de Roland[15] und fuhren auf den Wllen
spazieren, besahen da die Ringmauer der Stadt Hamburg, wie sie gebaut
war, welche denn an etlichen Orten nicht allerdings feste genug zu sein
schien; ich sagte solches dem Stadtkapitn, wie sie ganz auf eine andere
Manier perspektivisch knnte repariert werden. Er schriebs zwar auf: ob
sie es nun werden getan haben, kann ich nicht wissen, denn ich bin von
der Zeit an nicht wieder hingekommen. Nach diesem fuhren wir in die
Sternschanze und besahen dieselbe auch: O sapperment! was lagen da vor
Bomben, welche von voriger Belagerung waren hineingeworfen worden; ich
will wetten, da wohl eine ber dreihundert Zentner schwer hatte, ich
versuchte es auch, ob ich eine mit einer Hand in die Hhe heben kunnte,
allein es wollte, der Tebel hol mer, nicht angehen, so schwer war sie,
knapp, da ich sie mit beiden Hnden drei Ellen hoch in die Hhe heben
kunnte. Von da fuhren wir hinaus an die Elbe und sahen da die
Schifferjungen angeln, O sapperment! was fingen sie da vor Forellen an
der Angel, es waren nicht etwa solche kleine Forellen, wie es
hierzulande bei Gutenbach oder sonsten dergleichen Orten herum gibt,
sondern es waren, der Tebel hol mer, Dinger, da eine Forelle gut zwanzig
bis dreiig Pfund hatte. Von denselben Fischen hatte ich mich zu Hamburg
ganz berdrssig gefressen, und wenn ich die Stunde noch Forellen
erwhnen hre, wird mir flugs ganz bel davon. Warum? Sie haben in
Hamburg keine anderen Fische als nur Forellen jahraus, Forellen jahrein,
man mu sich darinnen verstnkern, man mag wollen oder nicht, bisweilen,
etwa um Lichtme herum, kommen irgendein paar Tonnen frische Heringe da
an, aber auch gar selten, und dazu, wo erkleckt das unter so einer
Menge Volk? der Tausendste kriegt keinen nicht einmal davon zu sehen.

[15] elegantes Fuhrwerk.

Nachdem ich mit meiner Liebsten dem Angeln so eine Weile zugesehen,
fuhren wir wieder in die Stadt und nach unserm Quartier zu; sobald als
wir abstiegen, stund ein kleiner buckliger Tanzmeister im Torwege, der
machte gegen die Madame Charmante wie auch gegen mich ein sehr artig
Kompliment und invitierte uns[16] zu einem Balle. Meine Liebste, die
Charmante, fragte mich, ob ich Lust mit hinzufahren htte, denn sie
knnte es der Kompagnie nicht abschlagen, und sie wrden wohl indem alle
schon auf sie warten. Ich gab ihr zur Antwort: Ich fahre schon mit und
sehe, was da passiert. Hierauf gab sie dem Tanzmeister Befehl, da sie
gleich kommen wollte. O sapperment! wie sprung der Kerl vor Freuden
herum, da sie kommen wollte und noch jemand mit sich bringen. Er lief
immer zum Hause hinaus und nach dem Tanzboden zu, als wenn ihm der Kopf
brennte. Wir setzten uns gleich wieder auf unsere Chaise de Roland und
fuhren nach dem Tanzboden zu.

[16] lud uns ein.

Sobald als wir nun hinaufkamen, O sapperment! was war vor Aufsehens da
von den vornehmen Damens und Kavalieren, welche sich auch auf dem
Tanzboden eingefunden hatten; es war ein Gelispere heimlich in die
Ohren, und soviel ich hren kunnte, fing bald dieser an und sagte: Wer
mu doch nur der vornehme Herr sein, welchen die Madame Charmante
mitgebracht hat. Bald sagte ein Frauenzimmer zu dem andern: Ist das
nicht ein wunderschner Kerl, sieht er doch flugs aus wie Milch und
Blut. Solche und dergleichen Reden gingen wohl eine halbe Stunde unter
der Kompagnie auf dem Tanzboden heimlich vor. Der Tanzmeister
prsentierte mir einen roten Samtstuhl, worauf ich mich niedersetzen
mute, die andern aber wie auch meine Charmante muten alle stehen.
Damit so ging nun die Musik an, O sapperment! wie kunnten die Kerle
streichen, sie machten mit einem Gassenhauer den Anfang, wonach der
kleine bucklige Tanzmeister die erste Entree tanzte. Sapperment! wie
kunnte das Kerlchen springen, es war, der Tebel hol mer, nicht anders,
als wenn er in die Lfte flge. Wie derselbe Tanz aus war, so schlossen
sie alle miteinander einen Kreis und fingen an schlangenweise zu tanzen:
meine Charmante, die mute nun in den Kreis hineintreten und drinnen
allein tanzen. O sapperment! was kunnte sich das Mensche schlangenweise
im Kreise herumdrehen, da ich auch, der Tebel hol mer, alle Augenblick
dachte, jetzt fllt sie bern Haufen, allein es war, als ob ihr nichts
drum wre. Die anderen Mdchens tanzten, der Tebel hol mer, galant auch,
ich kanns nicht sagen, wie artig sie die Knochen auch setzen kunnten,
meiner Charmante aber kunnte es aber doch keine gleichtun. Nachdem der
Kreistanz schlangenweise nun aus war, so fingen sie allerhand
gemeine[17] Tnze auch an zu tanzen, als Couranten, Chiquen, Allemanden
und dergleichen.

[17] allgemein bliche.

Solch Zeug sollte ich nun auch mit tanzen, es kamen unterschiedne Damens
zu mir an den Samtstuhl, worauf ich sa, und forderten mich auch zu
einem Tnzchen auf. Ich entschuldigte mich zwar erst und sagte, wie da
ich nmlich ein brav Kerl wre, dem zwar was Rechts aus den Augen
herausfunkelte, aber tanzen htte ich noch nicht recht gelernt. Es half
aber, der Tebel hol mer, kein Entschuldigen, die Damens trugen mich
mitsamt dem Stuhle in den Tanzkreis hinein und kippten mich mit dem
Stuhle um, da ich, der Tebel hol mer, die Lnge lang hinfiel. Ich stund
aber mit einer sehr artigen Miene wiederum auf, da sich auch die ganze
Kompagnie auf dem Tanzboden ber mich sehr verwunderte und ein Kavalier
immer zu dem andern sagte, da ich wohl einer von den bravsten Kerlen
auf der Welt mit sein mte. Hierauf fing ich nun an zu tanzen und nahm
drei Frauenzimmer; die eine mute mich bei der linken Hand anfassen, die
andere bei der rechten und die dritte mute sich an mein link Bein
halten, damit hie ich die Musikanten den Altenburgischen Bauerntanz
aufstreichen. Da htte man nun schn tanzen gesehen, wie ich auf dem
rechten Beine solche artige Sprnge tun kunnte. Wie ich mich nun so ein
klein wenig erhitzt hatte, so sprung ich auf dem einen Beine, der Tebel
hol mer, klaffternhoch in die Hhe, da auch die eine Dame, welche sich
an mein link Bein gefat hatte, fast mit keinem Fue auf die Erde kam,
sondern stets in der Luft mit herumhpfte. O sapperment! wie sahen die
Menscher alle, als ich solche Sprnge tat; der kleine bucklige
Tanzmeister schwur hoch und teuer, da er dergleichen Sprnge zeitlebens
nicht gesehen htte. Sie wollten hernach auch alle wissen, was vor
Geschlechts und Herkommens ich wre, allein ich sagte es, der Tebel hol
mer, keinem, ich gab mich zwar nur vor einen Vornehmen von Adel aus,
allein sie wollten es doch nicht glauben, sondern sagten, ich mte noch
weit was Vornehmeres sein, denn meine Augen die htten mich schon
verraten, da ich aus keiner Haselstaude entsprungen wre. Sie fragten
auch meine Charmante, allein der Henker htte sie wohl geholt, da sie
was von meiner Geburt erwhnt htte, denn wenn sie die Historie von der
Ratte gehrt htten, Ei sapperment! wie wrden sie gehorcht haben. Nach
gehaltenem Ball fuhr ich mit meiner Charmante in die Opera[18], welche,
der Tebel hol mer, auch da schn zu sehen war, denn sie spielten gleich
selben Tag von der Zerstrung Jerusalems. O sapperment! was war das vor
eine groe Stadt, das Jerusalem, welches sie in der Opera da
vorstellten, ich will wetten, da es, der Tebel hol mer, zehnmal gut
grer war, als die Stadt Hamburg ist, und zerstrten da das Ding auch
so lsterlich, da man, der Tebel hol mer, nicht einmal sah, wo es
gestanden hatte. Nur immer und ewig schade war es um den wunderschnen
Tempel Salomonis, da derselbe so mit mute vor die Hunde gehen, es
htte mich sollen dnken, da nur ein Fleckchen daran wre ganz
geblieben, nein, es mute von den Soldaten, der Tebel hol mer, alles
ruiniert und zerstrt werden. Es waren Krabaten[19] und Schweden, die
das Jerusalem so zuschanden machten.

[18] Die Hamburger Oper erfreute sich Ende des 17. Jahrhunderts groer
Berhmtheit.

[19] Kroaten.

Nach dieser geschehenen Opera fuhr ich mit meiner Charmante auf den
Jungfernstieg (wie es die Herren Hamburger nennen), denn es ist ein sehr
lustiger Ort und liegt mitten in der Stadt Hamburg an einem kleinen
Wasser, welches die Alster genannt wird, da stehen wohl zweitausend
Linden und gehen alle Abend die vornehmsten Kavaliers und Damen der
Stadt Hamburg dahin spazieren und schpfen unter den Linden frische
Luft. Auf demselben Jungfernstiege war ich mit meiner liebsten Charmante
nun alle Abend da anzutreffen. Denn der Jungfernstieg und das Opernhaus
war immer unser bester Zeitvertreib. Von der Belagerung Wiens spielte
sich auch einmal eine Opera, welche vortrefflich zu sehen war. Ei
sapperment! was schmissen die Trken vor Bomben in die Stadt Wien
hinein; sie waren, der Tebel hol mer, noch zwanzigmal grer als wie
die, welche in der gedachten Sternschanze zu Hamburg liegen. Wie sie
aber von den Sachsen und Polacken dafr bezahlt worden, werden sie wohl
am besten wissen. Denn es blieben wohl von den Trken ber
dreiigtausend Mann auf dem Platze, ohne die, welche gefangen genommen
wurden und tdlich blessiert waren, so ich ohngefhr auch etwa auf
achtzehn- bis zwanzigtausend Mann schtze, und vierzigtausend Mann
warens gut, welche die Flucht nahmen. Ei sapperment! wie gingen die
Trompeten da, wie die Stadt entsetzt war, ich will wetten, da wohl ber
zweitausend Trompeter auf dem Dinge hielten und Viktoria bliesen. Mit
dergleichen Lustigkeit vertrieben ich und meine Charmante damals tglich
unsere Zeit in Hamburg. Was michs aber vor Geld gekostet, das will ich,
der Tebel hol mer, niemand sagen, es gereut mich aber kein Heller,
welchen ich mit der Charmante durchgebracht habe, denn es war ein
vortrefflich schn Mensche, und ihr zu Gefallen htte ich die Hosen
ausziehen und versetzen wollen, wenns am Gelde htte fehlen sollen, denn
sie hatte mich beraus lieb und hie mich nur ihren anmutigen Jngling,
denn ich war dazumal weit schner als jetzo. Warum? Man wird ferner
hren, wie mich die Sonne unter der Linie[20] so lsterlich verbrannt
hat. Ja Hamburg, Hamburg, wenn ich noch dran gedenke, hat mir manche
Lust gemacht.

[20] quator.

Und ich wre, der Tebel hol mer, wohl noch so bald nicht herausgekommen,
ob ich gleich drei ganzer Jahre mich da umgesehen hatte, wenn mein
Rckenstreicher mich nicht so unglcklich gemacht htte. Welches zwar
wegen meiner Liebsten, der Charmante, herkam, doch kunnte das gute
Mensche auch nicht dafr, da ich bei Nacht und Nebel durchgehen mute.
Denn ein brav Kerl mu sich nicht bravieren[21] lassen. Die ganze Sache
war aber also beschaffen. Ich wurde mit meiner Charmante in eine lustige
Gesellschaft gebeten und muten an demselben vornehmen Orte, wo die
Kompagnie war, des Abends mit da zu Gaste bleiben. Wie wir nun
abgespeist hatten, war es schon sehr spt in die Nacht hinein; wir
wurden auch gebeten, dazubleiben, allein meine Charmante wollte nicht da
schlafen, der vornehme Mann aber, wo wir waren, lie seine Karosse
anspannen, dieselbe sollte uns nach unserm Quartier zu bringen, damit
wir keinen Schaden nehmen mchten. Wie wir aber bald an den Pferdemarkt
kamen, so bat mich meine Charmante, da ich mit ihr noch ein halb
Stndchen mchte auf den Jungfernstieg fahren, sie wollte nur sehen, was
vor Kompagnie da anzutreffen wre. Ich lie mir solches gefallen und
befahl dem Kutscher, da er uns dorthin fahren sollte. Als wir aber
durch ein enges Gchen nicht weit vom Jungfernstiege fahren muten,
fingen welche an zu wetzen[22] in derselben Gasse. Nun war ich Blut bel
gewohnt, wenn mir einer vor der Nase herum in die Steine kriegelte, und
htte, der Tebel hol mer, zehnmal lieber gesehen, es htte mir einer
eine derbe Presche[23] gegeben, als da er mir mit dergleichen Wetzen
wre aufgezogen kommen. Ich war her und sagte zu meiner Charmante, sie
sollte nur mit dem Kutscher wieder umlenken und nach dem Quartier zu
fahren, ich wollte sehen, wem dieser Affront[24] geschhe, und es stnde
mir unmglich an, da man dem bravsten Kerl von der Fortune vor der Nase
so herumwetzen sollte.

[21] Trotz bieten.

[22] Sbelwetzen galt zu jener Zeit nach studentischer Sitte als
Herausforderung.

[23] Ohrfeige.

[24] Beleidigung.

Meine Charmante aber wollte mich nicht von sich weglassen und meinte,
ich mchte etwa zu Unglck kommen, allein ich sprang, ehe sie sichs
versah, mit gleichen Beinen zur Kutsche heraus, hie den Kutscher
umlenken und marschierte da den Nachtwetzern nach, welche ich am Ende
des engen Gchens noch antraf und zu ihnen anfing, welche wohl bei
ihrer dreiig waren: Was habt ihr Brenhuter da zu wetzen? Die Kerls
aber kamen mit ihren bloen Degen auf mich hineingegangen und meinten,
ich wrde mich vor ihnen frchten. Ich trat zwar einen Schritt zurck,
und da kriegte ich meinen Rckenstreicher heraus. Ei sapperment! wie
hieb und stach ich auf die Kerls hinein, es war, der Tebel hol mer,
nicht anders, als wenn ich Kraut und Rben vor mir htte: ihrer fnfzehn
blieben gleich auf dem Platze, ihrer etliche, die ich sehr beschdigt
hatte, baten um gut Wetter und etliche die gaben Reiaus und schrien
nach der Rdelwache.

[Illustration]

Ei sapperment! als ich von der Rdelwache hrte, dachte ich, das Ding
drfte wohl nicht gut mit dir ablaufen, wenn die dich kriegen sollten;
ich war her und marschierte immer spornstreichs nach dem Altonaischen
Tore zu, da spendierte ich dem Torwrter einen ganzen Doppeltaler, da
er mich durch das Pfrtchen mute hinauslassen. Drauen setzte ich mich
nun auf dieselbe Wiese, wo ich dem einen Staaten aus Holland die falsche
Quinte durch den linken Ellbogen gestoen hatte, und granste[25] da wie
ein kleiner Junge Rotz und Wasser. Wie ich nun ausgegranst hatte, so
stund ich auf, kehrte mich noch einmal nach der Stadt Hamburg zu, ob ich
sie gleich im Finstern nicht sehen kunnte, und sagte: Nun gute Nacht,
Hamburg, gute Nacht, Jungfernstieg, gute Nacht Opernhaus, gute Nacht
Herr Bruder Graf und gute Nacht meine allerliebste Charmante, grme dich
nur nicht zu Tode, da dein anmutiger Jngling dich verlassen mu,
vielleicht kriegst du ihn bald wiederum anderswo zu sehen. Hierauf ging
ich im Dunkeln fort und immer weiter in die Welt hinein. Ich gelangte
bei frhem Morgen in der Stadt Altona an, welche drei starke deutsche
Meilen von Hamburg liegt, da kehrte ich in dem vornehmsten Wirtshause
ein, welches zum Weinberge genannt wurde, worinnen ich einen Landsmann
antraf, welcher in der Hlle[26] hinterm Kachelofen sa und hatte zwei
vornehme Damens neben sich sitzen, mit welchen er in der Karte falsch
spielte. Demselben gab ich mich zu erkennen und erzhlte ihm, wie mirs
in Hamburg gegangen wre. Es war, der Tebel hol mer, ein brav Kerl auch,
denn er war nur vor etlichen Tagen aus Frankreich gekommen und wartete
allda bei dem Wirte im Weinberge auf einen Wechsel, welchen ihm seine
Frau Mutter mit ehster Gelegenheit schicken wrde. Er erzeigte mir sehr
groe Ehre, da ichs, der Tebel hol mer, lebenslang werde zu rhmen
wissen, und gab mir auch den Rat, ich sollte mich nicht lange in Altona
aufhalten, denn wenns erfahren wrde in Hamburg, da der und der sich da
aufhielte, welcher so viel Seelen kaput gemacht htte, drfte die
Rdelwache, wenns gleich in einem andern Gebiete wre, wohl
nachgeschickt werden und mich lassen bei dem Kopfe nehmen. Welchem guten
Rate ich auch folgte, und weil selben Tag gleich ein Schiff von da auf
der See nach dem Lande Schweden zusegelte, dingte ich mich auf dasselbe,
nahm von meinem Herrn Landsmanne Abschied und marschierte von Altona
fort.

[25] Gransen = greinen, weinen.

[26] warmer Platz hinter dem Ofen.

Wie mirs nun dazumal auf der See ging, was ich da und in dem Lande
Schweden gesehen und erfahren habe, wird im folgenden Kapitel beraus
artig zu vernehmen sein.




3. Kapitel.


Es war gleich in der Knoblochs-Mittwoche[27], als ich mich zum ersten
Male auf das Wasser begab. Nun htte ich vermeint, die Schiffe zu
Hamburg wren gro, worauf man bei dem Jungfernstiege pflegte spazieren
zu fahren, allein so sah ich wohl, da sie bei Altona auf der See, der
Tebel hol mer, noch tausendmal grer waren, denn die Leute nannten sie
nur die groen Lastschiffe. Auf so eins setzte ich mich nun, und wie ich
von meinem Landsmanne Abschied genommen hatte, schiffte ich da mit fort.

[27] Mittwoch nach Pfingsten.

Den dreizehnten Tag gegen zehn Uhr vormittags wurde es
stockrabenfinster, da man auch nicht einen Stich sehen kunnte, und
mute der Schiffsmann eine groe Lampe vor das Schiff heraushngen,
damit er wute, wo er zufuhr, denn seinem Kompa durfte er nicht wohl
trauen, derselbe stockte immer. Wie es nun so gegen Abend kam, Ei
sapperment! was erhub sich vor ein Sturm auf der See, da wir auch, der
Tebel hol mer, nicht anders meinten, wir wrden alle mssen vor die
Hunde gehen. Ich kann, der Tebel hol mer, wohl sagen, da es uns nicht
anders in solchem Sturme war, als wenn wir in einer Wiege geboiet wrden
wie die kleinen Kinder. Der Schiffsmann wollte wohl gern ankern, allein
er hatte keinen Grund und mute also nur Achtung haben, da er mit dem
Schiffe an keine Klippe fuhr. Den neunzehnten Tag begunnte der Himmel
sich allmhlich wieder zu klren und legte sich der Sturm auch so
geschwind, da es den zwanzigsten Tag wieder so stille und gut Wetter
wurde, besser als wir es uns selbst wnschten. Zu Ausgang desselben
Monats rochen wir Land und kriegten den folgenden Monat drauf die
Spitzen von den schnen Trmen in Stockholm zu sehen, worauf wir
zusegelten. Als wir nun ganz nah an die Stadt kamen, so hielt der
Schiffsmann stille, hie uns Fhrgeld suchen und aussteigen, welches wir
auch taten.

Wie wir nun da ans Ufer ausgestiegen waren, so ging hernach einer hier
hinaus, der andere dort hinaus; ich wanderte nun gleich auch mit in die
Stadt, und weil ich in keinem gemeinen Wirtshause Lust zu logieren
hatte, blieb ich in der Vorstadt und nahm mein Quartier bei dem
Lustgrtner, welcher, der Tebel hol mer, ein beraus wackerer Mann war.
Sobald als ich mich nun bei ihm anmeldete und um Quartier ansprach,
sagte er gleich ja. Flugs darauf erzhlte ich ihm meine Geburt und die
Begebenheit von der Ratte. Ei sapperment! was war es dem Manne vor eine
Freude, als er diese Dinge hrte, er war, der Tebel hol mer, auch so
hflich gegen mich und hatte sein Mtzchen stets unter dem Arme, wenn er
mit mir redete, denn er hie mich nur Ihr Gnaden. Nun sah er auch wohl,
da ich ein brav Kerl war und da was Groes hinter mir stecken mute.
Er hatte einen vortrefflichen schnen Garten, da kamen nun fast tglich
die vornehmsten Leute aus der Stadt zu ihm spazieren gefahren. Ob ich
mich nun wohl wollte da inkognito aufhalten und mich nicht zu erkennen
geben, wer und wes Standes ich wre, so wurde ich doch bald verraten. Ei
sapperment! was kriegte ich da vor Visiten von den vornehmsten Damens in
Stockholm. Es kamen, der Tebel hol mer, alle Tage wohl dreiig Kutschen
voll immer in den Garten gefahren, da sie mich nur sehen wollten, denn
der Lustgrtner mochte mich gegen die Leute so herausgestrichen haben,
was ich vor ein brav Kerl wre.

Unter anderm kam immer ein Frauenzimmer in den Garten gefahren, ihr
Vater war der vornehmste Mann mit bei der Stadt, die hieen die Leute
nur Frulein Lisette, es war, der Tebel hol mer, ein vortrefflich schn
Mensche; dieselbe hatte sich nun bis auf den Tod in mich verliebt und
gab recht ordentlich Freiens auch bei mir vor, da ich sie nehmen
sollte. Ich antwortete derselben hierauf aber sehr artig und sagte, wie
da ich ein brav Kerl wre, dem was Rechts aus den Augen heraus she,
da also dieselbe vor dieses Mal mit keiner gewissen Antwort knnte
versehen werden. Sapperment! wie fing das Mensche an zu heulen und zu
schreien, da ich ihr den Korb gab, da ich also, der Tebel hol mer,
nicht wute, woran ich mit ihr war. Endlich fing ich zu ihr an, da ich
mich in Hamburg schon mit einer halb und halb versprochen, allein ich
htte keine Post von ihr, ob sie noch lebte oder ob sie tot wre. Sie
sollte sich nur zufriedengeben, in etlichen Tagen wollte ich ihr Antwort
wiedersagen, ob ich sie nehmen wollte oder nicht. Hierauf gab sie sich
wieder zufrieden und fiel mir um den Hals und meinte es auch, der Tebel
hol mer, so gut mit mir, da ich mich auch gnzlich resolvieret hatte,
die Charmante fahren zu lassen und mich an Frulein Lisetten zu hngen.
Hierauf nahm sie mit weinenden Augen von mir Abschied und sagte, da sie
den morgenden Tag frh wieder zusprechen wollte, und fuhr damit in die
Stadt nach ihren Eltern zu. Was geschah? Der morgende Tag kam herbei,
ich lie eine gute frische Milch zurichten, mit derselben wollte ich
das Frulein Lisette im Garten nun traktieren: der Vormittag lief
vorbei, der Nachmittag war auch fast zu Ende, ich wartete im Garten
immer mit der frischen Milch, es wollte aber kein Frulein Lisette
kommen, da ich auch, der Tebel hol mer, so toll war und, weil ich mich
nicht rchen kunnte, der frischen Milch in die Haare geriet und die in
der Bosheit reine ausfra. Indem ich den letzten Lffel voll ins Maul
steckte, kam des Grtners Junge spornstreichs zum Garten hineingelaufen
und fragte mich, ob ich was Neues wte. Wie ich nun gerne wissen
wollte, was es gbe, fing er an: Das Frulein Lisette, welche gestern
abend so lange im Garten bei mir gewesen, wre diese Nacht so pltzlich
gestorben. Ei sapperment! wie erschrak ich ber die Post, da mir auch
der letzte Lffel voll Milch im Halse gleich verstarrte. Ja, fing der
Junge weiter an, und der Doktor htte gesagt, sie mte sich worber
sehr gegrmt haben, sonst wre sie wohl nicht gestorben, weil ihr ganz
keine Krankheit wre anzusehen gewesen. Ei sapperment! wie jammerte mich
das Mensche, und da war wohl, der Tebel hol mer, niemand an ihrem Tode
schuld als eben ich, weil ich sie nicht haben wollte. Das Mensche
dauerte mich, der Tebel hol mer, sehr lange, ehe ich sie vergessen
kunnte. Ich lie ihr auch zu Ehren einen Poeten folgende Zeilen dichten
und auf ihren Leichenstein hauen, welcher die heutige Stunde noch in
Stockholm auf ihrem Grabe wird zu lesen sein:

    Steh! flchtger Wandersmann, betrachte diesen Stein,
    Und rate, wer allhier wohl mag begraben sein:
    Es starb vor Liebesgram ein Lieschen in dem Bette,
    Nun rate, wer hier liegt: das schne Kind Lisette.

Nach diesem Lieschen verliebte sich hernach eines vornehmen Nobels
Tochter in mich, dieselbe hie Damigen und gab nun ebenfalls wieder
Freiens bei mir vor. Es war, der Tebel hol mer, ein unvergleichlich
Mensche auch. Mit derselben mute ich alle Tage spazieren fahren und
mich stets mit ihr schleppen. Ob ich nun wohl des Nobels Tochter sehr
wohl gewogen war und auch Vertrstung getan, sie zu nehmen, so hatte ich
aber den Handschlag dennoch nicht von mir gegeben, allein es trugen sich
alle kleine Jungen auf der Gasse mit herum, da Jungfer Damigen eine
Braut wre und was sie vor so einen vornehmen braven Kerl zum Manne
kriegte. Ich hatte mich auch gnzlich resolviert, sie zu heiraten, und
htte sie auch genommen, wenn sie nicht ihr Herr Vater ohne mein und ihr
Wissen und Willen einem andern Nobel versprochen gehabt. Was geschah?
Damigen bat mich einstmals, da ich mit ihr mute an einem Sonntage
durch die Stadt spazieren gehen, damit mich doch die Leute nur shen,
denn sie htten von dem Lustgrtner gehrt, da ich so ein braver,
vortrefflicher Kerl wre, dem nichts Ungemeines aus den Augen funkelte,
und also trgen ihrer viel gro Verlangen, mich doch nur zu sehen. Nun
kunnte ich ihr leicht den Gefallen erweisen und sie in der Stadt ein
wenig herumfhren. Wie nun die Leute sahen, da ich mit meiner Damigen
da angestochen kam, O sapperment! wie legten sie sich zu den Fenstern
heraus. Bald stunden an einer Ecke ein paar Mgde, die sagten: Ach ihr
Leute! Denkt doch, wie Jungfer Damigen so wohl ankmmt, sie kriegt den
Kerl da, der sie bei der Hand fhrt, das Mensche ist ihn nicht einmal
wert. Solche und dergleichen Reden murmelten die Leute nun so heimlich
zueinander. Es war auch ein Nachgesehe, da ichs, der Tebel hol mer,
nicht sagen kann. Als wir nun auf den Markt kamen und allda uns ein
wenig aufhielten, da ich das Volk recht sehen sollte, mag derselbe
Nobel dieses gewahr werden, da ich Damigen, welche er zur Liebsten
haben sollte, nach aller Lust da herumfhre; ich versah mich aber dieses
nicht, da der Kerl solch nrrisch Ding vornehmen wird. Indem mich nun
die Leute und meine Damigen mit groer Verwunderung ansahen, kam er von
hinterrcks und gab mir, der Tebel hol mer, eine solche Presche, da mir
der Hut weit vom Kopfe flog, und lief hernach geschwinde in ein Haus
hinein. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zhnen, da sich der
Kerl solch Ding unterstund, und wenn er nicht gelaufen wre, ich htte
ihm, der Tebel hol mer, die falsche Quinte gleich durchs Herze gestoen,
da er das Aufstehen wohl vergessen sollen. Ich war auch willens, ihn zu
verfolgen, wenn mich Damigen nicht davon noch abgehalten htte, die
sagte, es mchte so ein gro Aufsehens bei den Leuten erwecken, und ich
knnte ihn schon zu anderer Zeit finden. Den andern Tag drauf, als ich
mich nun erkundigt, wo der Kerl wohnte, welcher mir die Ohrfeige
gegeben, schickte ich des Grtners Jungen zu ihm und lie ihm sagen, ich
hielte ihn vor keinen braven Kerl, sondern vor den allerelendesten
Brenhuter auf der Welt, wenn er nicht die und die Zeit drauen auf der
groen Wiese mit ein paar guten Pistolen erschiene, und da wollte ich
ihm weisen, da ich ein braver Kerl wre. Was geschieht, als des
Lustgrtners Junge dem Nobel diese Worte nun so unter die Nase reibt und
von Pistolen schwatzt? Ei sapperment! wie erschrickt der Kerl, da er
nicht wei, was er dem Jungen antworten soll. Wie nun der Junge spricht,
was er denn dem vornehmen Herrn zur Antwort hierauf wiederbringen
sollte, fngt er endlich an, er msse gestehen, ja, da er mir den Hut
vom Kopfe geschmissen, und htte es ihn so verdrossen, da ich Jungfer
Damigen als seine zuknftige Liebste bei der Hand gefhrt, und dasselbe
htte er gar nicht leiden knnen. Da ich ihn nun wegen der gegebenen
Ohrfeige flugs auf Pistolen hinausforderte, wrde er wohl schwerlich
kommen, denn es wre so eine Sache mit den Schssen, wie leichtlich
knnte er oder ich was davon bekommen; was htten wir denn hernach
davon, und darauf kme er nicht; wollte ich mich aber mit ihm auf
trockene Fuste schlagen, so wollte er seine Mutter erstlich drum
fragen, ob sie solches zugeben wollte. Wo sie aber ihm solches auch
nicht verwilligte, knnte er mir vor die Ohrfeige keine Revanche geben.
O sapperment! als mir der Junge solche Antwort von dem Nobel
wiederbrachte, htte ich mich, der Tebel hol mer, flugs mgen zustoen
und zureien. Ich war her und besann mich, wie ich ihn wiedertraktieren
wollte. Erstlich wollte ich ihn auf der Gasse bern Haufen stoen und
fortgehen, so dachte ich aber: wo wird dich dein Damigen hernach suchen?
Endlich resolvierte ich mich, ich wollte ihm in ffentlicher Kompagnie
die Presche gedoppelt wiedergeben. Das htte ich auch getan, wenn der
Kerl nicht wegen des Pistolenhinausforderns so ein gro Wesen flugs
gemacht htte, da ich also von hoher Hand gebeten wurde, ich mchte es
nur gut sein lassen; genug, da sie alle wten, da ich ein brav Kerl
wre, desgleichen wohl wenig in der Welt wrde gefunden werden. Als ich
dieses hrte, da von hoher Hand man mich bat, da ich ihn sollte
zufrieden lassen, und mich alle vor den bravsten Kerl auf der Welt
stimierten, htte ich mir hernach wohl die Mhe genommen, da ich
wieder an ihn gedacht htte. Allein mein Damigen kriegte ich doch auch
nicht. Ihr Vater lie mir zwar sagen, er she wohl, da ich ein brav
Kerl wre, desgleichen man wenig finde, allein seine Tochter htte er
einem Nobel versprochen, und wer kein Nobel wre, der drfte sich auch
nicht die Gedanken machen, da er sie kriegen wrde. Ich lie ihm aber
hierauf artig wiedersagen, wie da er nmlich recht geredet, da ich ein
brav Kerl wre, desgleichen wohl wenig in der Welt anzutreffen wre, und
ich htte ja seine Tochter noch niemals verlangt, sondern sie htte mich
haben wollen.

Nach diesem hatte ich mir auch gnzlich vorgenommen, Stockholm wieder zu
verlassen, weil ich in dem zweiten ganzen Jahr schon da mich umgesehen.
Indem ich mich nun resolviert, den andern Tag wieder auf das Schiff zu
begeben, ging ich den Tag vorher noch einmal in des Grtners Lustgarten
und sah, ob die Pflaumen bald reif waren; indem ich einen Baum so nach
dem andern beschaute, kam des Grtners Junge sporenstreichs wieder auf
mich zugelaufen und sagte, da jemand drauen vorm Tore mit einem
schnen Schellenschlitten hielte, der wollte mich gerne sprechen. Er
htte einen groen grnen Fuchspelz an. Nun kunnte ich mich nicht flugs
besinnen, wer es sein mte, endlich besann ich mich auf meinen Herrn
Bruder Grafen, der es etwa sein mte, und lief geschwinde mit dem
Jungen aus dem Garten vor. Wie ich vor kam, so wars, der Tebel hol mer,
mein Herr Bruder Graf, welchen ich zu Hamburg im Stiche gelassen. O
sapperment! wie erfreuten wir uns alle beide, da wir einander
wiedersahen. Ich nahm ihn gleich mit in des Grtners Stube und lie ihm
flugs was zu essen und zu trinken geben, denn er war, der Tebel hol mer,
bald ganz verhungert und sein Pferd sah auch ganz mager aus, das mute
des Grtners Junge flugs hinaus auf die Wiesen in die Weide reiten, auf
da sichs wieder ausfressen sollte. Damit erzhlte er mir nun allerhand,
wie es ihm in Hamburg noch gegangen wre und wie die Dame Charmante mich
so bedauert, als ich die Flucht nehmen mssen und sie so unverhofft
verlassen. Er brachte mir auch einen Brief mit von ihr, welchen sie nur
verloren[28] an mich geschrieben, da er mir denselben doch zustellen
mchte, denn sie hatte vermeint, ich wre schon lngstens tot, weil ich
ihr gar nicht geschrieben, wo ich wre. Der Inhalt des Briefes war, wie
folgt, also und zwar versweise:

[28] aufs geratewohl.

                  Anmutiger Jngling

    Lebst du noch? oder liegst du schon verscharret?
      Weil du weder Brief noch Gru deiner Liebsten schickest ein?
    Ach! so heit es leider! wohl recht umsonst auf das geharret,
      Was man in Gedanken kt und mu lngst verweset sein.
    Bist du tot? so gnn ich dir dort die hchst vergngten Freuden,
      Lebst du noch, anmut'ger Schatz? und erblickest dieses Blatt,
    Welches die Charmante schickt, die dich mute pltzlich meiden,
      Als dein tapfrer Heldenmut dich verjagte aus der Stadt,
    Lebst du noch? so bitt' ich dich, schreib mir eiligst doch zurcke,
      Wo du bist, es mag der Weg auch sehr hchst gefhrlich sein,
    So will ich dich sprechen bald mit des Himmels gutem Glcke,
      Wenn du hierauf nur ein Wort erst Charmanten lieferst ein.

Als ich diesen Brief gelesen, ging mir die Charmante so zu Gemte, da
ich mich des Weinens nicht enthalten kunnte, sondern hie meinen Herrn
Bruder Grafen essen und ging hinaus vor die Stubentr und granste, der
Tebel hol mer, da wie ein kleiner Junge. Als ich nun ausgegranst hatte,
sagte ich zum Lustgrtner, er sollte mir doch Feder und Tinte geben, ich
wollte eiligst diesen Brief beantworten. Der Lustgrtner sagte hierauf,
es stnde alles zusammen oben in der Sommerstube, und wenn ichs
verlangte, so wollte er solches herunterholen lassen, beliebte mir aber
droben zu schreiben, allwo ich nicht von Reden gestrt wrde, knnte
ichs auch tun. Ich lie mir solches gefallen, bat den Herrn Bruder
Grafen, ob er mir verzeihen wollte, da ich ihn ein wenig alleine liee,
und ich wre nur gesonnen, den Brief wieder zu beantworten und
fortzuschicken. Der Herr Bruder Graf sagte hierauf nur, da ich doch
mit ihm kein Wesens machen sollte, und ich mchte so lange schreiben,
als ich wollte, er wrde mich daran nicht hindern. Damit so wanderte ich
zur Stubentr hinaus und wollte eiligst die Treppe hinauflaufen; ich
werde es aber nicht gewahr, da eine Stufe ausgebrochen ist, und falle
da mit dem rechten Bein hinein in die Lcke, wo die Stufe fehlt, und
breche, der Tebel hol mer, das Bein flugs murrsch entzwei. O sapperment!
wie fing ich an zu schreien! Sie kamen alle, wie auch der Herr Graf,
dazu gelaufen und fragten, was mir wre, allein es kunnte mir keiner
helfen, das Bein war einmal in Stcken. Der Lustgrtner schickte flugs
nach dem Scharfrichter, da der kommen mute und mich verbinden, denn es
war, der Tebel hol mer, ein wackerer Mann im Bruch heilen; derselbe
brachte mirs sehr artig wieder zurechte, ob er gleich zwlf ganzer
Wochen an demselben dokterte. Als ich nun so ein bischen drauf wieder
fuen kunnte, so mute ich hernach allererst der Charmante ihren Brief
beantworten, welcher folgendermaen auch versweise sehr artig
eingerichtet war:

    Mit Wnschung zuvor alles Liebes und Gutes,
      Schelmuffsky lebet noch und ist sehr guten Mutes!
    Hat er gleich vor zwlf Wochen gebrochen das rechte Bein,
      So wird dasselbe doch vom Scharfrichter bald wieder geheilet sein.
    Der Herr Bruder Graf ist mit seinem Schlitten bei mir glcklich
            ankommen,
      Und einen Brief mitgebracht, woraus ich vernommen,
    Da meine liebe Charmante gerne wissen mchte, ob ich lebendig oder
            tot.
      Es hat mit mir, der Tebel hol mer, noch keine Not.
    Ich lebe itzunder in dem Lande Schweden,
      Wenn nun, du herzes Kind, willst gerne mit mir reden,
    Zu Stockholm bei dem Lustgrtner in der Vorstadt hab' ich mein
            Quartier,
      So mut du bald kommen her zu mir,
    Denn ich werde nicht gar lange mehr da bleiben.
      Das ists nun, was ich dir zur Antwort hiermit habe wollen fein
            geschwinde schreiben.
    Indessen lebe wohl, gesund frisch spat und frh,
      Und ich verbleibe allezeit dein

                        anmutiger Jngling
                             Schelmuffsky.

Ob ich mich nun wohl aufs Versemachen nicht gro gelegt hatte, so war
mir doch, der Tebel hol mer, dieser Brief versweise sehr artig geraten.
Denselben schickte ich nun durch des Grtners Jungen zu Stockholm ins
Posthaus, damit er cito[29] mchte nach Hamburg bestellt werden. Hierauf
gingen kaum vier Wochen ins Land, so kam meine liebste Charmante auch
anmarschiert. Wie sie mich nun sah, sapperment! fiel mir das Mensche
nicht um den Hals und herzte mich! Sie erzhlte mir hernach auch, wie
mich die Rdelwache zu Hamburg gesucht htte, weil ich so viel Kerls
htte zu schanden gehauen, und wie mich die Kompagnie auf dem Tanzboden
so ungerne verloren, weil ich einen vortrefflichen Springer abgegeben.
Ich sollte ihr auch erzhlen, wie mirs die Zeit ber gegangen wre, als
ich von Hamburg die Flucht nehmen mssen. Damit erzhlte ich ihr, und
auch, wie wir auf der See htten Sturm gehabt und was ich vor allerhand
Fische gesehen, aber wie mirs in Stockholm mit der Ohrfeige wegen
Jungfer Damigen gegangen wre, davon sagte ich ihr, der Tebel hol mer,
kein Wort.

[29] schnell.

Ob ich nun wohl, wie mein Bein vllig wieder kuriert war, mich wollte zu
Schiffe wieder setzen und die Welt weiter besehen, so lie ich mich doch
auf der Charmante ihr Bitten berreden, da ich ein halb Jahr noch in
Stockholm blieb und ihr dieses und jenes zeigte. Nun ist eben nichts
Sonderliches da zu sehen, als da Stockholm eine brave Stadt ist, sehr
lustig liegt und um dieselbe herum schne Grten, Wiesen und
vortreffliche Weinberge angebaut sein, und da, der Tebel hol mer, der
schnste Neckarwein da wchst. Allein von Fischwerk und solchen Sachen
gibts eben so wenig als in Hamburg. Forellen hat man zwar genug auch da,
allein, wer kann einerlei Fische immer essen; aber unerhrte Viehzucht
gibts da wegen der Grserei: es gibt, der Tebel hol mer, Khe dort, da
eine wohl auf einmal vierzig bis fnfzig Kannen Milch gibt. Sie machen
im Winter auch flugs Butter, die sieht, der Tebel hol mer, wie das
schnste gewundene Wachs aus.

Nachdem ich meine Charmante nun berall herumgefhrt und ihr dieses und
jenes in Stockholm gezeigt, machte ich mich mit ihr benebst dem Herrn
Bruder Grafen wieder reisefertig, bezahlte, was ich da bei dem
Lustgrtner verzehrt hatte, und dingten uns auf ein Schiff, welches uns
mit sollte nach Holland nehmen. Wie wir nun mit dem Schiffe richtig
waren, packte der Herr Graf seinen Schellenschlitten mit seinem Pferde
auch auf das Schiff, da er, wenn er zu Lande kme, wieder kutschen
knnte. Als es bald Zeit war, da das Schiff fortsegeln wollte, nahmen
wir von dem Lustgrtner Abschied und bedankten uns nochmals vor allen
guten erzeigten Willen. Da fing, der Tebel hol mer, der Mann an zu
weinen wie ein klein Kind, so jammerte ihn unser Abschied. Er beschenkte
mich auch zuguterletzt mit einer wunderschnen Blume, ob dieselbe gleich
kohlpechschwarze Bltter hatte, so kunnte man sie doch, der Tebel hol
mer, auf eine ganze Meile Wegs riechen. Er nannte sie nur Viola
Kohlrabi, dieselbe Viola Kohlrabi nahm ich nun auch mit. Damit
marschierten wir nun fort und nach dem Schiffe zu. Als wir nun dahin
kamen, Sapperment! was sah man da vor Volk, welches mit nach Holland
gehen wollte, es waren, der Tebel hol mer, wohl an sechstausend Seelen,
die setzten sich nun alle auch mit zu Schiffe und waren Willens, Holland
zu besehen. Wie es uns aber dasselbe Mal auf der See erbrmlich ging,
werden einem die Haare zu Berge stehen, wer folgendes Kapitel lesen
wird.




4. Kapitel.


Als wir von Stockholm abfuhren, war es gleich um selbe Zeit, da die
Kirschen und Weintrauben sich anfingen zu frben. Sapperment! was war da
vor ein Gekribbele und Gewibbele auf dem Schiffe von soviel Leuten. Ich
und meine Liebste Charmante wie auch der Herr Bruder Graf, weil der
Schiffsmann sah, da wir Standespersonen waren, hatten ein eigenes
Zimmer auf dem Schiffe zu unserer Bequemlichkeit inne. Die andern
Sechstausend aber muten, der Tebel hol mer, alle nach der Reihe auf
einer Streu schlafen. Wir schifften etliche Wochen sehr glcklich fort
und waren alle brav lustig auf dem Schiffe, als wir aber an die Insel
Bornholm kamen, wo es so viel Klippen gibt, und wenn ein Schiffsmann die
Wege da nicht wei, gar leichtlich umwerfen kann, ei Sapperment! was
erhub sich im Augenblick vor ein groer Sturm und Ungestm auf der See;
der Wind schmi, der Tebel hol mer, die Wellen die hchsten Trme hoch
ber das Schiff weg und fing an kohlpechrabenstockfinster zu werden. Zu
dem allergrten Unglcke noch hatte er zu Stockholm im Wirtshause den
Kompa auf dem Tische stehen lassen und vergessen, da er also ganz
nicht wute, wo er war und wo er zufahren sollte. Das Wten und Toben
von dem grausamen Ungestm whrte vierzehn ganzer Tage und Nacht, den
fnfzehnten Tag, als wir vermeinten, es wrde ein wenig stille werden,
so erhub sich wieder ein Wetter und schmi der Wind unser Schiff an
eine Klippe, da es, der Tebel hol mer, in hunderttausend Stcke sprang.
Sapperment! was war da vor ein Zustand auf der See! Es ging Schiff,
Schiffsmann und alles, was nur zuvor auf dem Schiffe war, in einem
Augenblick zugrunde, und wenn ich und mein Herr Bruder Graf nicht so
geschwinde ein Brett ergriffen htten, worauf wir uns flugs legten, da
wir zu schwimmen kamen, so wre kein ander Mittel gewesen, wir htten
gleichfalls mit den sechstausend Seelen mssen vor die Hunde gehen. O
sapperment! was war da von den Leuten ein Gelamentiere in dem Wasser!
nichts mehr dauert mich noch die Stunde, als nur meine allerliebste
Charmante, wenn ich an dasselbe Mensche gedenke, gehen mir, der Tebel
hol mer, die jetzige Stunde die Augen noch ber. Denn ich hrte sie wohl
zehnmal noch im Wasser Anmutiger Jngling rufen; allein was kunnte ich
ihr helfen, ich hatte, der Tebel hol mer, selbsten zu tun, da ich nicht
von dem Brette herunterkippte, geschweige da ich ihr htte helfen
sollen. Es war immer und ewig schade um dasselbe Mensche, da es da so
unverhofft ihr Leben mit in die Schanze schlagen mute. Es kunnte sich
auch, der Tebel hol mer, nicht eine einzige Seele retten als ich und der
Herr Graf auf dem Brette.

Als ich und mein Herr Bruder Graf diesem Trauerspiele auf unserm Brette
in der Ferne nun so eine Weile zugeschaut, pltscherten wir mit unsern
Hnden auf demselben fort und muten wohl ber hundert Meilen schwimmen,
ehe wir wieder an Land kamen. Nach Verflieung dreier Tage bekamen wir
die Spitzen und Trme von Amsterdam zu sehen, worauf wir gleich zu
marschierten und den vierten Tag frh um zehn Uhr hinter des
Brgermeisters Garten mit unserm Brette nach viel ausgestandener
Gefhrlichkeit allda anlandeten. Damit gingen wir durch des
Brgermeisters Garten durch und immer nach desselben Hause zu. Der Herr
Bruder Graf, der mute nun das Brett tragen und ich ging voran. Wie wir
nun die Gartentre aufklinkten, welche in des Brgermeisters Hof ging,
so stund der Brgermeister gleich in der Haustre und sah uns da
angemarschiert kommen. Mit was vor Verwunderung uns auch der Mann ansah,
will ich wohl keinem Menschen sagen, denn wir sahen wie die gebadeten
Muse so na aus; dem Herrn Grafen lief das Wasser immer noch von seinen
samtnen Hosen herunter, als wenn einer mit Mulden gsse. Ich erzhlte
dem Herrn Brgermeister aber flugs mit zwei, drei Worten ganz artig, wie
da wir Schiffbruch gelitten und auf dem Brette so weit schwimmen
mssen, ehe wir an Land gekommen. Der Herr Brgermeister, welcher, der
Tebel hol mer, ein wackerer, braver Mann war, der hatte gro Mitleiden
mit uns, er fhrte uns in seine Stube, hie warm einheizen, damit muten
ich und mein Herr Bruder Graf in die Hlle hinterm Ofen treten und uns
wieder trocknen. Sobald uns nun ein wenig der warme Ofen zu passe kommen
war, fing der Herr Brgermeister an und fragte, wer wir wren. Ich fing
hierauf gleich an und erzhlte demselben ganz artig meine Geburt und wie
es mit der Ratte damals wre zugegangen. O sapperment! was sperrte der
Mann vor ein Paar Augen auf, als ich ihm von der Ratte solche Dinge
erzhlte, er nahm hernach allemal auch, wenn er mit mir redete, sein
Mtzchen unter den Arm und titulierte mich Ihre sehr Hochwohlgeborne
Herrlichkeiten.

Alsobald lie er den Tisch decken und traktierte mich und den Herrn
Grafen, der Tebel hol mer, recht delikat. Sobald als wir nun gespeist
hatten, kamen etliche von den vornehmsten Staaten in des Brgermeisters
Haus und gaben mir und meinem Herrn Bruder Grafen eine Visite. Sie baten
uns auch zu sich zu Gaste und erwiesen uns groe Ehre, da ich also wohl
sagen kann, da Amsterdam, der Tebel hol mer, eine vortreffliche Stadt
ist. Es wurde zu derselben Zeit bald eine vornehme Hochzeit, wozu man
mich und meinen Herrn Bruder Grafen auch invitierte. Denn es heiratete
ein Lord aus London in England eines vornehmen Staatens Tochter zu
Amsterdam, und wie es nun da gebruchlich ist, da die vornehmen
Standespersonen, welche zur Hochzeit gebeten werden, allemal Braut und
Brutigam zu Ehren ein Hochzeitskarmen drucken lassen und sie damit
beehren, so wollte ich hierinnen mich auch sehen lassen, da ich ein
brav Kerl wre. Es war gleich um selbe Zeit bald Gertraute[30], da der
Klapperstorch bald wiederkommen sollte, und weil die Braut Traute hie,
so wollte ich meine Invention[31] von dem Klapperstorche nehmen, und der
Titel sollte heien: Der frhliche Klapperstorch. Ich war her und setzte
mich drber und sa wohl ber vier Stunden: da mir doch wre eine Zeile
beigefallen? Der Tebel hol mer, nicht ein Wort konnte ich zuwege
bringen, das sich zu dem frhlichen Klapperstorche geschickt htte; ich
bat meinen Herrn Bruder Grafen, er sollte es versuchen, ob er was knnte
zur Not herbringen, weil mir nichts beifallen wollte. Der Herr Graf
sagte nun, wie er vor diesem wre in die Schule gegangen, so htte er
ein bischen reimen lernen, ob ers aber wrde noch knnen, wte er
nicht, doch mte ers versuchen, obs angehn wollte. Hierauf setzte sich
der Graf nun hin, nahm Feder und Tinte und fing da an zu dichten. Was er
damals nun aufschmierte, waren folgende Zeilen:

[30] Tag im Kalender.

[31] Dichterische Erfindung.

    Die Lerche hat sich schon in Lften prsentieret,
    Und Mutter Flora steigt allmhlich aus dem Neste;
    Schlft gleich die Maja noch in ihrem Zimmer feste;
    Da also jetzger Zeit viel Lust nicht wird gespret.
    Dennoch so will ...

Als er ber diesen Zeilen nun so wohl eine halbe Stunde gesessen, so
guckte ich von hinten auf seinen Zettel und sah, was er gemacht hatte.
Wie ich nun das Zeug las, mute ich, der Tebel hol mer, recht ber den
Herrn Bruder Grafen lachen, da es solch albern Gemchte war. Denn
anstatt da er den Klapperstorch htte setzen sollen, hatte er die
Lerche hingeschmiert, und wo Traute stehen sollte, hatte er gar einen
Flor genommen; denn der Flor schickt sich auch auf die Hochzeit, und
dazu htte sichs auch hintenaus reimen mssen. Denn prsentieret und
Neste, das reimt sich auch, der Tebel hol mer, wie eine Faust aufs Auge.
Er wollte sich zwar den Kopf weiter darber zerbrechen, allein so hie
ichs ihn nur sein lassen und dafr schlafen. Ob ich nun wohl auch selben
Tag ganz nichts zuwege bringen kunnte, so setzte ich mich folgenden Tag
frh doch wieder drber und wollte von Gertrauten und dem Klapperstorche
der Braut ein Karmen machen. O sapperment! als ich die Feder ansetzte,
was hatte ich dazumal vor Einflle von dem Klapperstorche, da ich auch,
der Tebel hol mer, nicht lnger als einen halben Tag darber sa, so war
es fertig und hie, wie folgt, also:

    Der frhliche Klapperstorch.

    Gertrautens-Tag werden wir balde nun haben,
    Da bringet der frhliche Klapperstorch Gaben,
    Derselbe wird fliehen ber Wasser und Gras
    Und unsrer Braut Trauten verehren auch was,
    Das wird sie, der Tebel hol mer, wol sparen,
    Und keinem nicht weisen in dreiviertel Jahren.
    Worzu denn wnschet bei dieser Hochzeit
    Gesunden und frischen Leib bis in Ewigkeit,
    Auch langes Leben spat und frh,
    Eine Standesperson    von Schelmuffsky.

Sobald als nun die Hochzeitstage herbeirckten, wurde ich und der Herr
Bruder Graf von der Braut Vater gebeten, da wir doch seiner Tochter die
groe Ehre antun mchten und sie zur Trauung fhren; ich antwortete dem
Hochzeitsvater hierauf sehr artig, wie da ich vor meine Person solches
gerne tun wollte, aber ob mein Herr Bruder Graf dabei wrde erscheinen
knnen, zweifelte ich sehr, dieweil der arme Schelm das kalte Fieber
bekommen htte und ganz bettlgerig worden wre. Dem Herrn
Hochzeitsvater war solches sehr leid, und weil es nicht sein kunnte,
mute der Herr Brgermeister seine Stelle vertreten. Als ich nun die
Braut zur Trauung mitfhrte, O sapperment! was war vor ein Aufgesehe von
dem Volke, sie drckten, der Tebel hol mer, bald einander ganz zunichte,
nur weil ein jedweder mich so gerne sehen wollte. Denn ich ging sehr
artig neben der Braut her in einem schwarzen langen seidenen Mantel mit
einem roten breiten Samtkragen. In Amsterdam ist es nun so die Mode, da
tragen die Standespersonen auf ihren schwarzen Mnteln lauter rote
Samtkragen und hohe spitzige Hte. Ich kanns, der Tebel hol mer, nicht
sagen, wie ich das Mensche so nett zur Trauung fhrte und wie mir der
spitzige Hut und lange Mantel mit dem roten Samtkragen so proper
lie[32]. Da nun die Trauung vorbei und die Hochzeit anging, mute ich
mich flugs zur Braut setzen, welches nchst dem Brutigam die oberste
Stelle war, hernach saen erstlich die andern vornehmen Standespersonen,
welche mich alle, zumal die mich noch nicht gro gesehen hatten, mit
hchster Verwunderung ansahen und wohl bei sich dachten, da ich einer
mit von den vornehmsten und bravsten Kerlen mte auf der Welt sein (wie
es denn auch wahr war), da man mir die Oberstelle eingerumt hatte.

[32] so wohl anstand.

Wie wir nun so eine Weile gespeist hatten, kam der Hochzeitsbitter vor
den Tisch getreten und fing an: wer unter den Herren Hochzeitsgsten von
Standespersonen dem Herrn Brutigam oder der Jungfrau Braut zu Ehren ein
Karmen verfertigt htte, der mchte so gut sein und solches
prsentieren. Sapperment! wie griffen sie alle in die Schubscke und
brachte ein jedweder einen gedruckten Zettel herausgeschleppt und waren
willens, solches zu bergeben. Weil sie aber sahen, da ich auch in
meinen Hosen herummhrte[33] und auch was suchte, dachten sie gleich,
da ich ebenfalls was wrde haben drucken lassen, und wollte mir keiner
vorgehen. Endlich so brachte ich mein Karmen[34], welches ich auf roten
Atlas drucken lassen, aus dem Hosenfutter herausgezogen. O sapperment!
was war vor Aufsehens da bei den Leuten! Dasselbe bergab ich nun zu
allererst der Braut mit einem beraus artigen Komplimente. Als sie nun
den Titel davon erblickte, Sapperment! was machte das Mensche vor ein
Gesicht! da sie aber nun erstlich solches durchlas, so verkehrte sie,
der Tebel hol mer, die Augen im Kopfe wie ein Kalb, und ich wei, da
sie wohl dasselbe Mal dachte, wenn nur der Klapperstorch schon da wre.
Die andern mochten nun Lunte riechen, da mein Hochzeitskarmen unter
ihnen wohl das beste sein mte, und steckten, der Tebel hol mer, fast
ein jedweder seines wieder in die Ficke. Etliche bergaben zwar ihre,
allein weder Braut noch Brutigam sah keins mit einem Auge an, sondern
legten es gleich unter den Teller, aber nach meinem war, der Tebel hol
mer, ein solch Gedrnge, weil sie alle es so gerne sehen und lesen
wollten. Warum? Es war vor das erste von ungemeiner Invention[35] und
vor das andere beraus artig und nettes Deutsch. Dahingegen die andern
Standespersonen zu ihren Versen lauter halbgebrochene Worte und
ungereimt Deutsch genommen hatten: Ei sapperment! was wurde bei den
Leuten vor Aufsehens erweckt, als sie mein Karmen gelesen hatten, sie
steckten in einem die Kpfe zusammen und sahen mich immer mit hchster
Verwunderung an, da ich so ein brav Kerl war, und redeten immer
heimlich zueinander, da was sehr Groes hinter mir stecken mte.
Hierauf whrte es nicht lange, so stund der Brutigam auf und fing an,
meine Gesundheit zu trinken. Sapperment! was war da vor ein Aufgestehe
flugs von den andern Standespersonen, und machten groe Reverenzen gegen
mich. Ich blieb aber immer sitzen und sah sie alle nach der Reihe mit so
einer artigen Miene an; der Herr Brgermeister, bei welchem ich mit
meinem Bruder Grafen im Quartier lag, der lachte immer, da ihm der
Bauch schtterte, so eine herzliche Freude hatte er drber, da mich
alle miteinander so venerierten[36]. Warum? Es war dem Manne selbst eine
Ehre, da so eine vornehme Person, als nmlich ich, sein Haus betreten
hatte.

[33] whlte.

[34] Gedicht.

[35] Erfindung.

[36] ehrten.

Wie meine Gesundheit nun ber der Tafel herum war, so lie ich mir den
Hochzeitsbitter eine groe Wasserkanne geben, in welche wohl
vierundzwanzig Kannen nach hiesigem Mae gingen, die mute mir ein
Aufwrter voll Wein schenken und ber die Tafel geben. Da dieses der
Brutigam wie auch die Braut und die andern Hochzeitsgste sahen,
sperrten sie, der Tebel hol mer, alle Maul und Nasen drber auf und
wuten nicht, was ich mit der Wasserkanne auf der Tafel da machen
wollte. Ich war aber her und stund mit einer artigen Miene auf, nahm die
Kanne mit dem Weine in die Hand und sagte: Es lebe die Braut Traute!
Sapperment! wie bckten sich die andern Standespersonen alle gegen mich.
Damit so setzte ich an und soff, der Tebel hol mer, die Wasserkanne mit
den vierundzwanzig Ma Wein auf einen Zug reine aus und schmi sie wider
den Kachelofen, da die Stcken herumflogen. O sapperment! wie sah mich
das Volk an! Hatten sie sich nicht zuvor ber mich verwundert, als sie
meine Hochzeitsverse gelesen, so verwunderten sie sich allererst
hernach, da sie sahen, wie ich die Wasserkanne voll Wein so artig
aussaufen kunnte. Flugs hierauf lie ich mir den Aufwrter noch eine
solche Kanne voll Wein einschenken und ber den Tisch geben, die soff
ich nun eben wie die vorige auf des Brutigams (Toffel hie er)
Gesundheit hinein. Ei sapperment! wie reckten die Staatenstchter,
welche ber der andern Tafel saen, alle die Hlse nach mir in die Hhe,
die Menscher verwunderten sich, der Tebel hol mer, auch schrecklich ber
mich, als sie sahen, da ich so artig trinken kunnte.

Kurz darauf kam mir so ein unverhoffter und geschwinder Schlaf an, da
ichs auch unmglich lassen kunnte, ich mute mich mit dem Kopf auf den
Tisch legen und ein bichen schlafen. Als solches die andern
Standespersonen merken, da ich voll bin, lassen sie mich ins Quartier
schaffen, da ich den Rausch ausschlafen mchte. Auf den morgenden Tag,
wie ich wieder erwachte, wute ich, der Tebel hol mer, nicht, was ich
vorigen Abend getan hatte, so voll war ich gewesen. Wie es nun Zeit
wieder zur Mittagsmahlzeit war, kam der Hochzeitsbitter und bat mich,
da ich doch fein bald ins Hochzeitshaus kommen mchte, denn sie
warteten alle mit der Brautsuppe auf mich. Ich war her, machte mich
gleich wieder zurechte und lie durch den Hochzeitsbitter sagen, sie
sollten nur noch ein halb Stndchen mit dem Essen verziehen, ich wollte
gleich kommen. Es verzog sich aber nicht lange, so kam die Brautkutsche
mit vier Pferden und holte mich aus des Brgermeisters Hause ab. Sobald
ich nun vor das Hochzeitshaus gefahren kam, stund Toffel der Brutigam
mit der Braut schon in der Tre, da sie mich empfangen wollten. Sie
machte die Kutsche auch auf, da ich hinaussteigen sollte, welches ich
auch tat, und sprung flugs mit gleichen Beinen heraus und ber Toffeln,
den Brutigam, weg, da es recht artig zu sehen war; damit fhrten sie
mich hinein in die Stube. Sapperment! was machten die Standespersonen
alle vor groe Reverenzen vor mir! Ich mute mich flugs wieder zur Braut
hinsetzen, und neben mir zur Linken sa eine Staatenstochter, das war,
der Tebel hol mer, auch ein artig Mdchen, denn sie hatten denselben Tag
eine bunte Reihe gemacht. Da dachte ich, du mut doch wieder Wunderdinge
erzhlen, da sie Maul und Nasen brav aufsperren und dich wacker
ansehen. War hierauf her und fing von meiner wunderlichen Geburt an und
die Begebenheit von der Ratte zu erzhlen. O sapperment! wie sahen mich
die Leute ber der Tafel alle an und absonderlich Toffel, der Brutigam.
Dieselbe Staatenstochter, welche neben mir sa, die kam mir, der Tebel
hol mer, nicht ein Haar anders vor als meine ersoffene Charmante, sie
lisperte mir wohl zehnmal ber Tische ins Ohr und sagte, ich sollte doch
das von der Ratte noch einmal erzhlen, und wie es zugegangen, als sie
das seidene Kleid zerfressen gehabt. Sie gab auch Heiratens bei mir vor
und fragte, ob ich sie nehmen wollte: ihr Vater sollte ihr gleich
zwanzigtausend Dukatens mitgeben ohne die Aussteuer, welche sie vor sich
noch htte und von ihrer Mutter geerbt. Ich antwortete ihr hierauf auch
sehr artig und sagte, wie da ich ein brav Kerl wre, der sich schon was
Rechts in der Welt versucht htte und auch noch versuchen wollte. Knnte
also mich nicht flugs resolvieren, sondern mte mich ein wenig
bedenken.

Indem als ich mit der Staatenstochter so von Heiraten redete, fing Herr
Toffel, der Brutigam, an und sagte: warum ich denn den Herrn Grafen
nicht mitgebracht htte? Weil ich aber sehr artig anfing und sagte, wie
da er das alltgige Fieber htte und nicht aufbleiben knnte, mten
sie ihm verzeihen, da er vor dieses Mal keinen Hochzeitsgast mit
abgeben knnte. Hierauf ging die Mittagsmahlzeit nun zu Ende und das
Tanzen an. Ei sapperment! wie tanzten die Mdchens in Holland auch
galant, sie setzten, der Tebel hol mer, die Beine so artig, da es ein
Geschicke hatte. Da mute ich nun auch mit tanzen, und zwar mit der
Staatenstochter, welche mir ber der Tafel zur linken Hand gesessen und
bei mir Freiens vorgegeben. Erstlich tanzten sie nun lauter gemeine
Tnze, als Sarabanden, Chiquen, Ballette und dergleichen. Solch Zeug
tanzte ich nun alles mit weg. Sapperment! wie sahen sie mir alle auf die
Beine, weil ich sie so artig setzen kunnte. Nachdem wir nun so eine gute
Weile herumgesprungen, so baten sie alle, ich sollte mich doch im Tanzen
alleine sehen lassen. Nun kunnte ich ihnen leicht den Gefallen erweisen
und eins alleine tanzen. Ich war her und gab den Spielleuten zwei
Dukatens und sagte: Allons, ihr Herren, streicht eins einmal den
Leipziger Gassenhauer auf. Sapperment! wie fingen die Kerls das Ding an
zu streichen. Damit so fing ich nun mit lauter Kreuzkapriolen an und
tat, der Tebel hol mer, Sprnge etliche Klafftern hoch in die Hhe, da
die Leute nicht anders dachten, es mte sonst was aus mir springen. Ei
sapperment! was kamen vor Leute von der Gasse ins Hochzeitshaus
gelaufen, die mir da mit groer Verwunderung zusahen.

Nachdem ich den Leipziger Gassenhauer nun auch weggetanzt hatte, mute
ich mit desselben Staatens Tochter, welche meine Liebste werden wollte,
in der Stadt Amsterdam ein wenig spazieren herumgehen, da ich mich nur
ein wenig abkhlen knnte. Ich lie mir solches auch gefallen und ging
mit demselben Mensche ein wenig in der Stadt herum, weil ich selbige
noch nicht gro besehen hatte. Da fhrte sie mich nun berall herum, wo
es was zu sehen gab. Ich mute mit ihr auch auf die Amsterdamsche Brse
gehen, welche, der Tebel hol mer, proper gebaut ist. Sie wies mir auch
auf derselben des gewesenen Schiffsadmirals Ruyter[37] seinen
Leichenstein, welcher zum ewigen Gedchtnis da aufgehoben wird, weil
derselbe Ruyter so ein vortrefflicher Held soll zu Wasser gewesen sein
und noch alle Tage in Amsterdam sehr beklagt wird. Als die
Staatenstochter mir nun dieses und jenes gezeigt, fing sie zu mir an und
sagte, ich sollte sie doch immer nehmen, und wenn ich ja keine Lust, mit
ihr in Amsterdam zu bleiben, htte, so wollte sie ihr Lmpchen
zusammenpacken und mit mir fortwandern, wo ich hin wollte, wenn gleich
ihr Vater nichts davon wte. Worauf ich ihr zur Antwort gab, wie da
ich der bravste Kerl von der Welt wre, und es knnte schon angehen,
aber es liee sichs so nicht flugs tun, ich wollte es zwar berlegen,
wie es anzufangen wre, und ihr ehster Tage Wind davon geben.

[37] de Ruyter, hollndischer Seeheld, gest. 1676.

Nach diesem ging ich wieder auf den Tanzplatz und wollte sehen, wo meine
zuknftige Liebste wre, welche von mir auf der Gasse so geschwinde
weglief. Ich sah mir bald die Augen aus dem Kopfe nach ihr um, ich
kunnte sie aber nicht zu sehen bekommen. Endlich fing eine alte Frau an
und sagte zu mir: Ihr Gnaden, nach wem sehen Sie sich so um? Wie ich
nun der Frau zur Antwort gab, ob sie nicht das Mensche gesehen htte,
welche ber Tische neben mir zur linken Hand gesessen. Ja, Ihr Gnaden,
fing die alte Frau wieder an, ich habe sie gesehen, allein ihr Herr
Vater hat sie heien nach Hause gehen und erschrecklich ausgefenstert,
da sie sich einer so groen Khnheit unterfangen und htte sich von
einem so vornehmen Herrn lassen da in der Stadt herumschleppen, da die
Leute nun davon was wrden zu reden wissen, und Ihr Gnaden wrden sie
doch nicht nehmen. Als solches die alte Mutter mir zur Nachricht gesagt
hatte, fragte ich weiter, ob sie denn nicht bald wiederkommen wrde. Sie
gab mir hierauf wieder zur Antwort, da sie an ihrer Anherokunft sehr
zweifelte, denn ihr Herr Vater (wie sie vernommen) htte zu ihr gesagt:
Trotz! da du dich vor dem vornehmen Herrn nicht wieder sehen lt!
Sapperment! wie verdro mich solch Ding, da ich das Mensche nicht
sollte zu sehen bekommen, und als sie auch nicht wiederkam, berreichte
ich Herrn Toffeln, dem Brutigam, wie auch der Braut Trauten mein
Hochzeitsgeschenke und nahm von ihr wie auch von den andern
Standespersonen und Damens beraus artig Abschied und ging immer nach
des Brgermeisters Hause zu.

Ich war auch gleich willens, mich selben Tag gleich wieder zu Schiffe zu
setzen, wenn mein Herr Bruder Graf mich nicht so sehr gebeten htte, da
ich ihn doch bei seiner Unplichkeit nicht verlassen mchte, sondern
so lange verziehen, bis da er sein Fieber wieder los wre, hernach
wollte er mit mir hinreisen, wohin ich wollte. Blieb also meinem Herrn
Bruder Grafen zu Gefallen in Amsterdam noch zwei ganzer Jahre und
brachte meine Zeit meistenteils zu in den Spielhusern, allwo alle Tage
vortreffliche Kompagnie immer war von vornehmen Damens und Kavalieren.
Nachdem nun das elementische Fieber meinen Herrn Bruder Grafen vllig
verlassen, ging ich mit ihm in die Bank, lieen uns frische Wechsel
zahlen, setzten uns auf ein Schiff und waren willens, Indien, in welchem
Lande der Groe Mogol residiert, zu besehen.




5. Kapitel.


Die Hundstage traten gleich selben Tag im Kalender ein, als ich und mein
Herr Bruder Graf von dem Brgermeister zu Amsterdam Abschied nahmen und
uns in ein gro Orlogschiff[38] setzten. Wir waren etwa drei Wochen auf
der See nach Indien fortgeschifft, so kamen wir an einen Ort, wo so
schrecklich viel Walfische im Wasser gingen, dieselben lockte ich mit
einem Stckchen Brote ganz nah an unser Schiff. Der eine Bootsknecht
hatte eine Angel bei sich, die mute er mir geben, und versuchte es, ob
ich einen kunnte ins Schiff hkeln. Es wre auch, der Tebel hol mer,
angegangen, wenn die Angel nicht wre in Stcken gerissen, denn als der
Walfisch anbi und ich im besten Rucken war, so ri der Dreck entzwei,
da also der Angelhaken dem Walfische in dem Rachen steckenblieb, von
welchem er unfehlbar wird gestorben sein. Wie solches die andern
Walfische gewahr wurden und des Schattens nur von der Angelschnur
ansichtig wurden, marschierten sie alle auch fort und lie sich, der
Tebel hol mer, nicht ein einziger wieder an unserm Schiffe blicken.

[38] Kriegsschiff.

Wir schifften von da weiter fort und bekamen nach etlichen Tagen das
gelbberte Meer[39] zu sehen, allwo wir ganz nahe vorbeifahren muten.
Sapperment! was stunden dort vor Schiffe in dem gelbberten Meere, es
war, der Tebel hol mer, nicht anders, als wenn man in einen groen
drren Wald she, da die Bume verdorrt stnden, und war keine Seele auf
den Schiffen zu sehen. Ich fragte den Schiffsmann, wie denn das zuginge,
weil so viel Schiffe dastnden. Der gab mir zur Antwort, da dieselben
Schiffe bei groem Ungestm der Wind dahin gejagt htte, wenn die
Schiffsleute nach Indien fahren wollten und den Weg verfehlt, da also
auf alle den Schiffen die Leute jmmerlich umkommen mten. -- Wie wir
nun an dem gelbberten Meere vorbei waren, kamen wir unter die
Linie[40]. Ei sapperment! was war da vor Hitze! Die Sonne brannte uns
alle miteinander bald kohlrabenschwarz. Mein Herr Bruder Graf, der war
nun ein korpulenter, dicker Herr, der wurde unter der Linie von der
grausamen Hitze krank, legte sich hin und starb, der Tebel hol mer, ehe
wir uns solches versahen. Sapperment! wie ging mirs so nahe, da der
Kerl da sterben mute, und war mein bester Reisegefhrte. Allein was
kunnte ich tun? Tot war er einmal, und wenn ich mich auch noch so sehr
ber ihn gegrmt, ich htte ihn doch nicht wiederbekommen. Ich war aber
her und bund ihn nach Schiffsgewohnheit sehr artig auf ein Brett,
steckte ihm zwei Dukatens in seine schwarzsamtnen Hosen und schickte ihn
damit auf dem Wasser fort; wo derselbe nun mag begraben liegen,
dasselbe kann ich, der Tebel hol mer, keinem Menschen sagen.

[39] das Lebermeer, in dem der Sage nach die Schiffe stecken bleiben.

[40] den quator.

Drei Wochen nach seinem Tode gelangten wir bei gutem Winde in Indien an,
allwo wir an einer schnen Pfingstwiese ausstiegen, dem Schiffsmann das
Fhrgeld richtig machten und einer hernach hier hinaus, der andere dort
hinaus seinen Weg zunahmen. Ich erkundigte mich nun gleich, wo der Groe
Mogol residierte. Erstlich fragte ich einen kleinen Jungen, welcher auf
derselben Pfingstwiese, wo wir ausgestiegen waren, in einem grnen
Kppchen dort herumlief und die jungen Gnschen htete. Ich redete
denselben recht artig an und sagte: Hre, Kleiner! kannst du mir keine
Nachricht sagen, wo der Groe Mogol in diesem Lande wohnt? Der Junge
aber kunnte noch nicht einmal reden, sondern wies nur mit dem Finger und
sagte: aa. Da wute ich nun, der Tebel hol mer, viel, was aa heien
sollte. Ich ging auf der Wiese weiter fort, so kam mir ein
Scherenschleifer entgegengefahren, denselben fragte ich nun auch, ob er
mir keine Nachricht erteilen knnte, wo der Mogol wohnen mte. Der
Scherenschleifer gab mir hierauf gleich Bescheid und sagte, da zwei
Mogols in Indien residierten, einen hieen sie nur den Groen Mogol, den
andern aber nur den Kleinen. Wie er nun hrte, da ich zu dem Groen
wollte, so sagte er mir gleich, da ich etwa noch eine Stunde hin an
seine Residenz htte, und ich sollte nur auf der Pfingstwiese fortgehen,
ich knnte nicht irren; wenn dieselbe zu Ende, wrde ich an eine groe
Ringmauer kommen, da sollte ich nur hinter weggehen, dieselbe wrde mich
bis an das Schlotor fhren, worinnen der Groe Mogol residierte, denn
seine Residenz hiee Agra. Nachdem der Scherenschleifer mir nun diese
Nachricht erteilt, ging ich auf der Pfingstwiese immer fort und gedachte
unterwegens an den kleinen Jungen in dem grnen Kppchen, da er aa
sagte; ich hielt gnzlich dafr, der kleine Blutschelm, ob er gleich
nicht viel reden kunnte, mte mich doch auch verstanden haben und
gewut, wo der Groe Mogol wohnte, weil er Agra noch nicht aussprechen
kunnte, sondern nur aa lallte. Des Scherenschleifers seine Nachricht
traf, der Tebel hol mer, auch auf ein Hrchen ein, denn sobald als die
Pfingstwiese ausging, kam ich an eine groe Ringmauer, hinter welcher
ich wegmarschierte, und sobald dieselbe zu Ende, kam ich an ein
erschrecklich gro Torweg, vor welchem wohl ber zweihundert Trabanten
mit bloen Schwertern stunden, die hatten alle grne Pumphosen und ein
Kollet[41] mit Schweinebratenrmeln an. Da roch ich nun gleich Lunte,
da darinnen der Groe Mogol residieren wrde.

[41] Wams.

Ich war her und fragte die Trabanten, ob ihre Herrschaft zu Hause wre,
worauf die Kerls alle zugleich ja schrien, und was mein Verlangen wre.
Da erzhlte ich den Trabanten nun gleich, wie da ich nmlich ein brav
Kerl wre, der sich was rechts in der Welt versucht htte und auch noch
versuchen wollte; sie sollten mich doch bei dem Groen Mogol anmelden,
der und der wre ich, und ich wollte ihm auf ein paar Worte zusprechen.
Sapperment! wie liefen hierauf flugs ihrer zwlfe nach des Groen Mogols
Zimmer zu und meldeten mich bei ihm an. Sie kamen aber bald
wiedergelaufen und sagten, ich sollte hineinspazieren, es wrde ihrer
Herrschaft sehr angenehm sein, da einer aus fremden Landen sie einiges
Zuspruchs wrdigte. Damit ging ich nun durch die Wache durch.

Ich war kaum sechs Schritte gegangen, so schrie der Groe Mogol zu
seinem Gemach oben heraus, sie sollten das Gewehr vor mir prsentieren.
Sapperment! als die Trabanten dieses hrten, wie sprungen die Kerls ins
Gewehr und nahmen alle ihre Hte unter den Arm und sahen mich mit
hchster Verwunderung an. Denn ich kunnte nun recht artig durch die
Wache durchpassieren, da es, der Tebel hol mer, gro Aufsehens bei dem
Groen Mogol erweckte. Wie ich nun an eine groe marmorsteinerne Treppe
kam, allwo ich hinaufgehen mute, so kam mir, der Tebel hol mer, der
Groe Mogol wohl auf halbe Treppe herunter entgegen, empfing mich und
fhrte mich bei dem Arme vollends hinauf. Sapperment! was prsentierte
sich da vor ein schner Saal, er flimmerte und flammerte, der Tebel hol
mer, von lauter Golde und Edelgesteinen. Auf demselben Saal hie er mich
nun willkommen und freute sich meiner guten Gesundheit und sagte, da er
in langer Zeit nicht htte das Glck gehabt, da ein Deutscher ihm
zugesprochen htte, und fragte hernach nach meinem Stande und Herkommen,
wer ich wre. Ich erzhlte ihm hierauf nun sehr artig flugs meine Geburt
und die Begebenheit von der Ratte und wie da ich einer von den bravsten
Kerlen der Welt wre, der so viel gesehen und ausgestanden schon htte.
Sapperment! wie horchte der Groe Mogol, als er mich diese Dinge
erzhlen hrte. Er fhrte mich nach solcher Erzhlung gleich in ein
vortrefflich aufgeputztes Zimmer und sagte, da dasselbe zu meinen
Diensten stnde, und ich mchte so lange bei ihm bleiben, als ich
wollte, es sollte ihm und seiner Gemahlin sehr angenehm sein. Er rief
auch gleich Pagen und Lakeien, die mich bedienen sollten. Sapperment!
wie die Kerls kamen, was machten sie vor nrrische Reverenzen vor mir!
Erstlich bckten sie sich mit dem Kopfe bis zur Erden vor mir, hernach
kehrten sie mir den Rcken zu und scharrten mit allen beiden Beinen
zugleich weit hinten aus. Der Groe Mogol befahl ihnen, sie sollten mich
ja recht bedienen, sonsten wo nur die geringste Klage kommen wrde,
sollten sowohl Lakeien als Pagen in die Kche gefhrt werden. Hierauf
nahm er von mir Abschied und ging wieder nach seinem Zimmer zu. Als er
nun weg war, Sapperment! wie bedienten mich die Burschen so brav, sie
hieen mich nur zwar Junker, allein was sie mir nur an den Augen absehen
kunnten, das taten sie. Wenn ich nur zuzeiten einmal ausspuckte, so
liefen sie, der Tebel hol mer, alle zugleich, da sie es austreten
wollten, denn wer es am ersten austrat, was ich ausgespuckt hatte, so
schtzte sichs derselbe allemal vor eine groe Ehre.

Der Groe Mogol hatte mich kaum eine halbe Stunde verlassen, so kam er
mit seiner Gemahlin, mit seinen Kavalieren und Damens in mein Zimmer
wieder hineingetreten. Da hie mich nun seine Gemahlin wie auch die
Kavaliers und Damens alle willkommen, und sahen mich mit groer
Verwunderung an. Ich mute auf Bitten des Groen Mogols die Begebenheit
von der Ratte noch einmal erzhlen, denn seine Gemahlin wollte dieselbe
Historie so gerne hren. Ei sapperment! wie hat das Mensche drber
gelacht! Die Kavaliers und Damens aber sahen mich alle mit groer
Verwunderung an und sagte immer eines heimlich zu dem andern, ich mte
wohl was Rechts in Deutschland sein, weil ich von solchen Dingen
erzhlen knnte.

Nun war es gleich Zeit zur Abendmahlzeit, da der Groe Mogol zur Tafel
blasen lie. Ei sapperment! was hrte man da vor ein Geschmittere und
Geschmattere von den Trompeten und Heerpauken! Es stunden zweihundert
Trompeter und neunundneunzig Heerpauker in seinem Schlohofe auf einem
groen breiten Steine, die muten mir zu Ehren sich da hren lassen, die
Kerls bliesen, der Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie sie nun
ausgeblasen hatten, so mute ich die Groe Mogoln bei der Hand nehmen
und sie zur Tafel fhren; es lie, der Tebel hol mer, recht artig, wie
ich so neben ihr herging. Sobald als wir nun in das Tafelgemach kommen,
so ntigte mich der Groe Mogol, da ich mich setzen sollte und die
Oberstelle an der Tafel einnehmen. Ich htte solches auch ohne Bedenken
getan, wenn ich nicht Lust gehabt, mich neben seiner Gemahlin zu setzen,
denn es war so ein wunderschn Mensche. Also mute sich erstlich der
Groe Mogol setzen, neben ihn setzte ich mich und neben mir zur linken
Hand setzte sich nun seine Liebste; ich sa da recht artig mitteninne.
ber Tische so wurde nun von allerhand diskuriert. Die Groe Mogoln
fragte mich, ob denn auch in Deutschland gut Bier gebraut wrde und
welch Bier man denn vor das beste da hielte. Ich antwortete ihr hierauf
sehr artig wieder, wie da nmlich in Deutschland beraus gut Bier
gebraut wrde, und absonderlich an dem Orte, wo ich zu Hause wre, da
brauten die Leute Bier, welches sie nur Klebebier nennten und zwar aus
der Ursachen, weil es so malzreich wre, da es einem ganz zwischen den
Fingern klebte, und schmeckte auch wie lauter Zucker so s, da, wer
von demselben Biere nur ein Nel[42] getrunken htte, derselbe
hernachmals flugs darnach predigen knnte. Sapperment! wie verwunderten
sie sich alle, da es solch gut Bier in Deutschland gbe, welches solche
Kraft in sich htte.

[42] kleines Hohlma.

Indem wir nun so von diesem und jenem ber der Tafel diskurierten und
ich gleich willens war, die Historie von meinem Blaserohre zu erzhlen,
so kam des Groen Mogols seine Leibsngerin in das Tafelgemach
hineingegangen, welche eine indianische Leier an der Seite hngen hatte.
Sapperment! wie kunnte das Mensche schn singen und mit der Leier den
Generalba so knstlich darzu spielen, da ich, der Tebel hol mer, die
Zeit meines Lebens nichts Schners auf der Welt gehrt habe. Kanns nicht
sagen, was das Mensche vor eine schne Stimme zu singen hatte. Sie
kunnte, der Tebel hol mer, bis in das neunzehnte gestrichene C hinauf
singen und schlug ein Trillo aus der Quinte bis in die Oktave in einem
Atem auf zweihundert Takte weg und wurde ihr nicht einmal sauer. Sie
sung vor der Tafel eine Arie von den roten Augen und den schwarzen
Backen, da es, der Tebel hol mer, beraus artig zu hren war. Nachdem
nun die Abendmahlzeit zu Ende war, mute ich wieder die Groe Mogoln bei
der Hand nehmen und mit ihr nach meinem Zimmer zugehen, allwo sie, wie
auch der Groe Mogol, Kavaliers und Damens von mir Abschied nahmen und
eine gute Nacht wnschten, worauf ich mich sehr artig bedankte und
sagte, da sie alle miteinander fein wohl schlafen sollten und sich was
Angenehmes trumen lassen.

[Illustration]

Hiermit verlieen sie alle miteinander meine Stube und gingen auch, sich
ins Bette zu legen. Da sie nun von mir weg waren, kamen vier Lakeien und
drei Pagen in mein Gemach hinein, die fragten nun, ob sich der Junker
wollte ausziehen lassen. Wie ich nun ihnen zur Antwort gab, da ich
freilich etwas schlfrig wre und nicht lange mehr offen bleiben wrde.
Sapperment! wie waren die Kerls geschftig; der eine lief und holte mir
ein Paar ganz gldne Pantoffeln, der andere eine schne mit Gold
gestickte Schlafhaube, der dritte einen unvergleichlich schnen
Schafpelz, der vierte schnallte mir die Schuhe auf, der fnfte zog mir
die Strmpfe aus, der sechste brachte mir einen ganz gldnen Nachttopf
und der siebente machte mir die Schlafkammer auf. O sapperment! was
stund da vor ein schn Bette, in welches ich mich legen mute, es war,
der Tebel hol mer, auch so proper, da ichs nicht genug beschreiben
kann, und schlief sichs auch so weich darinnen, da ich auch die ganze
Nacht nicht einmal aufwachte.

Des Morgens stund ich auf und lie mich wieder ankleiden; wie ich nun
fertig war, schickte der Groe Mogol zu mir, lie mir einen guten Morgen
vermelden, und wenn mir was Angenehmes getrumt htte, sollte es ihm
lieb zu hren sein, auch dabei sagen, ob ich mich nicht ein wenig in
sein geheimes Kabinett bemhen wollte. Er wollte mich um etwas
konsultieren. Ich war hierauf geschwinde mit einer Antwort wieder fertig
und lie ihm sehr artig wiedersagen, wie da ich nmlich sehr wohl
geschlafen, aber was das Trumen anbelangt, so htte ich keinen guten
Traum gehabt, und da ich sollte zu ihm kommen in sein Kabinett,
dasselbe sollte gleich geschehen. Solches lie ich ihm durch seinen
Kammerpagen nun wiedersagen und ging hernach gleich zu ihm und hrte,
was sein Anbringen war.

Da ich nun zu ihm hinkam und meine Komplimente sehr artig bei ihm
abgelegt, so schlo er einen groen Bcherschrank auf und langte ein
gro Buch heraus, welches in Schweinsleder eingebunden war; dasselbe
zeigte er mir und sagte, da er in dasselbe tglich sein Einkommen
schriebe, und wenn das Jahr um wre und er die Summa zusammenrechnete,
wollte es keinmal eintreffen und fehlte allemal der dritte Teil seiner
Einknfte, und fragte hierauf, ob ich rechnen knnte. Worauf ich ihm
denn wieder zur Antwort gab, wie da ich ein brav Kerl wre und Adam
Riesen sein Rechenbuch sehr wohl kennte; er sollte mir das groe Buch
geben, ich wollte schon sehen, wie die Summa herauszubringen wre.
Hierauf so gab er mir das Buch, worinnen seine Einknfte stunden, und
lie mich allein. Wie ich nun das Buch so durchbltterte, Ei sapperment!
was stunden da vor Lehnen[43] und Zinsen. Ich war her, setzte mich hin,
nahm Feder und Tinte und fing an eins, zehne, hundert, tausend zu
zhlen, und wie ich nun sah, da der Groe Mogol in dem Einmaleins
gefehlt hatte und solches nicht richtig im Kopfe gehabt, so hatte es
freilich nicht anders sein knnen, da die Summa um den dritten Teil
weniger bei ihm herausgekommen war, als er tglich aufgeschrieben. Denn
anstatt, da er htte zhlen sollen: zehn mal hundert ist tausend, so
hatte er gezhlt: zehn mal tausend ist hundert, und wo er htte
subtrahieren sollen, als zum Exempel: eins von hundert bleibt
neunundneunzig, so hatte er aber subtrahiert: eins von hundert kann ich
nicht, eins von zehn bleibt neune, und neune von neun geht auf. Das geht
ja, der Tebel hol mer, unmglich an, da es eintreffen kann. Als ich
nun solche Fehler sah, merkte ich nun gleich, wo der Hund begraben lag.
Ich war her und setzte mich drber, und rechnete kaum zwei Stunden, so
hatte ich alles miteinander in die richtige Summa gebracht und behielt
noch halb so viel brig ber die ganze Masse, als er einzunehmen und von
Tage zu Tage aufgeschrieben hatte. Als ich nun den Kalkulum[44] von Adam
Riesens Rechenbuche sehr artig und richtig gezogen, rief ich ihn wieder
zu mir und wies ihm nun, wie und wo er in dem Einmaleins gefehlt htte
und wie ich alles so artig und richtig herausgebracht htte und noch
halb so viel berschu behalten. Ei sapperment! als ich ihm von dem
berschusse schwatzte, sprung er vor Freuden hoch in die Hhe, klopfte
mich auf meine Achseln und sagte, wenn ich gesonnen wre, bei ihm zu
bleiben, er wollte mich zu seinem geheimen Reichskanzler machen. Ich
antwortete ihm hierauf wieder und sagte, wie da freilich was Rechts
hinter mir steckte und da ich der bravste Kerl mit von der Welt wre,
und weil ich mein Herze nur daran gehngt htte, fremde Lnder und
Stdte zu besehen, so wollte ich mich vor das gute Anerbieten hiermit
bedankt haben.

[43] Darlehn.

[44] die Schlurechnung, das Resultat.

Weil er nun sah, da ich zu solcher Charge keine Lust hatte, so erwies
er mir die vierzehn Tage ber, als ich bei ihm war, auch solche Ehre,
da ichs, der Tebel hol mer, mein Lebtag nicht vergessen werde. Denn es
ist ein erschrecklich reicher Herr, der Groe Mogol, er wird nur als
Kaiser dort tituliert und hat so viel Schtze, als Tage im Jahre sein;
die habe ich auch alle miteinander gesehen. Denn er zeigte mir alle Tage
einen. Vortreffliche schne Bcher hat er auch und ist ein sonderlicher
Liebhaber von denselben; ich mute ihm auch mit Hand und Munde zusagen,
da ich ihm eins aus Deutschland in seinen Bcherschrank schicken wollte
vor Geld und gute Worte. Als er nun sah, da ich mich wieder reisefertig
machte, so verehrte er mir sein Bildnis mit der Kette und seine Gemahlin
schenkte mir tausend Spezies-Dukaten eines Schlags[45], worauf des
Groen Mogols Bildnis geprgt war. Damit hngte ich die Kette mit des
Groen Mogols Bildnis an mich, welches von dem schnsten indianischen
Golde war, und nahm von ihm sehr artig, wie auch von seiner Gemahlin,
Kavalieren und Damens wieder Abschied, und ging von da zu Schiffe nach
England zu.

[45] einer Prgung.




6. Kapitel.


Als ich nun von dem Groen Mogol Abschied genommen und er mir mit seinem
ganzen Hofstaat bis zu Ende seiner Ringmauer zu Fue das Geleite gegeben
hatte, marschierte ich auf derselben Pfingstwiese immer nach demselben
Wasser wieder zu, wo ich vor vierzehn Tagen abgestiegen war, und setzte
mich da wieder auf ein gro Lastschiff, welches nach England zu segeln
wollte, und fuhr mit demselben fort. Auf dem Schiffe erzhlte ich nun
dem Schiffsmann sehr artig auch, wie da mich der Groe Mogol so
vortrefflich traktiert hatte und bei meinem Abschiede sein Bildnis mit
der Kette mir auch verehret. Da meinte ich nun, der Schiffer wrde etwa
die Augen gro drber aufsperren und sich ber mich verwundern, da ich
so ein brav Kerl wre, allein, der Tebel hol mer, nicht das Geringste:
der Kerl nahm den Hut nicht einmal vor mir ab, sondern fing gar zu mir
an und sagte: Manche Leute htten mehr Glck als Recht. O sapperment!
wie verdro mich das Ding, da der Brenhuter mir von solchen Sachen
schwatzte und fehlte dazumal nicht viel, da ich ihm nicht ein halb
Dutzend Preschen gegeben htte. Doch dachte ich endlich, es ist ein
einfltiger Mensch, was kannst du mit ihm machen, er kennt dich nicht,
was Standes du bist, und lie es also dabei bewenden.

Wie wir nun drei Tage und fnf Nchte von der indianischen Pfingstwiese
fortgesegelt waren, so kamen wir mit unserm Schiffe auf das groe
Mittellndische Meer. Ei sapperment! was gab es da vor allerhand
Meerwunder zu sehen, die schwammen wohl zu etlichen tausenden immer um
unser Schiff herum. Meine einzige Freude hatte ich damals mit einem
kleinen Seehndchen; das lockte ich mit einem Stckchen Brote ganz nah
an unser Schiff heran, da es auch endlich so freundlich tat und mit mir
spielen wollte. Ich war her, weil es so artig aussah, und wollte es aus
dem Meere ins Schiff haschen, als ich aber nach dem Ase griff, so bi
mich die Wetterkrte, der Tebel hol mer, durch alle fnf Finger durch
und durch und tauchte drauf unter. O sapperment! wie lief das Blut
zwischen den Fingern herunter und bluteten wohl acht Tage, ehe sie
wieder aufhrten; sie taten mir beraus weh nach dem Bisse. Endlich so
brachte mir der Schiffer ein Glschen mit Bomolie[46] getragen und hie
mich die Finger damit schmieren und sagte, da die Bomolie so trefflich
gut dafr wre, wenn einen was gebissen htte. Ich war her und schmierte
mir die Finger damit, es vergingen kaum zwei Stunden, so war, der Tebel
hol mer, alles wieder geheilt. -- Nachdem wir nun bald durch das
Mittellndische Meer durch waren, so lieen sich erschrecklich viel
Sirenen von ferne im Meer blicken; dieselben Menscher singen, der Tebel
hol mer, admirabel schn. Da selbige der Schiffsmann gewahr wurde, hie
er uns die Ohren alle miteinander feste zustopfen, denn wenn sie nher
kmen, so wrden sie uns mit ihrem wunderschnen Singen so bezaubern,
da wir nicht wrden von der Stelle fahren knnen. Ei sapperment! als
ich dieses hrte, wie stopfte ich mir die Ohren feste zu und hie den
Schiffsmann geschwinde fortfahren. -- Drei Tage hierauf kamen wir in die
Ostsee, da schifften wir auch wohl etliche Wochen, ehe wir durch
wegkamen. Was es in derselben See vor Hechte gab, das kann ich, der
Tebel hol mer, keinem sagen; die Bootsknechte hatten einen Hamen[47] mit
auf dem Schiffe: Sapperment! was fingen die Kerls da vor Zeugs von
Hechten! Sie hatten, der Tebel hol mer, Zungen wie die groen Klber,
und klebte wohl an einer Hechtzunge ber sechs Kannen Fett.

[46] Bauml.

[47] Angelhaken.

Etliche Monate hierauf, nachdem wir durch unterschiedene Flsse
durchpassiert waren, gelangten wir glcklich in England an, allwo ich
vor London ausstieg, dem Schiffer das Fhrgeld richtig machte und in die
Stadt London hineinging und mein Quartier bei dem Alamode-Tpfer nahm,
welcher flugs an dem Tore wohnte. Der Kerl war nun gegen mich sehr
hflich, er empfing mich, fragte, was mein Verlangen wre, wo ich
herkme und wer ich wre. Ich erzhlte ihm flugs sehr artig auch meine
Geburt und von der Ratte, und wie da ich so ein brav Kerl wre und
wollte das Quartier bei ihm nehmen, auch wie ich gesonnen wre, mich
incognito etliche Wochen bei ihm aufzuhalten. Der Kerl, der
Alamode-Tpfer, war hierauf sehr wohl zu sprechen und sah mir auch flugs
an den Augen an, da ich was rechts sein mte, aber der Lumpenhund war
etwas sehr undiskret[48], denn wenn er mit mir redete, so nahm er nicht
allemal seinen Hut vor mir ab, welches mich denn abscheulich auf ihn
verdro, da er mir meinen gebhrenden Respekt nicht gab. -- Wie ich nun
vermeinte, ich wollte nur in London als ein schlechter[49] Kavalier mich
auffhren und vor keine Standesperson nicht ausgeben, so kam, der Tebel
hol mer, Herr Toffel, der vornehme Lord in London, mit Trauten, seiner
Liebsten, bei welchen ich zu Amsterdam auf der Hochzeit gewesen, zum
Alamode-Tpfer in die Stube hineingetreten und hieen mich da
willkommen. Sapperment! wie verwunderte ich mich, da sie mich flugs
ausgestankert[50] hatten. Sie erzhlten mir hernach alles, wie da sie
mich htten sehen am Ufer aussteigen und wie ich so artig zum
Alamode-Tpfer ins Haus hineingewischt wre, denn Toffel, der vornehme
Lord, hatte seinen Palast allernchst in derselben Gasse. Er bat mich
auch hernach, da ich bei ihm das Quartier nehmen sollte, allein weil
ich mich bei dem Alamode-Tpfer schon einlogiert hatte und der Mann auch
mich nicht von sich lassen wollte, so mochte ich nicht gerne das
Quartier verndern, denn es htte nur Aufsehens vor den Leuten erweckt,
wenn ich meine Sachen so hin und wieder schleppen lassen.

[48] unerzogen.

[49] schlichter.

[50] ausfindig gemacht.

Ich wurde gleich selben Abend von Herrn Toffeln, dem vornehmen Lord, zu
Gaste gebeten, allwo viel andere Standespersonen und vornehme
Lordstchter auch waren, die sich alle miteinander in mich verliebten
und Heiratens bei mir vorgaben, denn ich zeigte ihnen des Groen Mogols
Bildnis mit der Kette und erzhlte ihnen, wie da er mich damit
beschenkt und vortrefflich gastiert htte, weil ich ihm den Kalkulum
seiner Einknfte sehr artig und richtig ziehen knnen, da er nmlich
ber sein ganzes Einkommen das Jahr lang noch halb soviel berschu
gehabt, als er eingenommen hatte. Ich sagte auch, da er mich htte zu
seinem Geheimen Reichskanzler machen wollen, allein weil ich mich noch
nicht Lust zu setzen gehabt, htte ich mich wegen des guten Anerbietens
bedankt. Sapperment! wie sahen mich die Menscher, die vornehmen
Lordstchter, ber Tische nacheinander an; sie fingen alle miteinander
an, meine Gesundheit zu trinken. Eine sagte: Es lebe des reichen Mogols
in Indien sein Herr Reichskanzler. Die andere sagte: Es lebe der
fremde vornehme Herr, welcher mit des Groen Mogols Bildnis ist
beschenkt worden. Die dritte sagte: Es lebe eine hohe Standesperson in
Gedanken, dem was Rechts aus den Augen heraussieht. Ich merkte nun
wohl, da dieses alles mir galt; so machte ich allemal gegen das
Frauenzimmer, welches meine Gesundheit trank, eine sehr artige Miene,
da es mir, der Tebel hol mer, sehr wohl lie. Wie die Historie von dem
Groen Mogol nun aus war, so fing ich von meiner wunderlichen Geburt und
von der Ratte was an zu schwatzen. Ei sapperment! wie sperrten die
vornehmen Lords alle Maul und Nasen auf, als sie diese Dinge hrten. --
Den morgenden Tag stellte Herrn Toffeln seine Liebste meinetwegen die
Tour a la mode an, allwo wohl ber zweihundert Kutschen mir zu Gefallen
von Standespersonen und den vornehmsten Lordstchtern aus London
mitfuhren. Ich mute mich zu ihrer zweien, welches Herrn Toffel seine
Jungfer Muhmen waren, in die Karosse setzen. Sie hatten mich nun
mitteninne sitzen, welches sehr artig zu sehen war, denn mein Bildnis
hatte ich aus der Kutsche gehngt, da liefen wohl ber hundert Jungen
neben der Kutsche her und sahen des Groen Mogols sein Konterfei mit
groer Verwunderung an, worber ich recht meine Freude auch hatte, da
so viel kleine Jungen neben der Karosse herliefen.

Als wir nun etwa zwei Meilen von London an den Ort kamen, wo die Tour a
la mode gehalten wurde: Ei sapperment! wie wurde ich da vortrefflich
traktiert! sie erwiesen mir auch solche Ehre an demselben Orte, da
ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen kann. Den morgenden Tag drauf kamen
Herrn Toffeln seine Jungfer Muhmen auf ihrer Kutsche vor des
Alamode-Tpfers Haus gefahren, allwo ich im Quartier lag, und baten
mich, ob ich belieben wollte, ein wenig mit ihnen zu fahren; sie wollten
mir etwas von einigen Antiquitten der Stadt London zeigen, welche ich
wohl vielleicht noch nicht gesehen htte. Damit setzte ich mich ohne
Bedenken zu ihnen in die Karosse hinein und wieder in die Mitten,
welches recht artig zu sehen war. Wie ich nun so eine Ecke mit Herrn
Toffeln seiner Jungfer Muhmen in London herumgefahren war, so fuhren wir
an einen Ort, allda zeigten sie mir den Stein, auf welchem der Patriarch
Jakob sollte gesessen haben, wie er im Traum die Himmelsleiter gesehen
htte. Von da fuhren wir wieder fort und kamen an einen Ort, allwo ein
gro Beil hing, mit demselben wre gar einer vornehmen Person der Kopf
abgeschlagen worden[51]. Sie nannten mir auch, wie die Person geheien
htte, allein ich kann mich, der Tebel hol mer, nicht mehr drauf
besinnen. Wie sie mir nun dieses und jenes alles gezeigt, fuhren wir
wieder zu Herrn Toffeln, bei welchem ich wieder mitspeiste. Ich mu
gestehen, da mir in London, der Tebel hol mer, groe Ehre die drei Jahr
ber, als ich da gewesen bin, widerfahren ist, und absonderlich von dem
vornehmen Lord Herrn Toffeln und seiner Jungfer Muhmen.

[51] Anspielung auf die Hinrichtung des Kronprtendenten Monmouth
i. J. 1749.

Als ich nun von denselben Abschied nahm und mich auf die Spanische See
begab, haben, der Tebel hol mer, dieselben Menscher die bittersten
Zhren gegranst, da ich von ihnen reiste, sie baten mich wohl
hundertmal, da ich bei ihnen bleiben mchte, ich sollte nicht einen
Heller verzehren. Ja wenn ichs dasselbe Mal getan htte, so wre ich
wohl ein brav Kerl geblieben, allein so dachte ich, durch mein Reisen
immer hher und hher zu steigen; es htte auch leichtlich geschehen
knnen, wenn ich nicht so unglcklich auf der Spanischen See gewesen
wre. Wie mirs nun da gegangen, wird man im folgenden Kapitel bald
hren.




7. Kapitel.


Wo mir recht ist, war es der erste oder der letzte April, als ich von
Herrn Toffeln, dem vornehmen Lord in London, ingleichen von seiner Frau
Trauten, wie auch von seiner Jungfer Muhmen und meinem gewesenen Wirte,
dem Alamode-Tpfer, vlligen Abschied nahm und mich in ein gro
Lastschiff, welches schwer mit gerucherten Hechtzungen beladen war und
selben Tag aus Portugal kam, setzte. Auf demselben war ich nun willens,
nach dem Lande Spanien zu gehen und allda die schnen spanischen
Weintrauben zu kosten. Wir segelten bei gutem Wetter von London sehr
glcklich ab, der Wind war uns auf der spanischen Seite sehr favorabel
und der Himmel hatte sich auch also abgeklrt, da man, der Tebel hol
mer, nicht ein schwarz Fleckchen an den Wolken gesehen hatte. Wie der
Schiffsmann nun sah, da uns der Wind so wohl wollte, hie er uns alle
miteinander, soviel unser zu Schiffe waren, ein lustiges Lied anstimmen
und sang auch selber mit.

Indem wir nun so in der besten Freude waren, sah ich von ferne ein
Schiff auf uns zugefahren kommen, welches ich dem Schiffsmanne zeigte
und ihn fragte, was es vor eins wohl sein mte. Als der Schiffsmann
solches gewahr wurde, fing er gleich an, da es fremde Flaggen fhrte
und ihm vorkme, als wenn es gar ein Raub- oder Kaperschiff wre.
Sapperment! da dieses meine Kameraden hrten, wie erschraken die Kerls!
Ich aber war her, lief flugs hinunter ins Schiff und sah, ob auch die
Stcken[52] alle parat waren. Sobald ich nun in dieselben vorne
hineinblies und wollte hren, ob sie auch alle geladen stnden, so war,
der Tebel hol mer, nicht ein einziges zurechte gemacht. Was war da zu
tun? Ich fing zu meinen Kameraden gleich an: Allons, Ihr Herrn, es ist
Feind da! Lasset uns unsere Degen fertig halten. O sapperment! wie
stunden die Kerls da und zitterten und bebten, so erschraken sie, als
ich ihnen von Degen und Fechten schwatzte. -- Es whrte hierauf nicht
lange, so kam, der Tebel hol mer, das Kaperschiff wie ein Blitz auf uns
zugefahren, auf welchem der bekannte Seeruber Hans Barth[53] mit
erschrecklich viel Kapers[54] waren, derselbe fragte nun gleich, ob wir
uns wollten gefangen geben. Ich antwortete demselben aber flugs sehr
artig wieder und sagte hierauf: Ich gebe mich, der Tebel hol mer,
nicht. Ei sapperment! wie zog der Kerl mit seinen Kapers vom Leder! Ich
war nun mit meinem vortrefflichen Haudegen, welches ein Rckenstreicher
war, auch nicht langsam heraus und ber die Kapers her. Da htte man
sollen schn Hauen und Fechten sehen, wie ich auf die Kerls hineinhieb;
dem Hans Barth sbelte ich, der Tebel hol mer, ein Stcke von seiner
groen Nase weg, da es weit in die See hineinflog, und wird die Stunde
noch bei ihm zu sehen sein, da er eine stumpfige Nase hat. Von den
andern Kapers da hieb und stach ich wohl ihrer fnfzehn ber den
Haufen, ohne die andern, welche ich tdlich zuschanden gehauen hatte.
Alleine was wars? wenn nicht der Kerls so schrecklich viel gewesen wren
gegen einen Mann! Ja wenn nur meine damaligen Kameraden mir ein wenig
beigestanden, wir htten die Viktorie unfehlbar erhalten wollen. So aber
stunden die Brenhuter da, hatten die Fuste alle in den Schubsack
gesteckt und lieen, der Tebel hol mer, immer wie auf Kraut und Rben in
sich hineinhauen und regten sich nicht einmal. Ich war, der Tebel hol
mer, auch so toll auf die Kerls, da gar keiner von den Schurken mit
Hand anlegen wollte, und da man hat sein Lebtage gehrt: Viel Hunde
sind eines Hasen Tod. Denn Hans Barth hatte so einen erschrecklich
groen Anhang bei sich. Ja wenn ihrer etwa zwanzig oder dreiig nur
gewesen wren, so htte ich bald wollen mit ihnen zurechte kommen,
allein so warens wohl an hundert solche Kerls, die alle ber mich her
waren. Dennoch aber muten sie selbst gestehen, da mir was Rechts aus
den Augen herausgesehen htte, als ich mich so resolut gegen sie
gehalten und weder Hieb noch Stich davongetragen.

[52] Kanonen.

[53] franzsischer Seeheld.

[54] Seerubern.

Wie ich nun letztlich mit Fechten mde war und sah, da keine
Mglichkeit vorhanden, die Viktorie zu erhalten, mute ich, der Tebel
hol mer, anfangen, um Pardon zu bitten. Da htte man nun schn plndern
gesehen, als die Kerls in unser Schiff kamen. Sie nahmen uns, der Tebel
hol mer, alles, was wir hatten. Ich fing denselben an, von meiner Geburt
und die Begebenheit von der Ratte zu erzhlen, sie wolltens aber, der
Tebel hol mer, nicht einmal glauben, sondern zogen uns alle miteinander
bis aufs Hemde aus, nahmen alles, was wir hatten, und fhrten uns noch
dazu mit sich gefangen bis nach Sankt Malo, allwo sie uns einen jedweden
apart in ein hlich Gefngnis steckten. O sapperment! wie gedachte ich
da an meinen vorigen Stand, wer ich gewesen und wer ich nun in dem
hlichen Loche da wre. Des Groen Mogols sein Bildnis mit der Kette
war fort, die tausend Speziesdukaten, welche mir seine Liebste verehrt
hatte, waren fort, mein ander gut Geld benebst den Dukatens, so ich mir
zu Amsterdam in Banco zahlen lie, war fort, mein schn
verschammeriertes Kleid, worinnen die Standesperson von Schelmuffsky
sich fast in der ganzen Welt sehr artig aufgefhrt hatte, war fort.
Meine wunderliche Geburt, die lag da im Drecke, niemand wollte mirs
glauben, da die Historie mit der Ratte passiert wre, und mute also
wie der elendeste Brenhuter von der Welt in einem hlichen Gefngnis
da unschuldig ein ganz halb Jahr gefangen liegen. Ei sapperment! wie
gings mir da elende! Ich gedachte da vielmals an meinen vorigen Stand
und an Herrn Toffeln, des Lords in London, seine Jungfer Muhmen, da die
Menscher so um mich gransten, wie ich nicht bei ihnen bleiben wollte. Ja
wer kann alle Dinge wissen, und ich htte mir, der Tebel hol mer, eher
was anders versehen, als da mirs so gehen sollte.

[Illustration]

Der Kerkermeister zu St. Malo traktierte mich auch sehr schlecht in dem
Gefngnisse, denn er schickte mir niemals nichts anderes als einen
groen Topf voll Kleienbrei durch seine Tochter, welche Clauditte hie;
damit mute ich mich allemal drei Tage behelfen, ehe ich wieder was
kriegte. Manchmal hatten sie mich auch wohl gar vergessen und brachten
mir den sechsten Tag allererst wieder was, da ich, der Tebel hol mer,
vielmal drei Tage habe hungern mssen. -- Kurz zuvor, ehe mir der
Kerkermeister gegen Auslsung von hundert Reichstalern die Freiheit
ankndigte, so kam ein Gespenst zu mir vors Gefngnis: Sapperment! als
ich das Irreding sah, wie fing ich an zu schreien! Das Gespenst redete
mich aber sehr artig an und sagte mit diesen Worten: Anmutiger
Jngling, du wirst zu deiner Freiheit bald wieder gelangen, gedulde dich
nur noch ein klein bischen. Als ich diese Worte hrte, wute ich, der
Tebel hol mer, nicht, ob ich Mdchen oder Bbchen war, teils erschrak
ich darber, teils freute ich mich auch drber, weil es von dem
anmutigen Jnglinge und von der Freiheit schwatzte. Ich war her, fate
mir ein Herz und fragte das Gespenst, wer es wre. So gab es mir sehr
artig wieder zur Antwort und sagte, es wre der Charmante als meiner
gewesenen Liebsten ihr Geist, welche dort bei Bornholm zu Schiffe mit
sechstausend ersaufen mssen. Wie ich nun dieses hrte, da alles auf
ein Hrchen so eintraf, erschrak ich ganz nicht mehr vor dem Gespenst,
sondern wollte es weiter fragen, wo denn die Charmante damals, als sie
ersoffen, hingekommen wre und wo sie begraben lge. Allein indem ich so
fragte, war das Gespenst, der Tebel hol mer, flugs wieder verschwunden.
-- Hierauf whrte es keine halbe Stunde, so kam der Kerkermeister zu
mir vors Gefngnis und sagte, wenn ich hundert Reichstaler schaffen
knnte, so htte er Befehl, mich wieder los zu geben. Ich gab ihm zur
Antwort, wie da ich nmlich ein brav Kerl gewesen, der sonst so viel
Geld nicht stimiert htte, aber jetzund she er wohl, da ich der
miserabelste Brenhuter wre. Der Kerkermeister fragte mich weiter, aus
was vor einem Lande und woher ich wre und ob ich da etwa noch Rat zu
schaffen wte. So knnte ich eiligst hinschreiben und meinen Zustand
den Meinigen zu wissen tun. Wie ich nun erzhlte, da ich eine Mutter
htte und ihr einziger lieber Sohn wre, und da dieselbe ein sehr gut
Auskommen htte, und da sie sich so viel Geld wrde nicht lassen an das
Herz wachsen, wenn sie hren wrde, da es ihrem liebsten Sohn so elend
in fremden Landen ginge: als der Kerkermeister dieses hrte, fing er zu
mir an, wenn ich meiner Mutter um so viel Geld schreiben wollte, sollte
ich aus dem Gefngnis losgelassen werden und so lange bei ihm in seinem
Hause Arrest halten, bis da das Schiff mit dem Gelde ankme. Sobald als
ich in sein Begehren gewilligt hatte, fing er an und sagte: Erffnet
euch, ihr Bande und Ketten, und lasset den Gefangenen passieren.
Hernach nahm er mich in sein Haus, bis das Schiff mit den hundert Talern
anmarschiert kam. Nachdem er das Lsegeld empfangen hatte, so verehrte
er mir ein Paar alte Schifferhosen, eine alte Schiffermtze, ein Paar
alte zerluderte Strmpfe wie auch Schuh und einen alten Kaperrock auf
den Weg und lie mich damit wieder hinwandern.




8. Kapitel.


Nun wute ich, der Tebel hol mer, dazumal nicht, wo ich von da
zumarschieren sollte; keinen blutigen Heller im Leben hatte ich, wie der
elendeste Bettelbube ging ich, vor nichts Rechts sah mich kein Mensche
mehr an, und wute also meines Lebens keinen Rat, wie ich von St. Malo
wieder fortkommen wollte. Endlich so ging ich hin, wo die Schiffe
abfuhren, da erzhlte ich dem einen Schiffer mein Unglck und wie mirs
gegangen wre und bat ihn, wenn er abfhre, er mchte mich doch
mitnehmen, ich wollte ihm gerne auf dem Schiffe mit an die Hand gehen.
Der Schiffsmann lie sichs gefallen, denn es war ein englndischer
Schiffer und hatte in Frankreich schne Waren geholt, der erbarmte sich
endlich ber mich und nahm mich mit. Da mute ich nun, wenn Sturm kam
und die Wellen davon ins Schiff schlugen, immer auf dem Schiffe plumpen,
damit die kostbaren Sachen nicht etwa na wrden, so kriegte ich bei ihm
zu essen und zu trinken. Als wir nun wieder bei London vorbeifuhren,
sagte ich zum Schiffer, da mir das Plumpen so sauer wrde, und ich
knnte es unmglich lnger ausstehen, bte ihn, er mchte mich da lassen
aussteigen, ich wollte meinen Weg nach der Stadt zu nehmen. Der Schiffer
war mir hierinnen auch nicht zuwider, sondern fuhr mit seinem Schiffe
ans Ufer, lie mich meiner Wege gehen und schiffte von da weiter fort.
Ich war her und setzte mich da bei dem Wasser nieder, zog meine Schuh
aus, band sie aneinander, hngte sie an den Arm und marschierte in
meinen zerzottelten Strmpfen halb barfu immer nach dem Tore der Stadt
London zu. Wie ich nun an dasselbe kam, so stund ich stille und besann
mich eine gute Weile, wo ich mein Quartier da aufschlagen wollte, weil
ich keinen Heller Geld hatte. Endlich resolvierte ich mich und nahm
meinen Abtritt flugs hauen in der Vorstadt auf der Bettelherberge,
allwo ich noch Bettler antraf, denen ich vor einem halben Jahre mit
einigen Almosen sehr viel Gutes erzeigt hatte, auch etliche zu mir
sagten, mein Gesichte wre ihnen bekannt, und sie sollten mich sonstwo
gesehen haben; allein sie konnten sich nicht mehr drauf besinnen. Ein
kleiner Betteljunge fing unter anderm an und sagte, da ich bald ausshe
wie der vornehme Herr, der vor einem halben Jahre in London mit den
vornehmsten Damens wre immer in der Kutsche gefahren und htte ein
Goldstck mit einer Kette allezeit aus der Kutsche herausgehngt, bei
welcher so viel Schock Jungen stets nebenhergelaufen und das Goldstck
so angesehen. Ich lie mir aber nichts merken, da ichs war, und wenn
ichs ihnen auch gleich gesagt, sie htten mirs, der Tebel hol mer, nicht
einmal geglaubt.

Den andern Tag war ich her, weil ich kein Geld hatte, und ging in die
Stadt London hinein; da sprach ich die Leute, welche mich zuvor als eine
Standesperson noch nicht gesehen, um einen Zehrpfennig an, denn an die
rter, wo ich vormals war fters zu Gaste gewesen, kam ich, der Tebel
hol mer, nicht, denn sie htten mich leicht kennen mgen, und wenn ich
vor Herrn Toffeln seinem Hause vorbeiging, so zog ich allemal die Mtze
in die Augen, damit mich niemand kennen sollte. Ich traf auch ungefhr
einen halben Landsmann in London an, welcher ein brav Kerl war und im
Kriege sich schon tapfer erwiesen hatte, demselben erzhlte ich mein
Unglck. Er verehrte mir auch einen Reichstaler und versprach mir, mich
frei wieder mit in meine Heimat zu nehmen; allein ich hatte den Ort
vergessen, wonach ich ihn fragen sollte, und kunnte denselben also von
der Zeit an, als er mir den Taler schenkte, nicht wieder antreffen. Zu
meinem groen Glcke fuhren gleich zwei Tage hierauf drei Frachtwagen
aus London nach Hamburg; da bat ich die Fuhrleute, da sie mich
mitnehmen sollten, ich htte nicht viel zu verzehren. Die Fuhren waren
ganz gut, und sie sagten, wenn ich ihnen des Nachts ihre Wagen bewachen
wrde, so wollten sie mich zehrfrei bis nach Hamburg mitnehmen. Ei
sapperment! wer war froher als ich! Ich sagte, herzlich gern wollte ichs
tun. Hierauf nahmen sie mich nun mit sich, und ich mute mich vorne in
die Schokelle[55] setzen und fahren. Wenn wir nun abends ins Quartier
kamen, so gaben sie mir allemal den Kopf oder den Schwanz vom Heringe
und ein gro Stck Brot dazu; das mute ich nun in mich hineinreiben,
hernach schenkten[56] sie mir auch einmal dazu und hieen mich unter
ihre Wagen legen und wachen. Das whrte nun eine Nacht und alle Nchte,
bis wir in das letzte Wirtshaus nahe vor Hamburg kamen, allwo ich von
den Fuhrleuten Abschied nahm. Sie fragten mich zwar, ob ich nicht
vollends mit nach Hamburg wollte; ich bedankte mich, doch wre ich wohl
gerne mit hinein gewesen; so aber stund ich in Sorgen, es mchte mich
etwa jemand noch da kennen und hernach solches der Rdelwache sagen, da
ich der und der wre, welcher vor etlichen Jahren ihrer so viel auf
einmal zuschanden gehauen und ber den Haufen gestoen htte. Traute
also nicht, sondern nahm von dem nchsten Dorfe vor Hamburg meinen
Marsch oben im freien Felde weg und ging so lange, bis ich in ein ander
Gebiet kam, da ich vor der Rdelwache recht sicher war.

[55] Hngesitz fr den Kutscher.

[56] gaben mir zu trinken.

Hernach so bettelte ich mich von einem Dorfe zu dem andern, bis ich
endlich Schelmerode wieder erblickte und allda nach meiner berstandenen
sehr gefhrlichen Reise sowohl zu Wasser als zu Lande meiner Frau
Mutter frisch und gesund wieder zusprach. Mit was vor Freuden die
ehrliche Frau mich damals bewillkommte, will ich beim Eingange des
andern Teiles knftig sehr artig auch an den Tag geben. Vor dieses Mal
aber hat nun der erste Teil meiner wahrhaftigen kurisen und sehr
gefhrlichen Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande ein Ende.




2. Teil




1. Kapitel.


Wo mir recht ist, war es gleich am Sankt Gergenstage, als ich das
erstemal von meiner sehr gefhrlichen Reise in einem alten zerrissenen
Kaperrocke und zwar barfu des ehrlichen Schelmerode wieder ansichtig
wurde. Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie mir alles so
fremde und unbekannt in meiner Geburtsstadt vorkam; ich hatte sie auch
so verkennen gelernt, als wenn ich dieselbe zeitlebens mit keinem Auge
gesehen gehabt. Drei ganzer Tage und Nchte lief ich wie ein irrer
Mensch auf allen Gassen herum und wute meiner Frau Mutter Haus nicht
wiederzufinden, wenn es auch mein Leben htte kosten sollen. Fragte ich
gleich Leute, ob sie mir nicht davon knnten Nachricht geben oder zum
wenigsten nur die Gasse sagen, wo meine Frau Mutter wohnen mchte, so
sperrten sie, der Tebel hol mer, allemal die Muler auf und sahen mich
an und lachten. Ich kunnte es ihnen zwar nicht verargen, da sie so
albern taten und mir auf mein Fragen keine Antwort gaben. Warum? Ich
hatte meine Fraumuttersprache in der Fremde ganz verreden gelernt, denn
ich parlierte meist Englndisch und Hollndisch mit unter das Deutsche,
und wer mir nicht sehr genau auf mein Maul Achtung gab, der kunnte mir,
der Tebel hol mer, nicht eine Silbe verstehen. Ich htte, halt ich
dafr, meiner Frau Mutter Haus wohl in acht Tagen noch nicht gefunden,
so mir nicht ohngefhr die dritte Nacht zwischen elfen und zwlfen meine
Jungfer Muhmen auf der Gasse wren in Wurf gekommen, welche ich auch
anredete und fragte, ob sie mir keine Nachricht von meiner Frau Mutter
Hause melden knnten. Die Menscher sahen mir im Finstern beide scharf
ins Gesichte und verstundens doch (ob ich gleich sehr undeutsch redete)
und was ich haben wollte.

Endlich so fing die eine an und sagte, ich sollte mich erstlich zu
erkennen geben, wer ich wre, alsdann wollten sie mich selbsten an
verlangten Ort bringen. Wie ich ihnen nun erzhlte, da ich der und der
wre, und da ich schon drei ganze Tage in der Stadt herumgelaufen und
kein Henker mir htte berichten knnen, in welcher Gasse doch meine Frau
Mutter wohnen mte: O sapperment! wie fielen mir die Menscher beide auf
der Strae um den Hals und erfreuten sich meiner guten Gesundheit und
glcklichen Wiederkunft. Sie kriegten mich beide bei meinem zerrissenen
Kaperrocke zu fassen und waren willens, mit mir nach meiner Frau Mutter
Hause zu marschieren. Indem wir alle drei nun sehr artig miteinander
gingen und ich ihnen unterwegens von meiner Gefangenschaft zu Sankt Malo
anfing zu erzhlen, so kamen unvermerkt zwei Kerls hinter mir
hergeschlichen, die denken, ich bin etwa ein gemeiner Handwerksbursche,
weil ich so liederlich ging, und gaben mir da rcklings ein jedweder
eine Presche und rissen mir hierauf meine Jungfer Muhmen von der Seite
weg und wanderten mit ihnen immer, was lufst du, was hast du, soviel
ich im Finstern sehen kunnte, durch ein enges Gchen durch. O
sapperment! wie verdro mich das Ding von solchen unverstndigen Kerlen,
weil sie mich nicht besser respektierten. Ihr grtes Glck war, da mir
auf der spanischen See von Hans Barth mein vortrefflicher
Rckenstreicher mit war von der Seite weggeraubt worden, sonst htte ich
ihnen nicht einen Dreier vor ihr ganzes Leben geben wollen; so aber
hatte ich nichts in Fusten, und ohne Degen im Finstern auf Hndel
auszugehen, glckt auch nicht allemal, drum dachte ich, du willst lieber
die Preschen einstecken und stehenbleiben, bis deine Jungfer Muhmen
wiederkommen; die werden dirs wohl sagen, wer die Kerls gewesen sein,
hernach mssen sie dir schon Satisfaktion vor dem Schimpf geben. Ich
stund wohl ber drei Stunden auf derselben Stelle, wo ich die Preschen
bekommen hatte, und wartete auf meine Jungfer Muhmen.

Wie dieselben nun wiederkamen, so waren sie ganz voller Freuden und
erzhlten mir, wie es ihnen so wohl gegangen wre und wie sie beide von
denselben Kerlen, welche mir die Preschen gegeben, so vortrefflich
beschenkt worden und es sehr bedauert, weil ich ihr Herr Vetter wre,
da sie sich an mir vergriffen htten. Nachdem ich von meinen Jungfer
Muhmen nun solches vernahm, da es unversehenerweise geschehen war und
da die Presche, welche ich bekommen, einem andern waren zugedacht
gewesen, so lie ichs gut sein und dachte: Irren ist menschlich. Hierauf
so fhrten mich meine Jungfer Muhmen immer nach meiner Frau Mutter Hause
zu. Als wir nun vor die Tre kamen, so konnten wir nicht hineinkommen.
Wir klopften wohl ber vier Stunden vor meiner Frau Mutter Hause an,
allein es wollte uns niemand hren.

Wie wir nun sahen, da uns keiner aufmachen wollte, legten wir uns alle
drei die Lnge lang vor die Haustr und schlummerten da so lange, bis
das Haus wieder geffnet wurde; hernach so schlichen wir uns heimlich
hinein, die Treppe sachte hinauf und nach meiner Jungfer Muhmen ihrer
Kammer zu, da sie und mich niemand gewahr wurde. Oben zogen sich meine
Jungfer Muhmen nun aus und legten ihr Nachthabit an, und zwar zu dem
Ende, damit niemand merken sollte, da sie vergangene Nacht anderswo
frische Luft geschpft htten. Da solches geschehen, hieen sie mich
sachte die Treppe wieder hinunterschleichen und an meiner Frau Mutter
Stubentre anpochen, und sollte hren, ob sie mich auch noch kennen
wrde.

Als ich nun unten wieder ins Haus kam: O sapperment! wie kam mir alles
so fremde und unbekannt in meiner Frau Mutter Hause vor. Ich suchte wohl
ber zwei Stunden, ehe ich meiner Frau Mutter ihre Stubentre
wiederfinden konnte, denn ich hatte alles miteinander im ganzen Hause
fast gnzlich verkennen gelernt, ausgenommen meiner Frau Mutter ihr
klein Hndchen, welches sie immer mit zu Bette nahm und hernachmals
eines unverhofften Todes sterben mute; dasselbe erkannte ich noch an
dem Schwanze, denn es hatte einen blauen Fleck unter dem Schwanze,
welchen ich dem Hndchen unversehens, da ich noch vor diesem in die
Schule ging, mit meinem Blaserohre, als ich nach einem Sperlinge
geschossen und das Hndchen unversehenerweise unter den Schwanz
getroffen, gemacht hatte. Aber meine Frau Mutter, als ich derselben
ansichtig wurde, so kam sie mir, der Tebel hol mer, ganz unkennbar vor,
und ich htte es auch nimmermehr geglaubt, da sie meine Frau Mutter
wre, wenn ich sie nicht an dem seidenen Kleide, welches ihr vormals die
groe Ratte zerfressen gehabt, erkannt htte, denn es war in demselben
hinten und vorne ein abscheulich gro Loch, und zu ihrem groen Glcke
hatte sie das zerfressene Kleid gleich selben Tag angezogen, sonst htte
ich sie, der Tebel hol mer, nicht wiedergekannt.

Nachdem ich nun gewi wute und das zerfressene seidene Kleid mir
genugsam zu verstehen gab, da ich meine Frau Mutter, welche ich in so
vielen unzhligen Jahren mit keinem Auge gesehen, wiederum vor mir
stehen sah, so gab ich mich hernachmals auch zu erkennen und sagte, da
ich ihr fremder Herr Sohn wre, welcher in der Welt was Rechts gesehen
und erfahren htte. O sapperment! was sperrte das Mensch vor ein Paar
Augen auf, wie sie hrte, da ich ihr Sohn Schelmuffsky sein sollte! Sie
sagte anfnglich, das Ding knnte unmglich wahr sein, da ich ihr Herr
Sohn wre, indem ihr Herr Sohn, wie sie vernommen, einer mit von den
vornehmsten Standespersonen unter der Sonnen wre und wrde, wenn er
wieder nach Hause kme, so liederlich wie ich nicht aufgezogen kommen.
Ich antwortete aber hierauf meiner Frau Mutter sehr artig und half ihr
mit zwei bis drei Worten gleich aus dem Traume, sagend, wie da ich
nmlich einer mit von den vornehmsten Standespersonen schon in der Welt
gewesen, und wie da einem ein gut Kleid auf der Reise nichts ntze
wre, und wie da der von Schelmuffsky ein ganz halb Jahr zu St. Malo
gefangen gesessen, und ihr einziger lieber Sohn, welcher wegen einer
groen Ratte, und zwar nach Adam Riesens Rechenbuche, vier Monate zu
frh auf die Welt gekommen wre. O sapperment! als meine Frau Mutter von
der Ratte hrte, wie fiel mir das Mensche vor Freuden um den Hals und
herzte und pote mich, da ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen kann.
Als sie mit mir nun eine gute Weile getndelt hatte, so fing sie vor
groen Freuden an zu gransen, da ihr die Trnen immer an den Strmpfen
herunterliefen und ihre smischen Schuhe pftzenmadenna davon wurden.
Hierzu kamen nun meine Jungfer Muhmen in ihrem Schlafhabite zur
Stubentr hineingetreten und boten meiner Frau Mutter einen guten
Morgen, gegen mich aber stellten sie sich, als wenn sie mich zeitlebens
nicht gesehen htten.

Meine Frau Mutter hatte auch damals einen kleinen Vetter bei sich,
dasselbe war eine schlaue Wetterkrte und wurde dem Ase aller Willen
gelassen. Indem nun meine Frau Mutter ihren Jungfer Muhmen erzhlt, wie
da ich ihr Sohn Schelmuffsky wre, der sich was Rechts in der Fremde
versucht htte und zu Wasser und zu Lande viel ausgestanden, so mochte
es der kleine Vetter in der Stubenkammer hren, da von Schelmuffsky
geredet wurde: kam das kleine Naseweischen wie eine Ratte aus meiner
Frau Mutter Bette gesprungen und guckte zur Stubentre hinein. Sobald
als er mich nun erblickte, fing der kleine Junge, der Tebel hol mer, an
zu lachen und fragte mich da gleich, was ich denn schon zu Hause wieder
haben wollte, indem ich kaum vierzehn Tage weg wre? O sapperment! wie
verdro mich das Ding von dem Jungen, da er mir von vierzehn Tagen
schwatzte. Wie ich nun meine Frau Mutter hierauf fragte, ob er mich denn
noch kennte, so gab ihr der Naseweis so hhnisch zur Antwort und sagte,
warum er denn seinen liederlichen Vetter Schelmuffsky nicht kennen
sollte. Da ihm aber meine Frau Mutter die Augen erffnen wollte und zu
ihm sprach, da er unrecht sehen mte und wie da ich mich in der
Fremde was Rechts sowohl zu Wasser als zu Lande versucht htte, so fing
mein kleiner Vetter wieder an: Frau Muhme, sie wird ja nicht so
einfltig sein und solche Lgen glauben, ich habe mir von
unterschiedlichen Leuten erzhlen lassen, da mein Vetter Schelmuffsky
nicht weiter als eine halbe Meile von seiner Geburtsstadt gekommen wre
und alles miteinander mit liederlicher Kompagnie im Tobak und
Branntewein versoffen. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zhnen,
als mir der Junge Tobak und Branntewein unter die Nase rieb.

Nach diesem baten mich meine Jungfer Muhmen, da ich doch von meiner
gefhrlichen Reise was erzhlen sollte und was ich vor Dinge in der Welt
gesehen htte. Wie ich nun Sachen vorbrachte, welche groe Verwunderung
bei meinen Jungfer Muhmen erweckten, so fiel mir der Junge allemal in
die Rede und sagte, ich sollte nur stillschweigen, es wre doch alles
erstunken und erlogen, was ich da aufschnitte. Endlich so lief mir die
Laus auch ber die Leber und gab ihm, ehe er sichs versah, eine Presche,
da er flugs an die Stubentre hinflog und die Beine hoch in die Hhe
kehrte. Ei sapperment! was verfhrte deswegen meine Frau Mutter vor ein
Spiel! Wie vielmal ich mich auch hernach des Jungens halber mit meiner
Frau Mutter gezankt und gekiffen[57], das wre, der Tebel hol mer, auf
keine Eselshaut zu bringen, und ist meines Erachtens unntig, da ich
hiervon viel Wesens mache. Ist aber jemand kurise[58] und will von
solchem Gekeife genauere Nachricht wissen, dem kann ich keinen bessern
Rat geben, als da er nur etliche ehrliche Weiber in der Nachbarschaft
deswegen drum fragt; die werdens ihm, der Tebel hol mer, haarklein
sagen.

[57] gekeift.

[58] neugierig.




2. Kapitel.


Nachdem ich mich nun innerhalb Jahresfrist ein wenig ausgemaustert hatte
und die Luft etwas wiederum vertragen kunnte, so ging hernachmals kein
Tag vorbei, da ich mich nicht kontinue[59] mit meiner Frau Mutter
zanken mute. Ich war auch solch Leben so berdrssig, als wenn ichs mit
Lffeln gefressen htte, und der Zank rhrte gemeiniglich wegen meines
kleinen Vetters her, weil der Junge so naseweis immer war und mir kein
Wort, was ich erzhlte, glauben wollte. Letztlich, wie ich sah, da ich
mich mit meiner Frau Mutter gar nicht stellen kunnte, befahl ich ihr,
da sie mir mute ein neu Kleid machen lassen, und sagte, sie sollte mir
mein Vaterteil vollends geben, ich wollte wieder in die Fremde
marschieren und sehen, was in Italien und Welschland passierte,
vielleicht htte ich da besser Glck als auf der spanischen See. Meine
Frau Mutter, die wollte mir nun an meinem Vorhaben nicht hinderlich
sein, sondern wre mich damals schon lieber heute als morgen gern wieder
los gewesen. Sie lie mir ein schn neu Kleid machen, welches auf der
Weste mit den schnsten Leonischen Schnren verbrmt war. Weil sie aber
nicht flugs bei Ausgebegelde war und sonst noch eine Erbschaft in einer
benachbarten Stadt zu fordern hatte, so gab sie mir da eine Anweisung,
und ich sollte in ihrem Namen mir dort das Geld zahlen lassen, damit sie
mich nur aus dem Hause wieder los wrde.

[59] fortwhrend.

Hierauf war ich her und machte selben Tag noch einen Weg dahin und
vermeinte, die Gelder wrden da schon aufgezhlt liegen. Allein wie ich
hinkam, so wollte derjenige, welcher das Geld schuldig zu zahlen war,
mich mit meiner Anweisung nicht respektieren, sondern sagte, ich wre
noch nicht mndig und dazu wte er auch nicht, ob ich der und der wre.
O sapperment! wie verdro mich das Ding, da man mich vor unmndig
ansah, indem ich schon unzhlige Jahre in die Fremde weit und breit
herumgesehen und einer mit von den bravsten Kerlen in der Welt gewesen
war. Ich tat aber das und erzhlte ihm die Begebenheit von der Ratte: O
sapperment! wie erschrak der Schuldmann hernach vor mir und schmte
sich, der Tebel hol mer, wie ein Hund. Er wre, halt ich dafr, wohl
noch halb soviel lieber schuldig gewesen, als da er mir nur das
Nichtmndigsein unter die Nase gerieben htte. Denn er sah mir hernach
allererst recht ins Gesichte, und da er sprte, da mir was Sonderliches
aus den Augen herausfunkelte, so bat er bei mir um Verzeihung und kam
auch flugs mit der Vorklage und sagte, er wollte mir gerne die Erbschaft
bezahlen, allein er wre jetzo nicht bei Mitteln, in zwei Jahren wollte
er sehen, da mir damit knnte geholfen werden. Was wollte ich nun tun,
wie ich sah, da es der gute Mann nicht hatte? Damit ich ihn aber nicht
in Schaden bringen wollte (denn wenn ich geklagt, htte er mirs schon
zahlen mssen, und der Tebel hol mer, kein gut Wort dazu), so war ich
her und verhandelte die ganze Erbschaft einem andern, den lie ich mir
vor den ganzen Quark den vierten Teil zahlen und gab ihm im Namen meiner
Frau Mutter Vollmacht, das ganze Kapital zu heben.

Als ich nun das Geld empfangen hatte, O sapperment! wer war froher als
ich, da wieder frische Pfennige in meiner Ficke klangen. Sobald ich zu
meiner Frau Mutter nach Schelmerode kam, machte ich mich wieder
reisefertig und packte meine Sachen alle zusammen in einen groen
Kober[60], nahm von meiner Frau Mutter wie auch meinen Jungfer Muhmen
mit weinenden Augen wieder Abschied und war willens, mich auf die
geschwinde Post zu setzen. Indem ich nun zur Stubentr mit meinem groen
Kober hinauswandern wollte, so kam mir mein kleiner Vetter
entgegengegangen, von dem wollte ich nun auch gute Nacht nehmen. Wie ich
ihm aber die Hand bot, so fing die Wetterkrte an zu lachen und sagte,
es wrde nicht ntig sein, da ich von ihm Abschied nhme, meine Reise
wrde sich so weit nicht erstrecken, und wenn er sich die Mhe nehmen
mchte, mir nachzuschleichen, so wollte er mich wohl im nchsten
Drfchen in einer Bauernschenke antreffen, allwo ich so lange
verbleiben wrde, bis die verhandelte Erbschaft in Tobak und Branntewein
durch die Gurgel gejagt wre, hernach wrde ich mich schon wieder
einfinden. Ei sapperment! wie verdro mich das Ding von dem Jungen, da
er mir von dem nchsten Dorfe solche Dinge herschwatzte. Ich war aber
nicht faul, sondern gab ihm unversehens eine solche Presche wieder, da
ihm das helle Feuer flugs zu den Augen heraussprang, und marschierte
hierauf mit meinem groen Kober immer stillschweigend zur Stubentre
hinaus und in vollem Sprunge, was lufst du, was hast du, nach dem
Posthause zu. Da htte man nun schn Nachschreien von meiner Frau Mutter
auf der Gasse gehrt, wie das Mensche hinter mir herschrie und sagte:
Schlag du, Schelm, schlag, geh, da du Hals und Beine brichst und komm
nimmermehr wieder vor meine Augen. Mein kleiner Vetter, das
Naseweischen, der verfolgte mich mit Steinen bis vor an das Posthaus,
allein er traf mich nicht ein einziges Mal. Als ich nun vor das Posthaus
kam und die geschwinde Post schon vllig besetzt war, so wollte mich der
Postillon nicht mitnehmen, doch tat er mir den Vorschlag, da ich mich
hinten in die Schokelle setzen sollte, wenn ich mitwollte. Worauf ich
mich nicht lange besann, sondern mit gleichen Beinen flugs mit meinem
Kober hineinsprang, und hie den Postillion immer _per postae_ eiligst
zum Tore hinausfahren.

[60] Koffer.




3. Kapitel.


Es war gleich denselben Tag, als die Nacht zuvor meiner Frau Mutter die
Truthhner waren gestohlen worden, da ich die ehrliche Geburtsstadt
verlie und meine sehr gefhrliche Reise zum andern Mal zu Wasser und
zu Lande wieder antrat. Kaum waren wir einen Musketenschu von der Stadt
gefahren, so schmi uns der Postillon um, da flugs alle vier Rder an
der Postkalesche in Stcke brachen; die Personen, so er geladen hatte,
die lagen, der Tebel hol mer, im Drecke bis ber die Ohren, denn es war
in einem greulichen Morastloche, da er uns umschmi. Ich hatte noch von
groem Glck damals zu sagen, da ich hinten in der Schokelle sa, denn
wie ich sah, da der Wagen fallen wollte, so sprang ich mit meinem Kober
herunter, denn wenn ich wre sitzengeblieben. Ei sapperment! wie wrde
ich mit meiner Nase im Dreck auch gelegen sein. Da war nun Lachen zu
verbeien, wie sich die Passagiere so im Kote herumwlzten. Der
Postillon wute nun beileibe keinen Rat, wie er fortkommen wollte, weil
die Rder alle viere am Wagen zerbrochen waren. Nachdem ich nun sah, da
ganz keine Hilfe fortzukommen vorhanden war und ich mich nicht lange zu
versumen hatte, sondern wollte eiligst die Stadt Venedig besehen, so
war ich her, nahm meinen groen Kober und bedankte mich gegen meine
Reisegefhrten, welche noch im Drecke dalagen, vor geleistete Kompagnie
und ging immer per pedes[61] nach Italien und Welschland zu.

[61] zu Fue.

Denselben Tag wanderte ich noch zu Fue zweiundzwanzig Meilen und
gelangte des Abends bei zu Rste gehender Sonne in einem Kloster an,
worinnen die barmherzigen Brder waren, der Tebel hol mer, gute Kerls,
sie traktierten mich mit essender Ware recht frstlich, aber kein gut
Bier hatten sie in demselben Kloster. Ich fragte sie auch, wie es denn
kme, da sie keinen guten Tischtrunk htten: so gaben sie mir zur
Antwort, es htte bei ihnen die Art so nicht, gut Bier zu brauen,
dieweil sie mit lauter saurem Wasser versehen wren. Damit so lernte
ich ihnen ein Kunststck, wie sie knnten gut Klebebier brauen, welches
auch so gut schmecken wrde, da sie es gar mit Fingern austitschen
wrden, und wie sie danach wrden brav predigen knnen. O sapperment!
wie dankten mir die barmherzigen Brder vor mein Kunststck, welches ich
ihnen gelernt hatte. Sie stellten auch noch selben Abend eine Probe an,
den Morgen frh darauf hatten sie, der Tebel hol mer, das schnste
Klebebier im Bottich, welches wie lauter Zucker schmeckte. Ei
sapperment! wie soffen sich die barmherzigen Brder in dem Klebebiere zu
und kunnten nicht einmal satt werden, so gut schmeckte es ihnen; sie
muten bald immer das Maul mit Fingern zuhalten, so begierig soffen sie
es hinein und wurdens nicht einmal inne, wenn es ihnen gleich in die
Kpfe kam. Wie mir auch die Kerls deswegen so gut waren und viel Ehre
erzeigten, werde ich, der Tebel hol mer, mein Lebtage nicht vergessen.
Sie baten mich auch, da ich eine Weile bei ihnen bleiben sollte, allein
ich hatte keine Lust dazu.

Da ich von denselben nun wieder Abschied nahm, gaben sie mir einen
Haufen Viktualien[62] mit auf den Weg, da ich nicht verhungern sollte,
denn die barmherzigen Brder hatten gleich den Tag zuvor (welches der
Freitag war im Kloster) sechs Eckerschweine[63] geschlachtet, davon
kriegte ich eine groe lange Wurst und ein abscheulich Stck dicken
Speck mit auf meine gefhrliche Reise. Nun kann ichs, der Tebel hol mer,
wohl sagen, da ich dergleichen Speck mein Lebetage noch nicht in der
Welt gesehen hatte, als wie ich bei den barmherzigen Brdern da antraf,
und wenn er nicht sechs Ellen dicke war, so will ich, der Tebel hol mer,
kein brav Kerl sein.

[62] Ewaren.

[63] mit Eckern gemstete.

Nachdem ich nun von den barmherzigen Brdern Abschied genommen hatte
und mein groer Kober ziemlich mit Proviant gespickt war, so nahm ich
meinen Weg immer nach Venedig zu. Unterwegens erholte ich eine
geschwinde Post, welche auch willens war, nach Venedig zu fahren, und
weil der Postillon nicht viel Personen geladen hatte, so dingte ich mich
auf dieselbe, doch traute ich mich nicht unter die Kompagnie mit zu
setzen aus Furcht, der Postknecht mchte etwa auch umwerfen wie der
vorige, und man knnte nicht wissen, wie das Umwerfen allemal glckte,
so setzte ich mich wieder hinten mit meinem groen Kober in die
Schokelle und hie den Postillion _per postae_ nach Italien und
Welschland fortfahren. Wir fuhren etliche Tage sehr glcklich, und wie
wir etwa noch einen Bchsenschu von Venedig hatten, allwo man zwischen
groen hngigen Bergen fahren mu, so schmi der Postillion, ehe wir es
uns versahen, den Postwagen um, da er wohl den einen Berg hinunter ber
tausendmal sich mit uns berkepelte, und nahm, der Tebel hol mer, keiner
nicht den geringsten Schaden. Ausgenommen zwei Rder, die gingen an der
Postkalesche vor die Hunde. Aber die wir auf dem Postwagen saen, wurden
alle miteinander tchtig von dem Sande bestoben, denn es gibt um Venedig
herum nichts als lauter sandige Berge. Doch mu ich gestehen, da sich
die Stadt Venedig von ferne, der Tebel hol mer, recht proper
prsentiert[64], denn sie liegt auf einem groen hohen Steinfelsen und
ist mit einem vortrefflichen Wall umgeben.

[64] recht gut ausnimmt.

Als ich nun die Stadt Venedig zu Fue mit meinem groen Kober erreicht,
so kehrte ich im Weien Bocke ein, allwo ich sehr gute Bequemlichkeit
und Bedienung hatte. Die Wirtin, welches eine Wittfrau war, die empfing
mich sehr freundlich und fhrte mich gleich in eine wunderschne
Kammer, worinnen ber zweihundert gemachte Betten stunden; dieselbe
Kammer gab sie mir zur Verwahrung meiner Sachen ein und nahm mit einem
hflichen Komplimente wiederum Abschied. Wie ich nun allein in der
wunderschnen Kammer war, nahm ich meinen Kober vom Halse ab, machte ihn
auf und langte mir aus demselben ein wei Hemde. Sobald als ich mir nun
das wei Hemde angezogen hatte, versteckte ich meinen groen Kober mit
den Sachen unter ein gemacht schn Bette, damit ihn niemand finden
sollte, und ging aus der Kammer wieder heraus, schlo sie zu und fragte
die Wirtin, was denn gutes Neues in der Stadt Venedig passierte. Die
Wirtin, die gab mir zur Antwort und sagte, es wre jetzo allerhand
(indem es Jahrmarkt wre) auf dem Sankt Marxplatze zu sehen. O
sapperment! wie nahm ich meinen Marsch nach dem Sankt Marxplatze zu, als
die Wirtin vom Jahrmarkte schwatzte. Ich war her und holte meinen groen
Kober mit meinen Sachen geschwinde wieder aus der Kammer und hing
denselben an, damit mir derselbe, weil es Jahrmarkt war, nicht irgend
wegkommen sollte. Wie ich nun auf den Sankt Marxplatz kam, Ei
sapperment! was stunden da vor wunderschne Huser, desgleichen ich in
Holland und England wie auch in Schweden und ganz Indien an keinem Orte
niemals noch nicht gesehen hatte. Sie waren, der Tebel hol mer, mit den
kostbarsten Marmorsteinen ausgemauert und war ein Haus wohl ber fnfzig
Gescho hoch, und vor einem jedweden Hause rings um den Markt herum
stund eine groe Plumpe, aus Ursachen, weil das Wasser da so selten ist.
Mitten auf dem Sankt Marxplatze nun stund eine groe Glcksbude, da
griff nun hinein, wer wollte, es mute aber die Person vor einen
jedweden Griff einen Dukaten geben; es waren auch aber Gewinste
darinnen zu sechzig- bis siebzigtausend Talern und gab auch sehr geringe
Gewinste, denn der geringste Gewinst wurde nur auf einen Batzen
wertgeschtzt, welches in Deutschland sechs Pfennige macht.

Wie ich nun sah, da manche Leute brav gewannen, so war ich her und
wagte auch einen Dukaten dran und wollte mein Glck versuchen. Als ich
nun in den Glckstopf hineingriff, O sapperment! was waren da vor
Zettel! ich will wetten, da wohl ber tausend Schock Millionen Zettel
in dem Glckstopfe da vorhanden waren. Indem ich nun in den Glckstopf
mit beiden Hnden hineinfhlte, so tat ich auch einen solchen Griff, da
ich die Zettel bald alle auf einmal mit beiden Fusten herausgriff. Da
dieses der Glckstpfer sah, O sapperment! wie klopfte er mich auf die
Finger, da ich so viel Zettel herausgeschleppt brachte, welche ich aber
miteinander flugs wieder hineinschmeien mute und hernach vor meinen
Dukaten nur einen einzigen hinausnehmen, welches ich auch tat. Wie ich
nun vor meinen Dukaten einen Zettel aus dem Glckstopfe herausgenommen
hatte und ihn aufmachte, so war es eine gute Nummer, und zwar Nummer
elf, dieselbe mute ich nun dem Glcksbdner zeigen. Nun meinten damals
alle Leute, ich wrde was Rechts davontragen, weil ich eine ungleiche
Nummer ergattert htte, aber wie danach gesehen wurde, was Nummer 11 mit
sich brachte, so war es ein Bartbrstchen vor sechs Pfennig, O
sapperment! wie lachten mich die um die Glcksbude herumstehenden Leute
alle miteinander mit meinem Bartbrstchen aus. Ich kehrte mich aber an
nichts, sondern war her und griff noch einmal in den Glckstopf hinein
und langte noch einen Zettel heraus, derselbe hatte nun wiederum eine
gute Nummer, denn es war Nummer 098 372 641 509. Sapperment! wie
sperrten die Leute alle miteinander in und an der Glcksbude die Muler
auf, da ich so eine vortreffliche Nummer ergriffen hatte. Wie nun in
der Glcksbude nachgesehen wurde, was meine vortreffliche Nummer vor
einen Gewinst hatte, so war es ein Pferd vor fnfhundert Taler und des
Glcksbdners seine Frau, welche auf tausend Dukaten stund. O Morbleu!
was war vor ein Zulauf, wie es kundbar wurde: Signor Schelmuffsky htte
sich in der Glcksbude so wohl gehalten. Ich mute mich nun gleich auf
das gewonnene Pferd setzen, und die tausend Dukaten anstatt des
Glckstpfers seiner gewonnenen Frau wurden alle an ein Paternoster
gereiht, dieselben mute ich ber meinen groen Kober hngen und in der
ganzen Stadt herumreiten, damit die Leute meinen Gewinst sahen. Es
muten auch vor meinem Pferde hergehen neunundneunzig Trommelschlger,
achtundneunzig Schalmeipfeifer und ihrer drei mit Lauten und einer
Zither; die zwei Lauten und die einzige Zither klungen auch so anmutig
unter die Trompeten und Schalmeien, da man, der Tebel hol mer, sein
eigen Wort nicht hren kunnte. Ich aber sa darbei sehr artig zu Pferde,
und das Pferd mute wohl sein auf der Reitschule und auf dem Tanzboden
gewesen, denn wie die Musik ging, so tanzte es auch und trottierte, der
Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie mich auch das Frauenzimmer zu
Venedig, als ich auf den St. Marxplatz kam, in einem ansah, kann ich,
der Tebel hol mer, nicht genugsam beschreiben, denn es lachte alles an
meinem ganzen Leibe, und kunnte ein jeder flugs sich an den Fingern
abzhlen, da meinesgleichen wohl schwerlich wrde in der Welt zu finden
sein.

Unter whrendem Herumreiten lieen mir wohl ber dreiig Nobelspersonen
auf der Gasse nachschicken und lieen mich untertnigst gren und schn
bitten, ich mchte ihnen doch berichten, wer und wes Standes ich wre,
damit sie ihre schuldigste Aufwartung bei mir abstatten knnten. Ich
lie aber den Nobelspersonen allen sehr artig wieder zur Antwort sagen,
wie da ich mich zwar was Rechts in der Welt schon versucht htte und
wre in Schweden, in Holland und England wie auch bei dem Groen Mogol
in Indien ganzer vierzehn Tage lang gewesen und wre mir auf seinem
vortrefflichen Schlosse Agra viel Ehre widerfahren; wer ich nun sein
mte, das knnten sie leichtlich riechen. Hierauf so ritt ich mit
meiner Musik nun wieder fort, und als ich vor dem Rathause
vorbeitrottieren wollte, so fielen mir unvermuteterweise sechsundzwanzig
Hscher meinem Pferde in den Zaum und schrien alle zugleich: Halt! Wie
ich nun stillhalten mute, so kamen die groen Ratspersonen, welche in
vierzehnhundert Nobels bestunden, die bekomplimentierten mich und
schtzten sich glcklich, da sie die hohe Ehre haben sollten, meine
vornehme Gegenwart zu genieen. Als sie solch Kompliment gegen mich nun
abgelegt hatten, so antwortete ich zu Pferde beraus artig auch wieder
in halb englndischer, hollndischer wie auch bisweilen deutscher
Sprache.

Sobald als nun meine Antwortsrede aus war, hieen mich die smtlichen
Ratsherren absteigen und baten mich, da ich ihr vornehmer Gast sein
sollte. Worauf ich mit meinem groen Kober alsobald abstieg und gab
Order, mein Pferd so lange ins Hscherloch zu ziehen, bis da ich
gegessen htte. Welches auch geschah. Damit so fhrten mich drei
Prsidenten in der Mitten auf das Rathaus hinauf, hinter mir her gingen
nun die smtlichen Mitglieder des Rats alle zu zwlfen in einer Reihe.
Wie wir nun elf Treppen hoch auf das Rathaus gestiegen waren, Ei
sapperment! was prsentierte sich da vor ein schner Saal. Er war mit
lauter geschliffenen Werkstcken von Glas gepflastert und anstatt des
Tafelwerks waren die Wnde mit lauter marmorsteinernem Gipse ausgemalt,
welches einem fast ganz die Augen verblendete. Mitten auf dem Saale,
nicht weit von der Treppe, stund eine lange von venedischem Glase
geschnittene Tafel gedeckt, auf welcher die raresten und delikatesten
Speisen stunden. Ich mute mich nun mit meinem groen Kober ganz zu
oberst an die Tafel setzen, und neben mir saen die drei Prsidenten,
welche mich die elf Treppen hinaufgefhrt hatten. Weiter an der Tafel
hinunter saen die brigen Mitglieder des Rats und sahen mich alle mit
hchster Verwunderung an, da ich solchen Appetit zu essen hatte. Unter
whrender Mahlzeit wurde nun von allerhand diskuriert, ich aber sa
anfnglich ganz stille und stellte mich, als wenn ich nicht drei zhlen
knnte. Da ich mich aber satt gefressen hatte, so tat ich hernach mein
Maul auch auf und fing an zu erzhlen, wie da ich in Indien einstmals
von dem Groen Mogol so trefflich wre beschenkt worden, und wie da ich
demselben den Kalkulum wegen seiner Einknfte htte fhren mssen, und
wie ich noch halb soviel berschu herausgebracht, als er jhrlich htte
einzunehmen gehabt, und wie da der Groe Mogol mich deswegen zu seinem
Reichskanzler machen wollen, weil ich Adam Riesens Rechenbuch so wohl
verstanden. O sapperment! wie horchten die Herren des Rats zu Venedig,
da ich von dem Reichskanzler und Adam Riesens Rechenbuche schwatzte. Sie
titulierten mich hernach nicht anders als Ihre Hochwrden und fingen
alle miteinander gleich an, meine Gesundheit zu trinken. Bald sagte
einer: Es lebe derjenige, welcher in Indien hat sollen des Groen
Mogols Reichskanzler werden und hats nicht annehmen wollen. Bald fing
ein anderer an und sagte: Es lebe derjenige, welcher noch halb soviel
berschu ber des Groen Mogols Einknfte herausbringen kann, ob ers
gleich nicht einzunehmen hat. Welche und dergleichen Gesundheiten
wurden nun von allen ber der glsernen Tafel mir zuliebe getrunken.

Wie nun meine Gesundheit herum war, so fing der eine Prsident, welcher
flugs neben mir sa, zu mir an und sagte, ich sollte doch meine hohe
Geburt nicht lnger verborgen halten, denn er htte schon aus meinen
Diskursen vernommen, da ich nicht eines schlechten Herkommens sein
mte, sondern es leuchtete mir was Ungemeines aus meinen Augen heraus.
Hierauf besann ich mich, ob ich mich wollte zu erkennen geben oder
nicht. Endlich so dachte ich, du willst ihnen doch nur die
Begebenheit von der Ratte erzhlen, damit sie Maul und Ohren brav
aufsperren mssen, weil sie es nicht besser wollen gehabt haben. O
sapperment! was erweckte das Ding bei den vierzehnhundert Ratsherren vor
gro Aufsehens, als ich von der Ratte anfing zu schwatzen. Sie steckten,
der Tebel hol mer, an der Tafel die Kpfe alle miteinander zusammen und
redeten wohl drei ganzer Zeigerstunden heimlich von mir; was sie aber
durcheinanderplisperten, das kunnte ich gar nicht verstehen. Doch soviel
ich von meinem Herrn Nachbar zur rechten Hand vernehmen kunnte, sagte er
zu dem einen Prsidenten: wann ichs annehmen wollte, so knnte ich
beraufseher des Rats zu Venedig werden, weil sie indem niemand htten,
der sich dazu schickte. Nachdem sie sich nun alle so durcheinander
heimlich beredet hatten, so fingen sie alle zugleich an zu reden und
sagten: Wir wollen Ihre Hochwrden zu unserm Ratsinspektor machen,
wollen Sie es wohl annehmen? Auf dieses gute Anerbieten gab ich dem
smtlichen Ratskollegio flugs sehr artig wieder zur Antwort und sagte:
Vielgeehrte Herren und respektive werte Herzensfreunde! Da ich ein
brav Kerl bin, dasselbe ist nun nicht Fragens wert, und da ich mich in
der Welt, sowohl zu Wasser als zu Lande, was Rechts versucht habe,
solches wird der bekannte Seeruber Hans Barth, welchem ich auf der
spanischen See mit meinem vortrefflichen Rckenstreicher einen groen
Flatschen von seiner krummen Habichtsnase gesbelt, selbst gestehen
mssen, da meinesgleichen in der Welt wohl schwerlich von Konduite[65]
wird gefunden werden. O sapperment! wie sahen mich die vierzehnhundert
Ratsherren alle nacheinander an, als sie von meinem Rckenstreicher und
von meiner Konduite hrten.

[65] Benehmen.

Worauf auch der eine Prsident zu mir gleich sagte, das smtliche
Kollegium htte nun schon aus meiner Antwort vernommen, da ich solche
angetragene Charge[66] wohl schwerlich akzeptieren wrde, indem mein
Gemte nur an dem Reisen seine Lust htte. Hierzu schwieg ich nun
stockmausestille und machte gegen die drei Prsidenten ein ber alle
Maen artig Kompliment und stund, ehe sie sichs versahen, wie ein Blitz
von der Tafel auf. Da solches dieselben nun sahen, da ich aufstund,
fingen sie gleich auch an, alle miteinander aufzustehen.

[66] Amt.

Da sie nun merkten, da meines Bleibens nicht lnger sein wollte, so
beschenkte mich der ganze Rat mit einem knstlich geschnittenen
venedischen Glase, welches auf zwanzigtausend Taler geschtzt wurde;
dasselbe sollte ich ihnen zum ewigen Andenken aufheben und zuzeiten ihre
Gesundheit daraus trinken. Es wre auch geschehen, wenn ich nicht, wie
man ferner hren wird, solches unverhoffterweise zerbrochen htte.

Nachdem ich nun von dem smtlichen Rate zu Venedig wieder Abschied
genommen und mich vor so groe erzeigte Ehre bedankt hatte, steckte ich
das geschenkte schne kostbare Glas in meinen groen Kober und lie mir
von etlichen Klaudittgen[67] mein in der Glcksbude gewonnenes Pferd aus
dem Hscherloche wieder herausziehen und auf den Saal oben
hinaufbringen. Daselbst setzte ich mich nun mit meinem groen Kober
wieder zu Pferde und ritt mit so einer artigen Manier im vollen Kurier
die Treppe hinunter, da sich auch die Ratsherren alle miteinander ber
mein Reiten hchst verwunderten und meinten nicht anders, ich wrde Hals
und Beine brechen mssen, weil es so glatt auf der Treppe wre, indem
die Stufen von dem schnsten geschnittenen venedischen Glase gemacht
waren; allein mein Pferd, das war gewandt, es trottierte wie ein Blitz
mit mir die glsernen Treppen hinunter, da es auch nicht einmal
ausglatterte. Unten vor dem Hscherloche, da paten nun meine Musikanten
wieder auf und sobald sie mich sahen von dem Rathause heruntergeritten
kommen, so fingen die mit den Trommeten gleich an eine Sarabande[68] zu
schlagen, die Schalmeipfeifer aber pfiffen den Totentanz drein und die
zwei mit den Lauten spielten das Lied dazu: Ich bin so lange nicht bei
dir gewesen, und der mit der Zither klimperte den Altenburgischen
Bauerntanz hintennach.

[67] Hscher.

[68] feierlicher, langsamer Tanz.

Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie die Musik so
vortrefflich zusammenklang, und mein Pferd machte immer ein Hoppchen
nacheinander dazu. Damit so wollte ich nun noch einmal um den St.
Marxplatz herumreiten, und zwar nur deswegen, die Leute dadurch an die
Fenster zu locken und da sie sich wacker ber mein vortrefflich Reiten
verwundern sollten. Welches auch geschah. Denn als ich mit meinem groen
Kober ber den St. Marxplatz wieder geritten kam, so steckten wohl auf
dreiigtausend Menschen die Kpfe zu den Fenstern heraus, die sahen
sich bald zum Narren ber mich, weil ich mit meinem groen Kober so
galant zu Pferde sa. Wie wohl mir auch das Ding von den Leuten gefiel,
da sie die Augen so brav ber mein vortrefflich Zupferdesitzen
aufsperrten, dasselbe werde ich, der Tebel hol mer, zeitlebens nicht
vergessen. Aber was ich auch dabei vor einen Pfui-dich-an mit einlegte,
davon werden noch bis dato die kleinen Jungen zu Venedig auf der Gasse
zu schwatzen wissen.

Man hre nur, wie mirs ging. Indem ich nun mit meinem groen Kober
beraus artig um den St. Marxplatz herumritt und alle Leute Maul und
Nasen ber mich aufsperrten, so zog ich ein Pistol aus der einen Halfter
und gab damit Feuer. Der Glckstpfer hatte mir aber zuvor (als ich das
Pferd bei ihm gewonnen) nicht gesagt, da es schuscheu wre und kein
Pulver riechen knnte. Wie ich nun so in aller Herrlichkeit das Pistol
losscho, so tat das Pferd, ehe ichs mich versah, einen Ruck und schmi
mich, der Tebel hol mer, mit meinem groen Kober flugs aus dem Sattel
heraus, da ich die Lnge lang auf dem St. Marxplatz dorthinfiel und das
wunderschne Glas, welches so kostbar sein sollte, in hunderttausend
Stcken zerbrach. O sapperment! wie fingen die Leute alle miteinander
an, mich auszulachen. Ich war aber her und stund mit meinem groen Kober
geschwinde wieder auf und lief immer hinter dem Pferde her und wollte es
wieder haschen. Wenn ich denn nun bald an ihm war und wollte das Rabenas
hinten beim Schwanze ergreifen, so fing die Schindmhre allemal
geschwinde an zu trottieren und kurbettierte eine Gasse hinauf, die
andere wieder nieder. Ich jagte mich wohl drei ganzer Stunden mit dem
Schindluder in der Stadt Venedig herum und kunnte es doch nicht kriegen.
Endlich so lief es gar zum Tore hinaus und in ein Stck Hafer, welcher
flugs vorm Tore auf einen Steinfelsen gest stund, hinein; da dachte ich
nun, ich wollte es ergattern, und lief ihm immer im Hafer nach, allein
ich kunnte seiner, der Tebel hol mer, nicht habhaftig werden, denn je
mehr ich dem Ase nachlief, je weiter trottierte es ins Feld hinein und
lockte mich mit den Narrenspossen bis vor die Stadt Padua, ehe ich
solches wiederbekommen kunnte. Ich htte, halt ich dafr, dasselbe wohl
noch nicht gekriegt, wenn nicht ein Bauer aus der Stadt Padua mit einem
Mistwagen wre herausgefahren kommen, welcher eine Stute mit vor seinen
Wagen gespannt hatte, bei derselben blieb mein gewonnenes Pferd, weil es
ein Hengst war, stillstehen.

[Illustration]

Wie ich dasselbe nun wieder hatte, so setzte ich mich mit meinem groen
Kober gleich wieder drauf und beratschlagte mich da mit meinen Gedanken,
ob ich wieder nach Venedig oder in die Stadt Padua flugs spornstreichs
hineinreiten wollte und selbige auch besehen. Bald gedachte ich in
meinem Sinn: was werden doch immer und ewig die Musikanten denken, wo
Signor Schelmuffsky mu mit seinem groen Kober geblieben sein, da er
nicht wiederkommt? Bald gedachte ich auch: reitest du wieder nach
Venedig zu und kommst auf den St. Marxplatz, so werden die Leute den von
Schelmuffsky wacker wieder ansehen und die kleinen Jungen einander in
die Ohren plispern: Du siehe doch, da kommt der vornehme Herr mit
seinem groen Kober wiedergeritten, welchen vor vier Stunden das Pferd
herunterwarf, da er die Lnge lang in die Gasse dahinfiel, wir wollen
ihn doch brav auslachen. Endlich dachte ich auch: kommst du nach
Venedig wieder hinein und der Rat erfhrt es, da du das wunderschne
Glas schon zerbrochen hast, so werden sie dir ein andermal einen Quark
wieder schenken. Fate derowegen eine kurze Resolution und dachte: Gute
Nacht Venedig! Signor Schelmuffsky mu sehen, wie es in Padua aussieht;
und rannte hierauf in vollem Schritte immer in die Stadt Padua hinein.




4. Kapitel.


Padua ist, der Tebel hol mer, eine brave Stadt; ob sie gleich nicht gar
gro ist, so hat sie doch lauter schne neue Huser und liegt eine halbe
Stunde von Rom. Sie ist sehr volkreich von Studenten, weil so eine
wackere Universitt da ist. Es sind bisweilen ber dreiigtausend
Studenten in Padua, welche in einem Jahre alle miteinander zu Doktors
gemacht werden. Denn da kann, der Tebel hol mer, einer leicht Doktor
werden, wenn er nur Speck in der Tasche hat und scheut dabei seinen Mann
nicht. In derselben Stadt kehrte ich nun mit meinem Pferde und groen
Kober in einem Gasthofe, zum Roten Stier genannt, ein, allwo eine
wackere, ansehnliche Wirtin war. Sobald ich nun mit meinem groen Kober
von dem Pferde abstieg, kam mir die Wirtin gleich entgegen gelaufen,
fiel mir um den Hals und kte mich, sie meinte aber nicht anders, ich
wre ihr Sohn. Denn sie hatte auch einen Sohn in die Fremde geschickt,
und weil ich nun unangemeldet flugs in ihren Gasthof hineingeritten kam,
und sie meiner nur von hinten ansichtig wurde, so mochte sie in dem
Gedanken stehen, ihr Sohn kme geritten; so kam sie spornstreichs auf
mich zu gewackelt und kriegte mich von hinten beim Kopfe und herzte
mich. Nachdem ich ihr aber sagte, da ich der und der wre und die Welt
auch berall durchstankert htte, so bat sie hernach bei mir um
Verzeihung, da sie so khn gewesen wre.

Es hatte dieselbe Wirtin auch ein paar Tchter, die fhrten sich, der
Tebel hol mer, galant und proper in Kleidung auf, nur schade war es um
dieselben Menscher, da sie so hochmtig waren und allen Leuten ein
Klebefleckchen wuten anzuhngen, da sie doch, der Tebel hol mer, von
oben bis unten selbst zu tadeln waren. Denn es kunnte kein Mensch mit
Frieden vor ihrem Hause vorbeigehen, dem sie nicht allemal was auf den
rmel hefteten, und kiffen[69] sich einen Tag und alle Tage mit ihrer
Mutter, ja sie machten auch bisweilen ihre Mutter so herunter, da es
Snde und Schande war, und hatten sich an das hliche Fluchen und
Schwren gewhnt, da ich, der Tebel hol mer, vielmal dachte: Was gilts?
die Menscher werden noch auf dem Miste sterben mssen, weil sie ihre
eigene Mutter so verwnschen. Allein es geschah der Mutter gar recht,
warum hatte sie dieselben in der Jugend nicht besser gezogen. Einen
kleinen Sohn hatte sie auch noch zu Hause, das war noch der beste; sie
hielt ihm unterschiedene Przeptores, aber derselbe Junge hatte zu dem
Studieren keine Lust. Seine einzige Freude hatte er an den Tauben und
auch (wie ich in meiner Jugend) an dem Blaserohre, mit demselben scho
er im Vorbeigehen, wenn es Markttag war, die Bauern immer auf die Kpfe
und versteckte sich hernach hinter die Haustr, da ihn niemand gewahr
wurde. Ich war demselben Jungen recht gut, nur des Blaserohrs halber,
weil ich in meiner Jugend auch so einen groen Narren daran gefressen
hatte.

[69] keiften.

Nun htte auch diese Wirtin so gerne wieder einen Mann gehabt, wenn sie
nur einer htte haben wollen, denn der sappermentsche Kupido mute ihr
eine abscheulich groe Wunde mit seinem Pfeile gemacht haben, da sie in
ihrem sechzigjhrigen Alter noch so verliebt um den Schnabel herum
aussah. Sie htte, halt ich dafr, wohl noch einen Leg-dich-her
bekommen, weil sie ihr gutes Auskommen hatte. Den ganzen Tag redete sie
von nichts anders als von Hochzeit machen und von ihrem Sohne, welcher
in der Fremde wre, und sagte, was derselbe vor ein so stattlicher Kerl
wre.

Ich hatte, halt ich davor, noch nicht drei Wochen bei derselben Wirtin
logiert, so stellte sich ihr fremder Sohn zu Hause wieder ein. Er kam,
der Tebel hol mer, nicht anders als ein Kesselflicker aufgezogen und
stunk nach Tobak und Branntewein wie der rgste Marodebruder[70]. Ei
sapperment! was schnitt der Kerl Dinges auf, wo er berall gewesen wre,
und waren, der Tebel hol mer, lauter Lgen.

[70] vagabondierender Soldat.

Wie ihn nun seine Mutter und Schwestern wie auch sein kleiner Bruder
bewillkommet hatten, so wollte er mit seinen Schwestern Franzsisch an
zu reden fangen, allein er kunnte, der Tebel hol mer, nicht mehr
vorbringen als oui. Denn wenn sie ihn auf deutsch fragten, ob er auch
da und da gewesen wre, so sagte er allemal oui. Der kleine Bruder
fing zu ihm auch an und sagte: Mir ist erzhlt worden, du sollst nicht
weiter als bis Halle in Sachsen gewesen sein: ists denn wahr? So gab er
ihm gleichfalls zur Antwort: Oui. Als er nun hierzu auch oui sprach,
mute ich mich, der Tebel hol mer, vor Lachen in die Zunge beien, da
ers nicht merkte, da ich solche Sachen besser verstnde als er. Denn
ich kunnte es ihm gleich an den Augen absehen, da er ber eine Meile
Weges von Padua nicht mute gewesen sein.

Wie ihm das Franzsischreden nicht wohl flieen wollte, so fing er
Deutsch an zu reden und wollte gerne fremde schwatzen, allein die liebe
Muttersprache verriet ihn immer, da auch das kleinste Kind es htte
merken knnen, da es lauter gezwungen Werk mit seinem Fremdereden war.
Ich stellte mich nun dabei ganz einfltig und gedachte von meinen Reisen
anfnglich nicht ein Wort. Nun da hat der Kerl Dinge hergeschnitten, da
einem flugs die Ohren davon htten weh tun mgen, und war nicht ein
einzig Wort wahr. Denn ich wute es alles besser, weil ich dieselben
Lnder und Stdte, da er wollte gewesen sein, schon lngst an den
Schuhen abgerissen hatte.

Die Studenten, so im Hause waren, die hieen ihn nicht anders als den
Fremden und zwar aus den Ursachen, weil er wollte berall gewesen sein.
Man denke nur, was der sappermentsche Kerl, der Fremde, vor abscheuliche
groe Lgen vorbrachte. Denn als ich ihn fragte, ob er auch was Rechts
da und da zu Wasser gesehen und ausgestanden htte, so gab er mir zur
Antwort, wann er mirs gleich lange sagte, so wrde ich einen Quark davon
verstehen. O sapperment! wie verdro mich das Ding von dem
nichtswrdigen Brenhuter, da er mir da von einem Quarke schwatzte; es
fehlte nicht viel, so htte ich ihm eine Presche gegeben, da er flugs
an der Tischecke htte sollen kleben bleiben, so aber dachte ich, was
schmeit du ab, du willst ihn nur aufschneiden lassen und hren, was er
weiter vorbringen wird. Ferner so fing der Fremde nun an, von
Schiffahrten zu schwatzen. Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht
sagen, was der Kerl vor Wesens von den Schiffen machte und absonderlich
von solchen Schiffen, die man nur Dreckschten[71] nennt. Denn er
erzhlte seinen Schwestern mit groer Verwunderung, wie er bei
abscheulichem Ungestm und Wetterleuchten auf einer Dreckschte mit
zweitausend Personen von Holland nach England in einem Tage gefahren
wre und htte keiner keinen Schuh na gemacht. Worber sich des
Fremden seine Schwestern sehr verwunderten. Ich aber sagte hierzu nicht
ein Wort, sondern mute innerlich bei mir recht herzlich lachen, weil
der Fremde so ein groes Wesen von der lumpigen Dreckschte da erzhlte.
Ich mochte ihn nur nicht beschimpfen und auf seine Aufschneidereien
antworten. Denn wenn der Kerl htte hren sollen, wie da ich mit meinem
verstorbenen Bruder Grafen ber hundert Meilen auf einem Brette
schwimmen mssen, ehe wir einmal Land gerochen htten, und wie da auch
einstmals ein einziges Brett unser fnfzig das Leben errettet: O
sapperment! wie der Fremde die Ohren aufsperren sollen und mich ansehen!
So aber dachte ich, du willst ihn immer aufschneiden lassen, warum sein
die Menscher solche Narren und verwundern sich flugs so sehr ber
solchen Quark. Weiter erzhlte der Fremde auch, wie er wre in London
gewesen und bei dem Frauenzimmer in solchem Ansehen gestanden, da sich
auch eine sehr vornehme Dame so in ihn verliebt htte gehabt, da sie
keinen Tag ohne ihn leben knnen, denn wenn er nicht alle Tage wre zu
ihr gekommen, so htte sie gleich einen Kammerjunker zu ihm geschickt,
der htte ihn auf einer Chaise de Roland mit elf gelben Rappen bespannt
allemal holen mssen; und wenn er nun zu derselben vornehmen Dame
gekommen wre, so htte sie ihm allzeit erstlich einen guten Rausch in
Mastixwasser zugesoffen, ehe sie mit ihm von verliebten Sachen zu
schwatzen angefangen. Er htte es auch bei derselben Dame so weit
gebracht, da sie ihm tglich fnfzigtausend Pfund Sterling in
Kommission gegeben, damit er nun anfangen mgen, was er nur selbsten
gewollt. O sapperment! was waren das wieder vor Lgen von dem Fremden,
und seine Schwestern, die glaubten ihm nun, der Tebel hol mer, alles
miteinander. Die eine fragte ihn, wie viel denn ein Pfund Sterling an
deutscher Mnze wre. So gab er zur Antwort, ein Pfund Sterling wre
nach deutscher Mnze sechs Pfennige. Ei sapperment! wie verdro mich das
Ding von dem Kerl, da er ein Pfund Sterling nur vor sechs Pfennige
schtzte, da doch, der Tebel hol mer, nach deutscher Mnze ein Pfund
Sterling einen Schreckenberger macht, welches in Padua ein halber
Batzen[72] ist. ber nichts kunnte ich mich innerlich so herzlich
zulachen, als da des Fremden sein kleiner Bruder sich immer so mit
dreinmengte, wann der Fremde Lgen erzhlte, denn derselbe wollte ihm
gar kein Wort nicht glauben, sondern sagte allemal, wie er sich doch die
Mhe nehmen knne, von diesen und jenen Lndern zu schwatzen, da er doch
ber eine Meile Weges von Padua nicht gekommen wre. Den Fremden
verschnupfte das Ding, er wollte aber nicht viel sagen, weils der Bruder
war, doch gab er ihm dieses zur Antwort: Du Junge verstehst viel von
dem Taubenhandel. Den kleinen Bruder verdro das Ding auch, da der
Fremde ihn einen Jungen hie und von dem Taubenhandel schwatzte, denn
die Wetterkrte bildete sich auch ein, er wre schon ein groer Kerl,
weil er von dem sechsten Jahre an bis in das fnfzehnte schon den Degen
getragen hatte. Er lief geschwind zur Mutter und klagte ihrs, da ihn
sein fremder Bruder einen Jungen geheien hatte. Die Mutter verdro
solches auch und war hierauf her und gab ihm Geld, schickte ihn hin auf
die Universitt in Padua, da er sich da mute einschreiben lassen und
ein Studente werden.

[71] Hollndisch Trekschuyte: ein Kahn, der geschleppt wird.

[72] Ein Pfund Sterling ist in deutscher Mnze ungefhr 20 M.; ein
Batzen entspricht etwa 10 Pfg. heutiger Reichswhrung.

Wie er nun wiederkam, so fing er zu seinem fremden Bruder an und sagte:
Nun bin ich doch auch ein rechtschaffener Kerl geworden, und Trotz sei
dem geboten, der mich nicht dafr ansieht. Der Fremde sah den kleinen
Bruder von unten bis oben, von hinten und von vorne mit einer hhnischen
Miene an, und nachdem er ihn berall betrachtet hatte, sagte er: Du
siehst noch jungenhaftig genug aus. Den kleinen Bruder verdro das Ding
erschrecklich, da ihn der Fremde vor allen Leuten so beschimpfte. Er
war her und zog sein Fuchtelchen da heraus und sagte zu dem Fremden:
Hast du was an mir zu tadeln oder meinest, da ich noch kein
rechtschaffener Kerl bin, so schier dich her vor die Klinge, ich will
dir weisen, was Burschenmanier ist. Der Fremde hatte nun blutwenig
Herze in seinem Leibe, als er des kleinen Bruders bloen Degen sah, er
fing an zu zittern und zu beben und kunnte vor groer Angst nicht ein
Wort sagen, da auch endlich der kleine Bruder den Degen wieder
einsteckte und sich mit dem Fremden in Gte vertrug. Wie sehr aber der
neue Akademikus von den Hausburschen und andern Studenten gevexiert[73]
wurde, das kann ich, der Tebel hol mer, nicht sagen. Sie hieen ihn nur
den unreifen Studenten, ich fragte auch, warum sie solches tten, so
wurde mir zur Antwort gegeben: deswegen wurde er nur der unreife Student
geheien, weil er noch nicht tchtig auf die Universitt wre, und dazu
so hielte ihm seine Mutter noch tglich einen Moderator[74], welcher ihn
den Donat[75] und Grammatika lernen mute. Damit aber der unreife
Student die Schande nicht haben wollte, als wenn er noch unter der
Schulrute erzogen wrde, so machte er den andern Studenten weis, der
Moderator wre sein Stubengeselle.

[73] gefoppt.

[74] Pauker.

[75] lateinische Grammatik.

Indem mir nun einer von den Hausburschen solches erzhlt hatte und noch
mehr Dinge von dem unreifen Studenten erzhlen wollte, so wurde ich
gleich zur Mahlzeit gerufen. ber Tische fing der Fremde nun wieder an,
von seinen Reisen aufzuschneiden, und erzhlte, wie da er wre in
Frankreich gewesen und bei einem Haare die Ehre gehabt, den Knig zu
sehen. Wie ihn nun seine Schwestern fragten, was vor neue Moden jetzo in
Frankreich wren, so gab er ihnen zur Antwort: wer die neuesten Trachten
und Moden zu sehen verlangte, der sollte nur ihn fragen, denn er hielte
bis dato noch einen eigenen Schneider in Frankreich, welchem er jhrlich
Pensionsgelder gbe, er mchte ihm nun was machen oder nicht; wer was
bei demselbigen wollte von den neusten Moden verfertigen lassen, der
sollte nur zu ihm (als nmlich zu dem Fremden) kommen. Er wollte es ihm
hineinschicken, denn derselbe Schneider drfte sonst niemand einen Stich
arbeiten, wenn ers nicht haben wollte. Ich kanns, der Tebel hol mer,
nicht sagen, wie der Fremde seinen Leibschneider herausstrich und
verachtete dabei alle Schneider in der ganzen Welt, absonderlich von den
Schneidern in Deutschland wollte er gar nichts halten, denn dieselben
(meinte der Fremde) wren nicht einen Schu Pulver wert aus Ursachen,
weil sie so viel in die Hlle[76] schmissen.

[76] Vertiefung in dem Tische, auf dem die Schneider bei der Arbeit zu
sitzen pflegen.

Nachdem er solches erzhlt und seine Jungfern Schwestern hierzu nicht
viel sagen wollten, so rief er den Hausknecht, derselbe mute geschwinde
in die Apotheke laufen und ihm vor vier Groschen Mastixwasser holen. Nun
kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, was der Fremde vor Wesens und
Aufschneidens von dem Mastixwasser machte, wie nmlich dasselbe
frhmorgens vor die Mutterbeschwerung und vor den Ohrenzwang so gesund
wre, und wie es den Magen einem so brav zurechte wieder harken knnte,
wenn es einem speierlich im Halse wre. Ich dachte aber in meinem Sinn,
lobe du immerhin dein Mastixwasser, ich will bei meiner Bomolie
bleiben. Denn ich sage es noch einmal, da auf der Welt nichts Gesunders
und Bessers ist, als ein gut Glschen voll Bomolie, wann einem bel ist.
Als nun der Hausknecht mit dem Mastixwasser kam. Ei sapperment! wie soff
der Fremde das Zeug so begierig in sich hinein! Es war nichts anders,
als wenn er ein Glas Wasser in sich hineingsse, und gingen ihm die
Augen nicht einmal davon ber.

Nachdem der Fremde nun vor vier Groschen Mastixwasser auf sein Herze
genommen hatte, so fing er ferner an zu erzhlen von den Handelschaften
und Kommerzien in Deutschland und sagte, wie da sich die meisten
Kaufleute nicht recht in die Handlungen zu finden wten und der
hundertste Kaufmann in Deutschland nicht einmal verstnde, was
Kommerzien wren. Hingegen in Frankreich, da wren brave Kaufleute, die
knnten sich weit besser in den Handel schicken als wie die dummen
Deutschen. O sapperment! wie horchte ich, als der Fremde von den dummen
Deutschen schwatzte. Weil ich nun von Geburt ein Deutscher war, so htte
ich ja, der Tebel hol mer, wie der rgste Brenhuter gehandelt, da ich
dazu stillschweigen sollen, sondern ich fing hierauf gleich zu ihm an
und sagte: Hre doch, du Kerl! Was hast du auf die Deutschen zu
schmlen? Ich bin auch ein Deutscher, und ein Hundsfott, der sie nicht
alle vor die bravsten Leute stimiert. Kaum hatte ich das Wort
Hundsfott dem Fremden unter die Nase gerieben, so gab er mir
unversehenerweise eine Presche, da mir die Gusche[77] flugs wie eine
Bratwurst davon auflief. Ich war aber her und kriegte den Fremden hinter
dem Tische mit so einer artigen Manier bei seinem schwarzen Nischel[78]
zu fassen und gab ihm vor die eine Presche wohl tausend Preschen. O
sapperment! wie gerieten mir seine Schwestern wie auch der unreife
Student und der Moderator oder, da ich recht sage, des unreifen
Studentens sein Stubengeselle, in meine Haare und zerzausten mich da
tchtig. Ich wickelte mich aber aus dem Gedrnge eiligst heraus, sprang
hinter dem Tische vor und lief nach dem Kachelofen zu, daselbst hatte
ich in der Hlle meinen groen Kober an einem hlzernen Nagel hngen,
denselben nahm ich herunter, und weil er von dem Specke, welchen ich von
den barmherzigen Brdern im Kloster geschenkt bekommen, brav schwer war,
so htte man da schn Abkobern gesehen, wie ich sowohl des Fremden
Schwestern und den unreifen Studenten wie auch des unreifen Studenten
Moderator (ei, wollte ich sagen Stubengesellen) und den Fremden selbst
mit meinem groen Kober da zerpumpte. Da auch der Fremde vor groer
Angst das Mastixwasser, welches er ber Tische so begierig
hineingesoffen hatte, mit halsbrechender Arbeit wieder von sich spie und
unter whrendem Speien um gut Wetter bat: wenn er ausgespien htte, so
wollte er die ganze Sache mit mir vor der Klinge ausmachen. O
sapperment! was war das vor ein Fressen vor mich, als der Fremde von der
Klinge schwatzte. Worauf ich auch alsobald Topp sagte und ihn mit
meinem groen Kober nicht mehr schmi. Des unreifen Studenten
Stubengesellen aber koberte ich gottsjmmerlich ab, und ich sage, da
ich ihn endlich gar htte zu Tode gekobert, wenn nicht des Fremden
Mutter und Schwestern so erschrecklich vor ihn gebeten htten, denn er
stund beraus wohl bei den Tchtern und der Mutter.

[77] Schnauze.

[78] Kopf.

Nachdem der Fremde nun mit Speien wieder fertig war, hing ich meinen
groen Kober wieder in die Hlle und suchte meinen langen Stodegen zur
Hand, welchen ich dazumal trug, und forderte ihn hierauf vors Tor. Der
Fremde suchte seinen Degen auch hervor, dasselbe war nun eine groe
breite Musketierplempe mit einem abscheulichen Korbe, damit marschierten
wir beide nun spornstreichs nach dem Tore zu. Der unreife Studente
wollte mit seinem Stubengesellen auch hinten nachgelaufen kommen, allein
ich und der Fremde jagten die Brenhuter wieder zurck. Wie wir nun vor
das Tor hinauskamen, so war gleich flugs nahe an der Ringmauer ein hoher
spitziger Berg, denselben kletterten wir hinauf und oben auf der Spitze
des Berges gingen wir zusammen. Wir htten uns zwar unten am Berge
schlagen knnen, allein so hatten wir keine Sekundanten bei uns, denn
wenn wir Sekundanten gehabt, htten dieselben mit bloen Degen hinter
uns stehen mssen, damit von uns keiner zurckweichen knnen. In
Ermangelung derselben aber mute uns der hohe spitzige Berg sekundieren,
denn da durfte und kunnte von uns beiden auch keiner ausweichen; denn
wenn nur einer einen Strohhalm breit aus seiner Positur gewichen, so
wren wir, der Tebel hol mer, alle beide den Berg hinuntergepurzelt und
htten Hals und Beine ber unserer Schlgerei morsch entzweigebrochen;
so aber muten ich und der Fremde oben auf der Spitze wie eine Katze
innehalten und unter whrendem Schlagen wie eine Mauer auf den Knochen
stehen. -- Ehe wir uns aber anfingen zu schmeien, so fing der Fremde zu
mir an und sagte, ich sollte mit ihm auf den Hieb gehen, weil er keinen
Stodegen htte, oder wenn ichs zufrieden wre, so wollte er den ersten
Gang mit mir auf den Hieb gehen, den andern Gang wollte er mit mir auf
den Sto versuchen. Ich sah aber nun gleich, da der Fremde kein Herze
hatte, sondern sagte: Kerl, schier dich nur her, es gilt mir alles
gleich, ich will mit dir nicht lange Federlesens machen. Damit so zogen
wir beide vom Leder und gingen miteinander da auf den Hieb zusammen. Ei
sapperment! wie zog ich meinen Stodegen mit so einer artigen Manier aus
der Scheide heraus! Den ersten Hieb aber, so ich mit meinem Stodegen
nach dem Fremden tat, so hieb ich ihm seine groe Plempe flugs glatt von
dem Gefe weg und im Rckzuge streifte ich ihm die hohe Quarte ber der
Nase weg und hieb ihm, der Tebel hol mer, alle beide Ohren vom Kopf
herunter. O sapperment! wie lamentierte der Fremde, da er seine Ohren
vor sich liegen sah. Ich war auch willens, ihm wie dem Seeruber Hans
Barth eine stumpfichte Nase zu machen, weil er aber so sehr um die Ohren
tat und mich bat, da ich ihn ungeschoren lassen sollte und da er
zeitlebens keinen Deutschen wieder verachten wollte, sondern allezeit
sagen, die Deutschen wren die bravsten Leute unter der Sonne, so
steckte ich meinen Stodegen wieder ein und hie ihn beide Ohren nehmen
und damit eiligst zum Barbier wandern, vielleicht knnten sie ihm wieder
angeheilt werden.

Hierauf war er her und wickelte seine Ohren in ein Schnupftuch und nahm
seine zerspaltene Plempe mit dem groen Korbgefe unter den Arm und
ging mit mir in die Stadt Padua hinein. In dem groen Hause flugs am
Tore neben dem Aufpasser wohnte ein berhmter Feldscher, welcher auch
wacker wollte gereist sein; zu demselben hie ich den Fremden mit seinen
abgehauenen Ohren gehen, und sollte da hren, ob sie ihm wohl knnten
wieder angeheilt werden. Der Fremde aber hatte keine Lust, zum Feldscher
hinzugehen, sondern sagte, er wollte erstlich ein gut Glschen
Mastixwasser auf die Schmerzen aussaufen, hernach so wollte er sich zum
Schinder in die Kur begeben und bei dem hren, ob seine Ohren wieder
knnten angeheilt werden. Nachdem er dieses zu mir gesagt, so ging er
von mir und nahm seinen Marsch immer nach der Apotheke zu. Ich aber war
her und schlich mich heimlich in des Fremden seiner Mutter Haus, allwo
ich im Quartier lag, da mich keiner gewahr wurde, und praktizierte mit
so einer artigen Manier meinen groen Kober aus der Stube hinter der
Hlle weg, setzte mich wieder auf mein gewonnenes Pferd und ritt da ohne
Stallgeld und ohne Abschied immer zur Stadt Padua hinaus und nach Rom
zu.

Von derselben Zeit an habe ich den Fremden wie auch den unreifen
Studenten mit seinem Moderator oder, sage ich, Herrn Stubengesellen mit
keinem Auge wiedergesehen. Nachricht aber habe ich seithero von dem
Universittsboten aus Padua erhalten, da der Schinder dem Fremden die
Ohren wiederum feliziter[79] sollte in zwei Tagen angeheilt haben. Er
htte aber die zwei Tage ber vortrefflichen Flei bei ihm angewendet
und htte unter whrender Kur der Fremde ber zwlf Kannen Mastixwasser
muttersteinallein ausgesoffen, und von demselben Mastixwasser (meinte
der Universittsbote) wre er meistenteils wieder zurechte geworden.

[79] glcklich.

Was den unreifen Studenten und Moderator wie auch des Fremden ganze
Familie anbelangt, so habe ich bis dato nichts erfahren knnen, was sie
machen mssen.

Nun Adieu, Padua, Signor Schelmuffsky mu sehen, wie Rom aussieht.




5. Kapitel.


Rom ist, der Tebel hol mer, auch eine wackere Stadt, nur immer und ewig
schade ists, da dieselbe von auen keinen Prospekt[80] hat. Sie ist
gebaut in lauter Rohr und Schilf und ist mit einem Wasser, welches der
Tiberflu genannt wird, ringsumher umgeben, und fliet die Tiber mitten
durch Rom und ber den Markt weg. Denn auf dem Markte kann kein Mensche
zu Fue nicht gehen, sondern wenn Markttag da gehalten wird, so mssen
die Bauersleute ihre Butter und Kse oder Gnse und Hhner in lauter
Dreckschten feil haben. O sapperment! was gibt es tglich vor unzhlig
viel Dreckschten auf dem rmischen Markte zu sehen! Wer auch nur eine
halbe Mandel Eier in Rom verkaufen will, der bringt sie auf einer
Dreckschte hinein zu Markte geschleppt. Da auch manchen Tag etliche
tausend Dreckschten auf der Bauerreihe dort halten und keine vor der
andern weichen kann. Vortreffliche Fische gibts des Markttages immer in
Rom zu verkaufen und absonderlich was Heringe anbelangt, die glnzen
auch, der Tebel hol mer, flugs von Fette wie eine Speckschwarte und
lassen sich beraus wohl essen, zumal wenn sie mit Bomolie brav fett
begossen werden. Nun ist es zwar kein Wunder, da es so fette Heringe da
gibt, denn es ist, der Tebel hol mer, ein ber alle Maen guter
Heringsfang vor Rom auf der Tiber, und wegen der Heringe ist die Stadt
Rom in der Welt weit und breit berhmt. Es mag auch eine Heringsfrau in
Deutschland sitzen, wo sie nur wolle, und mag auch so viel Heringe
haben, als sie nur immer will, so sind sie, der Tebel hol mer, alle auf
der Tiber bei Rom gefangen, denn der Heringsfang gehrt dem Papste, und
weil er immer nicht wohl zu Fue ist und es selbst abwarten kann, so hat
er denselben etlichen Schiffern verpachtet, die mssen dem Papste
jhrlich viel Tribut davon geben.

[80] schne Ansicht.

Wie ich nun mit meinem groen Kober zu Pferde vor Rom angestochen kam,
so konnte ich wegen der Tiber nicht in die Stadt Rom hineinreiten,
sondern mute mich mit meinem groen Kober und Pferde auf eine
Dreckschte setzen und da lassen bis in die Stadt Rom hineinfahren. Als
ich nun mit meinem groen Kober zu Pferde auf der Dreckschte glcklich
angelangte, so nahm ich mein Quartier bei einem Sterngucker, welcher in
der Heringsgasse nicht weit von dem Naschmarkte wohnte. Derselbe war,
der Tebel hol mer, ein beraus braver Mann, mit seiner Sternguckerei
halber fast in der ganzen Welt bekannt. Absonderlich was den Fixstern
anbelangte, aus demselben kunnte er erschreckliche Dinge prophezeien,
denn wenn es nur ein klein wenig regnete und die Sonne sich unter trbe
Wolken versteckt hatte, so kunnte ers einem gleich sagen, da der Himmel
nicht gar zu helle wre. Derselbe Sterngucker fhrte mich nun in der
ganzen Stadt Rom herum und zeigte mir alle Antiquitten, die da zu sehen
sein, da ich auch von dergleichen Zeuge so viel gesehen habe, da ich
mich jetzo auf gar keines mehr besinnen kann. Letztlich so fhrte er
mich auch bei der St. Peterskirche in ein gro steinern Haus, welches
mit marmorsteinernen Ziegeln gedeckt war, und wie wir da hinein und oben
auf einen schnen Saal kamen, so sa dort ein alter Mann in
Pelzstrmpfen auf einem Grovaterstuhle und schlief. Zu demselben mute
ich mich auf Befehl des Sternguckers sachte hinschleichen, ihm die
Pelzstrmpfe ausziehen und hernach die Fe kssen.

Da ich ihm nun die Knochen gekt hatte, so wollte ich ihn immer
aufwecken. So aber winkte mir der Sterngucker, da ich ihn nicht aus dem
Schlafe verstren sollte, und sagte ganz sachte zu mir, ich sollte Ihrer
Heiligkeit die Pelzstrmpfe wieder anziehen. O sapperment! als ich von
der Heiligkeit hrte, wie eilte ich mich, da ich ihm die Pelzstrmpfe
wieder an die Knochen brachte und mit dem Sterngucker wieder zum Saale
hinunter- und zum Hause hinausmarschierte. Vor der Haustre sagte mirs
nun der Sterngucker erstlich recht, da es Ihre Ppstliche Heiligkeit
gewesen wre, dem ich die Fe gekt htte, und meinte auch dies dabei:
wer von fremden Deutschen nach Rom kme und kte dem Papste die Fe
nicht, der drfte sich hernachmals nicht rhmen, wenn er wieder nach
Deutschland kme, da er zu Rom gewesen wre, wann er solches nicht
getan htte.

Und also kann ichs mit gutem Rechte sagen, da ich zu Rom bin gewesen,
es wre denn, da mir der Sterngucker aus dem Fixsterne einen blauen
Dunst vor die Nase gemacht und da es sonst etwa ein alter Botenlufer
gewesen wre. Wenn ich aber drauf schwren sollte, da es der Papst,
welchem ich die Fe gekt gehabt, gewi gewesen wre, so knnte ichs,
der Tebel hol mer, nicht mit gutem Gewissen tun, denn der Sternseher kam
mir fr, als wenn er mehr als Brot fressen knnte, weil er sein Herze so
sehr an den Fixstern gehangen hatte; sobald er auch nur an den Fixstern
gedachte, so wute er schon, was in dem Kalender vor Wetter stund.

Derselbe Sterngucker war ein vortrefflicher Kalendermacher; er lernte
mir dieselbe Kunst auch; ich habe auch sehr viel Kalender gemacht,
welche noch alle geschrieben unter der Bank liegen und treffen doch, der
Tebel hol mer, noch bisweilen ziemlich ein. Sollte ich wissen, da
Liebhaber dazu mchten gefunden werden, wollte ich mit der Zeit etwa
einen herfrsuchen und zur Probe herausgeben. Doch kommt Zeit, kommt
Rat.

Damit ich aber wieder auf meinen vorigen Diskurs komme und erzhle,
wohin mich der Sterngucker weitergefhrt, als ich dem Papste die Fe
gekt hatte. Flugs an der St. Peterskirche war ein ganz enges Gchen,
durch dasselbe fhrte mich der Sterngucker und immer vor bis an den
Markt. Wie wir nun an den Markt kamen, so fragte er mich, ob ich Lust
und Belieben htte, mich in eine Dreckschte zu setzen und ein wenig mit
nach dem Heringsfange spazieren zu fahren. Ich sagte hierzu gleich Topp.
Darauf setzten wir uns beide in eine Dreckschte und fuhren da, weil wir
guten Wind hatten, immer auf der Tiber bern Markt weg, und unten bei
dem Heringstore zu einem Schlauchloche hindurch und nach dem
Heringsfange zu.

Wie wir nun mit unserer Dreckschte an den Heringsfang kamen: O
sapperment! was war vor ein Gelamentiere von den Schiffsleuten, welche
den Heringsfang gepachtet hatten. Da ich nun fragte, was es wre, so
erzhlten sie mir mit weinenden Augen, wie da ihnen der Seeruber Barth
mit der stumpfichten Nase groen Abbruch an ihrer Nahrung getan und
ihnen nur vor einer halben Viertelstunde ber vierzig Tonnen frische
Heringe mit etlichen Kapers schelmischerweise weggenommen htte. O
sapperment! wie lief mir die Laus ber die Leber, als ich von Hans
Barthens stumpfichter Nase hrte; da dachte ich gleich, da es derselbe
Kerl sein mte, welcher mich mit so erschrecklich viel Kapers weiland
auf der spanischen See ohne Rson in Arrest genommen und dadurch
dasselbemal zum armen Manne gemacht hatte. Ich war flugs hierauf her und
fragte die Schiffsleute, wo der Galgenvogel mit den Heringstonnen
zugemarschiert wre. Da sie mir nun sagten und zeigten, da er noch auf
der Tiber mit seinem Kaperschiffe, worauf er die vierzig Tonnen frische
Heringe gepackt hatte, zu sehen wre, so setzte ich ihm geschwind mit
etlichen Dreckschten nach, und weil so vortrefflich guter Wind war, so
ergatterte ich ihn noch mit dem Sterngucker und etlichen Schiffsleuten
eine halbe Meile von dem Heringsfange.

O sapperment! wie fiel dem Hans Barth das Herze in die Hosen, da er mich
nur von ferne kommen sah; er wurde wie ein Stck Kse so rot im
Angesichte und mochte sich wohl flugs erinnern, da ich der und der
wre, welcher seiner Nase vormals so einen erschrecklichen Schandflecken
angehngt htte. Als wir nun auf unsern Dreckschten Hans Barthen mit
den vierzig gestohlenen Heringstonnen einholten, so fing ich gleich zu
ihm an: Hre doch, du Kerl, willst du die Heringe wieder hergeben,
welche du den armen Schiffsleuten abgenommen hast, oder willst du haben,
da ich dir deine krumme stumpfichte Habichtsnase vollends
heruntersbeln soll? Der Hans Barth gab mir hierauf zur Antwort und
sagte, er wollte sich eher sein Leben nehmen lassen, ehe er in Gte
einen Schwanz nur von einem Hering wiedergbe. Hierauf so rckte ich mit
meiner Dreckschte an sein Kaperschiff hinan und kriegte meinen langen
Stodegen heraus; nun da htte man schn Fuchteln gesehen, wie ich den
Hans Barth auf seinem Kaperschiffe exerzierte. Er wehrte sich zwar auch
mit seinen Kapers, allein sie kunnten mir nichts anhaben. Denn wenn sie
gleich nach mir hieben oder stachen, so war ich wie ein Blitz mit meiner
Dreckschte auf der Seite, den Hans Barth aber jagte ich, der Tebel hol
mer, immer um die vierzig Heringstonnen, welche er auf sein Schiff
geladen hatte, herum und hieb wie Kraut und Rben auf ihn hinein.
Endlich war ich so sehr auf den Galgenvogel erbittert, da ich mich ganz
nahe mit meiner Dreckschte an sein Kaperschiff machte und ehe er sichs
versah, bei seinen diebischen Federn zu fassen kriegte, aus dem
Kaperschiffe herauszog und plumps in die Tiber hineintauchte. O
sapperment! da htte man schn Schreien gesehen, wie der Hans Barth
schrie; er bat mich fast um Himmels willen, ich sollte ihm wieder
heraushelfen, da er nicht ersffe, er wolle den Schiffsleuten ihre
vierzig Heringstonnen herzlich gerne wiedergeben. Als ich dieses von
Hans Barthen hrte, so gab ich gleich den Schiffsleuten Befehl, das
Kaperschiff zu plndern, und hielt ihn so lange im Wasser bei den Ohren,
bis sie die Heringstonnen wieder hatten, hernach lie ich ihn mit seinem
leeren Kaperschiffe hinfahren, wo er wollte. O sapperment! was war da
vor ein Jubelgeschrei unter den Schiffsleuten, welche den Heringsfang
gepachtet hatten, da sie durch mich zu ihren Tonnenheringen wieder
gekommen waren.

Sie baten mich auch alle miteinander, ich sollte Heringsverwahrer
werden, sie wollten mir jhrlich zehntausend Pfund Sterling geben,
allein ich hatte keine Lust dazu. Wie wir nun auf unsern Dreckschten
mit den vierzig Tonnen Heringen bei dem Heringsfange wieder anlangten,
so verehrten mir zum Trinkgelde die Heringspchter eine Tonne von den
besten Heringen, die lud ich in meine Dreckschte und fuhr damit nebst
dem Sterngucker wieder in die Stadt Rom hinein. Als ich nun zum
Sterngucker ins Quartier kam, so lie ich die Tonne aufschlagen und
probierte einen, wie er schmeckte. Nun kann ichs, der Tebel hol mer,
nicht sagen, wie fett dieselben Heringe waren, da man sie auch ohne
Salz, da sie doch im Einlegen schon scharf gesalzen waren, nicht fressen
kunnte. Weil ich nun wute, da meine Frau Mutter eine groe Liebhaberin
von einem frischen Heringe war, so packte ich die geschenkte Tonne
Heringe in meinen groen Kober und schickte ihr dieselben durch einen
eigenen Boten nach Schelmerode in Deutschland zu, schrieb ihr auch einen
sehr artigen Brief dazu, welcher folgenden Inhalts war:

                    Mit Wnschung Gutes und Liebes zuvor,
                      ehrbare und ehrenfeste Frau Mutter!

     Wenn die Frau Mutter noch fein frisch und gesund ist, so wird mirs,
     der Tebel hol mer, eine rechte Freude sein, ich meinesteils bin
     jetzo ein brav Kerl wieder geworden und lebe zu Rom, allwo ich bei
     einem Sterngucker logiere, welcher mir das Kalendermachen gelernt
     hat. Die Frau Mutter hat auch durch diesen Boten in meinem groen
     Kober frische Heringe zu empfangen, welche mir von den
     Heringspchtern zu Rom sein verehrt worden. Im brigen wird der
     Bote meinen ganzen Zustand mndlich berichten, die Frau Mutter lebe
     wohl und schicke mir in meinem groen Kober ein Fchen gut
     Klebebier mit zurck und schreibe mir, wie es ihr geht und ob sie
     den kleinen Vetter noch bei sich hat, so werde ich allezeit
     verbleiben

                           der ehrbaren und ehrenfesten Frau Mutter
                        allezeit reisebegierigster einziger lieber Sohn
                                            Signor von Schelmuffsky.

     Rom, den 1. April, im Jahr nach Erbauung der Stadt Rom 090.

Diesen Brief schickte ich nun nebst meinem Kober voll frischen Heringen
durch einen eigenen Boten zu Fu meiner Frau Mutter in Deutschland zu;
es gingen nicht vierzehn Tage ins Land, so brachte mir der Bote in
meinem groen Kober von meiner Frau Mutter folgendes zur Antwort wieder:

                   Ehrbarer und namhafter Junggeselle von
                       Schelmuffsky, mein lieber Sohn!

     Ich habe deinen groen Kober mit den frischen Heringen empfangen
     und habe auch deinen Brief gelesen, und hat mir der Bote auch
     deinen ganzen Zustand erzhlt, worber ich mich sehr erfreut habe;
     was mich anbelangt, so bin ich jetzo sterbenskrank, und wenn du
     mich noch einmal sehen willst, so komm geschwinde nach Hause; dein
     kleiner Vetter lt dich gren und deine Jungfer Muhmen lassen dir
     einen guten Tag sagen und lassen dich auch bitten, du mchtest doch
     geschwinde heimkommen. Lebe wohl und halt dich nicht lange in der
     Fremde auf. Ich verharre dafr lebenslang

                                 deine liebe Frau Mutter in Deutschland,
                                   wohn- und sehaftig zu Schelmerode.

     Schelmerode, den 1. Januari 1621.

     _PS._ Das Klebebier ist jetzo alle sauer, sonst htte ich dir
     herzlich gerne was mitgeschickt.

Als ich meiner Frau Mutter ihren Brief nun gelesen, O sapperment! wie
packte ich alles in meinen groen Kober zusammen, sattelte mein Pferd,
nahm von dem Sterngucker Abschied, setzte mich mit meinem Pferde in der
Stadt Rom auf ffentlichem Markte wieder in eine Dreckschte und fuhr da
immer _per postae_ bei dem Heringstore unten zu einem Schlupfloche
hinaus. Vor dem Tore so stieg ich nun von der Dreckschte ab, setzte
mich mit meinem groen Kober auf mein Pferd und marschierte immer nach
Deutschland zu. Ich nahm meinen Weg durch Polen und ritt auf Nrnberg
zu, allwo ich des Nachts ber in der Goldenen Gans logierte. Von da so
wollte ich meinen Weg durch den Schwarzwald durch nehmen, welcher zwei
Meilen Weges von Nrnberg liegt. Ich war kaum einen Bchsenschu in den
Schwarzwald hineingeritten, so kamen mir unverhoffterweise zwei
Buschklepper auf den Hals, die zogen mich, der Tebel hol mer, reine aus
und jagten mich im bloen Hemde mit einem Buckel voll Schlge von sich.
O sapperment! wie war mir da zumute, da mein Pferd, meine Kleider,
meine tausend Dukaten und mein groer Kober mit allerhand Mobilien fort
war.

Da war, der Tebel hol mer, Lachen zu verbeien. Ich kunnte mir aber
nicht helfen, sondern mute sehen, wie da ich mich aus dem Schwarzwalde
herausfand und von da mit Gelegenheit mich vollends nach Schelmerode
bettelte. Wie ich nun im bloen Hemde zu Hause bei meiner kranken Frau
Mutter bewillkommnet wurde und mich mein kleiner Vetter auslachte,
dasselbe wird entweder knftig im dritten Teile meiner gefhrlichen
Reisebeschreibung oder in meinen kurisen Monaten, wovon ich in der
Vorrede gedacht[81], sehr artig auch zu lesen sein.

[81] Die Fortsetzung seiner interessanten Reiseberichte ist uns
Schelmuffsky leider schuldig geblieben.

[Illustration]

                  Weswegen denn jetzo ein jedweder mit
                   mir sprechen wolle: Schelmuffskys
                    anderer Teil seiner gefhrlichen
                         Reisebeschreibung hat
                             nun auch ein
                                Ende.





End of the Project Gutenberg EBook of Schelmuffskys wahrhaftige, kurise und
sehr gefhrliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, by Christian Reuter

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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DAMAGE.

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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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